Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1895)
- Date
- 1895-12-27
- Page
- Seite 621 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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621 ganz auf den Vers N22N pöW D2Ü 2*1 »Zu lang schon saßest Du im Thal der Zähren" gestimmt, nnd selbst der zweite Theil des Liedes tröstet mir mit thronenden Auge»; folglich ist sie für die neue Synagoge ganz unbrauchbar, wie schön sie auch sein mag. Lewandowski hat nur die 2., 5. nnd letzte Strophe und Joel außerdem noch die 1. nnd 6.; auch bei ihm fehlt also die 3. Strophe, in welcher der zitirte Vers. Wie viele von diesen freien Gesängen werth sind, der Nachwell überliefert zu werde»? Das wird sich zeigen; nnd immerhin ist es doch historisch nicht uninteressant, z» sehe», welche» Einfluß auf jene gedrückten Chasonim (oder Klesmorim) Mozart nnd die Oper geübt habe». Mit ihnen möge» immerhin diejenigen modernen Kunst- Kompositionen, welche am meisten Beifall gefunden haben, vereinigt werden, um zu sehen, wie Bach und Handel auf die Jude» in glücklicherer Zeit gewirkt haben. Schließlich muß ich der Befürchtung Ausdruck geben, daß es zur Sammlung die höchste Zeit, wenn nicht schon zu spät ist. Aas goldene Ophir Salomo s. Von Theodor Braun. fie Juden waren nach den Aegyptern die ersten Afrikareisenden. Es ist bekannt, daß die Könige Salomo und Hiram Schiffe nach Ophir sandten, die in drei Jahren einmal hiu- und zuriickfuhren, um den Goldstaub des „dunklen Erdtheils" nach Palästina zu bringen. Wo lag nun aber dieses wunderbare Goldland? Seit Jahrhunderten beschäftigt diese Frage Geographen und Bibelforscher. Es haben sich drei Ansichten im Besondern zur Geltung gebracht. Die eine sucht Ophir im ostafrikanischen Küstenland Sofola, die andere an der Küste Indiens, die dritte, neuerdings oon Eduard Glaser bestätigte, in Südarabien. Nun hat der bekannte Afrikareisende Dr. Carl Peters die Muße eines sommerlichen Nordseeaufenthaltes zur Abfassung einer kleinen Schrift verwendet, in der er die höchst anziehenden Ergebllisse der Beschäftigung mit dieser Frage niedergelegt hat, die die Bibelforschung oon je beschäftigte. Das ziemlich überzeugende Resultat, das er gewonnen, ist nicht gerade vollständig sein Werk, aber durch die glückliche Erklärung eines bisher unerklärten Namens wird die erste der oben erwähnten Ansichten, die schon vor vierundzwanzig Jahren von Karl Mauch in Petermann's Mittheilungen altsgesprochen wurde, sehr kräftig unterstützt, so daß die Peters-Mauch'sche Hypothese jetzt ein so hohes Maß an Sicherheit gewinnt, wie sie in solchen Dillgen überhaupt zu erlanget! ist. Aeltestes und Neuestes schlingt sich da in Eines zusammen; voll König Salomo's Schätzen und seinen glanzvollen Bauten webt sich ein Band bis zu den Gold-Telegrammen unserer Tage und zu den Schätzen der Herren Barnato und Cecil Rhodes. Man erräth den Zusammenhang scheinbar heterogener Dinge bereits, wenn rnan den Titel der Schrift liest. Er lautet: „Das goldene Ophir Salomo's. Eine Studie zur Geschichte der Phönizischen Weltpolitik". Die „Chronik" berichtet von dem Golde von Ophir, das David „zum heiligen Hause Gottes" spendete, die Psalmen, Jesaias und Hiob sprechen vonl Ophirischen Golde in poetischer Form, und die verschiedenen Stellen haben zur Voraussetzung, daß Denjenigen, für die der Chronist, der Sänger und die Propheten schrieben, der Begriff des Landes Ophir ein durchaus geläufiger war, etwa (so bemerkt Peters), als ob man heute von Amerika spräche. Dennoch hatte sich der Name, trotz seines Goldklanges, scheinbar verloren. Schon Flavius Josephus suchte im ersten Jahrhundert lurserer Zeitrechnung das Goldland, nach dein Salomo (Kön. XXII., 49—50) seine Flotte schickte, in Indien, und Lassen, der Erforscher indischer Alterthümer, wie der Geograph Ritter, fanden vielfache Gründe, sich seiner Annahme anzuschließen. Andere hatten es in Arabien, in Phrygien, in Spanien, in Ceylon nachzuweisen versucht, und als Christoforo Coloinbo Westilldien entdeckt hatte, schrieb er dem König von Spanien von seiner dritten Reise, Ophir sei nun mit allen seinen Schätzen unter das Szepter der katholischen Majestäten gelangt. Gegen die indische Hypothese, die bisher am höchsten in Ansehen stand, wendet Peters richtig ein, die ackerbautreibendell Jllden Hütten in dem, an Getreide reichen Indien durch Tauschhandel kein Gold erlangen können, und es bliebe dunkel, woher sie mit den Produkten ihres Agrikulturstaates die großell Goldmengen, von denen berichtet wird, überhaupt hätten erlangen können, wenn nicht sie, oder ihnen Nahestehende es direkt auf dein Wege des Bergbaues sich aneigneten. Was Peters zur Lösung der Schwierigkeit ans Eigenem beibringt, ist ein Geringes, nur eine philosophische Erklärung, aber sie ist Überalls beachtensloerth. Daß in der Aussprache des Hebräischen (wie übrigens als dialektische Abweichung in allen Sprachen) die Vokale „O" und „A" sich leicht vertauschen, ist allgemein bekannt. Der Stalnm des Namens Ophir Ofr (Ophr). Der Römer nannte den Menschen des südlichen Erdtheils Afer, woralls dann die Bezeichnung des Landes Afrika hervorging. Daß Ofr und Afr der gleiche Stamnl sind, scheint einleuchtend und einleuchtend auch, daß der Naine Ophir früh verloren gehen konnte, weil er durch die von der führenden Weltmacht angewandte Bezeichnung verdrängt wurde. Ist auf diesen! Wege der Kreis der Untersuchung begrenzt, so entsteht die Frage, wo sich etwa in Afrika Spuren uralten Bergbaus vorfinden. Und es giebt ein solches Land voll verlassener Wohnstätten, geheimnißvoller Tentpelreste, verschiitteter Berglverke und zertrüinnlerter Goldschmelzen. Es ist das Gebiet südwestlich des Zambesiflusses, das Machona-Land der Engländer. Eine Meeresbucht des (Portugiesisch-) ostafrikanischen Gebietes am Zambesi heißt die von Sofala, oder wie der Neune im Innern ausgesprochen wird, Sofara. Die „Septuaginta" aber übersetzt den Namen Ophirs mit Sophir und auch mit Sophara (ZiwpnQu). Scholl Karl Manch hat, wie gesagt, 1871 dort die Ruinen von Zimbaon entdeckt, die nach der Tradition von Bauten der Königin von Saba oder auch Salomo's selbst herrühren und A. Marensky hat diese Ansicht 1875 wissenschaftlich zu begründen versucht. Die Ruinen liegen im Mittelpunkte von Goldfeldern, um derenwillen Sofola schon im Mittelalter von arabischen Geographen das „Goldland" genannt wurde. Bant, der Erforscher der alten Ansiedelungen, die landeinwärts in den Territorien liegen, die jetzt der „British South - Africa- Company" gehören, erklärt in seinem 1892 erschienenen Werke jene geheimnißvollen. verödeten Ansiedelungen des Gebietes, die stets mit goldbergbaulichen Anlagen Zusammenhängen, für phömkisch-sabüischen Ursprungs und giebt ihnen ein Alter, das vor die salomonische Zeit zurückreicht. Man hat dort jene kegelförnligen Thürme ermittelt, wie sie sich aus Zeiten phönikischer Ansiedelullgen, auch in Malta nnd in Sardinien erhalten haben, lnan fand als Verzierung steinerne Vögel, die als Symbol der den Phönikern heiligen Astarte, der weiblichen zeugenden Naturkraft galten. Dr. Peters scheinen die neuesten Mittheilungeu über die alten Goldwerke jener Territorien entgallgen zu sein. Sie befinden sich in dein Jahresbericht, der den Aktivllären jener „Britisch South- Africa Conlpany" vorgelegt wurde, die von dem Charter, den die englische Regierung ihr für ein innerafrikanisches Gebiet von beiläufig der Größe des europäischer! Kontinents verlieh, gewöhnlich