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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-11-29 · Heft 48 (29.11.1895) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 48 (29.11.1895)
Date
1895-11-29
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 seinerzeit sein Bürgerjubiläum zu begehen. Auch in der Verwaltung der Synagogengemeinde, welcher der Verstorbene länger als fünfzig Jahre angehört hatte, war derselbe als eifriges Mitgli-.d des Vorstandes thätig, ebenso wie während der mehr als fünfzehn Jahre, in denen er das Amt eines Vorstehers des dortigen israelitischen Krankenpflege- und Sterbevereins (Chewra Kadischa), dem er fast seit seiner Gründung angehörte, verwaltete. Auch in seinem ganzen übrigen Leben zeichnete den Verblichenen eine außerordentliche persönliche Liebenswürdigkeit und Gewissenhaftigkeit aus, die derselbe u. A. auch als langjähriger Rendant des dortigen Vorschußvereins, dem er seit seiner im Jahre 1866 erfolgten Begründung angehörte, hinreichend bewährte. Das Andenken des Heimgegangenen wird lange ein gesegnetes, ehrenvolles bleiben. — Dem Bauunternehmer Schal in S ohrau, welcher demnächst nach Breslau verzieht, der auch zu den Höchstbesteuerten der Stadt gehörte und sich namentlich um die Armen außerordentlich verdient gemacht hat, haben die Stadtverordneten das Ehrenbürgerrecht verliehen. Von Seiten der Gemeindemitglieder war zu Ehren des Scheidenden, welcher Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengemeinde ist, im Saale des Hotelbesitzers Herrn Zweig eine Abschiedsfeier veranstaltet worden. Rabbiner Dr. Deutsch, Kaufmann M. Prager und Hotelbesitzer Zweig, der Kollege des Scheidenden im Vorstande der Gemeinde, feierten den Ehrenmann. — Am 3. d. M. fand in Rybnik die geplante Feier des Stiftungsfestes des dortigen israelitischen Waisenhauses statt. Erschienen waren das Kuratorium, Vertreter des Ausschusses und die Ehrendamen. Die Wittwe des verstorbenen Herrn Haase, der sich, wie bekannt, um die Gründung der Anstalt ein besonderes Verdienst erworben, weilte leider in der Fremde zur Herstellung ihrer Gesundheit. Um ll/2 Uhr begann die Feier mit einem Choral, dem die Gedächnißrede und zwei Vorträge der Waisen folgten. Hierauf wurde die Anstaltschronik verlesen und zum Schluß wiederum ein Choral gesungen. H. Rakel, 24 November. Am 10. d. M. feierte, wie bereits gemeldet, Herr Lesser Bärwald sein 50jähriges Geschäftsjubiläum. Nachdem schon am frühen Morgen dem Jubilar von seinen Kindern, Geschwistern und einem großen, von Nah und Fern zur Feier des so seltenen Festes herbeigeeilten Verwandten- und Freundeskreise Glückwünsche dargebracht worden, erschien inn,8'i Uhr eine Deputation der in seinen Mühlenetablissements beschäftigten zahlreichen Arbeiter, deren Sprecher in warmen Worten der Fürsorge gedachte, mit der Herr Bärwald stets das Wohl seiner Arbeiter und deren Familien zu fördern bedacht gewesen ist Um 10 Uhr erschienen die Beamten des Hauptgeschäfts, diejenigen der Filialen Bromberg, Bielawy, Weißenhöhe, sowie des Gutes Hohenfelde, um dem Prinzipal ihre Liebe und Verehrung auszudrücken, und überreichten ihm ein vortrefflich gelungenes Oelbildniß seines Vaters, des Begründers der Firma. Nachdem darauf der Vorstand und die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde dem Jubilar als ihrem langjährigen ersten Vorsteher unter Ueberreichung einer Adresse den Ausdruck größter Anerkennung für seine hingebende Thätigkeit im Interesse der Gemeinde dargebracht hatten, und Herr Rabbiner Dr. Perlitz in bewegten Worten noch besonders auf den idealen Sinn, den der Jubilar bei dieser Verwaltung bekundet, hingewiesen hatte, erschienen gegen 12 Uhr der Magistrat und die Stadtverordneten in corpore, all ihrer Spitze Herr Bürgermeister Riedel, welcher im Namen der Stadt die Verdienste feierte, die der Jubilar als bewährtes Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und seit einer Reihe von Jahren als deren Vorsteher sich um die Förderung der städtischen Interessen erworben hat. Diesen Körperschaften schloß sich der Direktor des königl. Gymnasiums, Herr Professor Heidrich, an, der auf das für die Schulen seiner Vaterstadt stets opferfreudig bekundete Interesse des Jubilars hinwies. Nun folgten Deputationen des Sparkassen- und Vorschußvereins, der jüdischen Wohlthätigkeitsvereine, die ebenfalls eine Adresse überreichten, des durch zwei Damen deputirten Vaterländischen Frauen-Vereins, sowie des Handwerkervereis. Im Namen des letzteren feierte dessen Vorsitzender, Uhrmacher Kleinschmidt, den Jubilar als unermüdlichen Förderer des kleinen Bürgerstandes, der stets ein warmes Herz und hilfsbereite Thatkraft für die wirthschaftlich Schwachen bekundet. Auf alle diese Ansprachen erwiederte der Jubilar in herzlicher und treffender Weise. Er wies unter Anderem darauf hin, daß der in seiner Vaterstadt stets herrschende konfessionelle Friede eine der Grundbedingungen für seine gemeinnützigen Interessen gewidmete Thätigkeit gewesen sei. Bei der Festtafel theilte Herr Bürgermeister Riedel mit, daß ihm vom Jubilar eine Summe von 3000 M. als Schenkung für die Stadt Nakel überreicht worden sei mit der Bestimmung, daß von den Zinsen dieses Kapitals jährlich am 10. November arme Kinder ohne Unterschied der Konfession mit warmen Kleidungsstücken versehen werden. Der jüdischen Gemeinde vermachte der Jubilar als Zuschuß zu dem Stiftungsfonds seiner verstorbenen Mutter 4000 M. Die Stiftung ist der dauernden Förderung des jüdischen Religionsunterrichtes in der Gemeinde gewidmet. Der ganze Verlauf der Feier war ein würdiger und erhebender und legte Zeugniß dafür ab, daß treue, rechtliche Arbeit und opferfreudige, edle Gesinnung bei allen Schichten der Bevölkerung gebührende Anerkennung findet. OO Leipzig, 23. November. Heute sind es 70 Jahre, seit eine Frau das Licht der Welt erblickte, die schon seit langer Zeit der Stolz unsrer Gemeinde ist, Frau Dr. Henriette Goldschmidt, die Wittwe unseres verdienstvollen verstorbenen Rabbiners Dr. Goldschmidt. In stiller Zurückgezogenheit, bei ihren Kindern in Wien, verlebt Frau Dr. Goldschmidt diesen Tag, um so allen Ovationen, die man ihr hier gebracht hätte, zu entgehen, gewiß zum Leidwesen Vieler, die der edlen Frau an ihrem Ehrentage gern persönlich ihre Glückwünsche und ihren Dank für ihre segensreiche Wirksamkeit ausgesprochen hätten. Frau Dr. Goldschmidt ist nicht allein eine Zierde unserer Gemeinde, sondern auch der deutschen Frauenwelt überhaupt, deren Interessen ein großer Theil ihres Lebens gewidmet war und ist; daneben wirkte sie aber auch für das Judenthum in hervorragender Weise durch ihre thatkräftige Mitarbeit als stellvertretende Vorsitzende der Verwaltung der „Deutsch- Israelitischen Darlehnskasse für Frauen" und Jungfrauen und durch die Heranbildung vieler jüdischer Mädchen innerhalb des 1871 von ihr begründeten und seither als Vorsitzende von ihr geleiteten „Vereins für Familien und Volkserziehung." Als ein Zeichen inniger und aufrichtiger Verehrung und dankbarer Anerkennung ihres erfolgreichen Bestrebens um das Wohlergehen vieler Menschen wurde innerhalb der hiesigen israelitischen Gemeinde eine „Frau Dr. Henriette Goldschmidt- Stiftung" mit einem Kapitalbetrage von Pfund Sterling 25,000 errichtet, mit der Bestimmung, daß die Zinsen dieses Kapitals alljährlich dem hiesigen israelitischen Frauenverein zur freien Verfügung übergeben werden; Frau Dr. Goldschmidt ist, solange sie es wünscht, ein Einfluß auf die Verwendung dieser Zinsen einzuräuuren. Es ist dabei in Aussicht genommen, in einer der Namensträgerin der Stiftung würdigen Weise die Zinsen nicht zu gewöhnlichen Almosen zu verwenden, sondern zu größeren Gaben an Frauen und Jungfrauen zur Hebung von deren Existenz oder zur Hilfe in besonderen Fällen. GD Halberstadt, im November. Am 1. April 1796 ist die hiesige Israelitische Schule „Hascharath Zwi" durch die Stiftung des edlen Wohlthäters Hirsch Borchard ins Leben gerufen worden. Der Stifter hatte ein Kapital von 11,000 Thalern gespendet zu dem Zwecke, eine Schule zu errichten, welche den Kindern zugleich Unterricht in den Fächern jüdisch-religiösen Wissens im Verein mit Kenntnissen allgemeiner Bildung gewähren sollte. Die Israelitische Schule in Halberstadt hat zu allen Zeiten ihrem Stifter Ehre gemacht. Die Absicht desselben ist im besten Sinne verwirklicht worden, und die Schule repräsentirt heute ein Institut, um welches unsere Gemeinde von vielen jüdischen Gemeinden Deutschlands beneidet wird. Es gilt nun das hundertjährige Jubiläum dieser Lehranstalt würdig zu begehen. Soll die Schule auf ihrer Höhe erhalten werden, so muß ein Fonds aufgebracht werden, welcher den Betrag des jetzt bestehenden Sciftungsfonds erreicht, — denn große Aufgaben harren ihrer Lösung. Das im Jahr 1858 durch die humane Thal edler Männer geschaffene Unterrichts-Lokal ist in keiner Weise mehr ausreichend, und die Schule leidet in ihrer Frequenz durch diese mangelhaften Lokalitäten Ein Pensionsfonds für die Lehrer der Schule muß geschaffen werden, wenn es gelingen soll, gute Lehrkräfte, wie bisher, der Schule zu erhalten. Ein Komitee achtbarer Männer hat sich deshalb, als ehemalige Schüler dieser Schule, zusammengefunden, um an Diejenigen, welche sich dankbar ihrer ersten Ausbildung in dieser Anstalt erinnern, ebenso wie an alle Diejenigen, die ihr Interesse einer Anstalt widmen wollen, welche so segensreich für jüdische Deutsche gewirkt hat und weiter wirken soll, die Bitte zu richten, „zu einem Jubiläumsfonds der Israelitischen Schule nach besten Kräften beizufieuern". Diesem Aufrufe wird man wohl überall gern Folge leisten, insbesondere Diejenigen, welche in der Schule ihre erste Ausbildung erhalten haben und

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