Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1895)
- Date
- 1895-12-13
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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1 Capri 30, Casale 750, Cherasco 20, Chieri 60, Corignan 60, Correggio 40, Corte Maggiore 30, Cuneo 280, Ferrara 1740, Finale 30, Fiorenzuela 70, Firenze 2100, Fossano 100, Genova 580, Gorizia 200, Guastalla 40, Jvrea 75, Livorno 4050, Lucca 25, Lugo 120, Mantova 1000, Massa e Carrara 50, Milano 1680, Modena 1000, Monsalvo 70, Mondovi 80, Monticelli 60, Napoli 1000, Novara 30, Nissa Mare 1000, Nizza M. 60, Ostiano 20, Padova 1050, Parma 430, Perugia 80, Pesaro 130, Pietra Santa 20, Pisa 620, Pitigliano 260, Prato 60, Reggio 280, Revere 30, Roma 6800, Rovigo 180, Sabbieneta 30, Saluzzo 150, Scandiano 35, Sermide 30, Siena 170, Sinigaglia 260, Soragna 85, Spalato 120, Torino 4300, Treviso 70, Trino 70, Urbino 100, Venezia 2700, Vercelli 520, Verona 950, Biadana 40, Vicenza 50, Vittorio 50 Seelen. Türkei. F. Konstantinopel, int Dezember. Eine mit dem besonderen Vertrauen des neuen Großveziers Halil Rifaat Pascha beehrte, in der gegenwärtigen kritischen Lage sehr einflußreiche Persönlichkeit ist der Drag om an des kaiserlichen Divans, Daud Effendi, ein Glaubensgenosse. Allgemein wird es bemerkt, daß der Großvezier, welcher nur türkisch spricht, zu seinen Unterredungen mit den europäischen Diplomaten nicht den eigentlichen Dragoman des Großvezierats Vekil Effendi, als Dolmetscher hinzuzieht, sondern Daud Effendi, einen Juden aus angesehener, eingeborener Familie, dem große Bildung und Begabung nachgerühmt wird. Die früher den Armeniern zugewandte Gunst (auch Vekil Effendi ist ein Armenier vom Libanon) wird jetzt, theilweise wenigstens, ans die andern nicht mohamedanischen und nicht armenischen Nationen übertragen. Hoffentlich gelingt es den Staatsmännern, welche Einfluß auf den Sultan haben, ihn davon zu überzeugen, daß auch in Palästina manche Zustände reformbedürftig sind, und ihm die Verbesserung der Lage seiner loyalen jüdischen Unterthanen, welche sich an dem jüngst in 28 Provinzen tobenden Aufruhr nicht betheiligt haben, ans Herz zu legen! Amerika. 0. H. New-Nork, 23. November. Das Asyl für unheilbare Kranke in New - Jork, Montefiore Home, hielt am 27. Oktober seine Jahresversammlung ab. Der Jahresbedarf des Instituts ist in runder Summe 75,000 Dollars, während das regelmäßige Jahreseinkommen nur 50,000 Dollars betrügt. Von größeren Schenkungen ist die des Herrn Henry Darnard zu erwähnen, welcher dem Institut ein Miethshaus zum Geschenk machte, das ein Jahreseinkommen von 3000 Dollars abwirft. Herr Lymann G. Bloomingdale spendete 25,000 Dollars zur Errichtung eines Asyls, welches Tuberkulose im Anfangsstadium aufzunehmen bestimmt ist. Herr Jakob H. Schiff, der Präsident des Asyls, spendete die gleiche Summe für diesen Zweck. Das Montefiore Home verpflegt durchschnittlich 270 Kranke. — Am 25. Oktober starb Herr Jakob Ottenheimer, einer der angesehensten Bürger der jüdischen Gemeinde New-Iorks im Alter von 56 Jahren. Die Trauerfeierlichkeit fand am 28. Oktober im Tempel Beth El statt. Dr. Gottheil und Dr. Köhler hielten die Gedenkreden. Herr Ottenheimer hatte die Absicht, für eine jüdische Sommerschule auf seiner Besitzung in Forest Park. Pennsylvania, unentgeltlich ein Heim zu errichten Es ist nicht bekannt, in wie weit sein Tod die Ausführung dieses Planes beeinflussen wird. — Die Gemeinde Betlr El in Buffalo, New-Aork, erwählte Herrn David H. Wittenberg, der am orthodoxen Nabbinerseminar in New-Aork seine Ausbildung genossen hatte, zum Rabbiner — Frau Ruth Ward Kahn, eine Konvertitin, die sich als Verfasserin religiöser Gedichte einen geachteten Namen erworben hat, hält in verschiedenen Städten Vorlesungen, deren Erträgniß zur Ausbildung jüdischer Mädchen an Hochschulen bestimmt ist. — Dr Krauskopf, Rabbiner der Knesseth Israel-Gemeinde in Philadelphia, hat 10,000 Dollars, die Hälfte der für die Realisirung seines Projektes einer jüdischen Ackerbarn schule nöthigen Summe, bereits gesammelt und einen Platz dafür in Doylestown, Pennstlvania, erworben. Der Nationalverein jüdischer Frauen hielt auf der Winterausstellung zu Atlanta eine Versammlung, in welcher Fräulein Clara Block einen Vortrag: „Ueber die messianische Idee im Judenthum" hielt und Fräulein Sadie American die Sekretärin des Vereins, den Bericht über die Thätigkeit des Vereins vortrug. — Die Gemeinde in Hudson, New-Dork, welche erst vor wenigen Jahren einen schönen Tempel erbaute, hat sich wegen Mangels an Mitgliedern aufgelöst, und ihr Tempel dient der Straßenbahngesellschaft als Wagenremise. — Der Merkantile - Klub, die vornehmste jüdische gesellschaftliche Organisation in Philadelphia, begann die Wintersaison mit einer Musik- und Tanzunterhaltung am Freitag Abend. Die öffentliche Meinung sprach sich jedoch entschieden gegen diese Verletzung der Sabbathfeier aus, und mit bemerkenswerther Einmüthigkeit verurtheilten sämmtliche Rabbiner Philadelphia's, von dem orthodoxen Rabbiner der portugiesischen Gemeinde, Sabbato Morais, bis zu dem Rabbiner der radikalen Reformgemeinde, Dr. Krauskopf, diese Neuerung. Die Klubleitung beschloß daher, diese Unterhaltung für die nächsten zwei Freitage einzustellen. Von Nah und Fern. — Professor Dr. Paul Ehrlich, einer der begabtesten und durch wissenschaftliche Leistungen hervorragendsten Anhänger der Lehren Kochs, der gleichzeitig einen entscheidenden Antheil an der Durchführung des Behringschen Heilverfahrens für sich beanspruchen darf, ist zum ordentlichen Professor an der medizinischen Fakultät ernannt worden und wird ein Laboratorium im Universitätsinstitute für Staatsarzneikunde angewiesen erhalten. — Die Meldung aus Czarnikau, daß der Kantor Teitelmann des Landes verwiesen worden sei, entspricht den Thatsachen nicht; nur das weitere Amtiren in der Gemeinde wurde ihm untersagt. — Professor Stengel in Marburg, der sich um die Bekämpfung des Antisemitismus in Hessen sehr verdient gemacht hat, ist zum Sommersemester 1896 nach Greifswald versetzt. — Joachim Gehlsen läßt seine berüchtigte „Reichsglocke" Wiederaufleben, was aus folgender buchhändlerischen Anzeige hervorgeht: Nächstens beginnt die „Deutsche Reichsglocke", ein Blatt gegen Jesuiten, Sozialdemokraten und Juden, den 22. Jahrgang. Das Blatt wird wöchentlich einmal, nämlich Montag früh erscheinen. — Der antisemitische Agitator Schweinhagen, welcher seinerzeit die Hetzartikel gegen das jüdische Religionsgesetz in der „Kreuzzeitung" geschrieben und später wegen Beleidigung des Finanzministers zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt worden, wurde vor einigen Tagen nach seiner Auslieferung aus Oesterreich am Bahnhof in Ratibor von der Polizei in Empfang genommen und zur Verbüßung seiner Strafe in das Ratiborer Gerichtsgefängniß eingeliefert. Er hatte einen Gulden 20 Kreuzer bei sich. — Distriktsrabbiner Dr. Cohn in Burgkundstadt wurde neulich zum Rabbiner des Kreises und der Stadt Esch wege ernannt. — Der Redakteur Wald, welcher die antisemitischen Blätter „Abwehr" und „Deutsche Reform" in Hamburg redigirte, wird steckbrieflich verfolgt, weil er Kautionsschwindeleien und Wechselfälschungen verübte. Außerdem soll er mit dem Schwindlerkonsortium in Verbindung stehen, welches beim letzten Pferderennen Totalisatortickets fälschte. Die Affäre erregt großes Aufsehen. — Dr. med. L. Hirschland in Essen wurde zum Sanitätsrath ernannt. Im vorigen Jahre feierte er sein 25jähriges Jubiläum als Repräsentant und Stadtverordneter. — In den Synagogen des Ober-Elsaß ist gegenwärtig eine Bekanntmachung des Konsistoriums zu Kolmar angeschlagen, wonach aus dem Vermächtnisse der verstorbenen Eheleute Weil demnächst zwei Preise von je 800 Mark zu vergeben sind, und zwar an solche Personen oder Familien, welche in den vier verflossenen Jahren durch Beweise großer Tugend, gute Führung, Gefühle von Großmuth und Menschenliebe diese Zuwendung verdienen. — Die jüdische Gemeinde in Turin hat kürzlich ihr neuerbautes Altersversorgungshaus eingeweiht. Dasselbe ist für hundert Arme bestimmt, beherbergt aber für jetzt blos deren dreißig. — Claude Montefiore ist einstimmig zum Präsidenten der Anglo-Jewish- Association gewählt worden. Das Amt des Vizepräsidenten hat Sir Julian Goldsmid angenommen. — Der Weltreisende Ahlwardt ist gestern in New-Uork bereits interviewt worden. Er erklärte, er sei in der Absicht nach Amerika gegangen, eine Vereinigung der arbeitenden Klassen gegen die Juden durch systematische Agitation herbeizuführen. So! Und wir glaubten, er wolle jenseits des Meeres Vorlesungen über das „deutsche Volksrecht" oder über den Anstand halten. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Max Bauchwitz in Berlin.