Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1895)
- Date
- 1895-11-29
- Page
- Seite 567 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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667 - Einen in den etet pro nun der en? Er Liturgie rade der bet („Es gekreuzigt mb nicht r daran mg schon igerweise torfahren e Hauptrchließlich rankheit" seitigung geschätzter lergeben: m; wenn rießliches > gebessert n Kriege nicht auch m großen irr eichend r Hauptn Vereine jt Großes neu nicht estehenden esem und zenz und es aber »kommen, dieselben schwestern nur der ndern es > in den geht der deutschchneider ceichischen »deuhetze npiglienaptete er, i auch in en Welt- Vortheil! könnten >it einem ie weiter i, welche!" Entdaß bei iclche zur Erhöhung deS pikanten Geschmackes schwarzes Pulver gestreut wird; dieses schwarze Pulver sei getrocknetes Christenblut!! Das ganze Haus lachte minutenlang, mir der erlauchte Prinz Lichtensteiu erhob sich und klatschte demonstrativ Beifall. Lueger sekundirte wacker seinem Freunde. Diesem Herrn, der vor Jahren gelegentlich der Tisza - Eszlarer Affaire von den dortigen Inden wegen dessen judenfrcuudlicher Haltung eine goldene Busennadel erhielt, blieb es Vorbehalten, das rituelle Blutmärchen aufzutischen. Jesuitisch bemerkte Lueger aber, er identifizire sich mit Theologen und Kirchenvätern nicht, welche die bekannten Behauptungen aufgestellt haben. Im Uebrigen plaidirte er dafür, daß den Juden ihre Güter weggenommen werden. Das Eigenthum jüdischer Finanziers sei ungerechter Besitz, und den könne der Staat wieder zurücknehmeu. um ihn eventuell dem Volke zurückzugeben, dem er geraubt wurde. Dr. Emil Byk wies die Verdächtignngeir gegen die Juden zurück. Dr. Kronawetter wies die Unwahrheit verschiedener Behauptungen Schneiders nach, insbesondere gegen die Journalisten; er bekänipfte auch die von Schneider unter Hinweis auf Rothschild gemachte Aeußerung, daß dessen Vermögen an der Börse ergaunert worden sei. Ungeachtet dessen, daß die Antisemiten Lueger, Schneider, Geßman» und Pattai das Haus volle vier Slnnden mit ihren Albernheiten belästigten, wurde Schneiders Auslieferung doch mit 123 gegen 52 Stimmen beschlossen. * Wie aus Petersburg wieder einmal offiziös gemeldet wird, soll sich der Reichsrath »och vor Ende des laufenden Jahres mit einem Gesetzentwürfe beschäftigen, welcher die Stellung der Juden in Rußland neu zu regeln bestimmt ist. Was wird wohl dabei wieder herauskoinmen? 4* Es ist schon längst erwiesen, daß Abdul-Hamid die Israeliten in der Türkei mit äußerster Duldsamkeit und dem größte» Liberalismus behandelt. Er hat ihnen neuerdings einen Beweis dieser Gesinnungen gegeben. Die politischen Zeitungen haben die neuen Rechte erwähnt, welche der Sultan einigen Bevölkerungen gewisser Provinzen von Kleinasien zu geben beschlosien hat. Folgende offizielle Mittheilung, die am 25. Oktober den Zeitungen von Konstantiuopel zngegaugen, beweist, daß der Sultan beabsichtigt, die Israeliten an diesen neuen Maßnahmen zu betheiligen. Es ist bekannt, daß im Einklang mit dem Hatt-i-Humayon von Gulhans, welcher am 26. Chaban 1253 erlassen, und dem Reformfirman. welcher zu Anfang des Monats Djemaz-al-ahir, 1272, unter der Regierung des verstorbenen Sultans Abdul-Medjid veröffentlicht wurde, und laut der in Kraft stehenden Gesetze, die Wahl und die Ernennung der Staatsbeamten nach den bezüglichen Spezial-Reglements zu geschehen haben, wie auch der kaiserlichen Zustimmung bedürfen. Kraft dieser Gesetze können alle ottomanischen Unterthanen ohne Rassenunterschied, wenn sie die erforderliche Tüchtigkeit und Eigenschaft besitzen, zum Staatsdienst gelangen; die Kinder aller Unterthanen Sr. kaiserlichen Majestät werden ohne Unterschied in den Staatsschulen zugelassen; an allen Punkten des Reiches, und nach Bedarf einer jeden Ortschaft, werden Maßregeln, Gesetze und Reformen eingeführt, um den Fortschritt im Lande und den Wohlstand der Bevölkerung zu sichern. ... Da die kaiserliche Regierung beabsichtigte, in allen Billayets, je nach dem Bedürsniß der Provinzen und den Sitten der Einwohner, Reformen einzuführen, die nur die eigentliche Anwendung der bestehenden Gesetze sind, sollen in einigen Provinzen von Kleinasten Vorkehrungen getroffen werden, die im Hatt von Gulhans und in dem Reformfirman vorausgesehen sind. Für Ahlem! Von Dr. A. Berliner. vr einige» Wochen hotte ich Gelegenheit, die von Herrn M. Simon in Ahlem bei Hounover begründete „Israelitische Erziehungsanstalt für Bodenkultur und Handwerk" näher kennen zu lernen. Da ich im Aufträge des Frauenvereins unserer Gemeinde einen verwaiste» Knaben von zehn Jahren dorthin begleitete, erachtete ich es natürlich um so mehr für meine Pflicht, von allen Einrichtungen in der Anstalt genaue Kenntuiß zu nehmen. Ich muß gestehen, daß Astes, was ich da gesehen und gehört habe, meine Erwartungen bei weitem übertroflen hat. Ich setze voraus, das Zweck und Ziel der Anstalt, nachdem die öffentlichen Blätter bisher mehrere Male näher berichtet haben, astgeniein bekannt sind. Auch die inneren und öffentlichen Einrichtungen der Anstalt sind eingehend geschildert worden. Was ich selbst durch die eigene Anschauung gewonnen, ist die Ueberzengnng, daß hier Theorie und Praxis in pädagogischer Weise mit einander verbunden sind. Die Lehrer sind von dem Hochberufe, dem sie aste ihre Kräfte widmen, begeistert. Sie unterrichten die Knaben in der Schute und sie belehren sie bei jeder Gelegenheit auch außerhalb derselben. Sie leiten dieselben zur Selbstthätigkeit und erziehen sic zur Arbeit, an der die rüstigen Jungen Freude finden, wenn sie ihr Werk betrachten, das ihrer Hände Fleiß geschaffen. Vorzüglich interessirten mich die aus Galizien eingeführten Lehrlinge von 16, 17 Jahren, welche im Garten emsig beschäftigt waren. Sie lüfteten höflich ihre Mütze, als wir bei ihnen vorbeikamen, und zeigten in ihren Antworten, die sie uns auf verschiedene Fragen gaben, wie schnell sie sich hier eingelebt, nachdem sie erst vor wenigen Wochen eingetreten waren. Daß die Sabbath- und die Speisegesetze strengstens inne gehalten werde», wurde mir fest versichert. Ich hoffe, daß die Mahnung, welche ich bei dieser Gelegenheit an die Lehrer gerichtet habe, das Minchagebet bald nach Tische zu verrichten und nicht ans die Abendzeit zu verschieben, Beachtung findet. Herr Simon hat sich mit der Gründung dieser Anstalt den Ruhm gesichert, für aste Zeit den Männern zugesestt zu werden, die. wie der Gottesmann sie bezeichnet, „Viele zur Tugend anleiten und glänzen werden wie die Sterne ewiglich". Uns Allen aber muß es eine heilige Pflicht sein, dieses fromme Werk thatkräftig zu unterstützen. Herr Simon hat in hochherziger Weise Hunderttausende bereits hingegebeu. Schon aber ist eine Erweiterung der Anstalt nothwendig geworden; die Zahl der Zöglinge, welche die Anstalt in ihren bisherigen Räumen aufnehmen kann, ist bereits voll. In der jüdischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. hat man dieses Werk seines ivahren Werthes gewürdigt und bis jetzt 16,006 Mk. für dasselbe gezeichnet. Wird man in den« wohlthätigen Berlin und an anderen Orten zurückbleibeu wollen? Hoffentlich nicht! Brief aus Oesterreich. er Vater der Unterdrückten und Verfolgten, der Erlöser vom Drucke des jüdischen Joches, der Führer des „Volkes von Wien", des armen unterjochten Volkes, kurz gesagt, der Advokat Dr. Lueger, wurde also zum zweitenmale zum Bürgermeister von Wien gewählt und diese Wahl mit der Aliflösung des Gemeinderathes beantwortet. Jetzt werden die Fäuste im Schatten des Stephansthurmes geballt, ein Wnthgeheul erhebt sich allüberall, wo