Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1895)
- Date
- 1895-12-13
- Page
- Seite 591 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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zu stiften? Gehört eine jede große Begebenheit, in der die Kraft und Wirkung eines höheren Willens, einer auf ein edles und würdiges Ziel gerichteten Bestrebung sich enthüllt, schon ihrer Natur und ihrem sittlichen Grunde nach einem jeden Geschlechte und einer jeden Zeit an, feiert der bestere Mensch in einer großen und edlen That, von der die Geschichte uns Kunde giebt, den reinsten und schönsten Triumph, fühlt auch der Spätgeborene den warmen Hauch der Begeisterung, das lebendige Walten einer reinen, uneigennützige» Aufopferung für ein schönes, edles Werk, das vor Jahrtausenden Helden erfüllte und sie hinanstrieb aus den Bahnen des Gewöhnlichen und den abgetretenen Geleisen kleiner Interessen, und knüpft sich natürlich ein Band der Liebe und trauten Vereinigung zwischen allen Zeiten und Epochen in den Gleichgesinnten und Gleichgestimmten, — so ist die Begebenheit, die uns der heutige Sabbath zurückruft, gewiß geeignet, unsere besten und reinsten Empfindungen zu beleben und unserer Kraft Antrieb und Sporn zu sein. War es doch das höchste Gut, um das sie kämpften und stritten! Ist doch die Beute ihres Sieges nicht blos vorübergehender Gewinn gewesen, der mit Denen, welchen er zu Theil tvard, in den unansfüllbaren Schlund der Vergangenheit ist hinabgewirbelt worden! Ist doch das, was sie znni Kanipfe trieb, die reinste, edelste Stimmung der Seele, die von jeder erdigen Schlacke frei, ohne Nebel und Wolke», ohne einen irdischen Zweck und ein weltliches Verlangen dem Lichte Gottes, wie es in ihnen leuchtete, folgte und in seinem Schimmer sicher ihres Zieles theilhaft ward! Wer stünde nicht innig bewegt und theilnahmsvoll stille, wo ihm das Bild des Kampfes vorgeführt ist zwischen Recht und Unrecht, zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen trotziger Willkür, übermüthiger, ihrer Gewalt vertrauender, Tyrannei und dem klaren Bewußtsein von der Unantastbarkeit des Heiligsten und Höchsten, was der Mensch sein nennt? Wen sollte es nicht erheben und erfreuen, dem gegenüber, der das Göttliche und Ewige höhnet und mit Füßen tritt, der es ungescheut und ungestraft thnn darf, weil den Eingebungen des verblendeten Hochmuths die Fülle äußerer Mittel zu Gebote steht, eine kleine Schaar nuithiger Kämpfer zu erblicken, die ungebeugt und unerschreckt, während Alles um sie her in feiger Ohnmacht und feiler sklavischer Angst lautlos und regungslos starrt — als Vorsprecher, als Anwalt und Verfechter der ewige» Besitzthümer, der Wahrheit und des Rechtes — hinausziehen, um einer verwirrten, geängsteten Welt die tröstliche Gelvißheit wiederzugewinnen, daß mächtiger als alle Erdeumacht und Größe, gediegener und fester als der hochgethürmte Bau der Gewalten, die echte Liebe zu Gott und der Glaube an ihn und seine Hilfe sich erweise? Dieses schöne herzstärkende Bild führet uns die Geschichte der Makkabäer vor die Seele! Es war der Glaube, für den sie stritten, der Glaube, dessen Odem in ihnen wehte; die Gotteslehre, für die einzutreten, und um die sie Leben und Blut hiuzngebe» bereit waren Es war das Feuer eines edlen, heiligen Zornes, das in ihnen brannte, als der stolze Syrerkönig mit seinen Dienern und Söldlingen dem Volke Jisrael den tyrannischen Befehl gab, daß sie de» Gott der Wahrheit, den lebendigen Hort Israels abschwören und verleugnen sollten, und statt seiner den Wahngebilden von Menschenhand in taumelnder Verblendung Opfer bringen. Und, während aus ganz Jisrael der Muth war entflohen, und dort.die Frommen und Gläubige» mit tiefer Betrübniß das schmerzvolle Haupt trostlos zur Erde senkten und in dumpfer Stille über dem schweren Verhängniß thatenlos brüteten, während auf der anderen Seite leichtfertige, hohle Sklaven sich dahin wandten, wo, mit allem Glanz bekleidet, die Erdenmacht herrschte und der Niedrigkeit und Entwürdigung glänzende Preise verhieß, — während Viele den Bund des Herrn brachen und zu ihrer Bedrücker Fahnen schworen — zog das kleine Häuflein der Hasmonäer in die Wüste, bereit, entweder den Tod zu erleiden für die heilige Ueberzeugung oder mit kühnem, mannhaften Auftreten die »och im Volke schlummernde Kraft zu wecken und den Funken der Liebe zu Gott und seinem Glauben zur lichten, lodernden, verzehrenden Flamme anzufachen! Gott der Herr war mit ihnen und segnete ihren Eifer und stand ihrem Arme bei und gab den Verachteten und Gedrückten Sieg und Heil! Es erstand wiederum der verödete Gottestempel zu seiner ursprünglichen Würde und ivard der höchste» Bestimmung, das Heiligthum des einzige», wahren Gottes, die einzige Stätte ans Erden, in der sein Name wird angerufe», zu sein, wiedergegeben! Sie weiheten ihn wiederum ein und erbauten seine Altäre und zündeten das in den heiligen Minnen verlöschte Licht des Herrn wieder an! Israel erstand aus seiner Erniedrigung und nahm geehrt und würdig seine Stelle in der Reihe der Erdenvölker! Darum erschallt noch heute das Danklied und der Preisgesang an den Tagen der Tempelweihe überall, wo Jisrael ist zerstreuet und es jauchzet noch heute jubelndes Lob zum Herrn empor, der den Stein, welchen die Baumeister verworfen, zur Zinne machte, der diesen Tag gemacht, an dem wir jubeln und froh sind, durch dessen tvnnderbares Führen und Walten Solches ist geworden, der uns ein Unbegreiflicher däucht und ein Unglaublicher! Darum erneuern wir alljährlich die Erinuerung an jenes hehre Ereigniß, das so glänzend und leuchtend in den Jahrbüchern der Geschichte unseres Volkes ist verzeichnet. Doch um die bloße Verjüngung und Wiederbelebung des Andenkens an ihren Namen und ihre Thaten, meine Freunde! kann und darf es uns nicht zu thun sein. — Wenn der Hinblick auf jene alte Zeit nicht für die Gegenwart und ihre Gestaltung belebend einwirkt, wenn zwischen deni Vergangenen und dem uns Umgebenden nicht lebendiger Zusammenhang sich erzeugt, wenn die mächtige Stimme, die aus den Gräbern der Vorwelt ertönt, nicht an ein offenes Ohr und ein williges Herz dringet, das ihrem Klange horchet und die Mahnungen und Weisungen mit empfänglichem Sinne hinnimmt als Rath und Antrieb, als Regel und Richtschnur — was frommt solche müßige Wiederholung enteilter Zeiten und gewesener Dinge? Nicht umsonst sind solche Erinnerungen aufbewahrt, nicht umsonst die Namen großer Menschen und großer Thaten der Nachwelt überliefert. Ernste, ehrfurchtgebietende Monumente stehen solche Gestalten da in dem großen Tempel der Weltgeschichte, — Führer und Leitsterne auf der Bahn der Erhebung und Veredelung des Geistes! — Sie treiben den Trägen zur Arbeit, lehren den Müßigen und Nichtigen die Fülle edler Kraft und mächtigen Leistens, zu dem der Mensch gesegnet ist lind ansgestattet; fröhlicher Zuruf erschallet aus ihrem Munde den Redlichen, Strebenden, ernste Rüge und demüthigender Vorwurf Denen, die für kein lebenswürdiges Tagewerk sich rühren; Vorbilder, weithin glänzende Leuchten den nachgeborenen Geschlechtern, die an den Vorfahren die eigene Kraft erhöhen, die eigene Würde erfahren, oder an der ragenden Höhe, zu der Jene emporgestiegen, die eigene Kleinheit und Geringheit messen lernen und das Bewußtsein der Unwürdigkeit als Brandmal sich selber eindrücken! Das sollen sie uns bedeuten, die Hasmonäer, in diesem Sinne wollen wir ihr edles, hohes Beispiel als Mahnung und Weisung für uns nützen! Denn was Jene thaten und wirkten, das ist auch der Gegenwart Ausgabe und Bestimmung; wofür sie litten und stritten, das hat auch Jisrael in der Gegenwart zu erringen und zu erkämpfe», und was Jene stark machte und unüberwindlich, was Jenen beistand in ihrem schweren Werke, das sollen auch wir uns gewinnen und erringen, als Genossen und Verbündete des Kampfes! Gilt es nicht unter uns die Wiedereroberung des Heiligthums und seine Weihe? Gilt es nicht auch für uns, das Licht in dem