Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1895)
- Date
- 1895-11-22
- Page
- Seite 564 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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564 Fitterarischc Mitthei!ungen. *= Dr. L. 9Tfün5: Rabbi Elea sar, genannt Schemen Rokeach. (Line Lebensbeschreibung, zugleich eine Einführung in den Gedankengang und die Lehrmethode des rabbinischen Schriftthums. Mit einem Bildniß. Trier. Sigmund Mayer 1895. Das vorliegende Werk des Verfassers, der bereits früher durch seine Schriften: „Drei Reden politischer Tendenz" und „Religiöse Zeitfragen" einen klangvollen Namen sich erworben, ist eine treffliche Leistung. Es zeugt von großer Gelehrsamkeit, hat einen reichen Gedankeninhalt und rst auf gründliche Quellenforschung gebaut. Einer der hervorragendsten rabbinischen Gelehrten zu Ende des vorigen Jahrhunderts, Rabbi Eleasar Schemen Rokeach, wird von dem Verfasser, der ein Nachkomme dieses Mannes ist, in allen Phasen seiner Entwickelung vorgeführt, und mit ihm werden zugleich bedeutsame Vertreter des Gelehrtenkreises jeuer an rabbinischen Autoritäten so überaus reichen.Zeitperiode in sehr anziehenden Lebens- und Charakterbildern zur Darstellung gebracht. Eine der interessantesten der in diesem Buche vorgeführten Persönlichkeiten, der sog. Amsterdamer Chassid, R. Abraham Koheu, der als Rabbiner in Zefat in Palästina gestorben, war der Großonkel des Redakteurs dieser Blatter, dessen kürzlich verstorbener Oheim, Rabbiner Abraham Karpeles in Görbo (Ungarn) nach diesem' Oheim sich nannte. In den lichtvollen Schilderungen des Wirkens mld Strebens des Geisteshelden der Erzählung treten uns klare, scharfumgrenzte Zeit- und Stimmungsbilder entgegen, und so wird im Nahmen der vorliegenden Lebensbeschreibung der Kampf der alten und der neuen Zeit, wie er sich in der damaligen Geschichtsepoche abwickelte, uns lebhaft vor 'Augen geführt. Nächst diestr kulturhistorischen Bedeutung hat das Buch litteraturgeschichtlichen Werth. Mit scharfem, kritischem Blick werden da für ihre Zeit wichtige rabbinische Werke verschiedener Gattung analysirt und bclcudjtet und so der Geist und die Lehrmethode des rabbinischen Schrifttlnnus vor unseren klugen enthüllt. Gerade in diesen Stücken zeigt sich die Gelehrsamkeit des Verfassers, tritt seine Virtuosität zu Tage, die schwierigsten rabbinisch-talmudischen Materien, die begrifflich prägnantesten pilpnlistischen Diskussionen in ihrer logischen Schärfe und eisernen Konsequenz anschaulich vorzuführen. Ein Anhang, der interessante Dokumente und Grabinschriften enthält, sowie ein vortreffliches „Verzeichinß der besprochenen Personen und der behandelten litteraturgeschichtlichen Begriffe" erhöhen den Werth des Buches. Sc fei' H aschlnma h z u m Talmud, Traktat Berachot von R. Mesch ullam b. Mose tum 1200). Illach einer Handschrift in der Hamburger Stadtbibliothek. Herausgegeben von M. Schocher Mit einer Einleitung und Anmerkungen versehen von Heinrich Brody. Der Verfasser dieses Werkes gehörte einer der berühmtesten Gelehrtenfamilien des 12. Jahrhnuderts in Frankreich an, deren Wohnsitz und Wirkungskreis Lunel war, die aber in immerwährendem Kontakt mit den Gelehrten in Spanien stand und in dem Kampfe gegen Maimonides für diesen Partei nahm. Das Sefer Haschlamah, von dem der eben herausgegebene Band zu Berachot nur ein Theil ist, war bis jetzt nur als Manuskript vorhanden. Die Gelehrtenwelt weiß dem Herausgeber Dank, daß er sich der Mühe unterzog, dieses Stück aus dem fast siebenhundertjährigen Bibliotheksschlafe zu befreien. An der Echtheit des Werkes ist nicht zu zweifeln Es ist im Inhalt und Stil dasselbe, das von Zeitgenossen und Nachkommen des R. Meschullam erwähnt wird — eine Ergänzung des Rif. Die Gutachten erster rabbinischer Größen sind gewiß Bürgen, daß das Buch auch nach der halachischen Seite einen seltenen litterarischen Werth hat. Es ist daher zu erwarten, daß Freunde jüdischer Wissenschaft sich das Werk anschaffen werden und der Herausgeber in seiner Hoffnung auf einen materiellen Erfolg seines so schweren Unternehmens nicht getäuscht werde. Der Preis des Werkes ist nur 3 Mark und ist dasselbe vom Herausgeber M. Schocher in Wiesbaden, Nero st ruße zu beziehen. - Willinm Wolf: Musik-Aesthetik in kurzer gemeinfaßlicher Darstellung. Band I. Zweite Auflage. Stuttgart 1895, Carl Grüninger. Gern zeigen wir dies bedeutsame Werk hier an, obwohl es eigentlich nicht in unfern Fachkreis gehört. Die Probleme der Musik-Aesthetik sind ja noch keineswegs gelöst, wie viele Anläufe hierzu auch schon von bedeutenden Geistern unternommen worden. Seit Jahrhunderten — seit Jehuda Muscato — hat sich auch die Wissenschaft des Judenthums mit diesen Fragen beschäftigt. Selbst die Hauptfrage, ob die Musik nur formale Kunst, nur Tongebilde sinnlicher Natur, allenfalls mit einer symbolischen Beziehung aufs Geistige, oder ob sie direkte Wiedergabe eines.ügeistigen Inhaltes, des Gefühles sei, konnte bisher eine entscheidende^Antwort nicht finden. Das vorliegende Werk behändes die Aufgabe von neu ^^Gesichtspunkten aus Der Autor verwirft die „formalistische" Auffassung der Musik und macht mit der „inhaltlichen" vollkommen Ernst, dergestalt, daß es für ihn nicht ein einziges Moment in der Musik giebt, welches nicht gefühlshaltig sei, und ihm Töne und Tonformen die sinnliche Erscheinung des Gefühls sind, eine Erscheinung, welche mit ihrem Inhalte eine innigste und unauflösliche Einheit bildet. Einen Hauptnachdruck legt der Verfasser auf die Frage nach dem geistigen Zusammenhang der einzelnen Theile in musikalischen Kunstwerken. Da diese nach den Ausführungen des Verfassers das Seelenleben wiederspiegeln, so muß folgerichtig in ihnen ein psychologischer Zusammenhang auffindbar sein. D lesen-,nachgewieseu, seine"eigenthümliche Art erörtert und an einem bestimmten Beispiele ausführlich ktargelegt zu haben, ist eine wesentliche Neuheit, welche hier der Musik-Aesthetik zugebracht wird, und man wird sie vermuthlich als bedeutungsvoll erkennen. Der Autor hatte aber zugleich im Sinne, eine Aesthetik für die unendlich große Zahl der gebildeten Musikfreunde, nicht nur für Fachgelehrte zu schreiben. Es nmßte daher auf Kürze und auf Popularität im Ausdruck gesehen werden, beides jedoch, ohne der Gründlichkeit und Vollständigkeit der Erörterungen Abbruch zu thun. Dem zweiten und Schluß-Bande des Werkes bleibt es Vorbehalten, die größeren Musikformen bis zur Sonate und Symphonie und die gemischten Gattungen, Vokal- und Programmmusik, im Einzelnen zu behandeln, das Fundament jedoch und sozusagen die unteren Stockwerke des Gebäudes sind bereits im vorliegenden ersten Bande hergestellt — und zwar in einer so formvollendeten, edlen und doch populären Weise, daß der Autor wohl zu den ersten Männern auf dem Gebiete der Musik- Aesthetik fortan wird gezählt werden, dessen Stimme man hören wird, wo es gilt, die schwierigen Fragen dieser Wissenschaft zu erörtern und zu beantworten. K. Hebräische Lese-Fibel für das zweite: Schuljahr, zugleich Vorstufe zum Gebet- oder Uebersetzungsbuch von Leopold Katz, Dirigent des Waisenhauses Rybnik. Mainz. Joh. Wirthsche 'Hofbuchdruckerei j und Schönsche Buchhandlung in Rybnik. j Die vorliegende Fibel enthält wesentliche Vorzüge vor vielen anderen! bisher erschienenen Lehrbüchern gleichen Charakters. Der Verfasser hat die Anschauungen, welche er über eine Nieform der hebräischen Fibeln in diesem Blatte niederlegte, in dem vorliegenden Büchlein zur Geltung gebracht. Die Buchstaben sind nach bewährter Methode nach der äußeren AehnlichkeitTgeordnet, die hebräischen Wörter schließen fasE durchweg jede sinnlose Wortform aus, und jedes Wort erhält seine Uebersetzung, so daß das Kind einen gewissen Vokabelschatz sich einprägt. Der Lesestoff, welcher durchaus zweckentsprechend ist, enthält einige Stücke des Morgengebetes, das kurze Tischgebet und einen Theil des Nachtgebetes. Im Anhang bringt eine grammatikalische Anleitung zum Uebersetzen uns die hebräisch-deutsche Schreibschrift. Unter der Leitung eines verständigen Lehrers wird das Kind an der Hand dieser Fibel gar bald das hebräische Lesen lernen und zum Gcbetbuche fortschreiten können. Der Druck ist ein sehr schöner. Wir dürfen die Einführung der Fibel empfehlen. 0. Heft.'2 des,40. Jahrgangs der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums (Breslau, S. Schottländerhat folgenden Inhalt: I. Baßfreund: Das Fragmenten-Targum zum Pentateuch. — W. Bacher: Jehuda Hadassi's Hermeneutik und Grammatik, Fortsetzung — D. Kaufmann: Die jüdischen Friedhöfe Ofens. — M. Steinschneider: Miscelle 30. — Notitz von Dr. Rülf. — Besprechung von Tr. Ehrlich Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Max Bauchwitz in Berlin.