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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-12-27 · Heft 52 (27.12.1895) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 52 (27.12.1895)
Date
1895-12-27
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Architektenhause ab. Voran ging ein sehr interessanter und mit allgemeinem Leifall aufgenommener Vortrag des Herrn BenasLevy über die Wiederznlassung der Juden in England. Sodann erstatteten der Vorsitzende, der Schatzmeister und Namens der Revisionskommission Herr Justizrath Basch ihre Berichte. Der Verein zählt jetzt 360 Mitglieder und neun immerwährende, sowie ein Ehrenmitglied. Vorträge wurden sieben, Diskussionsabeude sechs gehalten. Die Einnahmen betrugen 2628 Mk., die Ausgaben 2182 Mk. Bei der hieran sich schließenden Wahl wurden der Vorstand, der Herrn Benas Levy statt des leider ausscheidenden Herrn Dr. I. Ginsberg kooptirt hatte, die Agitations- und Nevisionskommission einstimmig wiedergewählt. Außerdem wurde eine Kommission gewählt, bestehend aus den Herren Professor Breslaur, Dr. Kastan, G. Saul, I. Brasch, G. Spiewlowski, die mit dem Vorstand zusammen die Revision der Statuten vornehmen soll — Am selben Abend hielt im Festsaal des Logenhauses des B. B. O. Professor Dr. Stein aus Bern einen Vortrag über die Juden in Konstantinopel, über den wir noch ausführlich berichten werden. — Ferner sprachen in der letzten Zeit Kirchenrath Dr. Kroner in Hörde über die geistige Erhebung der Juden im babylonischen Exil, Prediger Rothschild in Dortmund über die Hauptepochen der jüdischen Geschichte, Dr. M. Braunschweiger in Würzburg über die Juden während der Kreuzzüge besonders in Würzburg, Hauptlehrer Reuß in Aurich, wo sich der Verein sehr gut entwickelt hat, über Assyrien, Babylonien und die Keilinschriflen, Prof. Dr. Sulzbach in Frankfurt a. M. über den mesfianischen Schwärmer David Reubeni, in Köln Herr Lehrer C. Brisch über 800jährige Gedenktage der rheinischen Judengemeinden. F. L. Berlin, 20. Dezember. Die Chanukahbescheeruug, die bei Herrn Rabbiner Dr. Rosenzweig stattfand, hat sich durch die Zahl der bedachten Kinder, wie durch die festliche Stimmung, die sie erweckte, zu eitler feierlichen Handlung gestaltet, die auf die Theilnehmer einen liefen Eindruck machte. Der Norden unserer Gemeinde ist ja die Hochburg des Elends, und so kann es bei dem wohlthätigen Sinne des Dr. Rosenzweigschen Ehepaares nicht fehlen, daß dessen Heim den Brennpunkt vieler menschenfreundlicher Werke bildet. Nach einer erhebenden Ceremonie erfolgte die Lewirthung und Bescheerung der zahlreichen Kinder. Die Geschenke wurden in wohlgeschnürten Packeten überreicht. Die glänzenden Augen und die strahlenden Blicke sind wohl der schönste Dank, den die Kleinen für die nützlichen und angenehmen Gaben den Veranstaltern der Bescheerung darbieten konnten. Berlin, 22. Dezember. Ein eigenartiges Fest wurde am fünften Chanukah-Tage in den Räumen des Hotels König von Portugal abgehalten. Die Veranstalterinnen desselben waren jüdische Frauen und Mädchen, welche muer dem Namen „Judas Töchter" vor noch nicht einem Jahre einen Verein zur Förderung jüdischen Geisteslebens und zur Verbreitung unserer Litteratur gründeten. Auch der Wohlthätigkeit wurde ein Recht eingeräumt. In letzterem Sinne beschenkte der Verein, dessen Mitglieder in der Mehrzahl in bescheidenen Verhältnissen leben, 67 Kinder armer Familien dergestalt, daß jeder Familie, gleichviel wieviel Kinder sie besaßen, die Geschenke, welche in Kleidungsstücken und Schulbüchern, Schuhen und Strümpfen bestanden, für jedes einzelne Kind zugeschickt und die Eltern gebeten wurden, ihre Kinder zum Beginn des Chanukahfestes damit zu beschenken, wodurch den Kindern und auch den Eltern das Gefühl der Beschämung erspart bleiben sollte. Am 17 d. Mts. nun wurde den bedachten Kindern ein Fest von demselben Verein gegeben, woran auch Kinder der Mitglieder und Freunde des Vereins theilnahmen Nachdem die Chanukahlichte angezündet worden waren, wurde das Weihelied im Chor gesungen, dann hielt eine junge Dame, Lehrerin, ein Mitglied des Vereins, an die Kinder eine Ansprache, erklärte ihnen in sehr deutlicher, warm empfundener Rede die Bedeutung und Entstehung des Chanukahfestes. Der Inhalt erbaute auch die anwesenden Mitglieder des Vereins und deren Gäste. Hierauf wurden die Kleinen mit Chokolade und Kuchen bewirthet und mit einem kleinen Spielzeug beschenkt, gleichviel, ob sie armen oder bemittelten Familien entstammlen, und schließlich beschäftigten die Damen die Kinder in allerlei Kinderspielen und Tänzchen. Nachdem sich die Jugend ungefähr zwei Stunden so vergnügt hatte, wurden sie ihren draußen harrenden Angehörigen übergeben. Jedes Kind bekam zum Abschied noch ein Märchenbuch, und alle schieden vergnügt und dankerfüllt. Hieran schloß sich eine gesellige Unterhaltung für die Erwachsenen, die in fröhlicher Weise ihren Fortgang bis 3 Uhr Nachts nahm und alle Theilnehmer sehr befriedigte. X Gollantsch, im Dezember Der Kaufmann Moritz R osentr eter von hier fuhr mit mehreren Kaufleuten nach Osterode zum Viehmarkt; am Abend verließen die Kaufleute das Gasthaus und begaben sich nach dem Bahnhöfe, auf dem Wege nach demselben wurden sie von zwei Unbekannten mit den Ausrufen „Juden raus" verfolgt und der Kaufmann Rosentreter mit einer Wagenrunge mächtig bearbeitet. Die Unbekannten wurden ermittelt und vor einigen Wochen die Anklage wegen Körperverletzung erhoben. Während der Verhandlung wurde die Sache vertagt und dem Landgericht, also der Strafkammer überwiesen. Einer der Helden erhielt dafür 6 Monate Gefängniß. — Der israelitische Männergesangverein feierte diesen Sonnabend in Bromberg sein drittes Stiftungsfest. Dasselbe erfreute sich einer sehr regen Betheiligung. Eingeleitet wurde das Fest durch einen von dem Vereinsvorsitzenden vorgetragenen Prolog, an den sich unmittelbar die Vorführung eines lebenden Bildes, „Das Deutsche Lied" darstellend, anschloß, wobei der Verein unter Orchesterbegleitung „Das Deutsche Lied" von Kalliwoda anstimmte. Außerdem kam neben verschiedenen, recht präzise vorgetragenen Liedern ein einaktiges Lustspiel „Unter dem Siegel der Verschwiegenheit" zur Aufführung. — Zum Vorsitzenden des Kranken- und Beerdigungsvereins in Schlochau wurde Kaufmann L. Groß, zum Schriftführer Kaufmann S. Arndt und zum Kassirer Kaufmann Hirsch gewählt. Der Kassenbestand beträgt 575 Mark. Breslau, 16. Dezember. Am 15. d. Mts. fand am hiesigen Waisenhause, wie alljährlich um die Chanukahzeit, die Gedenkfeier für die verstorbenen Wohlthäter der Anstalt statt, an welche sich die Prämienvertheilung für die besten Zöglinge schloß. Die Feier hatte diesmal eine ganz besondere Bedeutung, da das Andenken des vor 9 Monaten verstorbenen Vorstandsmitgliedes Herrn Isidor Freund s. A. in wehmuthsvoller und zugleich erhebender Weise geehrt wurde. Der unersetzliche Verlust, den die Anstalt erlitten durch den Hingang dieses Menschen in des Wortes edelster Bedeutung, dieses Mannes, der fast 25 Jahre seines Lebens dem Wohle der Waisenkinder und ihrem Heim gewidmet hat, wurde sowohl vom derzeitigen Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Julius Heymann, als auch durch die beredten und zu Herzen gehenden Worte des Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal gebührend gekennzeichnet. Die wahrhaft schöne, durchaus weihevoll verlaufene Feier, besonders der Gesang aus Kindermund und die rührenden Abschiedsworte der abgehenden Zöglinge, machte auf das zahlreich anwesende auserlesene Publikum einen ersichtlich tiefen Eindruck. Um das Gelingen dieser schönen Veranstaltung hat sich der nun bald an 25 Jahre im Amte befindliche Inspektor des Waisenhauses, Herr M. Silberstein, wohlverdient gemacht. Bei Gelegenheit des 25 jährigen Jubiläums dieses, auch durch seine populären Schriften in weiteren Kreisen bekannten, ideal gesinnten Mannes hoffen wir nächstens mehr aus diesem Kreise berichten zu können. tjs Breslau, 23. Dezember. Gestern ist Herr Sanitätsrath Dr. S. Meyer im Alter von 71 Jahren gestorben. Der Heimgegangene, ein Neffe Salamon Munk's, war einer der populärsten Männer unserer Stadt seit Jahrzehnten. Er war eine echt poetische Natur und hat, wenn wir nicht irren, auch einen Band Gedichte herausgegeben Viele hundert Prologe zu allen festlichen Gelegenheiten stammten aus seiner Feder. Auch als Arzt wie als Mensch erfreute er sich allgemeiner Beliebtheit. Friede seinem Geiste! r. Beuthen (Oberschlesien), 20. Dezember. Gestern feierten der Rentier und Hausbesitzer, Löbel Guttmann, Hierselbst, und seine Ehegattin Lene, geb. Poppelauer, die goldene Hochzeit. Beide Eheleute erfreuen sich körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische. Weitere Kreise nahmen von der Feier Notiz, ganz besonders die Vertreter der Synagogengemeinde und der Wohlthätigkeitsanstalten. Der Senior des Vorstandes, Moritz Dresdner, hielt eine Ansprache. Herr Salo Goldmann feierte das Jubelpaar wegen seiner Wohlthätigkeit. Während eines Zeitraums von mehr als 30 Jahren hat Herr Guttmann als Vorsitzender des israelitischen Krankenpflege- und Beerdigungsvereins mit Umsicht und Hingebung gewaltet, und die Jubilarin, Frau Guttmann, hat als Vorsitzende des jüdischen Frauenvereins überall, wo es Noth und Leid erforderte, unverdrossen thätig eingegriffen. Um ein äußeres

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