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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-11-22 · Heft 47 (22.11.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 47 (22.11.1895)
Date
1895-11-22
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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59. Jahrgang. Nr. 47. ^XX törmrittficluitr* Berlin. 22.November 1895. HZeitage zur „Aktgerneinen Zeitung des IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 7 Berlin, 18. November. Am 13. d. M. Hai in der Berliner Ressource, Kommandantenstraße 57, eine von dem Lokal-Komitee für den Süden und Süd osten Berlins einberufene Versammlung des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde stattgefunden, an der neben zahlreich erschienenen Gemeinde-Mitgliedern auch mehrere der vom Verein aufgestellten Kandidaten für die Repräsentantenwahlen theilgenommen haben. Nachdem der Vorsitzende des Lokal-Komitees, Herr Leopold Friedmann, Namens des Vorstandes die Versammlung begrüßt hatte, berichtete Herr Rechtsanwalt Breslauer über die Ziele des Liberalen Vereins und wies mit Entschiedenheit die von gegnerischer Seite kolportirten Behauptungen zurück, daß der Liberale Verein die hebräische Sprache aus dem Gotteshause entfernen und den „Sabbath auf den Sonntag verlegen" wolle. Ebenso wies er das seitens einiger Gegner verbreitete Gerücht zurück, daß in einer vor sechs Jahren stattgefundenen Notablenversammlung Jemand dafür plaidirt hätte, „den Versöhnungstag auf den Charfreitag zu verlegen"! Redner verlas zun: Schluß drei an Herrn Rechtsanwalt Dr. Simon gerichtete Antwortschreiben derjenigen Herren, die angeblich jener Notablenverfammlung beigewohnt haben sollten, und alle diese Antworten lauteten übereinstimmend: Das ist nicht wahr! Diese Mittheilungen riefen in der Versammlung natürlich große Bewegung hervor. Hierauf erhielten die erschienenen Kandidaten das Wort, deren Allsführungen selbst in gedrängter Kiirze hier wiederzugeben wir uns wegen Mangels an Raum leider versagen müssen. Es sei hier nur das mitgetheilt, daß sie alle erklärten, daß, wenn die Wahl auf sie fallen sollte, sie das liberale Prinzip: Gleiches Recht für Alle, hoch halten würden. Erst nach Mitternacht schloß die Versammlung, deren Erfolg wohl ein zufriedenstellender genannt werden darf. — Die Kandidatenliste des liberalen Vereins hat übrigens in einem Punkte eine Aenderung erfahren. Anstatt des Herrn Rechtsanwalts Dr. Eugen Fuchs, der wegen seiner anderweitigen Berufspflichten kein Mandat anzunehmen in der Lage ist, rückt in der Stimmenzahl als der Nächste Herr W. Löwenthal vor, der bereits als Vorsteher der neuen Synagoge und Mitglied verschiedener Kommissionen sein Interesse für das Gemeindewohl bekundet hat. S£g Berlin, 17. November. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund versendet soeben an die jüdischen Gemeinden die Fragebogen für den am 1. April nächsten Jahres erscheinenden XI. Jahrgang des Statistischen Jahrbuchs über die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden in Deutschland für 1896. Das Interesse, welches von Behörden und Privaten dem „Statistischen Jahrbuche" entgegen gebracht wird, läßt hoffen, daß alle auch für den neuen Jahrgang durch Beantwortung dieser Fragen Betheiligten zur Vervollkommnung dieses nützlichen Nachschlagebuches beitragen werden. Auch wäre es wünschenswert), daß alle Erlasse der Verwaltungsbehörden und gerichtliche Entscheidungen aus den jüngsten Jahren, jüdische Angelegenheiten betreffend zum Abdruck für den Anhang eingesendet würden. Da lücken- und fehlerhafte Angaben sowohl für die Allgemeinheit, als auch für die dadurch betroffenen Gemeinden und Personen Schaden bringen, so dürfen wir wohl hoffen, daß kein Gemeindevorstand sich der Mühe der Beantwortung entziehen werde. (SA) Berlin, 18. November. Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratnr hielt Herr Professor Dr. Ludwig Geiger am 12. d. M. den zweiten der öffentlichen Vorträge. Das Thema lautete: Goethe über Juden und Judenthum. Die Bedeutung des Vortragenden auf dem Gebiete der Goethe-Forschung ist allgemein bekannt. Wenn Einer, so war er berufen, dies Thema zu behandeln. In der Art, wie er dasselbe erfaßte und durchführte, zeigte sich seine Meisterschaft. Ein tiefes und lebhaftes Interesse für das Judenthum zeigte Goethe schon in seiner Frühzeit durch das Studium des Hebräischen und des Alten Testaments. Er beschäftigte sich mit dem Judendeutsch und äußerte mehrfach die Absicht, in einem seiner Romane einen Juden anzubringen. Dieser Plan blieb blos Plan. Daß er Spinoza eine große Verehrung entgegenbrachte, ist eine bekannte Thalsache, aber auch daß er Moses Mendelssohn gegen boshafte Angriffe in den Frankfurter „Gelehrten Anzeigen" schützte, ist durch die neuesten Forschungen überzeugend dargethan worden Felix Mendelssohn-Bartholdy nannte Goethe seinen David, der den mißgestimmten Saul durch sein Spiel ergötzte. Ganz besonders liebte der alte Olympier die schönen und gebildeten Berliner Jüdinnen, vor Allem Marianne Meyer, die er in Karlsbad kennen gelernt hatte. Geiger wies nach, daß es eine irrige Meinung sei, die Vertreter der klassischen Dichtungsperiode, und besonders Goethe, seien judenfeindlich gewesen. Es ist wohl mancher harte Ausdruck gegen die Juden gefallen, aber die Beziehungen Goethes zu den damaligen Vertretern des Judenthums waren auch nur sehr lose. Wo er keine Veranlassung hatte, ungehalten zu werden, ist sein Verhältniß zu den Juden stets freundschaftlich. Ein Beweis, daß er des Menschen Eigenschaften ohne Ansehen seines Glaubens zu beurtheilen wußte. Der Vortrag fand allseitig lebhaften Beifall. — Am Montag, dem 18. d. M., fand wieder ein Diskussionsabend des Vereins im kleinen Saale des Architekten Hauses statt. Herr Dr. Karpeles sprach über den Humor in der neuhebräischen Dichtung. L2 Berlin, 17. November. Vor einigen Tagen starb in Florenz auf der Hochzeitsreise an den Folgen des Typhus im Alter von erst 25 Jahren der hiesige Maler Fritz Alexander. Er war ein geborener Berliner, der in München bei Josef Block seine Studien gemacht hatte. Bei Gründung der Sezession trat er dieser bei und kam vor zwei Jahren mit einem Porträt heraus, das durch den gediegenen Ernst der Auffassung den jungen Künstler unter seinen Kollegen schnell bekannt machte. Eine kleine Kollektion seiner Bilder, .Porträts und Studienköpfe waren nachher bei Gurlitt, und die letzte Ausstellung der „24" in Berlin (bei Schulte) zeigte zum letzten Mal einige Werke seiner Hand. Die Porträts von Fritz Alexander zeichnete in gleicher Weise die männlich-ernste, in keinem Bezug konventionelle Charakteristik, wie die Tiefe und Sicherheit des immer selbstständigen malerischen Empfindens aus. Was allen seinen Werken den Stempel des echt Künstlerischen gab, war die sich immer gleich bleibende Treue und Ehrlichkeit, die, verbunden mit großer, rein persönlicher Begabung, viel für die Zukunft versprachen. Kp. Aus der Provinz Posen, im November. In der Nacht zum 16. d. M. erbrachen Diebe ein Fenster der Synagoge in Wandsburg und stiegen mittelst einer Leiter hinein. Da sie kein Geld fanden, kehrten sie unverrichteter Dinge zurück. Die silbernen Gefäße rc. blieben unberührt. — In Obornik ist unser Glaubensgenosse, Herr Kaufmann Koschmann Wreschner zum Stadtrath gewählt worden. Herr Wreschner ist auch Vorsteher der dortigen israelitischen Gemeinde. — In Grabow ist von ruchloser Hand vor einiger Zeit auf dem jüdischen Friedhofe daselbst eine größere Anzahl von Grabsteinen herausgerissen und zerstört worden. Als Thäter wurde der Arbeiter Stanislaus Szczegulski aus Ostrowo ermittelt, der vom dortigen Schöffengericht zu einem Jahr Gefängniß und drei Jahren Ehrverlust hierfür verurtheilt wurde. Die für Ermittelung des Thäters von der Synagogengemeinde Grabow ausgesetzte Belohnung von 100 Mark ist einem Gendarmen in Grabow ausgehändigt worden. — In der in diesem Monat abgehaltenen Vorstandssitzung des israelitischen Frauenvereins in Buk wurde zur Beschaffung von Brennmaterial für ärmere Mitglieder der dortigen Synagogengemeinde ein größerer Betrag bewilligt. — Unter dem Vorsitz des Landraths von Oertzen fand am 17. d. M. in Jn owrazlaw die Wahl von Repräsentanten statt In der dritten Abtheilung wurden gewählt: Die Herren Eduard Rosenberg, R. Librowicz, Louis Samuel und B. Kaufmann; in der zweiten Abtheilung: Apotheker Saft, Kaufmann Freudenthal, P. Rosenberg und N. Kaufmann; in der 1. Abtheilung:

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