Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1895)
- Date
- 1895-11-29
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 wählen, zur Abgabe von Stimmzetteln für die liberalen Kandidaten des nunmehr aufgelösten Gemeindernthes zu bewegen. Der Gerichtshof sah aber darin keine Gesetzverletzung und sprach die Angeklagten frei. — Am Leopoldi-Tage fand die Eröffnung von Wärme st üben statt. Gleichzeitig wurde die neuerbaute Wärmestube, 1l, Brigittenau, Burghardtgasse, in Anwesenheit des Vereinsausschusses, der Mitglieder des Damenkomitees, der Frauen Therese Berger, Ottilie Bondy, Baronin Buschman, Paula v. Dorn und Leopoldine v. Gyurkovich, sowie des Bezirksleiters der Brigittenau, Polizeirath Skazel, ihrer Bestimmung übergeben. Der Verein hat am Sterbetage (14. November) seines fürsorglichen Gönners Baron Moritz Königswarter einen Kranz auf dessen 0>rab in dankbarer Erinnerung niedergelegt. — Das ungarische Amtsblatt meldet die Verleihung des Komturkreuzes des Franz Joseph- Ordens an den Direktor der Unionbank, Herr Eugen Minkus. — Der Kaiser hat den Finanzkommissar Sigmund Bach rach zum Finanzoberkommissar für den Dienstbereich der Finanzdirektion in Troppau und den Konsularattachö Alfred Nappaport zum Vize-- konsul ernannt Der Wahlaufruf des antisemitischen Bürgerklubs, der sich als Central-Wahlkomitee dieser Partei konstituirt hat, wurde von dem Staatsanwalt vollinhaltlich konsiszirt. — Die Prager israelitische Kultusgemeinde-Repräsentanz beschloß, an sämmtliche Gemeinderabbiner, sowie an die Vorstände aller neuen großen Synagogen Prags heranzutreten, bamit dieselben Vorkehrungen für in den Synagogen vorzunehmende Sammlungen für den Fonds zur Errichtung und Erhaltung von Ossarien und Denkmälern der auf den böhmischen Schlachtfeldern Gefallenen treffen sollen. — Der Justizminister hat den Bezirksrichter in Vielitz, Dr. Hugo Spitzer, zum Landesgerichtsrath als BezirksgerichtZvorsteher, unter Belastung an seinem Dienstorte, ernannt. Ämerilrn. G. H. Nelv-'Aork, im November. Die von Baron Hirsch begründete Kolonie in Woodbine, New-Jersey, befindet sich nach den letzten Berichten in aufblühcndem Zustande. Die Kolonie, welche auf halbem Wege zwischen Philadelphia und New-Aork gelegen ist, umfaßt 700 Seelen und besitzt 5000 Acker (etwa 2000 Hektar) Landes. Eine Ackerbauschule erzieht die Kinder der Koloinsten für den Ackerbau; außerdem geben eine Kleiderfabrik, eine Korbflechterei, eine Maschinenwerlstätte und eine Geldbörsenfabrik den Ansiedlern Beschäftigung. Am 20. Oktober wurde in Anwesenheit zahlreicher Gäste, worunter der Präsident des Baron Hirsch- Fonds, Meyer S. Jsaacs, der Grundstein zu einer Synagoge gelegt. Da einzelne Ansiedler aus Bessarabien an dem sephardischen Ritus der Chassidim festhalten, wurde beschlossen, daß jedesmal vor den Feiertagen eine Generalversammlung der Gemeinde durch Majoritätsbeschluß entscheiden solle, ob der Ritus der Aschkenazim oder Sephardim zu wählen sei. — Am 23. Oktober hielt das konservative Rabbinerseminar in New-Aork, Jewish Theological Seminary, seine Schlußfeier. Die Kandidaten David H. Wittenberg und Henry M. Speaker wurden als Rabbiner und Emil Friedmann wurde als Kantor ordinirt. Die Feier wurde von Rabbiner Sabbato Morais aus Philadelphia geleitet. — Der amerikanische Kantorenverein hielt am 21. Oktober seine Jahressitzung im Tempel Adath Israel in New-Z)ork und wählte Herrn Hern.ann Goldstein zum Präsidenten. — Am 8. Oktober wurde in View-Jork von den gebildeten russischen Juden ein Verein zur Pflege der semitischen Sprachen, unter dem Namen Ohole Schem, gegründet. Die Gründer, welche an der hebräischen Monatsschrift „Ner hamaarabi" betheiligt sind, wollen ein eigenes Organ ins Leben rufen. — Jacob H. Schiss, der bekannte New -Yorker Philanthrop, hat dem Rabbinerseminar Hebrew Union College in Cincinnati den Betrag von 1000 Dollars gewidmet. Kon Nah und Fern. Die Anklage gegen Dr. Böckel wegen Beleidigung des Offizierkorps soll am 30. November zu Halberstadt verhandelt werden. Inzwischen ist gegen ihn eine zweite Anklage wegen Beleidigung einer Baronin erhoben worden. — Ahlwardt hat soeben eine Reise nach den Vereinigten Staaten von Amerika angetreten, um dort in größeren Städten Vorträge zu veranstalten. Veranlassung hierzu bietet ihm die Einladung mehrerer Deutsch - Amerikaner, die ihm durch einen in Berlin eingetroffenen Herrn aus Milwaukee übermittelt wurde. — Um sich aus der augenblicklichen Verlegenheit zu helfen, stellte die jüdische Gemeinde Czarnikau an Stelle des nach Graudenz verzogenen Kantors Bernstein einen Russen Namens Teitelmann, aus dem Gouvernement Kowno, vertretungsweise als Kantor an. Ein von ihm an die Regierung gerichtetes Aufenthaltsgesuch wurde nicht genehmigt; auch ein solches an den Ober-Präsidenten wurde abschlägig beschied.m. Am Donnerstag erhielt Teitelmann nun den Bescheid, daß er innerhalb drei Tagen das Land zu verlassen habe. — Der israelitische Litteraturverein in Czarnikau besitzt 80 Mitglieder und eine Bibliothek von 200 Bänden. — Der Litteraturverein in Rogasen hat den dortigen Rabbiner Dr. Auerbach zu seinem Ehrenmitgliede ernannt. — In Wollstein ist der Buchdruckeleibesitzer Wolfsohn zum ersten Vorsteher der jüdischen Gemeinde gewählt worden. — Der in Krotoschin gewählte Rabbiner Dr. Berger aus Hohenelms in Tyrol kann sein Amt noch nicht antreten, da er sich erst naturalisiren lassen muß. — Durch ein Geschenk des prakt. Arztes Dr. med. Daus in Berlin ist die Gemeinde in G o llantsch in der Lage gewesen, kürzlich den Weg nach dem israelitischen Friedhofe zu planiren und mit Bäumen zu bepflanzen. — Am 3. d. M. hielt der seit 50 Jahren bestehende Wohlthätigkeitsverein (Ansche Chessed we iVeir-Tumid) in Posen seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Verein zählt jetzt 73 Mitglieder. Bei der in der Versammlung erfolgten Vorstandswahl ist Herr Max Ehrenwerth als Vorsitzender und die Herren S. I. Cohn, Marcus Scherk, Julius Schwarz, Hermann Sachs, Nathan Warszawski, Julius Wolf und Samuel Goldschmidt als Vorstandsmitglieder wiederund die Herren Julius L. Jacobsohn und Abraham Ehrlich als solche neugewählt worden. — Am 9. d. M. wurde in Essen der neugegründete Verein für jüdische Geschichteund Litteratur mit einem Vortrag von Herrn Rabb. Dr. Frank aus Köln eröffnet. Nach dem Vortrag traten zu den 61 Mitgliedern, die dem Verein bereits angehörten, 25 neue Mitglieder bei. Ebenso wird Herr Rabbiner Dr. Frank am 5. Dezember in Düsseldorf den dort neugegründeten Verein für jüdische Geschichte und Litteratur mit einem Vortrag eröffnen. — Beim jüngsten Armee - Befehl wurden wiederum drei Israeliten zu Reserve-Offizieren bei der Artillerie in Baiern ernannt, und zwar Bacharach (München) im 1., Erlenbach (Nürnberg) im 2. Fuß - Artillerie - Regiment und Levy (Dillingen) im 1. Trainbataillun. — Die Errichtung eines israelitischen Siechenheims für Baden in Karlsruhe ist nunmehr beschlossene Sache. Am 27. Oktober kamen Vertreter der größeren israelitischen Kultusgemeinden Badens zu einer konstituirenden Versammlung zusammen. Der vom Komitee vorgelegte Statutenentwurf wurde genehmigt und ein Ausschuß von 18 Mitgliedern aus allen Bezirken des Landes gewählt, dem die Beschaffung der Mittel für den Grundfonds obliegt. — Der Richter der königl. Curie, Dr. S. Deesey , ist zum Senatspräsidenten bei der k. Tafel in Budapest ernannt worden. — Aus Radzi w ilo w wird Warschauer Blättern gemeldet, daß eine Kosakentruppe das Haus eines jüdischen Pächters daselbst überfallen und die ganze Familie desselben, nachdem ste noch die Frauen gemartert, abgeschlachtet hat. Die Mörder nahmen dann alles Werthvolle mit sich und verließen sogleich den Ort — Der Sultan hat Levy Essendi, welcher auf dem Gebiete agrarischer Forschung als Kapazität gilt, zum Agrarinspektor von Syrien ernannt, mit der Mission, über die Versuche mit Kaffee-Plantagen dort und auch in Tripolis Bericht zu erstatten. Levy Effendi ist ein besonderer Kenner der Kaffeekultur und hat sich seine diesbezüglichen Kenntnisse durch jahrelangen Aufenthalt in Arabien erworben. Unter seiner Leitung sollen später in den genannten Vilayes großartige Plantagen hergestellt werden, um für diese Gebiete neue Produktionsquellen zu erschließen. — Im Alter von 95 Jahren ist am 6. d. M. Jakob Montefiore, eines der besten Mitglieder der Londoner israelitischen Gemeinde, mit dem Tode abgegangen. Er war in Jamaika geboren, genoß aber seine Erziehung in England. Lange Jahre waren er und seine Brüder Agenten des Hauses Rothschild für Australien. Der König Wilhelm IV. ehrte ihn, indem er ihn zum Kommissar für die Kolonisirung der Kolonie Viktoria ernannte. Sein Interesse hing sein Leben lang an Australien. Jakob Montefiore hatte auch tiefes Interesse an wissenschaftlichen Dingen. Die geographische Gesellschaft nahm ihn als Mitglied auf. Für die Armen hat er viel gethan. Druck und Aerlaa von Rudolf Mosse in Berlin. Beraulwo tlich für die Redaktion: Max VauckNoib in Berlin. >