Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1895)
- Date
- 1895-12-13
- Page
- Seite 596 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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596 Prag gedruckte», sehr seltenen und völlig unbekannten Flugblatte findet die Freude über den wiedererlangten Frieden sowie über die Eintracht dre Konfessionen einen lauten Wiederhall. Jeitteles läßt das Jahr 1814 sprechen: „Was das Jahr 1812 so rühmlich begonnen, D», mein liebes 1813, so herrlich fortgesetzt, hoffe ich zu vollenden. Und so wie Du durch die Riesenschlacht bei Leipzig selbst uusern erlauchten Ahnherrn, das Jahr 12, wo . . . Der unter nächtlichem Brausen Der hohen Harzfichten geborner Sohn der Hertha — der deutsche Hermann den stolzen Barns schlug —weit überstrahlest; so lverde ich die Jahre 1648 (Westphälischcr Friede), 1697 (Ryswicker Friede), 1699 (Karlowitzer Friede), 1713 (Utrechter Friede), 1748 (Aachener Friede), 1763 (Hubertsburger Friede) durch einen Frieden übertreffen, der dein seufzenden Europa die so lang vermißte Ruhe wiedergeben, die Völker nicht mehr zinsbar, sondern frei und selbstständig machen und nicht mehr bloße Waffenruhe, sondern, basirt durch die Macht und die Weisheit der hohen Verbündeten, seine Dauer in sich tragen wird. Unsere Mutter, die Zeit, trägt noch viel in ihre»! Schooße! Unter Blut und Trümmern, unter dem Schutte rauchender Städte finden sich auch Züge schöner Humanität. Wo es die Sache der Menschheit gilt, giebt es keine Kaste, und erhebend ist es in dieser eisernen Zeit, daß Alles, ohne Glaubensunterschied, die zahllosen Leiden der Menschheit zu lindern strebt. Wo die Milde mit der Freude Froh in schönem Wechsel geht. Pranget sich im Feierkleide Höhrer Menschheit Majestät. Sich als Menschen sehen wieder. Die der Meinung Schranke schied, Fanatismus liegt darnieder, Christ und Jude werden Brüder, Menschheit, jauchz' dein Siegeslied!" 2. -Herz Homberg. Daß Herz Homberg, der Freund Moses Mendelssohn's und Erzieher seiner Kinder, der k. k. Schulrath und Religionslehrer in Prag, während seines mehrjährigen Aufenthaltes in Wien auch als Prediger fungirte, ist bis jetzt meines Wissens nirgends hervorgehoben- Zwei von ihm in Wien gehaltene und dort gedruckte Leichenreden liegen mir vor. Die eine ist eine „Kurze Rede bei Beerdigung des Herrn Elias Hirschseld, medieinae Doctoris und Arztes des hiesigen israelitischen Spitals" (Wien 1815). Homberg preist ihn als den „besten liebevollsten Sohn", als den „redlichsten, treuesten Freund", als „eine Zierde, ans die die Nation mit Recht stolz sein kann", als „einen vom reinste» Patriotismus durchglühten Bürger". „Der verklärte Herr Hirschfeld behandelte die Zerrüttung im menschlichen Körper nicht blos kunstmäßig, etwa nur wie eine in Unordnung gerathene Maschine, wie ein verstimmtes Instrument, nein! er handelte auch als warmer, theilnehmender Menschenfreund; er war nicht blos den Regeln der Kunst, er war auch der mitfühlenden Menschlichkeit gefolgt. Sein wohlwollender Blick, mit dem er den Kranken ansah, seine Freundlichkeit, seine trostreiche Zusprache gaben diesem Linderung, Hoffnung und Muth: er war mit einem Worte auch Seelenarzt; er heilte mit und durch sanfte Menschenliebe." Hirschfeld verdankte die Siechenaustalt in Wien ihr Entstehen. Die andere Leichenrede hielt Homberg bei der Beerdiglnig des Herrn David Wertheim am 26. August 1817. Wertheim war der erste 1793 gewählte Vertreter der Wiener Juden. Aas Chanutrah-Fest. Bon Rabbiner Dr. B. Königsberger in Pasewalk. II. uch als ein Fest der Frauen offenbart sich uns das Ehanukah, wie der Verfasser (Kap. 4) richtig hervvrhebt. Auch der Talmud (Sabbath 23a) giebt dem Ausdruck, indem er R. Josua ben Levi sagen läßt: „Auch die Frauen müssen die Pflicht desLichtanzündens am Ehanukah ausüben, denn auch sie waren an jenem Wunder betheiligt," und R. Salomo Jizchaki (Raschi) erörtert diese Bemerkung, indem er auf eine Bestimmung der syrischen Feldherrn h'mweist, durch welche die sittliche Reinheit der jüdischen Jungfrauen einer großen Gefahr ausgesetzt war, und ans die wunderbare Rettung, welche durch ein jüdisches Weib herbeigeführt wurde. Mit Recht erkennt der Verfasser, daß in Raschi's Erklärung zwei Fakta zusammengeworfen zu sein scheinen, deren ersteres auch (babylon. Kethuboth 3 b und jer. Kethuboth 25 e) erwähnt wird, und es scheint auch, daß dasselbe die Grundlage der angeführten gesetzlichen Bestimmung war. So wird auch von Raschi selbst (Mcgillah 4 a) als Begründung der gedachten Vorschrift nur angegeben, daß die Frauen deswegen an der Verlesung der Megillah Esther theilnehmen müssen, weil Haman (wie es int Q’DJn bv heißt) auch die Vernichtung der Frauen beschlossen hatte (desgl. auch Tosephoth Arachin 3a). Diese Erklärung ward, wie leicht zu begreifen ist, durch den Zusatz ergänzt, daß durch Esther, eine Frau, die Rettung herbeigeführt wurde, und so suchte man auch für Ehannkah eine Episode anzuführen, in der eine Jrall die Rolle der Retterin spielte, obwohl diese in Wirklichkeit die makkabäischen Helden herbeigesührt wurde (vergl. Raschi und KLbN zu Pesachim 108b). Auch jene agadische Bemerkung (Sota 11b): „Wegen des Verdienstes der tugendhaften Frauen jener Zeit ward Israel die Befreiung vom aegyptischen Sklavenjoche zu Theil" trug zur Erweitemng der Angabe in Kethuboth bei. Daß aber thatsächlich die jüdischen Frauen nur passiven Antheil an dem makkabäischen Befreiungskanipfe hatten, indein sie der zügellosen Gier der syrischen Söldlinge und Feldherren entrissen wurden, geht auch aus dem Stillschweigen des Talmuds hervor, der die Bemerkung: «auch die Frauen hatten an dem Wunder theil" unerörtert läßt und einen anderen Ausdruck hatte wählen müssen, wenn er hätte sagen wollen, daß durch eine Frau, und zwar durch eine einzige, das Wunder der Rettung war herbeigeführt worden. Die Verknüpfung der Erzählung von dem Meuchelmorde, welche Judith an einem syrischen Feldherrn verübte und durch den sie ihrem Volk die Rettung brachte, mit dein Ehanukah darf also unbedingt als nachtalmudisch bezeichnet werden. Das mag auch der Grund sein, weshalb die Tosephtha (Megillah 2, 7) die Frauen von der Pflicht des Lesens der Estherrolle dispensirt. Am deutlichsten geht es aber aus jer. Megillah II 73d hervor (vergl. Tosephoth Pesachim 108 b), wo es nicht heißt, daß die Frauen am Wunder theilgenommen, sondern daß „sie waren s7LV 171182 (in eodem ckiserimine) in derselben kritischen Lage." Da der Verfasser dieses Resultat nicht gezogen hat, folgt er den Spuren der Kommentatoren und geht zunächst auf eine kritische Betrachtung des apokryphischen Buches Judith aus. Rach den Untersuchungen der hervorragendsten Kritiker (Hitzig, Volkmar und Grätz) wurde das Buch gegen Ende der Regierung Trajans oder im Anfang derjenigen Hadrians geschrieben, und es verlege ein unter der römischen Regierung vorgekommenes Ereigniß, bei dem man vielleicht an den römischen Hauptmann L. Qnietus zu denken habe, aus Furcht vor dem herrschenden Reiche in die Zeit des