Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1895)
- Date
- 1895-12-06
- Page
- Seite 585 (sequence 9)
- Language
- German
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585 durch Gebet und Gesäuge bezeichueteu Feier zurücktrat, zumal Josephus nicht davon spricht, daß man zu seiner Zeit am Chauukah Lichter angeziindet habe; er sagt nur, daß das Fest, welches ob der Wiedereinführung der Opfer begangen wurde, <l>üra „Lichter" (nVtt) genannt werde und diesen Namen, wie er vermuthet, daher haben dürfte, daß den Juden „unerwartet das Licht der Freiheit anf-- gegangen sei." Uebrigens sei anch hier erwähnt, daß das Anzünden der Lichter am Chauukah beinahe den Charakter einer Illumination (vergl. die Bedeutung bb'Tl Jes. 14, 12 und der Vorschrift, das Fest zu begehen n «Tim hat, (vergl. auch Genesis rabb. 35, 3 und sonst), woraus sich auch die Anordnung erklären lassen würde, das Chanukalicht vor die Hausthür oder an das Fenster zu stellen, die nur zur Zeit der Gefahr Umgänge» werden durfte, indem mau das Licht auf den Tisch stellte, (vergl. Rasch! zu Sabbath 21b uud Sittin 17 a und Tosephoth zur letzt. St.) Alsdann braucht es sich oben gar nicht um ein Anzünden des goldene» Leuchters oder der zu seinem Ersatz angeweudetcn „Spieße", sondern nur um die JnstaÜirung einer feierlichen Tempelerlenchtung zu handeln, für deren längere Dauer man eben erst Oel herbeischaffe» mußte. (Vergl. noch die zehn Leuchter, welche Salomo i» dem von ihm erbauten Tempel aufstellen ließ (1. Kön. 7, 49 und 2. Chron. 4, 7. Tos. MenaeliOth XI, 10; babyl. ib, 29a 99a; jer. Sehekalim VI., 3 (50b). Nach dem Midr. hagadol, Jalkut und der „Boraitha über die Herstellung der Stiftshütte" (in Jellinek's Beth hamidr.) hatte, wie aus 2. Chr. 4, 7 gefolgert werden kann, jeder Leuchter 7 Flammen, alle demnach 70Flainmcn hatten. Vergl. Baal liaturim zu Nnm. 4, 8. Durch die Anerkennung des im Talmud angeführten, oben erwähnten Wunders aber werden alle Hypothese» überflüssig. Recht interessant ist auch der Bericht des R. Chaninah, des Obersten der Priesterschast, über den Tempelleuchter (Jelamdenu, Ans. Abschn. tezawe und Midrasch agadah", ed. ©. Buber, Wien 1894 2. St. In W. Bacher's Agada der Tannaiteu I, 55—58 n. A. wird die Stelle nicht angeführt). Er erzählte: Ich versah im Tempel meinen Dienst und nahm am goldenen Leuchter ein Wunderwahr; mä» zündete ihn nämlich am Anfang des Jahres an uud er ging erst beim Beginne des nächsten aus; als in einem Jahre die 'ein Oel lieferten, waren die Priester sehr betrübt und weinten. Ferner erzählte R. Chaninah: Einmal war ich iin Tempel und sah, daß der Leuchter bedeutend Heller brannte, als an den übrigen Tagen des Jahres. Er sah ein Wunder, bemerken die Midraschim . . . und wenn man den goldenen Leuchter anzündete, war jedes Gehöft in in Jerusalem davon hell erleuchtet. Vergl. dazu Sukkah V, 3 und die Ausführungen in den beiden Talmuden. Der, wie betont, ursprüngliche Charakter des Weihefestes läßt es'gar nicht auffallend erscheinen, daß in der Mischnah und Tosephtha des Lichtfestes so wenig gedacht wird. Für die geringen Vorschriften, die sich ursprünglich au Chauukah anschlossen, war die Rcdigirung eines besonderen Traktates durchaus nicht erforderlich, wie beim Purimfeste, das übrigens zur Zeit der Redaktion der Mischnah ein ganz allgemein gefeiertes, altes Fest war. Nachdem sich aber einmal auf Grund des mit dem Oelkrügche» geschehenen Wunders der Charakter eines Lichtfestes allgemein ansgebildet hatte, nachdem also das Lichtanzünden eine religiöse Pflicht geworden war, blieb es anch in dieser Bedeutung bestehen, so daß der MidraschchNum. rabb. 15, 5 Ende, Tanchuma zu Nnm. p. 24b., § 6) sagen kann, wenn auch die Opfer nur für die Zeit des Tempelbestandes gelten, die Lichterweihe bleibt ewig fvnjn ^28). (Vergl. noch hierüber das Werk Nor uk'zia von Jakob Emden.) Jedenfalls erscheint es ein wenig müßig, die Frage zu erörtern, wann das ursprüngliche Fest der Tempelweihe z» einem Lichteriest geworden; es sei hier vielmehr nochmals hervorgehoben, daß das Chanukahfest weder als ausschließlicher Ersatz für das Laubhüttenfest, noch als ei» besonderes Lichterfest jemals von einer besonderen Partei des jüdischen Volkes geschaffen wurde. Die ursprüngliche und eigentliche Bedeutung des Chauukah bleibt die eines Festes der Tempelweihe nach der siegreichen Beendigung der Makkabäerkämpfe. Nur nebenbei erwähnt sei hier noch die interessante Stelle im 2 Makk. 1, 18 aus dem 2. Briefe an die Alcxandrinischen Juden: „Demnach, weil wir ans den 25. Tag des Monats Kislew die Reinigung des Tempels zu begehen gedenken, haben wir es euch wollen anzeigen, daß ihr mit uns begehet daffelbe Fest, wie man begehet den Tag, daran Nehemia das Feuer gefunden hat, da er den Tempel und den Altar'baute und wieder opferte." Sollte hieraus etwa hervorgehen, daß eine Feicr des Ausfindens des Feuers durch Nehemia, tvelche vielleicht alljährlich stattfand, der Ursprung des Lichterfestes war? Die Vermuthung wäre angängig, wenn die Frage erledigt werden könnte, wie das Altarfeuer in dem Anzüuden der Lichter zum festlichen Ausdruck kommen könnte. (Schluß folgt) C . m IlmILUilllnil! tSSiiiKnulUimilllJlOTulUnTfllllllmliJwiWlInlitfflUiLiJimillllfrfflUlufmiilllitfnLlluffl!1! Illtfri W lilMDBüdJ lillffllilUiml m 1 1 FEUILLETON 1 I graimnmnuain ZEllltmlUmflll M MiMMMiMMMIMMMIMMMÜIMMMIillMIMEIMMIlMlUMMMllM MIMWMkiMiMWIMWMaiMMMnMWMmlllWMWkWWMmMMMnW -■ar- 1 -1 IlMMMlW -. Leib Meihnachtskuchen und sein Kind. Novelle von Karl Emil Franzos. (Fortsetzung.) estürzt erzählte Leib seinem Weibe von dem seltsamen Auftrag, i „Dahinter steckt was!" meinte er. Sie schwieg lange, nachdem er geschlossen. Was dahinter steckte, war ihr sofort klar: Paterski hatte in Halicz erkundet, über welche Gründe die Bahn gelegt werden sollte; der Obstgarten des Jauko gehörte mit dazu . . . Aber das durfte sie ihrem Manne nicht sagen, sonst rieth er dem Janko davon ab . . . Sie mußte ihn vielmehr dazu bringen, daß er es unter allen Umstünden bei dem Bauer durchsetze. „Narr!" sagte sie, „was zerbrichst Du Dir Paterski's Kopf?! Wahrscheinlich will er eine große Obstpflanznng anlegen und dafür ist's ihm das Geld werth. Uns rettest Du dadurch ans dem Elend uud für den Jauko ist's ja auch ein gutes Geschäft." „Aber er wird nicht wollen." sagte er. „Er muß wollen!" rief sie. „Sei einmal im Leben klug," fuhr sie flehend fort. „Denk' eimnal auch an Dich und mich! Reb David will selbst Geld geben, Du sagst Nein! Paterski will Dich in dcr Schänke lassen, Du denkst daran, ob das häßliche Thier, das Deinem Kinde nachstellt, nicht noch mehr Nutzen davon hat, wenn es den Garten behält. ... Du handclst immer nach Gottes Gebot, sagst Du, hat Gott mein Elend gewollt?!" Ec ließ sein Haupt sinken. „Ich will's versuchen," versprach er. „Was ich kann, soll geschehen." Mit diesem Vorsatz trat er in der Dämmerung den Weg zu Janko an. Der junge Bauer saß auf dem Bänkchen vor feiner Kammer und verzehrte sein Abendbrod, ein Stück Maiskncheu, und trank aus einem Thonkrug Wasser dazu. Als er den Jude»