Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1895)
- Date
- 1895-11-15
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228094-3228141--52339-3273128- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Mohel 1× ep/1006163
OCR text
2 ihn zwang, seine Thätigkeit bei der Reform aufzugeben, weigerte sich der Vorstand, ihn zu entlassen. Er bewilligte ihm zunächst auf ein Jahr Urlaub und erst, als der selbstlose Mann wiederholt erklärte, er könne es nicht über das Herz bringen, sein Gehalt zu beziehen, ohne dafür zu arbeiten, pensionirte ihn der Vorstand schweren Herzens. Schreiber war das Musterbild eines preußischen Beamten. Obgleich ihm jede Eitelkeit fern lag, war er nicht wenig glücklich, als ihn Titel und Orden auszeichneten. Er war aber auch ein treuer Jude. Für die Ideale der Reformgemeinde begeistert, hatte er doch auch den Sinn für die Poesie der alten Gebräuche nicht verloren. Als sein Sohn -- der als Arzt in Frankfurt am Main thätig ist, — sich dort verheirathete, erzählte er mit größter Freude, wie ergriffen er und seine gleichgesinnte Gattin sich gefühlt, als in der neu verschwägerten Familie Kiddusch gemacht wurde. Schreiber ist nur 63 Jahre alt geworden. Sei das Andenken des Gerechten zum Segen! Das Leichenbegängniß fand am Sonntag unter lebhafter Theilnahme statt. Im Trauerhause hielt Herr Dr. Levin die Gedenkrede. — Am 11 d. Mts. endlich starb hier Selig Hamburger, einer von den alten und wirklich frommen Männern unserer Gemeinde, in hohem Greisenalter. Als Mohel wie als Mitglied verschiedener Kommissionen der Gemeinde hat er stets mit Liebe und Hingebung gewirkt. Möge das Andenken dieses wie aller andern Todten dieser Woche zum Segen sein! 2XD Berlin, 10. November. Am 7. d. M. hielt der Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde in Charlottenburg eine Versammlung ab, die trotz des sehr schlechten Wetters gut besucht war. Das einleitende Referat hielt Herr Dr. Karpeles. Derselbe besprach die beiden Hauptfragen, welche augenblicklich unser Gemeindeleben bewegen: Die Gestaltung des Gottesdienstes und die Einführung des obligatorischen Religionsunterrichts, in längerer Ausführung nach den bereits wiederholt dargelegten Prinzipien des Liberalen Vereins. Anden Vortrag schloß sich eine interessante und lebhafte Debatte, an der sich die Herren Prof. Dr. Buka, Dr. Minden, Marcus, Spiewkowski, Fenchel u. A. betheiligten. Die Versammlung wurde von Herrn Sanitätsrath Dr. Edel geleitet. Es ist jedenfalls ein Verdienst des Liberalen Vereins, in der jüdischen Bevölkerung Charlottenburgs (mehr als 2000 Seelen) das Interesse für Gemeindeangelegenheiten geweckt zu haben. — Die nächste Versammlung findet am Mittwoch, dem 13. d. M, für den Süden und Südosten in der Berliner Ressource, Kommandantenstraße 57, statt. L2 Berlin, 12. November. Bei den letzten Stadtverordneten- Wahlen sind trotz heftiger Agitation der Antisemiten, der sogenannten Bürgerpartei, doch mit großen Majoritäten die folgenden Kandidaten der liberalen Partei gewählt worden: Leopold Jacobi, Rechtsanwalt Ladewig, Justizrath Meyer, Fabrikbesitzer Dr. I. Ginsberg. Moritz Heilmann, Louis Sachs, Julius Martin Friedlän der- Bon den antisemitischen Kandidaten ist im ersten Wahlgange nicht ein einziger gewählt worden. Das ist doch ein anderes Bild als das der Wiener Gemeindewahlen! R. Berlin, 11. November. In der letzten zahlreich besuchten Versammlung der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" fand nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten ein höchst interessantes Referat über „die gegenwärtige Lage der israel. Lehrer und Lehrerinnen" statt. Der Referent, Rektor Dr. Adler, wies in seinen Ausführungen auf zurückliegende, aber für die jetzigen Verhältnisse sehr wichtige Verfügungen hin. Wenn auch bekanntlich kein Schul- und Unterrichtsgesetz vorhanden sei, so geben doch die betreffenden Verfassungsbestimmungen, sowie kultusministerielle Erlasse reiches Material für die Betrachtung der bisherigen Gepflogenheiten in Betreff der Stellung der israel. Lehrer und Lehrerinnen. Eingehend erörterte der Herr Referent, auf Berliner Verhältnisse übergehend, die Verfügung vom Jahre 1875, nach welcher auch an evangelische Gemeindeschulen ordentliche Lehrer katholischen und jüdischen Bekenntnisses berufen werden können, wenn an den betr. Anstalten eine entsprechende konfessionelle Minderheit vorhanden sei. Im Jahre 1875 besuchten, wie Herr Dr. Adler erwähnte, 118 jüdische Knaben und 301 Mädchen die Berliner Gemeindeschulen; zu dieser Zeit wurde auch der erste jüdische Gemeindelehrer Berlins angestellt. Von nun an vergrößerte sich die Zahl der jüdischen Schüler und Schülerinnen schnell, und mit ihr verlnehrten sich auch die jüdischen Gemeindeschullehrer und Lehrerinnen, wenn auch nicht in entsprechendem Maße. Während nämlich auf 52,7 Kinder evangelischen und 15,7 Kinder katholischen Bekenntnisses eine Lehrkraft kommt, ist für 63,07 jüdische Kinder erst eine entsprechende konfessionelle Lehrkraft berufen worden. Der Herr Referent ging sodann auf die Angriffe der gegnerischen Parteien gegen die jüdischen Lehrkräfte, sowie auf die neuesten Verfügungen der Behörden ausführlich ein und kennzeichnete die Stellung, welche die jüdischen Lehrkräfte und unsere Vereinigung demgegenüber einzuuehmen haben. In der dem Referate folgenden, sehr .interessanten Debatte wurde allseitig den Ausführungen des Referenten zugestimmt. Hierauf gab der Vorsitzende Kenntniß von einem an die Vereinigung gerichteten Ersuchen der Vorstände der Religionslehrervereine Ostpreußens und des Regierungsbezirkes Köslin, einer Abänderung der Satzungen für die Delegirtenversammlung der Lehrervereine zuzustimmen. Die Vereinigung lehnte den betreffenden Antrag ab, ersuchte jedoch den Vorstand, bei dem D. I. G. B. die Zulassung je eines Delegirten der erwähnten Vereine zu befürworten. Sodann wählte die Versammlung eine Kommission, bestehend aus den Herren Dr. Fiegel, Flanter und Neumann, um vorbereitende Schritte für den Empfang der Delegirten zu erwägen. Endlich wurde für die am 7. Dezember im Vereinslokal „Münchener Hof", Spandauerstr. 11/13, stattfindende Versammlung die Tagesordnung festgestellt, die u. A. einen Vortrag des Mitgliedes Herrn Klein „über Religion und Moral" enthält. Der Verlauf des Abends zeigte wieder den Eifer und die hingebende Arbeitsfreudigkeit der Mitglieder für die gute Sache. $. Lissa i. P., im November. Der Verein jüdischer Lehrer der Ost Provinzen veröffentlicht die Tagesordnung für den siebenten Vereinstag. Die Berathungen finden inPosen.in Keilers Hotel, am 20.d. M. von 10l/2 Uhr ab statt. Nach der Sitzung gemeinsames Mahl. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Gesang: „Brüder reicht die Hand zum Bunde". 2. Begrüßung und geschäftliche Mittheilungen. 3. Rechnungslegung. 4. Besprechung der „Leitsätze für die Begründung eines allgemeinen Verbandes der deutsch-israelitischen Lehrervereine. 5. Unsre Ferienordnung. 6. Anträge und Sonstiges. X. Wreschen, im November. Der bisherige Stadtverordnete Kaufmann Hugo Ehrensried, wurde gestern als Stadtrath in den Magistrat gewählt. — Neuerdings verließen vier Familien Sokolowski unseren Ort. Rentier Wilhelm Sokolowski schenkte der Stadt ein Legat von 3000 Mark, dessen Zinsen an Arme aller Konfessionen vertheilt werden sollen; die jüdische Gemeinde erhielt 500 Mark Legat und 1500 Mark zum Bau einer Leichenhalle. Die Stadt ernannte Herrn S. zum Ehrenbürger und überreicht ihm demnächst ein bezügliches Diplom. S. war hier auch Stadtrath. Die anderen Familien S. haben der Gemeinde 800 Mark als Legat überwiesen. Frau Rosa S., die Begründerin des israelitischen Frauenvereins und dessen Vorsitzende, wurde von qu. Vereine unter Ueberreichung einer Dankadresse und Diploms zum Ehrenmitglied ernannt. Ihre Verdienste um den Verein sind große, da sie eine der Ersten war, die den Armen mit Rath und That beistand; Frau Marie S., „Oberin des Sterbewesens", erhielt eine Dankadresse vom Frauenvereine. 1. Schwersenz, 8. November. Am 21. v. M. verschied der treubewährte Lehrer Ludwig Lesser, hierorts geboren, in seinem 81 Lebensjahre, nachdem er 56 Jahre, hiervon 36 Jahre in unserer Gemeinde, in unverdrossener Pflichttreue segensreich gewirkt. Friedliebe, Menschenfreundlichkeit, ein frommer, edler Sinn waren hervorragende Züge seines Charakters, wodurch er Aller Herzen gewann. Er besaß ein musterhaftes Lehrgeschick und war bis an sein Lebensende unablässig um Bereicherung seines Wissens bemüht. Anläßlich seines 50 jährigen Amtsjubiläums wurde ihm, in gerechter Würdigung seiner Verdienste, der Kronenorden vierter Klasse verliehen. Der Dahingeschiedene war, wie alle jüdischen Lehrer jener Zeit, Autodidakt und hat es verstanden, sich durch unermüdlichen Eifer in allen Lehrfächern ein gediegenes Wissen anzueignen. Seine letzten Jahre waren leider durch den Tod seines einzigen Kindes, einer Tochter, die in Berlin verheirathet war, getrübt, so daß er unmittelbar nach diesem herben Verlust, im Alter von 75 Jahren, bis wohin er mit seltener Rüstigkeit thätig war, in den Ruhestand zu treten sich veranlaßt sah. Sein Andenken wird in hiesiger Gemeinde in ehrender Erinnerung bleiben. Er hinterließ eine trauernde Wittwe im Alter von 60 Jahren. — Die Tochter des hiesigen Lehrers Grünfeld, Frau Sophie Köbner in Berlin, welche im vorigen Jahre für de vor K gesund „Ver einem 800 $1 einen Theilr Rom" der Ki mit H jüdisch er, oh Form ich mi Verein der eü Talew steinle; dürfni 40,00C Dr. I welche heraus interef Sie hl I Kanne köpf, £ lehrer Semin besinnt Grüne Lothei Werth Prüfu Jsaake Pflicht Das (5 Leiden jahrhu seines hat. r mit eü beitend Kreise Gemeü von de gedank das Le stellen, Herzen voll id Dahin, Rathe und vü Grabe ml No Hügel ÄndenI ^eschlo Zynag Herrn C ische \ 1k