Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1895)
- Date
- 1895-11-22
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 Siegfried Salomonsohn, I. Abrahamsohn, Louis Latte, Rechtsanwalt Max Latte und Julius Levy. — Der Rentier Tuch in Wreschen, welcher vor einigen Jahren daselbst starb, hat der israelitischen Gemeinde in Wrescheu den Betrag von 6900 Mart vermacht, deren Zinsen zu wohlthätigen Zwecken bestimmt werden sollen. In diesem Jahre sind aus diesem Legate mehrere arme Schulkinder mit warmen ft'leibent zum bevorstehenden Winter bedacht worden — Bei den jüngst inStolp stattgehabten Synagogen-Gemeindewahlen wurden zu Vorstehern Kaufmann Goldstein und Rechtsanwalt Jakoby, zu Repräsentanten die Kaufleute M. Aron, A. Lewin, I. Brat, L. Blau, und D. Aronsbach gewählt. r. Myslowitz, 11. November. Der Synagogenneubau ist bereits unter Dach gebracht worden. Auf Antrag des Vorstandes hat das Repräsentanten-Kollegium zur Herstellung der Anlagen vor der neuen Synagoge, sowie zu einer asphaltischen Auffahrt vor derselben, eine u. eitere Ausgabe von 10,000 Mark bewilligt; zugleich wurde das Gesuch des Kantors Lewin um Pensionirung angenommen und demselben eine Pension von 1005 Mark zugebiüigt. In derselben Sitzung des Repräsentanten-Kollegiums kam es zwischen den beiden Vorstehern der hiesigen Gemeinde, Rentier Kuznihky und Kaufmann Simon Fischer zu lebhaften Auseinandersetzungen bezüglich der Funktionen, welche der schon seit mehreren Monaten pensionirte Rabbiner Dr. Jaffe bis zur Anstellung eines neuen Rabbiners noch verrichten soll. Kaufmann Fischer- Hat infolgedessen sein Amt niedergelegt - Beim Beginn des Synagogenneubaues wurde der Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde auf Grund der für den Stadtbezirk eingeführten neuen Steuerordnung vom Magistrat aufgefordert, eine Bausteuer von 275 Mark zu zahlen. Hiergegen hat der Vorstand Einspruch erhoben mit der Begründung, daß nach dem bestehenden Ortsstatut Gotteshäuser dieser Steuer nicht unterliegen. Der Magistrat hat dessenungeachtet seine Forderung aufrecht erhalten, weshalb der Vorstand der Synagogengemeinde beim Bezirksausschuß Klage erhoben hat, der sich in den nächsten Tagen mit dieser Angelegenheit beschäftigen wird. - Wie s. Z. berichtet wurde, wird schon seit Jahren von den in Schoppinitz, Rosdzin und Burowietz wohnhaften Mitgliedern der hiesigen Synagogengemeinde die Abzweigung von der Letzteren geplant und die Gründung einer eigenen Gemeinde beabsichtigt. Dieser Plan ist jedoch zu Wasser geworden, weil durch diese Abzweigung die Existenz der hiesigen Synagogengemeinde gefährdet wäre, da fast die Hälfte der zur hiesigen Gemeinde gehörigen Mitglieder in den vorbezeichneten Ortschaften ihren Wohnsitz hat, und sind nun dieselben mit ihrem Antrag auf Abzweigung vom Regierungspräsidenten endgültig abgewiesen worden. Der Vorstand der hiesigen Gemeinde hat nun den von den auswärts wohnenden Gemeindemitgliedern gestellten Anforderungen zu genügen gesucht. In erster Reihe ist für dieselben beim Gastwirth Danziger in W il Helminenhütte ein dem Ritus entsprechender neuer Betsaal eingerichtet worben, wofür die hiesige Gemeinde die Unterhaltungskosten zahlt und den dortigen Mitgliedern die Einnahme für die Sitzplätze im Betsaal, sowie die freiwilligen Spenden, Schlachtgebühren re. überläßt, wovon dieselben den Schächter und Kantor reichlich besolden können. An die hiesige Gemeindekasse sind von ihnen nur dieselben Beiträge wie von den hiesigen Gemeindemitgliedern, nach dem vom Bezirksausschuß genehmigten Satz von 60 Prozent, zu entrichten, wodurch der Gemeindekasse von dieser Seite kaum Vg (nicht, wie behauptet, wurde ' 3) des aufzubringenden Etats zufließt. — Inzwischen hat eine Vereinigung der beiden auswärtigen .Kultusvereine, welche in Wilhelmiuenhütte und Rosdzin ihren Sitz haben, stattgefunden und sind bei der Konstituirung des Vorstandes zum Vorsitzenden Herr A. Weiß-Burowietz, zu dessen Stellvertreter Herr P. Bänder- Schoppiuitz, zum Rendanten Herr I. Wachsmann und zum Protokollführer Herr S. Rosenthal, beide in Rosdzin, gewähltworden. P. Rakel, 15. November. Wie sehr die Menschen im Allgemeinen geneigt sind, das große Verdienst gemeinnützigen Wirkens und Wohlthuns anzuerkennen, zeigte sich in den Ehrungen, die dem Korporalions- und Stadtverorduetenvorsteher H. Lesser Baerwald heute erwiesen wurden, an dem Tage, an welchem fünfzig Jahre seit seinem Eintritt in die von seinem verewigten Vater begründete Firma L. Baerwald verflossen waren. Der Magistrat und die Stadtverordneten, die Vorsteher und Repräsentanten der jüdischen Gemeinde, der Wohlthätigkeitsverein B'ne Brith überreichten dem Jubilar prachtvoll ausgestattete Glückwunschadressen. Fast sänuntliche Vereine der Stadt entsendeten Gratulationsdeputationen an den Jubilar. Der Direktor des Gymnasiums Prof. Heidrich rühmte in beredten Worten die Menschenfreundlichkeit und den humanen Sinn des Herrn Baerwald, den er jedem Hilfsbedürftigen gegenüber an den Tag legte. Der Jubilar übergab der Stadtgemeinde ein Kapital von 3000 Mark, dessen Zinsen alljährlich am 10. November unter den Armen ohne Unterschied der Konfessionen vertheilt werden sollen, einer anderen von seiner verewigten Mutter im Jahre 1891 gegründeten humanen Stiftung überwies er 4000 Mark. Mögen an dem allverehrten Manne alle Segenswünsche in Erfüllung gehen, die ihm von allen seinen Angehörigen und Verehrern ausgesprochen worden. H Beuthen O.-S., 14. November. Das Jubiläum ihrer 25jährigen Lehrthätigkeit, von welcher mehr als 23 Jahre dem Dienste hiesiger Stadt gehören, feierte am 24.v. M. Fräulein Selma Fernbach, Lehrerin an der hiesigen städtischen jüdischen Schule. Aus Anlaß dieser Feier erhielt die Jubilarin aus allen Kreisen ihrer früheren Schülerinnen zahlreiche Glückwünsche, Briefe und Telegramme. Das Lehrerkollegium der Anstalt überbrachte der Jubilarin in corpore seine Glückwünsche, wobei Herr Hauptlehrer Rosenbaum die Ansprache hielt. Fräulein Fernbach hat durch hervorragende Erziehungs- und Unterrichts-Resultate sich die Anerkennung ihrer Vorgesetzten Behörde erworben und erfreut sich allseitiger Liebe und Achtung in Stadt und Gemeinde. 35 Jever, 17. November. Vor einigen Jahren wurde nächtlicherweise in unserem Städtchen eine, die Synagoge umgebende Mauer fast in ihrer ganzen Länge gewaltsam eingerissen. Man schrieb die That auf das Konto „jugendlicher Flegeleien". Trotz aller polizeilichen Nachforschungen war es nicht möglich, die Thäter zu ermitteln, ebenso erwies sich das Aussetzen einer Geldprämie als erfolglos. Was die Klugheit der Polizei nicht zu Stande brachte oder gar der Zufall, das erzielte „ein gefoltertes und schwer belastetes Gewissen". Jetzt, nachdem die That schon längst der Vergessenheit anheimgefallen war, traf bei dem hiesigen jüdischen Lehrer ein Brief ein, in welchem sich ein junger Geistlicher anklagt, die That als Student einst verübt zu haben. Auch seine Mitschuldigen giebt der Geistliche an, wovon einer bereits verstorben sei und der andere in Südamerika lebe, und bittet schließlich um Verzeihung. Wenn die Reue auch etwas spät sich eingestellt hat, so ist doch der Mannesmuth, mit welchem der Pfarrer sein einstiges Unrecht wieder gutzumachen sucht, anzuerkennen. Die erbetene Verzeihung ist ihm denn auch geworden. J. Rendsburg, 10. November. Die hiesige israelitische Gemeinde zählt zu den ältesten in Schleswig-Holstein und nahm nach der Muttergemeinde Altona von jeher in der Provinz eine hervorragende Stelle ein, ja man kann behaupten, daß dieselbe in mancher Beziehung, besonders in der Vertretung den Behörden gegenüber und wo es galt, die Rechte der jüdischen Bewohner zu erfechten, die große Gemeinde Altona überragte. Als die Landstände Neigung zeigten, die Rechte der Juden in Holstein zu beschränken, da war es die Gemeinde zu Rendsburg, die unerschrocken durch Wort und Schrift für Wahrung und Erweiterung dieser Rechte eintrat. Herr Dr. Stern in Kiel hat in gegebener Veranlassung eine Festschrift herausgegeben: „Die Geschichte der israelitischen Gemeinde zu Rendsburg", von der leider zu dem Feste selbst nur das erste Jahrhundert fertiggestellt werden konnte, die zweite Lieferung wird aber in Kurzem vollendet und das Ganze durch den Buchhandel zu beziehen sein. — Das Fest des zweihundertjährigen Bestandes der Gemeinde selbst nahm einen würdigen Verlauf. In der reichgeschmückten Synagoge, welche gleichzeitig das 50 jährige Jubiläum feierte, fand Mittags 11V2 Uhr ein Festgottesdienst statt, zu dem sich von den geladenen Gästen der königliche Landrath, der Bürgermeister, der Magistrat, das Stadtverordneten - Kollegium und zahlreiche christliche Mitbürger eingefunden hatten. Als Vorsänger fungirte der Oberkantor Nathansohn aus Altona. Unterstützt wurde derselbe durch s eine Musikkapelle. Die Festrede hielt Herr Oberrabbiner Dr. Lerner. aus Altona, die bei allen Hörern einen tiefen Eindruck machte. Am Nachmittag fand ein Festmahl, an dem sich 75 Personen betheiligten, , statt, bei welchem Herr Oberrabbiner Dr. Lerner in begeisterter Rede den Toast auf den Kaiser ausbrachte. Dem Diner folgten von hiesigen Damen aus der Gemeinde musikalische und theatralische Aufführungen. Besonders ragte der von einer Dame gedichtete und von ihr gesprochene Prolog hervor. Die hiesigen Tagesblätter betonen besonders das gute Einvernehmen mit der Bürgerschaft, welches stets hier herrschte. Möchte, es immer so bleiben!