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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-12-20 · Heft 51 (20.12.1895) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 51 (20.12.1895)
Date
1895-12-20
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 in diesem Jahre Kohlen an unbemittelteMitglieder der dortigen Synagogengemeinde zu vertheilen nnd zu diesem Zwecke eine namhafte Summe ans der Vereinskasse zu bewilligen. — Vor Kurzem beging in Pr. Stargard das Kaufmann Hirschberg sche Ehepaar das Fest der goldenen Hochzeit, aus welchem Anlasse demselben vom Magistrate und der Synagogengemeinde daselbst Ehrebnezeugungen zu Theil wurden. Der Kaiser hat dem Paare die Ehejubiläums-Medaille verliehen. — In Bentschen verstarb Anfangs d. M der langjährige Vorsitzende des dortigen „Jüdischen Hilfsvereins", Herr Hotelbesitzer Jacoby Bornstein, im Alter von 53 Jahren. — In der in Wreschen stattgehabten Generalversammlung des israelitischen Fraueuvereius wurden zunächst 6 Kinder mit warmen Wintersachen beschenkt. Der Verein zählt 100 Damen, die monatlich je 25 Pf. als Beitrag zahlen. Die Kasse besitzt nahezu 400 M- Die Vorsitzende ist Frau Johanna Jafft Ehrenmitglieder des Vereins sind: Frau Rosa Sokolowski-Berlin und Frau Marie Sokolowsli- Posen. — In Labischin feierte vor Kurzem das Asch'sche Ehepaar die goldene Hochzeit. K. Thorrr, 16 Dezember. Am 16. v. M. wurde die Wahl für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder des „Kranken- und Beerdigungs- Vereins" vorgenommen. Zu der hierfür anberaumten General- Versammlung fanden sich 39 Mitglieder inet, des Vorstandes und Ausschusses — 12 Mitglieder — ein, obwohl der Verein über 200 Mitglieder zählt. Diese geringe Betheiligung — kaum 20 Prozent — darf aber nicht als Theilnahmlosigkeit betrachtet werden, sondern ist nur dem Umstande zuzuschreiben, daß die Verwaltung sich in guten Händen befindet und kein Anlaß vorliegt, bessere Wahlen vorzunehmen, daher auch die ausscheidentnn Mitglieder des Ausschusses — aus dessen Mitte dann der Vorstand gewählt wird — die Herren Casper Danziger, Adolph Jacob, Moritz Leiser, D. M. Lewin, S. Kiener, sämmtlich mit großer Majorität wiedcrgewählt wurden An Stelle der verstorbenen Ausschuß- Mitglieder, A. Jacobi und A. S. Cohn, treten die bisherigen Stellvertreter F. Falk und Albert Pitke Zu Stellvertretern wurden ernannt die Herren: D. Glicksmann, Gustav Gerson und S. Simon. Sämmiliche Mitglieder gehören dem Kaufmannsstande an. — Am 23 d. M. fand die Generalversammlung des W o hlt hätigkeits-Vereins statt. In ihr wurden die ausscheidenden Mitglieder, die Kausleute Herren Nathan Leiser, Adolph Jacob und W. Sultan sen. einstimmig wiedergewählt. Bei „Vereinsangelegenheiten" wurde auch u 91 vom Vorstandstische aus bemerkt, daß der Verein noch viel zu wenig in Anspruch genommen wird, und daß er mehr leisten könnte, wenn die Mitglieder sich nicht zu passiv verhielten Aus der Mitte der Versammlung wurde von verschiedenen Seiten hierauf entgegnet, daß, wenn man auch das Vorgehen seitens des Vorstandes als ein sehr humanes anerkenne, es sich doch empfehlen dürfte, leichtere, nicht so umständliche Cautelen zu fordern, es würde dann auch die Vereinskasse von Leuten in Anspruch genommen werden, die bisher gerade dieser umständlichen Cautelen wegen an den Verein nicht herangetreten waren. Auch hier wurde thunlichste Berücksichtigung zugesagt. G. Brake!, Kr. Höxter, 14. Dezember. Am 21. v. Mts. kam so ein weltbeglückender anti'emitischer Hetzapostel nach Holzminden, um dort auch einmal eine Rede — nach berühmter Art - zu halten; wahrscheinlich hoffte er da noch ein Geschäft zu machen. Allein, was geschaht Kein einziger Saalbesrtzer nahm den Herrn auf. im Gegentheit, die Holzmindener Wirthe, die gar kein Verständniß für so etwas zu haben schienen, komplimentirten den guten Mann fast alle in ziemlich unangenehmer Weise zurThür hinaus; ja einige verwahrten sich tags darauf sogar in der dortigen Zeitung gegen jede Antisemiterei,die man ihnen hatteinsinuiren wollen. Der Herr Agitator aber, nachdem er auch bei Privaten noch vergebens um Einlaß angeklopft, mußte unverrichteter Sache wieder abziehen. — Auch in unserem kleinen Städtchen kennt man Gottlob die Giftpflanze „Antisemitismus" nicht. Die verschiedenen Konfessionen leben ruhig und friedlich nebeneinander und vertragen sich ganz gut. — Warum auch nicht, die Bekenner der einen wie der anderen Konfession sind nichts mehr und nichts weniger als — Menschen. — Gelegentlich der letzten Sedanfeier regten einige Mitglieder des hiesigen Kriegervereins die Errichtung eines Kriegerdenkmals an. In die sofort aufgelegte Liste waren bald circa 2009 M. eingezeichnet, daß sich an diesen Zeichnungen auch die zahlreichen israelitischen Vereinsmitglieder, sowie die Israeliten hiesiger Stadt überhaupt, wie sich das gehört, beiheiligten, versteht sich eigentlich von selbst und bedarf kaum besonderer Erwähnung. Nach einigen Tagen schon wurde eine konstituirende Versammlung einberufen. Nach langem Hin- und Herreden hatte man sich endlich für eine elfköpfige Kommission entschieden, die über die Ausführung des Projektes weiter beschließen sollte. Die Mitglieder der Kommission waren gewählt, und der Leiter der Versammlung, Herr Rechtsanwalt Temming, bat diejenigen sich zum Worte zu melden, die gegen die Beschlüsse noch etwaige Einwendungen zu machen hätten. Alles schwieg. Da ergreift unser Bürgermeister, Herr Koberg, das Wort zu folgender Erklärung: „Ich erblicke in der Kommission Mitglieder der beiden christlichen (kath. und ev) Gemeinden, vermisse aber ein Mitglied der israelitischen Gemeinde." Einstimmig wurde darauf die Wahl umgestoßen und nochmals vorgenommen, wobei Herr Josef Weiler, der den letzten Feldzug mitgemacht hat, gewählt wurde. — In der am 11. November d. I. hierselbst stattgehabten Stadtverordnetenwahl, wurde Herr Alex Flechtheim von hier gewählt; seit einem Vierteljahrhundert hatte hier kein Israelit in den städtischen Verwaltungskörpern gesessen. Das, was dieser Wahl aber eine erhöhte Bedeutung verleiht, ist der Umstand, daß Herr Flechtheim von der Elite der christlichen Bevölkerung als Kandidat aufgestellt und fast einstimmig gewählt wurde. r. Aus Schlesien, 16. Dezember. Am 12. v. M. starb plötzlich Bankier Simon Pollack in Görlitz, eine nicht nur in Bank- und Handelskreisen, sondern auch in der weiteren Bürgerschaft bekannte Persönlichkeit. Der Verstorbene hatte trotz seines Alters von 71 Jahren bis in die letzte Zeit regen Antheil an gemeinnützigen Bestrebungen Insbesondere war er ein rühriges Mitglied des Görlitzer Volksbildungsvereins. Im Repräsentanten-Kollegium der dortigen Synagogengemeinde bekleidete er das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden — Der Drucker des in Jan er erscheinenden Antisemitenblättchens „Jauersche Rundschau", welches eine Zeit lang auch als „Landeshuter Rundschau" erschien, aber keinen Anklang fand, zeigt dem „Landeshuter Stadtblatt" jetzt an, daß er den Druck des Blättchens mit Ende des Jahres ausgiebt. Damit verschwindet das ganze, mit vielem Pomp ins Leben gerufene Unternehmen von der Bildfläche. — Der bei den letzten Wahlen als Stadtverordneter wiedergewählte Kaufmann Nathansohn in Beuthen O-S. hatte, zum allgemeinen Bedauern sehr vieler Bürger, die auf ihn gefallene Wahl nicht angenommen. Um denselben zur Zurücknahme seines Entschlusses zu bestimmen, hatte sich vor einigen Tagen einige aus acht Stadtverordneten bestehende Deputation zu demselben begeben, die auch den gewünschten Erfolg hatte, da Herr Nathansohn nunmehr die Wahl angenommen hat. — Ende v. M. hielt die israelitische Brüdergesellschaft „Chewra Kadischa" in Ko sel imUrbachschen Saale ihre diesjährige Generalversammlung ab, mit welcher die Feier des Stiftungsfestes verbunden war. Dieselbe wurde durch ein Festessen begangen, welches durch Festrede und Toaste verschönt wurde. — Dem praktischen Arzt Dr Reich in Loslau (Kreis Rybnik) ist der Charakter als Sanitätsrath verliehen worden. — Am 20. v. M. begingen die Krämer Selig und Fanny Fröhlich'schen Eheleute in Königshütte das Fest der goldenen Hochzeit. Oberbürgermeister Girndt überbrachte dem Jubelpaare mit seinen Glückwünschen das kaiserliche Gnadengeschenk. — Nachdem die letzte Generalversammlung des Israelitischen Jungfrauenvereins in Myslowitz, da der Vorstand ausgeblieben war, auseina Ergehen mußte, fand am 20. v. M. im Silbersteinschen Restaurant eine neue Generalversammlung, behufs Neuwahl des Vorstandes, statt. Gewählt wurden Fräulein Rosa Schäfer als Vorsitzende, Fräulein Selma Centawer als Kassirerin und Fräulein Selma Nothmann als Schriftführerin, sowie Fräulein Emma Lewin als Ausschußmitglied. Am 1. d. M. veranstaltete der genannte Verein im Grunwaldschen Saale sein diesjähriges Wintervergnügen, das sich eines so zahlreichen Besuches erfreute, daß der Saal bis auf den letzten Platz besetzt war. Sowohl das zur Aufführung gelangte Lustspiel „Die Burgruine", als auch die vom Herrn Baumeister Knaut arrangirten lebenden Bilder „Ein Duett", „Zwischen zwei Frauen" und „die Lehrerin kommt" sind überaus gut gelungen und fanden allgemeinen Beifall. Auch die von dem neuen Stadtkapellmeister ansgesührte Konzertmusik wurde beifällig ausgenommen, und das den Schluß bildende Tanzkränzchen nahm einen gemüthlichen Verlauf. — In Myslowitz wurden auch in diesem Jahre eine Anzahl jüdischer Schulkinder mit warmen Wintersachen bedacht, welche vom dortigen Talmudthoraverein gespendet worden. Da die Zahl der zu bekleidenden Kinder in diesem Jahre eine sehr geringe

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