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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-12-13 · Heft 50 (13.12.1895) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 50 (13.12.1895)
Date
1895-12-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 L R. Wattenscheid (Westfalen), 8. Dezember. Der langjährige Lehrer und Kultusbeamte der hiesigen israelitischen Gemeinde, Baruch Plaut, ist am 3. d. M nach längerer Krankheit im Alter von 55 Jahren gestorben. Seit Mai 1879 bis zu seiner im vorigen Frühjahr erfolgten Pensionirung hat er in seinem Amte segensreich gewirkt. Freitag Nachmittag wurde die irdische Hülle desselben zur letzten Ruhe bestattet. Das stattliche Leichengefolge bildete sich zunächst aus seinen hiesigen Glaubensgenossen, auch Bürger der beiden christlichen Konfesfionen waren zahlreich im Leichenzuge vertreten. Außer den Kindern der hiesigen israelitischen Schule waren auch die israelitischen Zöglinge des Progymnasiums und der Töchterschule unter Führung des Herrn Direktors und Schulraths Dr. Führer erschienen, um dem entschlafenen Lehrer die letzte Ehre zu erweisen. Herr Lehrer Rothschild hielt an der offenen Gruft die Grabrede, worin er die Verdienste seines verblichenen Vorgängers auf der dornenvollen Bahn des Lehramtes beleuchtete. Sodann widmete Herr Lehrer Goldberg aus Steele dem Heimgegangenen Freunde und Kollegen warme Worte der Anerkennung und treuer Freundschaft. F. München,8 Dezember. Der Justizrath Dr. Jakob Hausmann ist aus Anlaß des Rücktrittes von seinem Amte als Notar durch Verleihung des Ritterkreuzes des Civilverdienstordens der baierischen Krone ausgezeichnet und dadurch für seine Person in den Adelstand erhoben worden. Jakob Hausmann, ein Mann von seltener Gelehrsamkeit und hervorragendem Scharfsinn, unendlicher Arbeitskraft und unnahbarer Ehrenhaftigkeit wird 1863 zum Notar in München ernannt worden sein, hat verschiedene gemeinnützige Ehrenämter bekleidet und ist längere Zeit Vorstand der israelitischen Kultusgeuleinde München gewesen; von den Leistungen eines Vorstandes mit solchen Eigenschaften hat diese selbstverständlich erheblichen Gewinn in jeder Art gehabt. Die Mitglieder der Gemeinde haben daher guten Grund, dem ausgezeichneten Manne bei seinem Rücktritt vom Amte den Genuß der wohlverdienten Ehren auf lange Jahre zu wünschen. Bei dieser Gelegenheit interessirt es vielleicht, festzustellen, welche baierischen Juden nach unserer Erinnerung im Laufe dieses Jahrhunderts durch Verleihung des Kronenordens ausgezeichnet wurden: Hofbankier Josef Freiherr von Hirsch, der Vater des Philanthropen Moritz Freiherrn von Hirsch; Geheimer Hofrath Dr. Sigmund von Henle, früher Rechtsanwalt in München; Kommerzienrath und sächsischer Generalkons ul Max vonWilmersdörffer, Bankier in München. Oesterreich -Uttfjartt» O Wien, 10. Dezember. Am Jahrestage der Thronbesteigung des Kaisers fand die Grundsteinlegung eines neuen Tempels in der Humboldtgasse in Favoriten statt, welcher zur Feier des fünfzigjährigen Negierungsjubiläums des Kaisers vollendet werden soll. Auf dem Festplatze war in einem Zelte vor einer Büste des Kaisers der Grundstein plaz^rt worden, zu dessen Seiten Steinmetze in altdeutscher Tracht Aufstellung genommen hatten. Der Obmann des Tempelbaukomitees, Herr Karl Seligmann, begrüßte die Festgäste, woraus Rabbiner Dr. D. Löwy die Feier mit einer Ansprache einleitete und der Schriftführer des Baukomitees, Dr. Berthold Tritsch, die Festrede hielt, die er mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser schloß. Namens des Kultusvorstandes begrüßte Dr. Alfred Stern die Anwesenden. - - In der Reichsrathssitzung von 6. d. Mts. fand eine lebhafte Auseinandersetzung zwischen dem Führer der Jungezechen, Dr. Kaizl, und dem Führer der Antisemiten, Dr. Lueger, statt. „Unser Programm", sagte u. A. Dr. Kaizl, „weist die fundamentale These des Programmes von Dr. Lueger, nämlich Haß und Persekution einer bestimmten Rasse oder Konfession, aufs Entschiedenste zurück." Man denke sich die Wuth der Antisemiten über diesen Abfall der jungezechischen Partei. --Lueger hat sich jetzt auch ein Amazonenkorps errichtet, die er mit: „vielgeliebte Frauen" anredet und sie auffordert, für den Wahlfonds zu sammeln; für jetzt inszeniren diese kühnen Antisemitinnen auch schon arge Skandälchen, sollte dies das Ideal deutscher Frauen sein? Dafür geriren sie sich doch mit Vorliebe. — Josef Herzog, der Redakteur eines antisemitischen Blättchens, wurde wegen schmähender Artikel gegen einen jüdischen Kaufmann zu drei Monaten Arrestes verurtheilt, ebenso zu einem Monat Arrest der Antisemit Franz Ring, der eine wehrlose Frau mit antisemitischen Schmähungen überhäufte und ihr eine Ohrfeige versetzte, die sie schwer verletzte.— In Kolomea endete die Reichsraths- Ersatzwahl aus den Städten Kolomea-Buezaez-Sniatyn leider mit einer Niederlage Dr. Bloch's, des bisherigen Vertreters dieser Städte. Auf Dr. Bloch entfiel nur etwa ein Viertel aller abgegebenen Stimmen, und 5. sein Gegenkandidat, der Advokat Dr. Maximilian Trachtenberg, wurde mit überwiegender Majorität in den Reichsrath gewählt. Der ruthenische Zählkandidat erhielt nur wenige Stimmen. Am wenigsten Stimmen erhielt Bloch in Kolomea, dem Hauptwahlort, wo Trachtenberg Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde ist Das ist ein lief beklagenswerthes Resultat! - Dem Humanitären Verein „Treubund" ist es, dank der 4. Rührigkeit der Vereinsleitung, gelungen, in seinem heurigen zweiten ch Vereinsjahre bereits 152 arme Kinder mit Winterkleidern, Schuhen,;n Wäsche re vollständig bekleiden zu können. Die Vertheilung fand am s- 30. v. Mts. im Beisein des Protektors, Oberrabbiner Dr. Moriz g. Güdemann, vieler Notabilitäten und zahlreicher Vereinsmitglieder in n- Ühuner's Restauration statt Besondere Anerkennung fanden die vom h, Oberkantor M. Schorr mit seinem Chor vorgetragenen Gesänge. — i- Der Minister für Kultus und Unterricht hat die Beschlüsse der betreffenn, den Professoren-Kollegien auf Zulassung des Dr. Siegmund Lilienfeld 3, als Privatdozenten für österreichisches Privatrecht an der rechts- und n staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität in Lemberg bestätigt.— i i, Zu Rathssekretären der galizischen Finanzprokuratur wurden Dr. Leo ' n Mendels bürg und Dr. Heinrich Goldmann, zum Bezirksrichter lder Gerichtsadjunkt Max Finkelstein ernannt. Der Kaiser hat den Professoren am Konservatorium Adolf Proßnitz und Julius Epstein h das goldene Berdienstkreuz mit der Krone verliehen. Kojetein, Mähren, 10. Dezember. Kaum ein Jahr, nachdem ' unsere altehrwürdige Gemeinde in dem rühmlichst bekannten Gelehrten ' Dr. Salomon Fuchs den verheißungsvollen Nachfolger des am 29. November 1889 verstorbenen Rabbiners Jakob Brüll gefunden, ist dieser Sitz berühmter Rabbiner wieder verwaist geworden. Ein tragisches Geschick hat den am Chanukahfreitage 1684 ins Amt getretenen jungen Rabbiner am 7. Dezember d. I. unserer Gemeinde entrissen, der heute am 9. d. Mts. zur ewigen Ruhe hier gebettet wurde. - Einen unersetzlichen Verlust hat unsere Gemeinde durch sein Hinscheiden erlitten. Fuchs war geradezu ein Muster der besten menschlichen Eigenschaften; seltene Bescheidenheit und Genügsamkeit, Selbstlosigkeit und Uneigen- ' nützigkeit, Liebe und rege Theilnahme für jeden Mitmenschen, Pflichteifer und Gottesfurcht, Mild Herzigkeit und Wohlwollen, eine bei seiner Armuth verschwenderische Freigiebigkeit gegen die Armen waren die ausgezeichneten Lichtpunkte seines zur Bewunderung edlen Charakters. Was Wunder, daß er bei Klein und Groß, bei Juden und Ehristen so beliebt war! Die rege Betheiligung bei seinem heutigen Leichenbegängnisse war Zeugniß dafür. Die Spitzen der politischen Stadtgemeinde und der Bezirksvertretung waren in dem Tempel, wohin der Sarg des Verewigten gebracht wurde, anwesend und gaben ihm mit einer starken Gefolgschaft bis zum Friedhofe das Letzte Ehrengeleit. Von den zu \ dieser Leichenfeier erschienen Rabbinern hielten im Tempel ergreifende! Nachrufe Herr Dr. Frankl Grün aus Kremsier, Herr Dr. Kaminka aus | Prag, Herr Dr. Freimann aus Holleschau und Herr Dr. Spiro aus Mährisch Ostrau. Von Allen wurde der unersetzliche Verlust für die jüdische || Wissenschaft und die Pflege der hebräischen Sprache, denen der Verstorbene! . mit idealer Begeisterung und den größten Theil seines so kurzen Lebens! unter harten Kämpfen um das tägliche Brod gelebt hatte, hervorgehoben.! Aus allen auf die Zuhörer erschütternd wirkenden Reden der obeni ,\| genannten Herren aber sprach die hohe Achtung für das Wissen und >1 Können, den edlen Charakter des Verstorbenen. Kein Auge blieb thränen- .-I leer. Auf dem Friedhofe vor dem offenen Grabe sprachen noch erj J greifende Abschiedsworte der greise Rabbiner unserer Nachbargemeinde, . ■{ I Herr Dr. Eisler aus Eiwanowitz, und in hebräischer Sprache Herr j I Dr. Kaminka. Möge Gott Trost spenden seinen gramgebeugten Eltern, I Verwandten und Bekannten. I Italien. I 8. Rom, im Dezember. Die folgende Uebersicht giebt interessante I Aufschlüsse über die Vertheilung der Juden in Italien. 1895 , I zählten danach Acqui 250 Seelen, Alessandria 270, Ancona 1700, » Ascoli Piseno 150, Asti 360, Biella 100, Bologna 820, Borgo San 1 Donnino 20, Bozzolo 70, Brescia 40, Buffeto 60, Carmagnola 70, ft

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