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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-12-06 · Heft 49 (6.12.1895) · p. Seite 586

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 49 (6.12.1895)
Date
1895-12-06
Page
Seite 586 (sequence 10)
Language
German
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586 lU'UHiljvte, iibeifloci ein Ziitem den sehnigen Leid und in sein abgezehrtes, verhärmtes Gesicht schlligen die Flamme». „Der Pope hat's mir schon gesagt . . ." stieß er hervor. „Aber Tn kommst umsonst!" „Willst D» mich nicht erst anhören?" bat der Kleine. Janko schüttelte finster den Kopf. „Wozu?" sagte er dumpf. „Wie Dir zu Mnih ist, weis; ich, und was Du mir sagen willst, weis; ich, aber wie mir zu Mnth ist, weißt Du nicht ... Ich vergehe nach ihr," schrie er auf. „ich »»iß sie sehe», sonst werde ich verrückt! . . ." „Aber so sieh doch ein . . . Unsinn! Dn mußt es Dir ans dem Kopse schlage»!" „Warum?!" rief der Bauer. „Ich bin ein Mann und sie ein Mädel, ich Hab' sie wahnsinnig gern, und sie war immer gut zu mir. Unsinn? Weil sie eine Jüdin ist? Ist etwa sie eine K»h und ich ein Pferd — Menschen sind wir beide! Und was ist denn Indisches an ihr? Das Gesicht nicht, die Sprache nicht, die Gewohnheit nicht, sie ist ei» Dorfkind wie ich. Ich sage Dir, Leibko, zn mir paßt sie besser, als zn so einem dumme», blasse» Bengel mit Wangenlöckchen! Warum sollte sie sich nicht taufen lassen, warum sollte ich sie nicht heirathen? Der Pope will es nicht, Du willst es nicht — aber was geht das uns Beide an, wenn es »ns paßt? Der Pope sagt, ich werde deshalb im Dorf noch übler d'ra» sein, als seht! D'ranf pfeif' ich! Oder weil Dn es nicht leidest? Dn wirst es leide», wenn ich Dir sage: mein Weib wird sie und keines Anderen! Berlobst Tn sie, so iödt' ich sie und dann mich!" „Janko!" schrie Leib auf. Er hatte ihn bisher vergeblich zu unterbrechen gesucht; ungestüm, wie anfgestante Flnth, wenn der Damm zerborsten, strömte die Rede, die sich der Mann in tagelangen! Brüte» znrechtgelegt. „Janko! Soll das Dein Dank sein?" „Ich thn's ja mir, wenn ich maß!" rief der Bauer. „Nach meinem Willen soll sie ja leben und glücklich sei»! Ich nehme sie, wie sie ist, in Ehren, als Eheweib; ich will sie mein Lebtag gut halte», und verdorren mag mir die Hand, wen» ich sie je schlage — ist das nicht auch für Dich Dank genug?! Bin ich d'ran schuld, das; Tu das nicht willst?! Mir ist die Jüdin zum Weib gut genug, Dir ist der Ehrist zum Eidam zu schlecht — kann ich was dafür?!" „Nicht z» schlecht," wehrte Leib hastig ab, „nur geht es eben nicht . . . Ich Hab' schon gehofft, Du siehst das ein. Du hast ja dem Popen versprochen, nicht mehr zu kommen, wenn ich Dich drum bitte!" „Ja," ertviederte er, „aber Du solltest es nicht fordern! Den» >vas hast Tn davon? Glaubst Du, daß ich sie vergesse? Es wird nur immer schlimmer! Ich — ich kann's ja nicht so sagen, aber das waren Tage, Nächte" — er biß die Zähne zusammen »ad knirschte daun: „In der Hölle kann's nicht schlimmer sein . . . Ihr seid Dnmmköpse, daß Ihr das von mir fordert, den» ich halt es nur, so laug' ich kau», und laug' geht's nicht mehr . . ." Er legte die Hand auf die Stirne. „Lang' nicht . stieß er verstört hervor, „und daun, daun komm ich, und reis;' sie in meine Arme und sage: „Mein, mein! . . ." „Wahnsinn!" sagst Du? Dann bin ich eben auch wahnsinnig — laß es nicht so weit kommen. Ich will nichts, als sie sehen, mit ihr sprechen, dann bleib' ich bei Vernunft! So wahr mir Gott helfe, dann sag' ich ihr nichts! Kein Wort, kein Blick — glaubst Du mir?!" Lew schwieg verschüchtert. „Ja," sagte er dann zögernd, „das; Dn es mit dem Versprechen ernst meinst, glaube ich, aber Du würdest es ja nicht halten können ... Man darf nicht Oel ins Feuer gießen, verstehst D»? . . . Du mnßt sie vergessen!" „Niemals!" rief der Bauer leidenschaftlich. „Nie wird eine Andere mein Weib, nie wird ein Anderer ihr Mann . . Und woll't Ihr nicht, daß wir znsammem leben, so werden wir zusammen sterbe»! . . ." Er richtete sich hoch ans, das gelbliche Antlitz färbte sich, die scheue» Angen sprühten Flammen, die Rechte zuckte wie nnwistkürlich empor, und er hob die Schwnrsinger. „Höre!" rief er. „Vor langen Jahren, fast noch ein Kind, Hab' ich vor Gott dem Herr» den Eidschwnr abgelegt: mein bleibt dieser Hof; nicht ein Krümchen Erde soll je einem Anderen gehören! Den Eid Hab' ich bis heute gehalten, obwohl ich deshalb härter arbeiten mußte, als mein Zugstier, und schlechter leben, als mein Hund! Und heut' schtvör' ich: mein wird die Miriam! Ob im Leben oder im Tod, das magst Du wählen! . . . Und nun geh!" „Geh!" wiederholte er heftig, als der Kleine reden wollte, und so schlich dieser betrübt heim. Scheltend hörte Chane seinen Bericht an. Aber mitten in den bösen Reden hielt sie inne und blickte nachdenklich vor sich hin. „Dabei darf es nicht bleiben," sagte sie zögernd. „Sonst" — sie räusperte sich — „sonst geschieht wirklich ein Unglück! . . . Was diese Menschen „Liebe" nennen — pfni! pfni! — aber gleichviel, hat Einer von ihnen die „Liebe" bekommen, so ist es oft sehr gefährlich, wenn er plötzlich das Mädchen nicht mehr sehen kann ... Vielleicht ist es besser, wir erlauben ihm wieder, zu kommen . . . Du hältst ihn ja für einen ehrlichen Menschen, dann wird er mich wohl sein Wort halten." Leib sah sie erstaunt an. „So weit er kann", wandte er zaghaft ei». „In der „Liebe" benehmen sie sich ja Alle wie verrückt . . . Und dann, unser Miriamche», — Gott bewahre, daß ich etwas Schlimmes denke, aber sie fragt doch immer wieder »ach ihm — es wäre doch auch darum besser — mm ja! sie soll sich entwöhnen, soll ihn vergessen . . ." „Unsinn!" warf Chane gellend dazwischen. Gebe der Himmel, daß es Unsinn ist, dachte Leib. Laut aber sagte er: „Gut. Also ihrettvegen wür's gleichgiltig. Aber wenn er täglich im Hans ist, so ivittert er doch vielleicht etwas vw.' Jvr heimlichen Verlobung. Und wird sie gar in fünf oder sechs Wochen offenkundig, so erfährt er's sogleich, und wie willst Du sie dann vor ihm schütze»?!" „Das findet sich!" meinte sie leichthin und fügte dann sehr entschieden bei: „Also, er soll von morgen ab wiederkomme»!" Aber Leib schüttelte den Kopf. „Ich bitt' Dich," bat er flehend, „lass' das sein! Denk' an meinen Traum, ich hält' keinen ruhigen Augenblick mehr. . . . Aber auch wenn keine Gefahr dabei ist . . ." Er stockte, das verrunzelte Gesicht färbte sich. „Nun?" schrie sie auf ihn ein. Aber er mußte erst tief Athem schöpfen, ehe er schamhaft, mit glühenden Wangen und niedergeschlagenen Angen fast stotternd Hervorbringen konnte: „Jetzt, Chane . . . jetzt, wo wir wissen, ivas er will und wie er an sie denkt. ... Ich könut's nicht ertragen, znznsehen, wie er mein Kind so mit seine» Blicken . . . betastet. . . ." „Narr!" rief sie. „Wenn man gottlob ein so schönes, schweres Töchterchen hat, so muß man doch damit rechnen, daß die Männer sie anders ansehen, als einen alten Mann. . . ." Aber es klang doch etwas unsicher, und darum wiederholte sie nur, als ob sie sich selbst überreden müßte:

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