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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-12-06 · Heft 49 (6.12.1895) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 49 (6.12.1895)
Date
1895-12-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Mitgliedes. Das Loos fiel auf Herrn Heinrich Eisner, dessen Wiederwahl indeß einstimmig erfolgte. Nach Erledigung der Tagesordnung fand ein gemeinsames Abendessen statt, das, von den weiblichen Zöglingen des Mädchenhauses in Pankow servirt und von geistreichen Toasten gewürzt, die Theilnehmer bis zur späten Nachtstunde zusammen hielt. Kp. Aus der Provinz Posen, im Oktober. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde Schön laute haben einen Verein zur Förderung jüdischen Wissens gegründet. Der Verein zählt bereits 70 Mitglieder. Vorsitzender ist Kaufmann Bochner daselbst — Bei der jüngsten Repräsentantenwahlen für die Synagogengemeinde in Be re nt wurden die Herren: Kaufmann Niese, Kaufmann N. Abrahamsohn, Pferdehändler L. Schleimer und Kaufmann A. Rabow gewählt. — Zum ersten Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Schlochau ist Kaufmann Isidor Weile daselbst gewählt worden. — Das Kaufmann M Wassermann'sche Ehepaar in Posen feierte jüngst im Kreise von Kindern und Enkelkindern das Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlaß ist dem Jubelpaar die Ehejubiläums - Medaille nebst Diplom überreicht worden. — Der jüdische Frauenverein in Schlochau hat in seiner letzten Generalversammlung die monatlichen Mitgliederbeiträge von 20 auf 30 Pf. erhöht. — Der Beerdigungsverein der israelitischen Gemeinde zu Schroda beschloß dieser Tage, neues Land zur Errichtung eines Friedhofes auzukaufen, da der alte fast vollständig belegt ist. Der Verein besitzt ein Vermögen von 1200 M. — Der Krankenpflege- und Leichenbestattungsverein in Jnowrazlaw, dessen Vermögen sich auf 2100 M. beläuft, beschloß jüngst, auch an arme hilfsbedürftige Nichtmitglieder Geldunterstützungen zu verabfolgen. In den Vorstand wurden gewählt: Die Herren Hauptlehrer a. D. I Masur, S. Salomon und I. Peyser. X Gollantsch, 2. Dezember. Zwei wohlthätige Stiftungen befinden sich hier am Orte. Der erste Testator ist der verstorbene Rentier Man Josel Heymann; er hat 8600 Thaler testirt; und zwar sollen die Zinsen von 4000 Thalern dazu verwendet werden, daß ein Gelehrter hier Talmud studirt und dafür die Zinsen davon erhält. — Ferner sollen die Zinsen von 2000 Thalern, alle zwei Jahre 1200 Mark, vertheilt werden an arme Verwandte zur Verheirathung ihrer Töchter. Die Zinsen von 600 Thalern werden an arme Leute am Sterbetage des Stifters vertheilt. — Der zweite Testator ist ein Schwager des Herrn Heymann, Rentier S. Levy, gewesen; er bestimmte ein Kapital von 5700 Thalern. — Die Zinsen von 4000 Thalern erhält ein Talmudgelehrter hier am Orte; die Zinsen von 1000 Thalern erhält ein Waisenmädchen am Todestage des Testators; die Zinsen von 500 Thalern werden ebenfalls am Sterbetage an Arme der Stadt vertheilt; die Zinsen von 600 Mark erhält ein Lehrer, der armen Kindern hebräischen Unterricht ertheilt Tr. Aus Schlesien, 1. Dezember. Stadtrath Friedländer in Oppeln feierte Anfangs d. M seinen 70. Geburtstag. Seitens der Stadt erschienen zur Beglückwünschung Erster Bürgermeister Pagels, Stadtältester Adamczyk und mehrere Magistratsmitglieder; das Stadtverordneten-Kollegium war vertreten durch Justizrath Rosinsky und die Herren Schriftführer Muhr und Raabe. Der Jubilar gehört der städtischen Verwaltung seit 27 Jahren an Ein lebensgroßes Porträt des Stadtraths Friedländer wurde diesem anläßlich des Festes von den vereinigten Kollegien des Vorstandes und der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde übergeben. — Die goldene Hochzeit feierte vor einigen Tagen in Petrzkowiy der Gastwirth Finke und dessen Ehefrau Der Jubilar betreibt seit 48 Jahren die Gastwirthschaft und erfreut sich allgemeiner Achtung Der Ratiborer Gastwirthsverein entsandte eine Deputation, bestehend aus dem Vorsitzenden, Hotelbesitzer Perl, Destillateur Böhm und Geschäftsführer Meisner, die ein Ehrendiplow, worin der Jubilar zum Ehrenmitgliede des Vereins ernannt wird, überbrachte. Der ostdeutsche Gastwirthsverband liest durch Hotelbesitzer Nawrath in Hultschin ein künstlerisch ausgestattetes Diplom überreichen. Rabbiner Dr. Blumenthal aus Ratibor überreichte die dem Jubelpaare vom Kaiser verliehene Ehejubiläumsmedaille nebst einem Glückwunschschreiben aus dem Civilkabinet des Kaisers. r. Kattowitz, 2. Dezember. Schon zu wiederholten Malen verlautete, daß die hiesige Synagogcngemeinde beabsichtige, an Stelle ihres jetzigen Tempel einen Neubau auszusühren. Die Uebersüllung des Gotteshauses während der letzten hohen Feiertage, obwohl noch ein Nebengottesdienst eingerichtet war, ließ den alten Plan wieder ernster herrortreten. Wenn man bedenkt, daß die Synagoge in den Jahren 1861/62 gebaut wurde, als die Gemeinde etwa 300-400 Seelen zählte, so muß Ulan in der That staunen, daß sie heut noch für eine Gemeinde Raum gewähren soll, welche mehr als 400 Familien (etwa 1700 Seelen) stark ist. Am Versöhnungstage herrschte daher auch, namentlich in den Abendstunden, in Folge der bedeutenden Gas- und Kerzenbeleuchlung in dem Bethause eine überaus hohe Temperatur, zumal die Ventilation sich fast als unbrauchbar erweist Trotzdem vor mehreren Jahren ein Erweiterungsbau der Synagoge unter einem Kostenaufwand von ca 60,000 Mark vorgenommen wurde, hat nunmehr auch der Vorstand die räumlichen Verhältnisse der Synagoge als nicht genügend anerkannt und den Neubau eines Tempels nach Möglichkeit zu fördern beschlossen. Für den Bau desselben ist zunächst die Uferstraße in Aussicht genommen und für die Untersuchung der Bodenverhältnisse ein Betrag von 150 Mark bewilligt worden. rk. Gleiwitz, 2. Dezember. Der hiesige israelitische Frauenverein entfaltet eine umfassende Wirksamkeit, er giebt an 33 Arme Monatsunterstützungen, verschämte Arme erhielten größere Beiträge bis zu 30 M., Bräute bekamen bescheidene Aussteuerbeiträge, Wöchnerinnen Pflegegeld, Krankenwärterinnen wurden für ihre Leistungen bei Kranken bezahlt. Erholungsbedürftigen wurde Zuschuß zu Badereisen gewährt 13 Mädchen erhalten auf Kosten des Vereins Handarbeitsunterricht, ein Mädchen wurde Schneiderin, eine Putzmacherin, eine Frau ließ der Verein zur Kochfrau ausbilden. Das Stammkapital von 1500 M. wird nur in Fällen äußerster Noth angegriffen; wie der diesjährige Bericht feststellt, ist es infolge reichlicher Spenden sogar möglich gewesen, einen kleinen Ueberschuß zu erzielen. Die Einnahmen betrugen 2589 M., die Ausgaben 2493 M. Der Verein ist sich seiner Aufgabe, die Noth verschämter Armen zu lindern, nach besten Kräften bewußt. Die Noth, die sich scheu den Augen des Mitmenschen verbirgt, diese sucht der Verein auf und versucht, wo es möglich, diesen Armen wieder eine Thätigkeit zu schaffen. Der Verein zählt jetzt 297 Mitglieder. Das Waisenhaus Rybnik, das Kinderheim Jastrzemb und das Kurhospital Colberg erhalten Jahresbeiträge seitens des Vereins, der auch hierin seine gute Organisation bekundet 191 durchreisende Arme erhielten kleinere Gaben. o. Hitdesheim, 1. Dezember. Soeben ist der Bericht über die Thätigkeit des Vereins zur Beförderung von Handwerken und sonstigen bürgerlichen Berufsarten unter den Juden der Synagogengemeinde und des Landrabbinatsbezirks Hildesheim ausgegeben worden. Wir entnehmen demselben die erfreuliche Mittheilung, daß die Interessen des Vereins nunmehr auch seitens einiger Synagogengemeinden resp. einzelner Mitglieder derselben innerhalb des diesseitigen Landrabbinatsbezirks durch Beiträge gefördert werden. Die Einnahmen betrugen 725,04 M., die Ausgaben 613,64 M., Kassenbestand am 31. Dezember 1894 111,20 Mk. Das Kapitalsvermögen des Vereins incl. Kassenbestand betrug am 31. Dezember 1894: 8461,20 Mk. Es erhielten Beihilfen im Betrage von 50 -100 Mark: 1 Tabakspinnerlehrling, 1 Schlachterlehrling, 1 Bildhauerlehrling, sämmtlich aus Hannov.-Münden, 3 Mechanikerlehrlinge aus Göttingen, 1 Zögling der israelitischen Erziehungsanstalt für Bodenkultur in Ahlem, aus Hildesheim, 1 Buchdruckerlehrling aus Dassel Außerdem wurden zwei Prämien aus den Zinsen des von dem weil. H. Meyersfeld in Braunschweig testamentarisch vermachten Kapitals den beiden besten Lehrlingen gewährt. Die Direktion besteht aus den Herren: Landrabbiner Dr. Lewinsky, Gustav Sabel, M. Friedheim, Gustav Pommer, Rechnungssührer, Rechtsanwalt Oppenheimer. a. Frankfurt a. M., 1. Dezember. Pfarrer Julius Werner aus Beckendorf bei Oschersleben hat einen antisemitischen Vortrag dieser Tage im Frankfurter Deutschkonservativen Verein gehalten. Unter die hübschesten Schlager, mit denen der Beckendorf - Oscherslebener Prediger der Nächstenliebe zum „energischen Kampf gegen das moderne Judenthum" aufrief, rechnen wir u. A. die Wendung: „Jeder anständige Mensch ist Antisemit." Ein anderer Satz, kaum weniger schön, lautete: „Die Juden sind mir so gleichgiltig, daß ich sie am liebsten gar nicht sehe." Man schreibt nun der Frankfurter Zeitung, daß dem Herrn Pfarrer denn doch nicht immer die Juden „gleichgiltig" waren, jedenfalls damals nicht, während er zu Anfang der achtziger Jahre als Studiosus der Theologie ein Stipendium aus einer Frankfurter Stiftung bezog, die ein Jude zu Gunsten Studirender aller Konfessionen

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