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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-11-29 · Heft 48 (29.11.1895) · p. Seite 576

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 48 (29.11.1895)
Date
1895-11-29
Page
Seite 576 (sequence 12)
Language
German
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576 Betrübniß Aller, die sich schon längst nach dem Rencontre mit dem Feinde sehnen, ist der Befehl ausgeblieben, und es ist jetzt wieder Alles ruhig geworden. * Bei Beaumont, den 31. August 1870. Liebe Bertha! Von gestern Mittag bis spät Albend fand hier ein heftiges Gefecht statt, an dem unser Regiment lebhaft Antheil nahm und viele Tvdte j und Verwundete hatte. Es war ein Kampf gegen eine größere Abtheilung der in Ehcilons neugebildeten Armee des Marschall Mac Mahon. Der Feind ist besiegt und nach der belgischen Grenze zu blutig zurückgeworfen worden. Ich danke Gott, daß ich mit dem Leben und unverwundet davon gekommen bin. Ueber meine persönlichen Erlebnisse am Schlachttage geben Dir die in flüchtiger Eile hingeworfenen Bleistiftnotizen Auskunft, welche ich aus meinem ärztlichen Kriegstagebuche abschreibe: Früh Morgens aufgebrochen. Wir betreten ein waldiges, bergiges Terrain mit schlechten, unfahrbaren Wegen, auf denen der Medizinkarren! wiederholt umstürzt und so beschädigt wird, daß er nur mit äußerster; Mühe dem Bataillon Nachfolgen kann. Durch das Bivouac eines Garde- ' Regiments hindurch erreichen wir gegen Mittag den Fuß einer waldigen! Anhöhe, hinter welcher, wie ein entgegenkommender Husar meldet, das j feindliche Lager sich befindet. Auf der Höhe angelangt, erblicken wir,! kaum 80:> bis 1000 Schritt entfernt, auf der Ebene vor dem Städtchen! Beaumont die Franzosen, welche, augenscheinlich nichts ahnend, mit dem! Abkochen beschäftigt sind, als plötzlich von den seitlich gelegenen Höhen! unsere Artillerie das Feuer gegen sie eröffnet und unmittelbar darauf auch unsere Infanterie zum Angriffe vorgeht. Wenn schon im ersten Augenblick überrascht und verwirrt, eilen sie schnell zu den Waffen und stellen sich in geschlossenen Reihen zur Wehr. Granaten und Chassepot-! Kugeln fliegen uns entgegen und bald bedecken Toote und Verwundete! den Waldesrand, wo unsere Mannschaften kämpfen. Ich verbinde die! ersten aus der Gefechtslinie angebrachten Verwundeten an einem noch j von den feindlichen Kugeln bestrichenen Orte hinter einer niedrigen Lehmj ausschüttung, später neben einem weiter waldwärts gelegenen Jäger-! Häuschen, wo inzwischen der Verbandsplatz der 8. Division errichtet I worden ist. Die krängende Arbeit des Kugelausziehens und des Wund- I Verbundes theile ich zunächst nur mit dem Assistenzarzt des dicht neben! unserm Truppentheile kämpfenden 4. Jägerbataillons, später erscheint i auch der Divisionsarzt Dr. W und andere Truppenärzte; einige kleinere | Operationen, insbesondere Abnahme zerschossener Finger, werden von j mir verrichtet, bei einer größern, der Amputation eines Unterarms! assistire ich dem Divisionsarzt Schwere Verletzungen aller Art, bej sonders Schußwunden der Brust, aus denen beim Verbände die Luft der j mitverletzten Lungen zischend entweicht, Unterleibsschüsse, Zerschmetterungen! des Kniegelenks und der Arme u. a m. kommen zur Beobachtung. Gleich! bei Beginn des Kampfes ist der 'Adjutant des 1. Bataillons, v. L., ge-! fallen und der Oberst des Regiments verwundet worden; er hat eine - Streifwunde all der linken Brustseite nicht bedenklicher Art, die ich verbinde, und wird Nachmittags, nachdem die Franzosen das Lager verlassen ulld auf der Straße über Beaumont hinaus die Flucht ergriffen, nach einem hier in einem größeren Gebäude errichteten Feldlazareth geleitet. j Auch idi folge nun meinem Truvpentheile durch das Lager, in dem eine! reiche Beute zurückgelassen worden, nach dem von Verwundeten und! Gefangenen wiinlnelnden Beaumont, verliere dann aber, infolge eines etwas i längeren Verweilens beim Verbände einiger am Wege liegender Ver-! mundeten, darunter auch eines schwerverletzten Franzosen, das Bataillon : und meinen die Pferde führenden Burschen aus den Augen. Ein des Weges kommender katholischer Feldgeistlicher nimmt mich in seinem Wagen auf; denselben zeitweilig verlassend, verrichteten wir, jeder in seiner Art, den Samariterdienst, Sterbenden und Verwundeten Trost und Hilfe zu bringen, bis wir nach Anbruch der Dunkelheit auf der mit marschirenden Truppen und Fuhrwerk bedeckten Heerstraße einem Patronenwagen des 85. Regiments begegnen, mit denl ich alsbald zum Bivouac 1. Bataillons gelange. 14. £Utrrnril'djr IIIiUljri 1 ungnt. Wir erhalten folgende Mittheilungen: Indem die verehrlichen Mitglieder des Mekize-Nirdamim- Bereins den Abschluß der Rechnung für das zehnte Vereinsjahr erhalten, erneuern wir zugleich die Bitte: „ein jedes Mitglied möge in seinen Kreisen für eine größere Ausbreitung des Vereins mit Eifer thätig sein." Der Druck der Schriften für den elften Jahrgang ist bereits in vollem Gange. Vor Allem wird das Wörterbuch von Jona ibn Ganach möglichst zum Abschluß gebracht werden, wiewohl die Lieferung mehr als 20 Bogen umfassen dürfte. Auch die Fortsetzung des Diwün Jehuda Ha-Levi's soll besonders gefördert werden. Allerdings muß hierbei daran erinnert werden, daß es oft für das eingehende Studium eines einzelnen Gedichtes mehrerer Wochen bedarf, um die Ansichten der Mitarbeiter auf schriftlichem Wege zu ermitteln und dann die richtige Zeichensetzung oder den richtigen Sinn mancher Wörter und Sätze festzustellen. Wir können hierbei die freudige Genugthuung für alle diese Mühen nicht unerwähnt lassen, die in dem ungetheilten Beifall sich kundgiebt, mit dem der Diwan des größten unserer nationalen Dichter ausgenommen wird. Die uns von Sachkennern zugegangenen Bemerkungen werden in geeigneter We.se verwerthet werden. Außer diesen beiden Werken wird noch ein Sammelband mit verschiedenen kultur- und litterarhistorischen Beiträgen erscheinen. Noch andere bedeutende Werke liegen dem Komitee zur Prüfung vor, die aber erst in nächster Zeit wird erfolgen können. Der Tod des Komiteemitgliedes Dr. Joseph Derenburg in Paris hat eine recht empfindliche Lücke im Komitee zurückgelassen. Das Interesse, mit dem er für die Angelegenheiten des Vereins thätig war, wird in der mit ihm gepflogenen Korrespondenz, welche im Archiv des Vereins aufbewahrt ist, dauernd anerkannt bleiben Um diese Lücke auszufüllen, wie auch zugleich zwei andere seit einigen Jahren eingetretene Vakanzen zu besetzen, haben wir uns bemüht, die Herren Dr. Braun, Dozent an dem rabbinisch-theologischen Seminar zu Breslau, Zadoc Kahn, Grandrabbin. de France in Paris, und D. Simonsen, Oberrabbiner in Kopenhagen, zum Eintritt ins Komitee zu bewegen und hierdurch die ursprüngliche Mitgliederzahl wieder herzustellen, was uns auch gelungen ist. Das neu konstituirte Komitee wird sich nun mit der Prüfung der vorliegenden Schriften beschäftigen und die weiteren Bestrebungen des Vereins zu gedeihlichem Erfolge führen An den Mitgliedern ist es nun, das Ihrige hierbei zu thun, vorzüglich durch die gefl. rechtbaldige Einzahlung des Jahresbeitrages. Spvechsaclt. Sehr geehrter Herr Redakteur! s wird wohl dieLeser des Blattes interessiren, daß eine Parallele <27^ zu Schillers Bürgschaft sich in Madrich von Menachein di Lonsauo (lebte im 16. Jahrhundert) in hebräischer Sprache befindet. Ein Anhang des Madrich enthält 42 kleinere und größere Erzählungen. Da Menachcm di Lonsano viele Sprachkenntnisse besaß, so ist es möglich, daß er die Erzählung „Seele für Seele" aus den. Fabelbuche des Hyginus geschöpft hat. Hochachtungsvoll Dresden, 15. November. M. Auerbach. * Löbliche Redaktion! ch ersuche ergebenst um Aufnahme folgender Warnung: Aus Frank- A furt a. M. wird mir heute mitgetheilt, daß dort Fälschungen meines Amtsstempels und gefälschte Empfehlungen mit meiner Unterschrift in Umlauf find. Ich erkläre hiermit, daß es von mir keine Empfehlungen giebt, da ich solche prinzipiell nicht ausstelle Ich warne vor den Betrügern und ersuche, die Fälscher, wo sie ertappt werden, zur Rechenschaft ziehen zu lassen. Hochachtungsvoll 5i öln, 21. November. Dr. Frank. Druck und Verlag von Rudols Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Mar Bauchwitz in Berlin.

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