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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-12-20 · Heft 51 (20.12.1895) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 51 (20.12.1895)
Date
1895-12-20
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 ist, dem Verein aber ziemlich bedeutende Mittel zu Gebote stehen, so werden von demselben auch noch eine Anzahl von jüdischen Familien mit Kohlen bedacht werden. — Am 26. v. M. starb nach längerem Leiden der zweite Kantor der hiesigen „Alten Synagoge", Herr Meyer Rosenthal, in seinem 69. Lebensjahre. Ter Heimgegangene, den große Pflichttreue in der Ausübung seines Amtes, ein wahrhaft religiöser Lebenswandel und eine aufrichtige, gemeinnützige Gesinnung auszeichnete, stand 22 Jahre im Dienste der hiesigen Synagogengemeinde und bethätigte seine menschenfreundliche, werkthätige Liebe als langjähriges Mitglied der Gesellschaft „Brüder und Freunde", der zweiten Bruder- Gesellschaft, des „Vereins der Achtzehn Männer" und des „Kaufmännischen Wohlthätigkeitsvereins" auf das Eifrigste, so daß sein Andenken in Ehren fortleben wird. — Bei Beginn des Winterhalbjahres 1895, 96 war die Frequenz der städtischen höheren und mittleren Mädchenschulen seitens jüdischer Kinder folgende: in der Augustaschule 292 jüdische (von 472) Schülerinnen; in der Victoriaschule 43 (von 166); in der evangelischen Mädchen-Mittelschule I. 12 (von 337); in der evangelischen Mädchen-Mittelschule II. 75 (von 329); in der evangelischen Mädchen-Mittelschule 111 20 (291); in der katholischen Mädchen-Mittelschule 34 (189). Die Gesammtzahl der jüdischen Schülerinnen stellt sich somit auf 476 (von 1784). — Die landesherrliche Genehmigung wurde der hiesigen israelitischen Waisenverpflegungsanstalt ertheilt zur Annahme der Zuwendung, welche ihr Frau Dr. Schreiber, Käthe, geborene Woller, zu Kleinburg mit 6000 Mark zur Stiftung eines Freibettes schenkungsweise gemacht hat. r. Ratibor, 13. Dezember. Sanitätsrath Tr. Klein, eine in weiteren Kreisen geachtete Persönlichkeit, beging heut sein fünfzigjähriges D o ktorjubil äum. Ter Jubilar hat als Kreiswundarzt, als Telegirtcr der Regierung in den Cholerazeiten, als gerichtlicher Sachverständiger sowie durch verschiedene populär - wissenschaftliche Abhandlungen sich mannigfache Verdienste erworben. Auch war er lange Jahre Repräsentant und Vorsteher der hiesigen Synagogengemeinde. Sein heutiger Ehrentag brachte ihm Ehren in reicher Fülle. Die Aerzte des Kreises ließen ihm durch den Kreisphysikus Kühn und Generalarzt Lende! eine lateinische Adresse überreichen. Die Breslauer Universität erneuerte das Doktordiplom vom 10. Dezember 1845. Die beiden Bürgermeister der Stadt dankten für die dem Gemeinwesen, Geh. Regierungs - und Landrath Pohl für die dem Kreise geleisteten Dienste. Namens der israelitischen Gemeinde beglückwünschte eine vom Rabbiner Dr. Blumenthal geführte Deputation des Vorstandes und der Repräsentanten den Jubilar zu seinem Ehrentage. Der Kaiser verlieh Herrn Dr. Klein, welcher den Rothen Adlerorden bereits besitzt, den Kronenorden dritter Klasse. tf: Frankfurt a. M., 15. Dezember. Der hiesige israelitische Hilfsverein hielt am Samstag seine 13. Generalversammlung im Lokal der israelitischen Männerkrankenkasse unter dem Vorsitz des Herrn Konsul Adolf Baer-Goldschmidt ab. Dem Bericht entnehmen wir, daß für Wanderbettler 6157 Mk. und für spezielle Fälle 16,609 Mk. ausgegeben worden sind. Die Mitgliederbeiträge beliefen sich auf 10,392 Mk., die Geschenke zum Almosenfonds auf 5323 Mk., zum Kapitalfonds auf 5000 Mk., zum Spezialfonds auf etwa 13,000 Mk, die Unterstützung seitens des Hilfskomitees für die russischen Juden auf 20OO Mk. Unter den unterstützten und beförderten Personen befinden sich 696 Handwerker. Nachdem die Entlastung dem Kassirer Herrn Emanuel Ettinghausen ertheilt worden war, fand die ErgänzungZwahl für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Herren Charles Hallgarten, Leopold Hirschler, Adam Marx-Leo, Philipp Schiff und Henry Seligmann statt. Dieselben wurden einstimmig wiedergewählt. — Die außerordentliche Generalversammlung des Vereins zur Erhaltung der Suppen an st alt für israelitische Arme änderte die Statuten nach dem behördlichen Auftrag dahin, daß ein Antrag nur daun als genehmigt gilt, wenn drei Viertel der anwesenden Mitglieder, deren Zahl mindestens 15 betragen muß, dafür stimmen. In der sofort sich anschließenden ordentlichen Generalversammlung erstattete der Vorstand den Jahresbericht. Danach beliefen sich die Ausgaben auf etwa 19,000 Mk. Für das laufende Jahr wurde der gleiche Betrag vorgesehen, aber für alle Fälle ein Extrabetrag von 3000 Mk. gefordert und bewilligt. Oesterreich -11 mja rn. O Wien, 16. Dezember. In der Reichsrathssitzung vom 10. d. M. kam es auf den Antisemiten-Bänken wieder zu wilder Erregung, und namentlich war es die ausgezeichnete Rede des neuen Abgeordneten von Troppau, des Ritter von Demel, die sie in'blinde Wuth versetzte. In höchst wirksamer Weise kennzeichnete Demel das Gebühren der Antisemiten; u A. hob Redner hervor, wie da§ Abgeordnetenhaus von den Antisemiten in den Geschäften gehindert werde, und wie die steuerzahlende Bevölkerung in der Provinz sich darüber ausspreche, daß die wichtigsten Dinge der Entscheidung harren, während tagelang Debatten über die Lueger-Frage das Haus in seiner Thätigkeit hemmen; an Diäten allein haben diese Debatten dem Hause 75,000 fl. gekostet! — Das Amtsblatt der „Wiener Zeitung" enthält die Bekanntmachung, daß das Ministerium des Innern unterm 1. d. dem in Paris erscheinenden antisemitischen Hetzblatt „La Libre Parole" auf Grund des Paragraph 26 des Preßgesetzes den Postdebit für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder entzogen hat. Der Herausgeber dieses Pariser- Hetzblattes ist der als antisemitischer Agitator berüchtigte Drumont. — Das Kreisgericht Krems hat die letzte Nummer der Zeitschrift „Unverfälschte deutsche Worte" wegen einiger Briefkastennotizen, die den Thatbestand des Verbrechens der Majestätsbeleidigung bilden, konfiszirt. — In der „Jsr. Union" wurde von mehreren Rednern das lebhafte Bedauern über den Ausfall der Reichsrathswahl in Kolomea ausgesprochen. Allgemein fand die Thätigkeit Dr. Bl och's im Reichsrathe volle Anerkennung, und es wurde besonders betont, daß er der Einzige im Abgeordnetenhause war, der den Beschimpfungen und Verleumdungen seitens der Antisemiten gegen die Juden energisch entgegengetreren sei. Es sei eine Ehrenpflicht des Vereins, Dr. Bloch wieder zu einem Mandate zu verlplfen. Auf Antrag des Dr. Brauner wurde von der Versammlung einstimmig Dr. Bloch der Dank für seineThätigkeit ausgesprochen. — Die israelitische Kultusgemeinde hat in einer der letzten Sitzungen beschlossen, für die Errichtung und Erhaltung von Ossarien und Kriegerdenkmalen für die auf den böhmischen Schlachtfeldern des Jahres 1866 Gefallenen Sammlungenju veranstalten. —■ Der Vorstand der Kultusgemeinde übertrug nach dem Ableben des Rabbiner Wollner Herrn Prediger Grün die Funktionen als Exhortator im Tempel des 8 Bezirkes. — Zum Nachfolger des Herrn Rabbinatsassessors Pollak wurde der ehemalige Schulinspektor der israel. Kultusgemeinde, Herr Dr. Breuer, ernannt. Derselbe ist ein gediegener Talmudist B. Budapest, 15. Dezember In Angelegenheit der Garam-Kis- Sall6er Blutbeschuldigung hat bekanntlich der Kaufmann Ignatz Adler gegen das klerikale Blatt „Magyar Allam", welches diese Beschuldigung veröffentlichte, einen Preßprozeß wegen Ehrenbeleidigung und Verleumdung angestrengt Emil Szemnecz, der als verantwortlicher Redakteur zeichnet, bezeichnete als den Verfasser des inkriminirten Artikels den römisch-katholischen Pfarrer Johann Fuß, der auch vernommen wurde und sich bei dieser Gelegenheit zur Autorschaft bekannte. Die Verhandlung findet nach den Weihnachtsferien statt. — Die Beschlüsse der Rabbinerkonferenz haben dem Pesti Hirlap Anlaß gegeben, die ungarländischen Rabbiner in mehreren Artikeln heftig anzugreifen. Unter dem Titel „Jüdischer Ultrmnontanismus" verurtheilte auch ein Dr. Isidor Schwarz den konservativen Standpunkt der Konferenz. Der Egyenlöftg ließ diesen Angriff nicht unbeantwortet und widerlegte die irrigen Ansichten des Dr. Schwarz. Dieser Artikel hat Letzteren veranlaßt, gegen den Redakteur des Egyenlösüg einen Preßprozeß anzustrengen. — Der städtische Magistrat in Agram beabsichtigte, der jüdischen Gemeinde e'ne Subvention von 20,000 Kronen zu votiren Der Obzor agitirt aufs Heftigste dagegen und'fordert die energische Zurückweisung dieses Antrages. - Dieser Tage erledigte das Kultusministerium eine interessante Kultussteuerangelegenheit. In Tornbcz, wo der Grundbesitzer Baron Springer reich begütert ist, wurde die übliche Kultussteuer auch auf den Baron ausgeworfen. Letzterer verweigerte die Zahlung mit der Begründung, daß er in Oesterreich Kultussteuer bezahle. Das Kultusministerium verhielt ihn jedoch zur Zahlung, nachdem auch in Oesterreich ungarländische Israeliten die Kultussteuer entrichten müssen. Bemerkenswerth ist es, daß der Baron Springer, trotzdem er der jüdischen Konfession nicht mehr angehört, noch 5 Jahre die Kultussteuer entrichten muß. — Die Gemeinde in Tokaj wählte Ludwig Deutsch zum Rabbiner. — Dr. Ludwig Török habilitirte sich an der hiesigen Universität zum Dozenten für Hautleioen — Das Amtsblatt publizirt heute die Verleihung des Ordens der eisernen Krone an den bekannten Großindustriellen Alexander Deutsch de Hatvan.

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