Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1895)
- Date
- 1895-12-13
- Page
- Seite 600 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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600 Die Makkabarrrn. (^8>er Kampf, der heiß in Juda brannte. War ausgetobt, und Frieden war im Land. Und jeder Mund begeistert nannte Die Namen'.Derer, die aus Feindeshand Ganz Israel erlöset hatten. Die es in jenem blut'gen Syrerkrieg Durch ihre kühnen Heldenthaten Geführt zu neuem Ruhme, Glanz und Sieg. Die Makkabäer hatten dies vollbracht. Des edlen Mathisjahu Söhne. Zu Nichte hatten muthig sie gemacht Der Syrer ränkevolle Pläne Und Gut und Blut dahingegeben Der heiligen Sache, treu und unverwandt Geopfert freudig selbst ihr Leben Für Volk und Glauben, Gott und Vaterland. Von Clara Jaulus in Aachen. *) Gar herrlich hatte sich ihr Werk belohnt. Denn mächtig, groß das Reich erstanden war. Doch hatte herber Schlachtentod verschont Nur Einen aus der tapf'ren Brüderschaar. Und diesem Letzten schien beschieden Von Gott ein besseres freundliches Geschick, Als Fürst des Volkes herrscht in Frieden Der greise Simon nun in stillem Glück. Doch was im Kamps nicht war gelungen. Durch List der Syrer wollt's erzwingen. Des Mörders Stahl ward schnöd gedungen. Die Makkabäer umzubringen. Ptolemäus, Simons Schwiegersohn, Wurd' auserseh'n zu dieser Niedertracht, Versprochen ihm, zum Dank, der Fürstenthron, Wenn glücklich er die grause That vollbracht. Auf seine Burg lud der Berräther ein Die Seinen all' zum frohen Feste. Da stürzten Diener in den Saal herein. Ermordeten die edlen Gäste. Ein Sohn des Simon könnt' nur noch entflieh'n, Dem jener Plan ward zeitig hinterbracht, Den Bösewicht zur Rechenschaft zu zieh'n Zog nach der Burg er hin mit Heeresmacht. Schon wollte muthig wagen er den Sturm, Jedoch vom Schreck gelähmt sank seine Hand, Als seine Mutter auf dem hohen Thurm, In Fesseln starrend, plötzlich er erkannt'. Es stand, umringt von seinen Mannen, Der Bösewicht und rief in grimmem Spott: „Wenn Du nicht eiligst ziehst von dannen, „So stirbt die Mutter bitt'ren Martertod!" Entsetzen malt sich auf dem Angesicht Des jungen Helden, als er dies vernahm. Doch da erhebt die Mutter sich und spricht Voll Stolz und Würde selbst in ihrem Gram: „Mein Sohn, o achte meiner Schmerzen nicht. Bestrafe den Verräther nach Gebühr. Getreulich zu erfüllen seine Pflicht Gab Dein Geschlecht ein leuchtend Beispiel Dir." „Und ich sollt' muthlos da verzagen, Wenn's gilt, dem Vaterlands mich zu weih'n? Nein, gern will ich mein Leben wagen. Um echte Makkabäerin zu sein!" Die unbezwung'ne Kindesliebe treibt Den Sohn von diesem Ort; er zieht dahin. Doch treu in der Erinnerung ewig bleibt Der Heldenmuth der Makkabäerin. l) Wir theilen unfern Lesern hier die erste poetische Arbeit einer jungen Dame, der Tochter des Herrn Rabbiner Dr. Jaulus in Aachen, mit, die sicher zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Die Red. Fitterarische Mrttheilungen. — Schall, P. Ed.: Die Staatsverfassung der Juden auf Grund des alten Testaments und namentlich der fünf Bücher Mosis mit! fortlaufender Beziehung auf die Gegenwart. 1.: Staat, Kirche und Eigenj thum. Leipzig. 1895. Deichert'sche Verlagsb. (G. Böhme). j Der Verfasser, einer der gemaßregelten christlich-sozialen Pastoren, j hat sich als sozialpolitischer Schriftsteller schon einen Namen gemacht.! Auch dieses Buch verfolgt mit einen sozialpolitischen Zweck, indem es | der Gegenwart einen Spiegel vorhält, denn aus der jüdischen Staatsz Verfassung, wie sie die fünf Bücher Mosis enthalten, erkennen wir, daß j die gegenwärtig die ganze Kulturwelt beschäftigenden Probleme schon vor vielen tausend Jahren zu lösen versucht worden find. Die Darstellung bietet ein klares Bild der israelitischen Gesellschaftsordnung unter vielseitiger Vergleichung mit der gegenwärtigen, und zwar zunächst in Bezug auf: Staat, Kirche, Eigenthum, also gerade Fragen, die gewiß zu den j brennendsten der Gegenwart gehören. Die Vorführung dieser Staatsverfassung muß unser Interesse in hohem Grade in Anspruch nehmen, und das um so mehr, als die Darstellung gleichsam lebendig wird durch j die fortlaufende Vergleichung mit den entsprechenden Ordnungen in der! Gegenwart. Die Folgerungen die daraus gezogen werden, sind oft! überraschend und schlagend. Gingeleitet wird das Werk durch eine aus- I führliche Darlegung der Ergebnisse und der Bedeutung der Kritik des; alten Testaments, mit der wir im großen Ganzen einverstanden sein! können. Der Autor hat einen eigenen, festen Standpunkt, einen weiten j Blick in die geschichtlichen und Zeitverhältnisse, er ist frei von Vorurtheilen jeglicher Art, und so können wir seine Arbeit, obwohl sie natürlich auf; einem religiös durchaus entgegengesetzten Standpunkt als dem unsrigen i steht, doch zur Information und Kenntniß empfehlen. - ----- Israelitische Jugendbibliothek. Der Talisman. Erzählung von M. Scherbel. Berlin v. I. Verlag des Israelitischen Jugendfreund. Der Mangel an einer geeigneten Lektüre für unsere Jugend hat sowohl die Herausgabe des „Israelitischen Jugendfreund", als auch die Begründung einer Jugendbibliothek veranlaßt. Vorliegendes Bändchen macht nicht Anspruch auf Vollkommenheit, es soll aber — das ist der Wunsch und die Hoffnung der Verlegers wie des Autors — den Anfang bilden zu einer unserer Jugend zum Segen gereichenden Veranstaltung. Man kann wohl sagen, daß dieser Anfang gelungen ist, und das kleine, hübsch ausgestattete Schriftchen zur Lektüre unserer Jugend wärmstens empfehlen. Spvechsaat. Mtch warne vor einem Schnorrer, der sich als ein Dr. Fröhlich aus Neustadt ausgiebt. Er ist eine imponirende Erscheinung, elegant gekleidet, trägt ein goldenes Pincenez und tritt sehr gewandt auf; er ist etwa im Alter von 55 Jahren. Er zeigt ein Attest von einem Arzt vor, wonach er nervenleidend sein und eine Heilanstalt in Spaa besuchen will. Jenes Schriftstück ist vom Bürgermeisteramt Neustadt (F. Walther) beglaubigt und mit dem Amtsfiegel belegt. Doch ist alles von A bis Z. gefälscht. Bei mir erschien der Gauner am Donnerstag Nachmittag, den 21. November, ich schöpfte alsbald Verdacht und suchte ihn durch Versprechung einer namhaften Unterstützung hinzuhalten. Da es nicht weniger als 36 Orte des Namens Neustadt in Deutschland giebt, weshalb Gauner gewöhnlich diesen Namen für ihre Falsifikate wählen, die das Recherchiren unbedingt erschweren muß, so forschte ich genau, welches Neustadt gemeint sei, und fragte alsdann in Neustadt an der Orla, das mir bezeichnet wurde, telegraphisch an, erhielt aber von dem dortigen Bürgermeisteramt die Nachricht, daß Dr. F. daselbst vollständig unbekannt sei. Inzwischen hatte sich der Schelm, der etwas gemerkt hatte, aus dem Staube gemacht. — Möchte er doch angehalten werden, wo er seine Schwindeleien fortzusetzen sucht. Brakel, Kreis Höxter, 1. Dezember. Em. Goldschmidt. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauckwiir in Berlin.