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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-12-13 · Heft 50 (13.12.1895) · p. Seite 597

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 50 (13.12.1895)
Date
1895-12-13
Page
Seite 597 (sequence 9)
Language
German
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597 Afsyrerreiches, indem es den assyrischen Feldherrn Holophernes in der Befriedigung seiner sinnlichen Geltiste durch die Hand seiner jüdischen Geliebten Judith falle» läßt. Die jüdischen Quellen aber verlegten das Faktum in die Zeit des Chanukahfestes. Daß aber die erwähnte Vergewaltigung jüdischer Frauen unter der römischen Herrschaft vorkam, bezeugt der Talmud, und die hierfür hermizuziehenden Stellen sind dieselben, auf denen die Erklärer der Stelle DJ IfflKS VH )H FjKtt? „auch sie (sc. die Frauen) waren an diesem Wunder betheiligt" fußen. In der „Megillah Taanith" Kap. 6 wird nun ein solcher Akt der Vergewaltigung als einer Tochter des Matathias, des Sohnes des Hohenpriesters Jochanan, — deren Name nicht genannt wird — bevorstehend geschildert, den sie in der bekannten Weise vereitelt. Aber auch diese Episode gehört, wie der Verfasser nachzuweisen sucht, in die römische Zeit und zwar aus folgenden Gründen: 1. tragen alle Personen resp. Oertlichkeiten lateinische Bezeichnungen; 2. der Schauplatz der Roheiten ist ein von der römischen Militärverwaltung besetzter Platz; 3. vergißt die Schilderung in Megillah Taanith die Lage der Dinge und erwähnt, daß man den Tag zu einem Festtage gemacht, an dem jenes, der sinnlichen Roheit entsprungene Edikt zurückgezogen wurde, während doch bei den Makkabäerkämpfen nicht von einer Zurücknahme des betreffenden Ediktes, sondern von einer durch die Makkabäer infolge ihrer Siege bewirkten Beseitigung resp. Annullirung hätte die Rede sein muffen; 4. ist es auffällig, das der Name der Heldin in Megillath Taanith garnicht genannt wird, während der Name ihres Vaters im „Midrasch Chanukah" Matathias oder Jochanan, in „Megillath Antiochus" aber nur „Hasmonai" lautet; 5. haben die Schriftverse, an die sich die Erzählung in „Megillath Taanith anlehnt, gar keine Beziehung zu den makkabäischeir Befreiungskämpfen. Das betreffende Faktum scheint also durchaus in die Zeit des römischen Kaisers Trajan zu gehören. Die Furcht vor den römischen Gewalthabern, unter deren roher Willkürherrschaft man noch stand, ließ deutliche Schilderungen römischer Roheit unterdrücken und sich nur mit Anspielungen begnügen; man unterließ darum auch, die Befreiung der jüdischen Frauen besonders zu behandeln. Aus der hasmonäischen Zeit aber war kein ähnliches Faktum zu berichten. Was zunächst die Gesänge für die Chanukahsabbathe, welche der Verfaffer nur nebenbei erwähnt, betrifft, so wird zwar im Jozer für den ersten Sabbath der Verfolgung und Gefahr der jüdischen Frauen in Verbindung mit der Ermordung des Holophernes durch Judith — jedoch als einer Makkabäerin — gedacht (vergl. Megillath Taanith); aber die entsprechende Dichtung für den zweiten Sabbath enthält augenscheinlich eine ganz andere Erzählung, die wir hier anführen wollen. Folgende Episode liegt derselben zn Grunde: Hann ah, eine Jungfrau aus vornehmem Geschlecht«, war von Eleasar als Gattin heimgeführt worden (der Mann der Judith hieß Manasse). An ihrem Hochzeitstage, als die Leute des Ortes »ach damaliger Sitte eingeladen waren, Hub Hannah, eingedenk des Ediktes, das auch sie . der Schändring durch den Oberbefehlshaber der feindlichen Trrrppen preisgeben sollte, laut zu schluchzen an. indem sie ihr Hochzeitskleid zerriß. Als ihr Bruder Juda sie nach der Ursache ihrer Betrübniß fragte und sie ihm ihr Leid geklagt, da erhoben sich alle Anwesenden, der Braut Muth znsprechend und sie zur Standhaftigkeit ermahnend. Alsdann begab sich der Zug der Gäste (wahrscheinlich als Begleiter der Braut), an ihrer Spitze Juda, zum Zelte des Feldherrn, der sie zu sich einlud und alle seine Leute hinausgehen hieß. Da ergriff Jllda einen vor ihm stehenden Pfahl und rannte ihn dem Feldherrn in den Leib; Eleasar, Hanna's Gatte aber, schlug ihm den Kopf ab und warf ihn vor das Zelt, worauf die Trabanten, da sie sahen, daß ihr Feldherr todt war, flohen, verfolgt von den Helden, die ihrer viele niedermachten und sich ihres Lagers bemächtigten. — Es ist 311 beachten, daß nach Judith 9,2 (entgegeu Jud. 8,1) sich Judith als Tochter Simeons bekennt, und man könnte füglich, da im angeführten Jozer auch die makkabäischen Namen Eleazar (als Gatte) und Juda (als Bruder der Hannah) genannt werden, an die maikabäische Familie denken, zumal wir alis 1. Makk. 16,2 auch einen Sohn Juda des Simon, des Sohnes des Matathias kennen. Daß aber der im genannten Jozer erzählte Vorfall durchaus zur makkabäischen Epoche gehört, und nicht irrthümlich aus der römischen Zeit hergeholt ist, wie der Vers, meint, glaube ich im Folgenden erhärten zu könne». Ich stütze mich dabei außer auf Megillath Taanith VI anfAsarjah de Rossi's „MeorEnajim",das derVerfaffer zum Nachtheil seiner sonst fleissigen Untersuchung außer Acht gelassen hat. Und Asarjah ist, wie man oft zu beobachten Gelegenheit hat, ein guter »nb interessanter Beobachter und Kritiker; er hat auch die meisten Bedenken herausgefühlt, welche uns interessiren, und ist es mir daher eine Genugthuung zum selben Resultate gelangt zu sein, wenn auch auf einem etwas anderen Wege. Im 51. Kapitel seines genannten Werkes bespricht de Rosst mehrere Wunder, von denen in den jüdischen Schriften die Rede ist, und zollt Gott auch für das Wunder Dank und Preis, das sich zur Zeit der Hasmonäer in den Tagen der Wiedereinweihung des Tempels ereignete, da man, wie in Megill. Taan. IX und Sabbath II (21 d) berichtet wird, ein versiegeltes Krügchen Oel fand, dessen Inhalt durch ein Wunder acht Tage für die Lampen des Leuchters im Tempel ausreichte. (Wenn Asarjah hierbei an den Krug der Sunamiterin erinnert, der zur Zeit des Propheten Elischa nicht eher als nöthig, leer wurde, so ist ihm ein kleines Versehen untergelaufen, da es sich an der betr. Stelle, 2 Könige 4,1 ff, nur um ein ungenanntes Weib eines der Prophetenjünger handelt und der Sunamiterin erst später gedacht wird — nach dem Targum, vgl. Raschi, D. Qimchi und Jalkut 2 St., soll es die Frau des Obadjah gewesen sein. — Asarjah wnndert sich nun darüber, daß in den Makkabäerbüchern nichts hiervon erwähnt wird, trotzdem z. B. das. 1,4 und 2,10 verschiedenes angeführt und auch des Umstandes gedacht wird, daß die damalige Dauer des Chanukahfestes einen gewissen Ersatz für das Laubhüttensest bilden sollte. Nachdem derselbe alsdann eine Betrachtung über das Buch Judith und die Ermordung des Holophernes, sowie auch über die Zeit der Abfassung deffelben angestellt, führt er eine Bemerkung des Rabbenu Nissi m in Sabb. II an, welche die talmudische Notiz: „auch die jüdischen Frauen sind am Chanukahwunder betheiligt", erläutern soll und folgendermaßen lautet: „Es heißt im Midrasch, daß die Tochter des Jochanan dem Oberbefehlshaber der feindlichen Trlippen Käse zu essen gegeben und ihn, da er den dadurch erzeugten Durst löschen wollte, berauscht und enthauptet habe, worauf die feindlichen Truppen flohen; darum pflegt man auch am Chanukah Käse zu essen." Asarjah bemerkt nun, daß R. Nissim, zumal er den betr. Midrasch nicht nenne, eine Verwechselung passirt sein müffc, da es in Megillath Taanith Kap. 6 bei den im Monat Elul geschehenen Wundern heiße: Eine Tochter hatte Matathias, der Sohn des Jochanan, des Hohenpriesters, und als deren Hochzeitstag herankam und der f'HBDp (so wird er auch im oben angeführte» Jozer des 2. Channkahsabbaths genannt; es ist aber nicht, wie Dr. Krauß a. a. O. S. 41 Note5, angiebt, das latein. quaegtionnrius „Executor, Inquisitor", sondern bedeutet wohl den „Eunuchen", vom lat. castrare, den auch Holophernes bei sich hatte, vgl. Judith 12, 11) kam, um sie zur Schändung hinznführen, da litten es Mathathias und seine Söhne nicht. Und dieser Tag wurde zum Festtag erhoben.*) Dieses *) lieber ein anderes ähnliches Faktum aus jener Zeit vgl. Tos. Sukkah Ende (bab. und jer. Ende des Traktates), wonach Mirjam eine

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