Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1895)
- Date
- 1895-11-29
- Page
- Seite 569 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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569 gegenstellt? , durch den durch de» jume heute es, kleinhlagen, die en der Beratend wird et, wie die n Religion classen und Kr unsere» 9o sind sie warum ergegen die erzengung? er in einer trete» sie Wohl des thau hat? tctes Volk" a, warum de» Schutt liehe» Bau Bewältige» Zolmmes" iit andern », warm» esem festen rerseits die udenthums . Scheuen : hin, dasaltiger als onfereuze», ode», wir alle diese dienen zur »ifessione» in» blicken est ist doch erweckt es m daß die illt, kaum, rediger di> st. ec is eht Golteim Tempe ter. Uiise! is soll de! materielle und Liebe itigkeits »gestalt»»,; ragen sollte General eeits soweit »»ein bezusannnentiitt, »m über alle großen Frage», welche unsere konfessionelle Gemeinschaft berühren, nicht entscheide» könnte? Glaubt man, eine solche oberste Vertretung würde nicht Jedermann imponiren? Glanbensfragen, aber auch politische Angelegenheiten, Unterricht, Gottesdienst und Wohlfahrtseinrichtnnge», Presse und jüdische Litteratur, sie alle gehören in de» Bereich der Berathung und Beschlußfassung dieser General - Synode; sie hat namentlich dafür zn sorge», daß überall, wo das Judenthum als solches in seiner Ehre angegriffen wird, rasch und unzweideutig Genugthuuug geleistet werde; sie hat würdig, aber ganz entschieden dafür zu sorgen. — Wie sind überzeugt davon, daß, wenn das Jndenthum in Oesterreich eine derartige Vertretung stets gehabt hätte, es zu einer solchen Erniedrigung unserer Konfession nicht gekommen wäre, wie wir sie erleben. Wir sehen ja, daß, wenn der einzelne Jude kräftiglich seine Konfession vertritt, die feigen Seelen der Verfolger sich au ihn nicht heranwagen. Liebedienerei aber, knechtischer Sinn, Gleichgiltigkeit, Mangel an jedem Stammesbewußtsein, selbstische Gefühle, falsche Scham, sie haben nicht weniger die „weißen Nelken" emporblühe» lassen in den Knopflöchern der Wiener Bürger und in denen der Bürger anderer Städte, als die leidige Magensrage, als die Verbitterung unserer schlechtbezahlten Beamten, denen man zwar eine Uniform, aber kein Brod gegeben hat. „Wache auf, warum schläfst Du"! So rufen wir zu den Juden unserer Residenz, so rufen wir zn den Juden unserer Landcshauptslädle, so rufen wir zu der Intelligenz unserer Jndenschaft, wo immer sie wohnen mag in unserem großen Vaterlande. „Erwecke Dich selbst" — bevor es zu spät wird; bevor der Tag sich wendet, der Dir noch leuchtet, bevor die Schatten des Abends, der über uns hereinzubrechen droht, immer länger werden. Jetzt gilt es nicht, um Kleines zn feilschen; nicht für irgend ein tausend Jahre altes Gebet oder einen veralteten Brauch wollen wir unsere Kräfte im nutzlosen Kampfe aufreiben, sondern für die große» Fragen, die auf uns einslürmeu, welche dem Jndenthum mit ihrem „Sein- oder Nichtsein" täglich cntgegentöncn. — Gewiß, eine mächtige, führende Regierung schützt uns (hugcn liadeni), sie hat das Ihrige gethan, thun auch wir das Uusrige. Iwri. Die Blutlieschnldignng in Tatarbazardschik. Von Dr. R. Vierer. Sofia, 17. November. f er Antisemitismus der That hat unseren Brüdern in Tatarbazardschit einen panischen Schrecken eingejagt und konnte in der That gefährlich werden, wenn es auch glücklicher Weise, nelleicht Dank der Behörde, ohne die üblichen Gewaltthätigkeiten iblief. Wir folgen bei der Wiedergabe dieses antisemitischen Plüsches 'ein Journal „Plowdiw", welches in Philippopel erscheint, ehemals leiborgan Stambnlows und seiner Regierung. Dieses Organ eichnet sich seit seinem Bestände durch die sympathische Haltung de» zuden gegenüber vor andern Regierungsorganen aus. Der „Plowdini" schreibt iu seiner 125. Nummer, S. 3, wie olgt: „Berwicheuen Freitag und Samstag verbreitete sich unter den Hebräern von Tatarbazardschit ein großer Schrecken, welcher durch den Unverstand der dortigen Regiernngs»io»er (Beamte) herbeigestthrt wurde. Indem wir hoffen, daß man ein Ende setzen wird derlei schamlosen Vorgängen gegenüber den Mitbürgern einer ander» Nationalität und Kousessio», und das sich fürderhin Derartiges nicht wiederholen wird, geben wir den eingelangtc» Nachrichten Rauniauf daß unsere Leser einen klaren Begriff über den Vorfall gewinnen. Dieses die Mittheilung: In der Nacht vom 27. Oktober a. St. ging Feodor Furnadscheja mit seiner Gemahlin zu Gaste zu einer benachbarten Familie, indem dieselben ihr zweijähriges Kind zu Hause allein ließen.*) Freitag Morgens verbreitete sich das Gerücht, daß, als die Eheleute um Mitternacht nach Hause gekommen seien, sie das Kind nicht gefunden Hütten." Wie jedesmal, sucht man das verlorene Kind bei den Hebräern. Der Bezirksvorsteher Kotze Stoiltschof mit seinem Sekretär und allen Polizeüvachmünnern haben sich nun in Abthcilungen in das jüdische Viertel begeben, schlossen 43 Häuser ab und drohten, man möge das Kind herausgeben, wenn sie (die Juden) nicht »och Schrecklicheres zu gewärtige» wünschten. Dieses Betragen der Polizeiorgaue ermuthigte noch mehr den Pöbel, daß sie die Hebräer und deren Häuser mit Steinen und Knitteln anfielen. Auf das Ersuchen der vornehmsten Hebräer, man möge sie in Schutz nehmen, erwiederte der Bezirksvorsteher, daß es sehr gefährlich werden könne, wenn das Kind sich nicht finden würde. Diese? statt der Beruhigung seitens des Bezirksmatschalecko. Dank dem aus bei Umgegend herbeigeholten Kreisvorsteher wurde der Zernirnng und Durchsuchung der jüdischen Häuser sofort Einhalt gethan und die Polizei verstärkt, »ach Entgegennahme des Berichtes des Bezirkshanptmanns seitens des Kreisprüfeklen, daß verdächtige Oertlichkeiten, wie Brunnen und Anstandsorte, untersucht wurden, mit Ausnahme desjenigen der Eltern des Kindes, welche doch nichts gethan hätten. Diese Nacht — vermuthlich von Freitag auf Samstag — herrschte eine große Panik, die Furcht vor Mißhandlungen, und Mord, das Ausschlagen der Scheiben durch Steinewürfe mehrten sich, ohne daß die Polizei Einhalt gethan hätte. Am Morgen wurde das Kind todt in der Retirade der Eltern aufgefunde», daffelbe wurde obdnzirt, wobei die Obduktion von dem Stadtarzt Dr. Fadeuhecht (Jude) und Dr. Tschatschof vorgenommen wurde, welche ihr Gutachten dahin abgabe», daß das Kind au Erstickung gestorben sei, und daß keine Erscheinungen für erlittene Gewaltthütigkeit sprechen. Soweit der Thatbestand." Doch wollen tvir auch die Nachbemerkung der Redaktion hierher sehen, welche wie folgt lautet: Trotz alledem, daß die Unschuld der Hebräer, >me in Millionen Füllen, nunmehr auch in diesem Falle sich glänzend bewährt hat, sind die Angriffe auf das Hebräerthum noch nicht verstummt, Dank dem wenig ernsten und verspäteten Eingreifen der Behörde. Zu verurtheilen ist auch das Vorgehen der Polizei, welche das Transportiren und Zurücklragen der Leiche vor und nach der Obduktion durch die jüdische Gasse veranlaßte, was die Hebräer den Mißhandlungen des über de» Mißerfolge aufgeregten Pöbels aussetzte. Hätte die Polizei sofort die Untersuchung bei den Eltern des Kindes standhaft vorgenommen, so konnte diese Tragikomödie vermieden werden." So das oppositionelle Organ. Von regierungsfreundlicher Seite wird berichtet, daß Minister Stoilow den Auftrag gab, die Untersuchung im Elternhause vorznnehmen und ungesäumt eine Untersuchungskonnnission von Sofia nach dem Thatorte entsandte, ferner wird die Entlassung des antisemitischen Bezirksvorstehers gemeldet. Es wird unumehr unser Interesse darauf konzentrirt, wer der Mörder des Kindes ist. Man wird sich noch aus der Wrazacr Blutbeschnldigung erinner», daß die Unschuld der *) Nach einer andern Version sollen es drei Kinder gewesen sein und das jüngste das Opfer der „semitischen Blntthat".