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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-11-29 · Heft 48 (29.11.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 48 (29.11.1895)
Date
1895-11-29
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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59. Jahrgang. Ar. 48. 'Beilage Eerlin. 29.November 1895. zur „Ungemeinen Zeitung öes IuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. §£g Berlin, 27. November. Wenn diese Blätter in die Hände unserer Leser gelangen, sind die Repräsentantenwahlen abgeschlossen und es steht zu erwarten, daß nunmehr auch der Friede in der Gemeinde bald wieder hergestellt sein wird. Noch in den letzten Tagen vor der Wahl erschien eine Kompromißliste, die 14 von den Kandidaten des liberalen Wahlvereins ausgenommen, ferner eine Liste, die nur fünf Kandidaten überhaupt nannte. Man kann nicht sagen, daß diese Listen wesentlich zur Klärung der Lage beigetragen haben. Das Wahlresultat, dessen Feststellung immer 5 bis 6 Tage in Anspruch nimmt, werden wir wohl unfern Lesern schon in nächster Nummer mittheilen können. 2£g Berlin, 26. November. Wie wir hören, hat die Kommission zur Berufung eines neuen Rabbiners in den letzten Wochen sehr fleißig gearbeitet. Sie ist dabei zu dem Entschlüsse gelangt, auf keinen der Kandidaten, die sich gelegentlich des Ausschreibens der Stelle gemeldet, zu reflektiren, sondern drei ihr von zuverlässiger Seite empfohlene und bekannte Rabbiner, die sich nicht gemeldet, zur Gastpredigt einzuladen. Der Vorstand hat diesen Entschluß gebilligt und den primo loco vorgeschlagenen Herrn Rabbiner Dr. B. Rippner in Groß-Glogau für den Chanuka-Sabbath (14. Dezember) zu einer Gastpredigt eingeladen. Herr Dr. Rippner hat diese Einladung angenommen und wird an dem betreffenden Sabbath beim Morgengottesdienst in der Lindenstraßen- Synagoge und Nachmittags beim Jugendgottesdienst die Predigt halten. Berlin, 26. November. Geheimer Regierungsrath Professor Dr. Lazarus, der, wie erinnerlich, vor mehr als vier Wochen eine ungewöhnlich schwere und seltene, weil vollständige, Ausrenkung des rechten Armes erlitt, hat, dank der Frische und Kraft seiner ganzen Organisation, schon nach vierzehn Tagen von dem drückenden Gipsverbande befreit werden können. Leider jedoch ist die Schmerzhaftigkeit und Unbeweglichkeit des Armes noch so groß, und eine hinzugetretene Nervenlähmung so quälend, daß ein langes Heilverfahren durch Massage und Anwendung elektrischer Ströme nothwendig wird Trotz der augenblicklichen Angegriffenheit des Patienten ist jedoch das Gesammtbefinden so zufriedenstellend, daß er, gewiß zur Genugthuung seiner Freunde und Hörer, in ungefähr acht Tagen die angekündigten Universitätsvorlesungen beginnen wird. * Berlin, 14. November. Sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum feierte heute der Sanitätsrath Dr. med. Isidor Julius Wohl, einer der ältesten praktischen Aerzte Berlins. Wohl hat seinen Doktortitel an der Universität Berlin erworben. Von den drei Freunden Wohls, die bei der feierlichen Promotion mitwirkten, sind zwei nachmals bekannt geworden, Ludwig Loewenthal, der als sehr geschätzter Praktiker vor einigen Jahren hier starb, und Wolfgang Straßmann, damals Kandidat der Medizin, der nachmalige Berliner Stadtverordnetenvorsteher. 1822 zu Berlin geboren, hatte Wohl das Mißgeschick, in den Kinderjahren seine Eltern durch den Tod zu verlieren. Seiner Erziehung nahm sich neben den Anverwandten der Waisenhausleiter Baruch Auerbach an. Mit ihrer Unterstützung machte Wohl in sieben Schuljahren das Friedrich-Werdersche Gymnasium durch. 1841 bezog er zum Studium der Heilkunde die Universität Berlin, bei der er während seiner ganzen Studienzeit verblieb. Die ärztliche Praxis übt Wohl seit 1852 aus. H. Berlin, 25. November. Am 23 d. Mts. fand in den Räumen der Philharmonie zum Besten der „Hilfskasse für israelitische Kultusbeamte" ein Konzert statt. Ein schwungvoller Prolog, von Lehrer Gustav Jacobsohn gedichtet und von Fräulein Jda Lieban schön vorgetragen, leitete das Programm des Abends ein. Nachher folgte der musikalische Theil. Die beiden Schwestern, Frau Louise Heymanw und Fräulein Johanna Heymann, Töchter des bekannten Ober-Kantors Heymann aus Amsterdam, haben den Ruf, den sie bereits in der musikalischen Welt genießen, auch an diesem Abend durch ihre hervorragenden Leistungen bestätigt. Frau Heymann sang mit obligater Flöte eine Arie aus der Oper „Lucia de Lammermoor" mit großer Stimmfertigkeit. Dieselbe wurde für ihren natürlichen und künstlerisch schönen Gesang mit reichlichem Beifall belohnt. Ihre Schwester, Fräulein Johanna Heymann, spielte mit eminenter Technik und seelischem Ausdruck ein Rondo von Chopin und das von ihrem Bruder Carl Heymann auch schon in der Sing - Akademie gehörte „Elfenspiel". Der Hofcellist Heinrich Grünfeld zeigte sich besonders in den klassischen Piecen des „Ai?" von Bach und des „La cinquantaine" von Gabriel Marie als Meister in der Beherrschung seines Instrumentes. Das vollbesetzte Haus spendete ihm hierin stürmischen Beifall. Auch andere hervorragende Künstler, wie Herr Kammersänger Staudigl und Enmnuel Reicher, trugen ihr Bestes zum (Gelingen des Abends bei. Es wäre interessant, zu erfahren, ob auch der materielle Erfolg des Abends mit dem künstlerischen gleichen Schritt hält. — Wie alljährlich, haben sich auch in diesem Jahre die Herren Göttinger, Marksohn und Max Stein durch ihre unermüdliche Thätigkeit um >^as Zustandekommen des Elite- Konzertes ein großes Verdienst erworben. Ihnen, wie allen Herren, die ihre Kräfte in den Dienst der guten Sache gestellt haben, sei hier Dank ausgesprochen. mf. Posen, 26. November. Der 55. Jahresbericht unserer Israelitischen Waisen-Knabenanstalt stellt fest, daß das frühere Defizit, infolge der Zurückhaltung, welche sich die Verwaltung bei der Aufnahme neuer Zöglinge nothgedrungen auferlegte, geschwunden ist Im verflossenen Jahr haben die Einnahmen den Ausgaben das Gleichgewicht gehalten, ja sogar wieder einen Ueberschuß ergeben. Die Anstalt verpflegte im Berichtsjahre 24 Zöglinge, von denen nur 5 in Posen ortsangehörig sind, die übrigen stammen aus Provinzialgemeinden, welche die Waisenanstalt durch Zuwendungen unterstützen. Für einen Knaben aus Lubasch wird von der Landarmen-Kommission ein kleiner Zuschuß zu dessen Unterhaltungskosten gezahlt. In der Inspektion der Anstalt hat sich seit dem 1. April 1895 ein Wechsel vollzogen. Herr Dr. Falkenheim trat in den Ruhestand, und an seiner Stelle übernahm Herr Lehrer Katzenstein aus Wetzlar das Amt eines Pflegevaters. Auch der Hilfserzieher Herr Lehrer Witt schied aus, um einem ähnlichen Ruf nach Berlin zu folgen. Der Bericht widmet zwei um die Anstalt wohlverdienten Personen ein Wort pietätvoller Erinnerung. Im Berichtsjahr, am 30. Juni, entschlief der Stadtrath a D. Herr Wolff Kronthal Seit dem Jahre 1881 hat er unserer Direktion angehört und an der Erweiterung unseres Hauses in hervorragender Weise mitgewirkt. Am 19. Januar bereits war Frau Bertha Heilbronn, welche seit 1867 ununterbrochen als Ehrendame in der Anstalt wirkte, einer langwierigen Krankheit erlegen. Die Einnahmen der Anstalt betrugen im Berichtsjahre 24,966 Mark, wobei an neu hinzugekommenen Legaten zu erwähnen find die Dotation der Frau Bertha Manasse in Oberzycko mit 3000 Mark, das Legat des Herrn H. Landsberg mit 1500 Mark, Legat des Herrn H. Bremer mit 1500 Mark, Legat des Herrn Jakob Holde mit 1000 Mark und das Legat des Herrn Stadtrath Kronthal mit 1000 Mark. Der Ueberschuß aus den laufenden Einnahmen betrug 1177 Mark. Die Anstalt kann mit Befriedigung auf das Ergebniß des Berichtsjahres zurückblicken, dessen vorzüglichstes Resultat die Möglichkeit der Aufnahme neuer Zöglinge ist.?. Aus Oberschlesien, 10. November. Am 7. d M. starb in Großstrehlitz im 77. Lebensjahre der Rentier David Creutzb erg er. Der Verstorbene, welcher in der Verwaltung der Stadt als Stadtverordneter und Mitglied des Magistrats lange Jahre hindurch mit treuer Hingebung thätig war, war vor zwei Jahren in Anerkennung seiner Verdienste um das städtische Gemeinwesen zum „Ehrenbürger" der Stadt ernannt worden und hatte auch Gelegenheit gehabt.

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