Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1895)
- Date
- 1895-12-06
- Page
- Seite 584 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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584 Pesikta rabbathi VI (ed. Friedman» p. 23a) im Anschluß an 1 Kön. 7, 51: „Das Chanukah, toelches wir begehen, feiern wir znr Erinnernng an die Tenipelweihe zur Zeit der Hasmonäer, da sie siegreiche Kämpfe gegen die Syrer führten, nnd wir zünden jetzt Lichter an." Und wie der Midrasch ausrechnet, ward auch das Stiftszelt znr Zeit Moschehs am 25. Kislew fertig gestellt, wenn auch die Einweihung erst am 1. Nissan begann. Vgl. noch das ans einer f„MegiIlath setharim" von Nachmanides (zu Nnm. 8,2) gebrachte Zitat über den Znsannnenbang beider Einweihungsfeste. Woraus aber in Wirklichkeit die achttägige Feier des Festes zu erküren, werden tvir bei der folgenden Behandlung des Festes als Lichterfest sehen, tvelche der Verfasser im 3. Kapitel seines Aufsatzes behandelt. Jenes, sowohl in „Megillath Antiochns", wie im babylonischen Talmud (Sabbath 215 unten) mitgetheilte Wunder, daß man nach der Reinigung des Tempels, um das Licht anzünden zu können, nach deni heiligen Olivenöl gesucht und endlich ein Kriigchen Oel gefnnden habe, verschlossen und gesiegelt mit dem Petschaft des Hohenpriesters; das in deni Kriigchen enthaltene Oel, das nur für einen Tag zu reichen schien, habe dnrch ein göttliches Wunder acht Tage gebrannt, übergeht der Verfasser als historisch unhaltbar. In der Pesikta rabbathi II, (eü. Friedmann p. 5a) wird nämlich znr Begründung des Lichteranziindens am Chanukah erzählt: „Als die Söhne des hohenpriesterlichen Hasmouüers die Syrer besiegt hatten, traten sie in den Tempel ein und fanden daselbst acht (sieben) eiserne Spieße, und sie befestigten sie und zündeten in ihnen Lichter an;" so auch in Megillath Taanith IX. Dem Vers, ist noch die hierher gehörige Stelle in Menachoth 285 entgangen, aus welcher sich ergiebt, daß die betreffenden Spieße, welche die Hasmonäer für den Leuchter provisorisch benutzten, zuerst mit Zinn (p?22) belegt wurden, so daß mam keine Glosse ist! — Von solchen mit Zinn belegten Spießen (p*i 1LL?) hören wir übrigens auch Tos. Sota 4, 7 (Zeile 21) bei der Erzählung von der Beerdigung Josefs in Aegypten (vgl. hierzu noch Exod. robb. 20,19. Sota 13a u. s.). Hiermit ist aber der Bericht im babyl. Talmud durchaus nicht im Widerspruch; denn, wie Hirsch Chajes in seinen Novellen 2. St. bemerlt, wäre die Stelle folgendermaßen aufzufassen: „Wie steht es mit dem Chanukah, von dem es in einer Baraitha (d. i. Megillath Taanith) heißt: Am 25. Kislew beginnen die acht Tage des Chanukah, an denen man weder eine Trauerrede halten noch fasten darf? worauf als Antwort die oben angeführte Erzählung vom Auffindcn des Krügchens Oel erfolgt. Midrasch nnd Talmud behandeln somit zwei verschiedene Fragen; ersterer erörtert de» Grund des Lichtanzündens am Chanukah überhaupt, letzterer die Veranlassung zur achttägigen Feier des Festes. Es erschien den Talmudisten nämlich auffallend, weshalb die Dauer des Festes der Tempelweihe zur Zeit der Syrer acht Tage dauerte, während sonst derartige Feierlichkeiten, wie znr Zeit Moschehs (Lev. 8, 33, 35 u. 3.) und Saloinos (1. Kön. 8, 65. 66), nur sieben Tage dauerten. Will man nun das Wunder mit dem Oelkrügchen als historisch unglaubwürdig bezeichnen, so versuche man folgende Erklärung: Im 1. Makkabäerbuch 4, 49 heißt es: „nnd sie ließen neue heilige Geräthe machen, den goldenen Leuchter . . . und zündeten die Lampen an dem Leuchter an, daß sie im Tempel leuchteten .. . und sie hielten das Fest des neuen Altars acht Tage und opferten darauf Brandopfer und Dankopfer mit Freuden ..." Der goldene Leuchter war nämlich von Antiochus am 25. Kislew 168 v. Ehr. (Josephus, Jüd. Alterth. XII., 5,4 — nicht 5,14 —; nach 1. Makk. 1,23 jin Jahre 170) mit andern Teiupelgeräthen entwendet worden, so daß jene Neuanfertigung der heiligen Geräthe, darunter auch der goldene Leuchter, nöthig wurde. Man kann nun nicht annehmen, daß die Einweihnngsfeierlichkeiten deshalb acht Tage dauerten, weil erst »ach dieser Zeit der goldene Leuchter fertig wrirde, da ja auch die übrigen Tempelgcräthe, wie der Altar n. a., von Neuem hergestellt lverden inußten. Vielmehr ging, falls man nicht annehmen darf, daß die alten Tempelgeräthe zurückgebracht wurden, dem Beginn der Einweihnngsfeierlichkeiten die Hernnd Aufstellung der neuen Geräthe voran. (Vergl. auch Josephus a. a. O. XII., 7, 7.) Uebrigens wurde auch der Altar von Neuem aufgebaut, wobei die alten Tempelsteine, welche als verunreinigt angesehen wurden, vergraben tvurden (1. Makk. 4, 46 f. Mischnah Middoth 1, 6; vergl. dazu auch 2. Makk. 2, 5. Siehe auch den Jozer für den 2. Chanukahsabbath, gegen Ende, und Lipmann Heller zu Megillah 3, 6: N21LN2. Josephus, de hello judaico I., 1, 4). Dabei bliebe aber innner noch, wenn man vom 'obenerwähnten Wunder vom Oelkrügchen durchaus abstrahiren will, zu erörtern, woher man das Oel für de» goldenen Leuchter nahm.*) Nun lbemerkt Abudirham (ed. Prag 1784 p. 60 d), daß die Veranlassung zu dem Wunder der achttägigen Ergiebigkeit des Oelkrügchens darin zu suchen tvüre, daß das Oel, welches im Tempel in erster Linie Verwendung fand (vergl. Mischnah Menachoth 8, 3, im Talmud 15. IX. p. 95 5. Tosephtha 15. 9, 5, Midr. Tehillim zu Ps. 105, 8 3) aus Tekoa, einem a» der südlichen Grenze des ockerbaufähigen Landes gelegenen Städtchen (vergl. Nenbaner, la geographie du Talmud p. 128), int Gebiete des Stammes Asser, kam tmd der Hinnnd Rückweg zwischen Jerusalem nnd dem genannten Orte acht Tagereisen beträgt. Wir können dieser Mittheilung, welche aus dem Jerusalemischen Talmud stammen soll, entnehmen, daß man sich acht Tage ohne das heilige, geeignete Oel beging und die Einweihungsfeierlichkeiten ans die acht Tage ausdehnte, in denen man das Oel voiffTekoa beschaffen konnte. Vielleicht tvurden während dieser Zeit die in der Pesikta rabbathi II. erwähnten Spieße an Stelle des Leuchters benutzt, in den man kein anderes Oel hineingießen wollte, als das feinste, welches man eben aus Tekoa holen ließ. Am wahrscheinlichsten ist es mm, anztmehmeu, daß die Juden die hpiligen Tempelgeräthe ans dem Besitze der syrischen Ränder wiedererlangten, reinigten und in Benutzung nahmen, so daß es um so besser erklärlich wäre, weshalb mau noch acht Tage auf das Oel aus Lewa warten mußte. Da wir nun von dem Namen „Lichterfest" für Chanukah, außer bei Josephus a. a. O. XII., 7, 7, nichts hören, so läßt sich annehmen, daß das Lichtanzünden an demselben anfänglich hinter der ff Zu dem Wunder selbst vergl. 2. Makkab. 1, 19—22: „Denn da unsere Väter nach Persien geführt wurden, nahmen die damaligen frommen Priester heimlich vom Feuer des Altares und verbargen es in der Höhlung einer wasserleeren Grube, wo sie es verwahrten, so daß der Ort Allen unbekannt blieb. Nachdem nun viele Jahre vergangen, da es Gott gefiel, wurde Nehemias von dem König der Perser entlassen und schickte die Nachkommen der Priester, welche es verborgen hatten, nach dem Feuer; da sie aber meldeten, daß ste kein Feuer, sondern dickes Wasser gefunden hätten, da befahl er ihnen, davon zu schöpfen und ihm zu bringen. Da nun, was zum Opfer gehörte, herbei gebracht wurde, befahl Nehemias den Priestern, das Holz und das darauf Liegende mit dem Wasser zu begießen. Als nun das geschehen war und einige Zeit verging, da die Sonne hell leuchtete, nachdem fie vorher von Wolken verdunkelt war, entzündete sich ein helles Feuer, so daß Alle sich wunderten." Von einem ähnlicheir Wunder erzählt R. Eleasar ben R. Jirmejah (Pesikta rabb. XXIII. p. 1175 1. k. (Beresch. rabb. XI. 2): Einmal zündete ich mein Sabbathlicht am Freitag an und es brannte bis zum Sabbathausgang, und am Sabbathausgang fand ich die Lampe noch voll Oel, ohne daß auch nur das Geringste fehlte.