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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-12-06 · Heft 49 (6.12.1895) · p. Seite 588

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 49 (6.12.1895)
Date
1895-12-06
Page
Seite 588 (sequence 12)
Language
German
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588 Sprechsaal. Geehrter Herr Redakteur! (^8)ie in Nr. 43 der „A. Z. d. I." enthaltene Korrespondenz aus r\j) Königsberg bestärkt mich in der Ueberzeugung, daß die Begründung des Lehrerbundes ein Fehler wäre. Gerade die dort beregte Frage, ob die ungeprüften Lehrer in den Bund aufzunehmen seien, sollte uns vor der Begründung überhaupt warnen, denn wie die Entscheidung in dieser Frage auch ausfallen möge, so wird dadurch eine große Erregung hervorgerufen werden. Ich selbst bin entschieden für Ausschließung, aber nicht etwa den vorhandenen ungeprüften Lehrern zu Leide, sondern damit mit der bisher leider gar zu viel geübten Praxis, ungeprüfte Lehrer anzustellen, gebrochen wird. Durch die Zulassung derselben würden wir aber dies ungehörige Verfahren noch unterstützen. Die Vorbildung hat damit nichts zu thun. Es soll gar nicht geleugnet werden, daß auch unter den Autodidakten tüchtige Lehrer anzutreffen sind. Aber das ist doch zu fordern, daß Jeder, der eine Anstellung als Lehrer beansprucht, vorher die Befähigung zum Lehramt nachweist, und zwar nicht allein in pädagogischer Beziehung, sondern auch in Bezug auf allgemeine Bildung. Das Zeugniß etwa von einem Rabbiner könnte nicht als genügend angesehen werden, erstens, weil derselbe selbst nicht ohne Weiteres die pädagogische Befähigung dazu nachgewiesen hat und weil zweitens das jüdische fYftftrn über Vieles ein Auge zudrücken lassen würde. Ueberdies stellt ja in Bezug auf diese Frage das Gesetz von 1847 über die Verhältnisse der Israeliten in den alten preußischen Provinzen, wenn ich recht berichtet bin, den Grundsatz auf, die Bewerber um Religionslehrerstellen sollen das Examen für Elementarlehrer abgelegt haben, und man sollte wünschen, es würde allgemein nach diesem Grundsätze verfahren. Gerade bei dem wichtigsten Unterrichtsgegenstande sollte es weniger auf pädagogische Befähigung ankommen, als bei den weniger wichtigen? Es ist nicht unmöglich, daß die Gleichgiltigkeit, welche von so vielen Eltern und Schülern dem Religionsunterricht entgegengebracht wird (über die man in andern Religionsbekenntnissen nicht die geringste Klage kennt), gerade hierin mit ihren Ursprung hat. Der Werthschätzung des israelitischen Lehrerstandes seitens der christlichen Lehrer und anderer christlicher Kreise bringt der beregte Uebelstand doch gewiß auch wenig Nutzen, und man sollte von unserer Presse erwarten, daß sie hilft, denselben zu beseitigen, statt uns zuzumuthen, die ungeprüften Lehrer in den Bund aufzunehmen, wie das gelegentlich geschehen ist. In früheren Zeiten ist unsere Presse eher einmal aufgetreten, wie der selige Dr. Philippson vor vielen Jahren einmal in einem Artikel der „A. Z. d. I." ganz entschieden den Uebelstand bekämpft hat. Jedenfalls werden die Herren Delegirten, die Ende des Jahres in Berlin zusammentreten, gut thun, diesem Punkt ganz besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Lorken, 21. November. A . . . * Sehr geehrter Herr Redakteur! ls Einsenderin des in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes erschienenen Berichtes über den 70. Geburtstag der Frau Dr. Henriette Goldschmidt erlaube ich mir. Ihnen meinen verbindlichsten Dank auszusprechen für die überaus günstige Meinung, die Sie von unserer Leipziger Gemeinde und deren Opferwilligkeit, wo es gilt, ein Werk der Wohlthätigkeit zu vollbringen oder zu fördern, haben Ich möchte diese Ihre günstige Meinung auch nicht im Entferntesten zu beeinflussen suchen, zumal sie eine durchaus richtige ist und die Leipziger- Gemeinde mit Recht den Ruf genießt, mehr noch als andere große Gemeinden für ihre Armen zu sorgen. Leider aber sind bei uns die finanziellen Verhältnisse noch nicht derart glänzend, daß sie es uns ermöglichen würden, eine Stiftung von 25,000 Pfund Sterling zu errichten, und da meines Wissens sich bis jetzt auch noch Niemand gefunden hat, der bereit wäre, die fehlende Summe der Stiftung anzuschließen, so muß ich schon wohl oder übel Sie bitten, in die nächste Nummer Ihrer geschätzten Zeitschrift die Berichtigung aufzunehmen, daß der Kapitalbetrag der „Frau Dr. Henriette Goldschmidt-Stiftung" nicht 25,000 Pfund Sterling, sondern — leider — nur 25,000 italienische Lire ist. Das allgemein im Geschäftsverkehr und wohl auch sonst übliche Zeichen für italienische Lire ist £ it. (Lire italiane), und dieses Zeichen hatte ich auch in meinem Manuskript gewählt. Allerdings ist das Zeichen für Pfund Sterling sehr ähnlich. Ich hoffe, geehrter Herr Doktor, daß weder Sie, noch Ihre Leser durch diese veränderte Thatsache eine veränderte Meinung von der Opferwilligkeit der Leipziger Gemeinde erhalten; seien Sie überzeugt, daß es uns selbst nicht am wenigsten leid thut, daß unsere Stiftung nicht mit 25,000 Pfund Sterling errichtet werden konnte, und daß wir, da die Zinsen der 25,000 Lire nicht sehr bedeutend sind, leider die Verwendung derselben nur auf unsere Leipziger Bedürftigen beschränken müssen. Mit freundlichem Gruß und Hochachtung Leipzig, 30. November. OO * Mn Nr. 48 dieses Blattes wird darauf aufmerksam gemacht, daß eine Parallele zu Schillers Bürgschaft sich im Maarich — nicht Madrich — des Menachem de Lonsano befindet. Dem Einsender jener Notiz scheint es unbekannt zu sein, daß mein seliger Freund Dr. M. Wiener, welcher bereits vor 41 Jahren „Die Parallelen zu Schillers Bürgschaft" in Frankels „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums" 1854, S. 330-341 gesammelt, auf die Erzählung im Maarich hingewiesen und, nachdem sie Steinschneider einige Jahre früher übersetzte, sie in seinem Aufsatze nochmals übertragen hat. Daß die Quelle für die Erzählung im Maarich nicht Hygin ist, wird von Wiener mit ziemlicher Gewißheit behauptet. Dr. M. Kayserling. * Sehr geehrter Herr Redakteur! ie in der letzten Nummer enthaltenen Bemerkungen über Frau Dr. Blidden sind doch wohl zu scharf ausgefallen. Bei meiner Anwesenheit in Palästina besuchte ich am 28. Oktober dieses Jahres auch die Schule, die Dr. Blidden in das Leben gerufen hat und seit Jahren mit Hilfe von Freunden, die Frau Dr. Blidden in Amerika gesammelt hat, unterhielt. Die Schule steht unter Leitung von I. Epstein, der früher in Rosch Pinah Lehrer war und sich eines außerordentlichen Rufes als Fachmann erfreut. In der Anstalt wurden ca. 100 Mädchen in drei Klassen unterrichtet und eine Prüfung, die zwei Herren unserer Gesellschaft, Herr Margulies aus Montpellier und Herr Dr. Löwe von hier Vornahmen, ergab sehr gute Resultate, wenngleich wir gewünscht hätten, daß das Französische etwas weniger betont worden wäre. Sonst hatten wir an der Schule nur die schlechten Lokalitäten auszusetzen. Ich bemerke noch, daß auch die Alliance sich kürzlich durch einen Beamten Rapport erstatten ließ. Ohne über die finanzielle Seite ein Urtheil zu haben, muß ich doch hervorheben, daß das Ehepaar Blidden sich ein großes Verdienst erworben hat, in Safed die erste zur Zeit auch einzige Mädchenschule gegründet und erhalten zu haben. Dies zur Steuer der Wahrheit. Hochachtungsvoll und ergebenst Berlin, 1. Dezember. W. Bambus. * Hochverehrte Redaktion! JZs rlauben Sie mir, einen kleinen Jrrthum zu berichtigen, welcher sich *§ in Nummer 47 „der Woche" befindet. Auf der Rödelheimer Landstraße zwischen Bockenheim und Rödelheim bei Frankfurt a. M., in freier Lage, dem Tannusgebirge gegenüber, befindet sich die Rosen - b au ms che Heil- und Pflege-Anstalt, welche streng rituell geleitet wird. Der junge dirigirende Arzt, Herr Dr. Friedmann, ist selbst streng religiös, und seine Liebe und Geduld den Kranken gegenüber ist bewunderungswürdig. Mit vorzüglicher Hochachtung Gmünd, 25. November. Leopold Landau. Druck und Vertan von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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