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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-12-13 · Heft 50 (13.12.1895) · p. Seite 598

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 50 (13.12.1895)
Date
1895-12-13
Page
Seite 598 (sequence 10)
Language
German
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598 im Monat Elul erfolgte Faktum Hobe zur Judith gar keine Beziehung, zumal diese garnicht mit dem Chanukahfeste i» Verbindung stehe und Raschi und Mordechui beu Hillel (Ende Pesuschim) ihren Namen zu übergehen suchen. Wohl aber — und darin darf man Asarjah beistiininen — haben die alten Weise», als sie die Megillnth Taanith anher Kraft setzte», alle zur Zeit der Hasmonäer eingetretene» außerordentlichen Ereignisse, in welchen Monaten sie auch immer sich ereigneten, zum Channkah, das eben de» Abschluß der Makkabäerkämpfe bildete, in Beziehung gebracht; und so habe auch vieles andere Außergewöhnliche, was eigentlich anderwärts berichtet wird, in den Büchern der Makkabäer und bei Josephus in der Darstellung der Geschichte der Makkabäer Verwendung gefunden. Vielleicht heißt es darum auch im Schlnßgebet beim Lichterauzünden: „um zu danken Deinem Namen für die außerordentlichen Ereignisse, die Wunder und die vielfache Hilfe." — So steht also das im Jozer des 2. Chauukahsabbaths berichtete Faktum in engster Beziehung zu dem von de Rosst aus Megill. Taan. Kap. ti angeführten, was der Verfasser übersehen hat, und beide haben, wie de Rosst dargethan, zum Chanukahfeste insofern richtige Beziehung, als sie sich während der Makkabäerkämpfe ereigneten. Wir dürfen also den bisher behaupteten einheitlichen Charakter des Channkahfestes unter Berücksichtigung der zugehörigen Episoden durchaus weiter aufrecht erhalten. *- MUMW1M PKHIwnim”n 1-- -^ —1 nikunwnmnnrat MnMMM I * I FEUILLETON 1 *jj rgz.'imiiBPixi; cssüWiMmW! — --35--1 — II immun mwisga MnMMW Feilt Meihnachtskuchen und sein Kind. Novelle von Karl Emil Franzos. (Fortsetzung.) (m ime war in heiße Thronen ausgebrochen. „Nun schimpfst Tu mich eine Kupplerin!" rief sie außer c sich. „In Deiner Narrheit. Deiner Schwäche hast Du u»s in dies Eleiid ohne Grenzen gebracht! Durch Deine Schuld muß Dein einzig Kind einein Greise hiiigegeben werden, durch Deine Schuld sind wir verloren, wenn sich dieser Greis nicht unser erbarmt. Und will ich etwas von diesem Jammer, dieser Schande abwehren und bewirkeii, daß wenigstens ivir uuser Brot auch ferner selbst verdienen können, so beschimpfst Du mich!" Auch ihm waren die Thränen in die Angen getreten. „Chane," bat er und suchte ihre Hand zu fassen, „laß' uns zwei gebeiigle Menschen Frieden halten und nicht einer des anderii Haupt noch tiefer beugen. . . Oder, wenn Du willst, wenn es Dir das Herz erleichtert, klage mich an. gerecht oder ungerecht, gleichviel, ich will mich nicht vertheidige». . . Aber das Weh darfst Du mir nicht mehr bereiten, daß ich so zu Dir sprechen muß, wie soeben. . . Ich weiß, Du hast nichts Böses gedacht und stürbest lieber zehn Tode, als etwas zu th»n, was Dein Kind nach Deiiier Meinung beschimpft. . . Blicke, denkst Du, was sind Blicke?! Ich aber sage Dir, ein ehrlich jüdisch Weib darf ihr Kind auch solchen Blicken nicht preisgeben, um Vortheil davon zu habeii. . ." Jungfrau aus der 15. Priesterabtheilung Bilga (1. Chron. 24, 14) zur Zeit der Makkabäerkämpfe zuni Heidenthum übertrat und einen syrischen Krieger heirathete. „Ich bin also kein ehrlich Weib?!" „O ja!" rief er. „Steht einst meine Seele vor Seinem Richterstuhl, so will ich Ihm sagen: „Vieles hast Du Deinem Knecht auf Erden auferlegt, aber unendlich größer war Deine Gnade, denn dreierlei hast Du ihm gegönnt: Deinen Willen zu erkennen, und dies Weib und dies Kind!" Du bist anders als ich, Chane, aber ich weiß, auch Du bist gut. Eine Kupplerin?!" Erstreckte abwehrend die Hände vor. „Um Himmelswillen — nein! Aber die Armuth, mein liebes Weib, die Armuth und die Sorge, das sind Kupplerinnen, und Er allein weiß, warum Er sie so groß hat werden lasten unter den Menschen. Sie verführen, sie machen schlecht, wir aber wollen gut bleiben! Du hast nichts Böses gedacht, — aber tvir sind Juden, wir müssen mehr ans uns und auf die Reinheit unserer Kinder halten, als die Andern, denn wir sind Sein Volk! Und zudem wäre es auch eine List gegen den Janko gewesen, und man darf Niemand überlisten, am wenigsten einen Bethörien . . ." „Geh!" mnrmelte sie in zorniger Scham, „wir verstehen uns ja doch nicht! ... So hast Du mir auch diesen Weg abgeschnitten!" „Mit Seiner Hilfe werden wir einen besseren finden!" sagte er feierlich und trat vors Hans. Lange ging er in der dunklen Nacht auf und nieder. Es war ein Zwiespalt der Empfindungen in ihm; der Schmerz darüber, daß er seinem kranken, sorgenbeladenen Weibe so harte Worte hatte sagen müssen, und die Genngthunng, daß er stark geblieben. Aber auch in dieser Empfindung war keine Spur von Stolz, demüthig beugte ec auch da sein Haupt vor Gott. „Wie war es nur möglich?" dachte er, „daß ich solche Worte gefunden habe? Die hat Er mir eingegeben — gelobt sei Sein Name!" Während er so gestillteren Herzens im tiefen Dunkel dastand, schlug plötzlich durch die nächtliche Stille ein Laut an sein Ohr: es klang wie ein fernes, leises Scharren. Er horchte auf: der Laut wuchs an und ward deutlicher; es war ein Mensch, der zögernden Schrittes, immer wieder anhaltend, die Straße entlang gegen das Wirthshaus geschlichen kam. Die Umrisse konnte Leid nicht unterscheiden, aber wie die Gestalt wieder anhielt, wohl nur zwanzig Schritte von ihm, und tief aufseufzte, da ahnte er, wer dies war.. . Angehaltenen Athems und ans den Fußspitzen schlich der Kleine ans Thor seines Hauses und wollte eintreten, den Flügel hinter sich schließe». Aber eine seltsame Empfindung, aus Mitleid und Grauen gemischt, hielt ihn im Thorweg fest. Der junge Bauer kam immer näher; nun stand er dicht vor dem Hanse. „Sie schläft schon," hörte ihn Leib sagen. „Alle schlafen . . . mir ich muß wachen." Den Lauscher überlief ein Schauer; wieder wollte er den Flügel zuziehen, wieder hielt ihn jene Empfindung fest. Dan» wollte er ans den Anderen zutreten, ihn ansprechen, aber auch dies konnte er lange nicht. Endlich murmelte er seinen Namen. Janko fuhr zusammen. „Wer . . . wer da?" stieß er mit zitternder Stimaie hervor. „Du, Leibko!" Der Jude trat hervor. „Ja, ich," sagte er. „Du solltest heinigehen, Janko", fügte er sanft hinzu. „Du hast morgen schwere Arbeit und mußt früh aufs Feld. . ." „Was nützt das?" sagte Janko dumpf. „Ich will ja nicht... ich muß. . ." Dann aber begann er plötzlich zu schluchzen und tastete nach der Hand des Juden. „Leibko," stieß er hervor, „mein lieber, alter Leibko, Du lvarst ja immer zu mir tute ein Vater — erbarme Dich doch meiner! . . -

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