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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-12-06 · Heft 49 (6.12.1895) · p. Seite 582

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 49 (6.12.1895)
Date
1895-12-06
Page
Seite 582 (sequence 6)
Language
German
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582 lebendige Fragen zu geistiger Thäligkeit und innerer Beiheiligung gezwungen. Solche Autodidakten heißen wir Lehrer hochwillkommen und geben ihnen die Ehre, die ihnen gebührt. Endlich haben wir noch der schriftstellerischen Wirtsamkeit der lmerinüdlichen, selbstlosen Arbeiterin Erwähnung zu ihn». Dankbar gedenke ich hier zunächst ihrer werthvollen Mitarbeit an dem Organ des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, den „Neuen Bahnen". Ebenso war Henriette Goldschmidt Mitarbeiterin an mehreren bedeutenden Zeitschriften; besonders auf dem Gebiete der litterarischen Kritik ist ihre Feder geschätzt. — Frauen, denen ein jeder Tag ein reiches Maß von Arbeit bringt, gelangen selten dazu, umfangreiche Bücher herauszugeben. So hat Frau Goldschmidt auch nur eine größere Schrift veröffentlicht, welche 1882 unter dein Titel erschien: „Ideen über die iveibliche Erziehung im Zusammenhang mit dem System Friedrich Fröbel's". Mehrere ihrer Vorträge sind ini Druck erschienen, so anch derjenige, den sie ini Jahre 1868 zum sünfundzwanzigjährigen Schriftstellerjnbiläum Louise Otto's hielt. In den letzten Wochen verfaßte sie die vom Bunde deutscher Frauen an den Reichstag gerichtete Petition, wie anch der wichtigste Theil der Begleitschrift aus ihrer Feder stammt. Nur die größten Züge ihres an Arbeit und Segen so reichen Lebens durfte ich hier hervorheben; »eben diesen großen Aufgaben wurden von der Jubilarin anch die bescheidenen Pflichten einer jeden Stunde erfüllt. Als gute Hausfrau versteht sie es, ihre Dienstboten liebevoll zn erziehe», so daß diese sich selbst dann schwer von ihr trennen, wenn sie sich ihr eigenes Heim gründen. In den langen Leidensjahren, welche dem Tode des von ihr tief betrauerten Gatten vorangingen, war sie seine einzige Pflegerin, seine treue Gefährtin. Nun lebt sie mit ihrer trefflichen Nichte, die seit ihren früheste» Jngendjahren bei ihr lebt und von ihr zn innerer und äußerer Selbstständigkeit erzogen worden ist, i» schöner Gemeinschaft, rüstig arbeitend für Andere, ivie sie es am Morgen lind Mittag ihres Lebens gethan. So legt sic Zeugnis; dafür ab, das; Faniilie lind Haus nicht verkürzt iverde», wenn eine tüchtige Frau sich anch großen Aufgaben außerhalb des Hauses widmet. Wir Frauen aber freuen »ns dessen, das; unsere hochverdiente, allzeit »ilithige Mitkämpferin arbeitsfrendig in unserer Mitte steht und, so Gott will, uns noch lange erhalten bleibt. Aas Chanukah-Fest. Von Rabbiner Dr. B. Königsberger in Pasewalk. I. ' f» einer größeren Arbeit in der „Revue des Etudes juives“ Nr. 597 sucht Herr Dr. S. Krauß den Nachweis zu führe», daß die mannigfachen Eriiinennigen, ivelche dem Ehanukahfeste, dem jüngsten unter den jüdischen Festen, zu Grlinde liegen, nicht genügend geprüft worden sind, daß vielmehr die Feier des Festes im Laufe der Zeit eine planmäßige Entwickelung erfahre» hat und das Anzünden der Lichter mit dem Siege der Makkabäer nichts zu thini habe. Zur Zeit der Einführung des Festes habe es keine Autorität mehr, wie bei der Einsetznng der früheren Feste, gegeben, der sich Jedermann habe füge» müssen; die nationale Einheit sei bereits geschwunden gewesen. Je nach der Richtung der einzelnen Parteien des jüdischen Volkes habe man den Sieg der Makkabäer aufgenomineii: die Patrioten entzückten sich über die nationale Unabhängigkeit, die Ehassidim hatten nur Auge und Sinil für das heilige Gesetz und den Knltlis, während die Partei der Hellenisten jede deutliche Kundgebung des jüdischen Lebens ans dem Wege der Gewalt perhorreszirte. Die in Griechenland und Rom ansässigen Juden wostten vollends nichts von einer Feier der Wiedererhebung und Befreiung wissen, um bei ihren Beherrschern keinen Verdacht ähiilicher Gelüste, >vie die ihrer heimalhlichen Brüder, zn erregen. Diese Verschiedenheit der Meiiinngeii, so behauptet der genannte Verfasser, habe im Laufe der Jahrhunderte anch verschiedene Auffassmigen der Bedeutniig des Ehannkahsestes erzeugt, deren Feststellung und Detaillirung Aufgabe des Forschers sei. Herr Dr. Krauß betrachtet daher das Chanukahfest zunächst als Weihefest, worauf schon der Name ,“D13n Hinweise. Die durch die Makkabäer erstrittene Unabhängigkeit hatte ihren eigentlichen Ausdruck i» der Wiedereinweihuug des Tempels gefunden, zumal der syrische Feldherr Lysias die Versicherung gegeben hatte, die Integrität des Tenipelkultus zu wahren. So erachtete mau von de» Resultaten der makkabäischen Heldenkämpfe nur die Tempeiweihe für würdig, der Nachwelt überliefert zu werden, und so erhielt das Fest kurziveg den Namen „Chanukah", d. h. Einweihung. Da indessen der Name des Festes iveder in Transkription in de» griechischen Schriften sich findet, wie das Pessach, Azereth (Wochenfest), Sukkoth, Purim rc., noch sonst das zu Nlim. 7, 88.10. 84, 2. Chron. 7, 9, in der Septuaginta für nsun gebrauchte griechische tyzcdvniu resp. iyzuirinno-4 sich findet außer im Evang. Johannis 10,22 (vgl. auch Septuaginta zn 2. Esra 6, 16 und Nehemia 12, 27), das 300 Jahre »ach Einführung des Chanukahfcstes anznsetzen ist, also in einem Werke pharisäischer Kreise, so nimmt der Verfasser an, daß das makkabüische Fest nur den Pharisäern als Fest der Einweihung des Tempels galt, während die Hellenisten in ihin etwas ganz anderes sahen. Dadurch nun, daß für das Chanukahfest eine Thoravorlesung (Nnm. 7) angeordnet wurde, sei es der Zahl der übrigen Feste eingereiht worden. Mit Absicht hätte man hierzu nicht einen auf die Kümpfe der Makkabäer bezüglichen Abschnitt der Thora gewählt, wie z. B. für das Purimfest, sondern einen solchen religiösen Inhalts, wie der Num. Kap. 7, der von der Einweihung des Stiftszeltes in der Wüste handelt. Aber der Verfaffer irrt schon darin, daß er meint, es gäbe wohl geeignete Thoraabschnitte, die auf das Chanukahfest Bezug hätten, z. B. Deut. 20; denn hier ist von freiwilligen Offensivkriegen die Rede, beim Chanukah aber von einer Defensive. Und darum ist es eben gar nicht so auffällig, wie der Verfasser meint, daß die Midraschim so wenig von den Kriegen und Erfolgen der Makkabäer sprechen. Wenn dem Midraschredaktor hierüber ausführliche Quellen Vorgelegen hätten, so Hütte er packende Erzählungen wohl gebracht; aber 1. fehlten ihm solche völlig, 2. verlegte sich der Midrasch damals mehr auf die bloße Exegese, und 3. galt ihm ja das Fest schon wegen seines Namens nicht als ein Fest des Sieges selbst, sondern als ein solches der Wiedereinweihuug des Tempels, bei der sich ein recht auffälliges Wunder Gottes offenbarte. Zudem lenkten auch die Beziehungen des Channkahfestes. wobei sich das bekannte Oelwunder zeigte, zur Einweihung der Stiftshütte mehr auf eine friedliche, religiöse, denn auf eine kriegerisch angehauchte Agadah hin. Das; die Agadah (übrigens nicht unbestritten) auch die Fertigstellung der Stiftshütte auf den 25. Kislew (Pesikta rabbathi VI. p. 24a; Nnm. rabb. XIII, 1), an dem das Chanukahfest der Makkabäergefeiert wird, verlegt, ist für den Historiker natürlich unbedingt werthlos und auch dafür nicht zu verwertheu, daß das Chanukahfest dem rabbinische» (d. i. pharisäischen) Judenthum als Weihefest galt; dazu ist der betr. Midrasch eine durchaus sekundäre Quelle.

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