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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-11-15 · Heft 46 (15.11.1895) · p. Seite 551

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 46 (15.11.1895)
Date
1895-11-15
Page
Seite 551 (sequence 13)
Language
German
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iiit sitzen ohnehin ltschieden, l zu; die taub der onst wns daß er Müschen, anko ein nie stand erkannte wird sich lk schlecht erharren, Herr auf ritze Dich habgierig > Jndente. Aber Hingegen »d wenn :n? Sie )ann mit >e»i Herz ,en Weib sich sacht Herzens ton über ht; eben i? Aber ein: nun 's Angst, t, da er Zeigen, flickte an te sie die ckten ihn;n thnii," .mit dem eit seines ch?" hm ans. ch in das rigsein?" fragte sie n?! . . . >ben ihn ichts gelben die iGewohnheit", suchte er sich auch diesmal zu trösten, aber es wollte 'ihm nicht recht gelingen. Für diesen Nachmittag hatte Chane gestern den Weg nach Halicz angesetzt. Er hatte sich vorgeiiommen, ihr nicht entgegen zu sein, sie aber auch beileibe nicht daran zu erinnern. Ein Greis, wie Red David ... es war doch sehr bitter . . . Nun aber, unter diesem letzten Eindruck, begann er schüchtern: „Du hast gemeint, wir sollten heute z» Mcndele . . ." „Gottlob, das; Du mich daran erinnerst", erwiederte sie höhnisch. „Ich hätt' sonst nicht an die Kleinigkeit gedacht ... Natürlich gehen wir . . . Miriam, hast Du den Riß zngenäht?!" Das Mädchen brachte das Kleid und war der Mutter beim Ankleiden behilflich. Leib stand unschlüssig in der Ecke. ,,So mach' Dich fertig," herrschte ihn Chane an. Aber ec blieb, bis die Tochter gegangen war. „Sollen wir sie allein lassen?" begann er zaghaft. „Natürlich! Jst's das erste Mal? ... Du siehst ja, er traut üch nicht mehr her. Und jetzt arbeitet er wohl auch mit draußen. . „Er arbeitet nicht," erwiederte er. Dann richtete er sich ans und sagte mit einer Entschlossenheit, zu der er sich seit Jahren nicht mehr aufgerafft: „Es darf nicht sein, Chane . . . Geh' Du allein!" Sie blickte ihn an und lenkte sofort in ihrer Art ein. Denn ne erkannte, daß er diesmal nicht nachgeben würde; auch mochte er sa wohl Recht haben . . . „So bist Du immer," zeterte sie. ,,Ertennst D» endlich, daß Du Unsinn gewollt hast, so schreist Du mich ovch vorher an, als wollt'st Du mich freffe»! Natürlich geh' am besten ich allein, aber wie sollt' ich mich trauen, darauf zu bestehen? Du wirfst mir ja immer vor, daß ich das Wichtigste ohne Dich thue..." Er athmete auf. „Ich werd's dir diesmal nicht vorwerfen," betheuerte er demüthig. „Und wenn D» schon in Halicz bist," fuhr c fort, „so sprichst Du auch vielleicht mit Mosche ... In acht Lage» ist ja schon der 1. Oktober ... Er soll doch wenigstens den Wechsel für so lange verlängern, bis entschieden ist, ob mir Paterski ündigt." „Ich hab's sogar als ersten Gang vorgehabt", erwiederte sie. .Aber was soll ich ihm sage»? . . . Mit guten Worten ist Mosche!icht zufrieden . . . Und das alles — hast Du »ns — eingebrockt — r)» — für Deine» - liebe» —" Wieder einmal befiel si° der Krampfhnsten, daß sie zu ersticken uvhte. Es währte lange, bis sie fde» Weg antreten konnte. Nur ne Kraft der Seele hielt den armen Körper aufrecht, als sie sich so Dchritt für Schritt im Staub der Straße dahinschleppte. Es währte bohl eine Stunde, bis sie auch nnr das Wäldchen erreicht hatte, und a mußte sie sich zur Rast niederlassen. „Ich komm'nicht hin," dachte :e verzweifelt, „und wie erst zurück?!" (Forts, folgt.) Vom Martesaal zur Synagoge. Von R. Heinrich. war stockfinstere Nacht, als ich mit dem Schnellzuge um 2 Uhr in Hannover anlangte. Nun noch im Hotel sich in ein Bett verkriechen? dachte ich. Wo findest du unterwegs für inen langen Körper überhaupt eine bequeme Ruhestätte? Müßtest; i nicht überdies schon um 6 Uhr die Schlafmütze abstreifen, um; cht den Chalnioed-Siikkoth-Goltesdienst z» versäumen? Vielleicht ‘ etet sich dir, lote du wegen deines urgermanischen Aussehens wieder- Ht erfahren hast, nngesncht Gelegenheit, einen ungetrübten Einblick :’• die Volksseele zu thun, wenn du die 4 Stunden im Wartesaal verbringst. Ich lenkte also meine Schritte dem Wartesaal I. und II Klasse zu. So oft ich um diese Tages- oder besser, um diese Nachtzeit de» Saal betrete, bietet sich meinen Angen dasselbe Bild. Vorn, ans den gepolsterten Bänken schnarchen Männlein und Weiblein, die Einen saus gene hingestrerkt, die Andern in die Ecke gelehnt. Nur wenn die Glocke des Portiers die Abfahrt eines Zuges ankündigt, schlagen die Passagiere die Augen ans, um enltveder unter den Siebensachen keuchend sich fortzutrolle», oder ein Schläfchen i» verbesserter Auflage zu beginnen. Wie sind die Erscheinungen des Lebens doch trotz aller Mannigfaltigkeit zuweilen so stereotyp! Mehr im Hintergrund, am Büffet, sitzen diesmal nur wenige Herren beim Biere. Sie erheben sich bald, um abzureisen. Verdrießlich , nun einsam die Stunden hinöden zu müssen, suchte ich die neuesten, schon abgelesene» Zeitungen. Aber ich hatte keine rechte Leselust. De» Inhalt der Tagesblättcr kennt man ja jetzt, ohne sie studirt zu habe». Hammerstein am Pranger, wie sein großes Vorbild Baron von Hainau am Galgen (Galgen heißt im hebräischen ez) Das ist der Avers. Der Revers ist Stöcker, der Retter der deutschen Nation, der Beschützer des Altars, des Thrones, der Hort der Wahrheit und Offenheit, der Verfasser des pass scliegeii liakessov, des wiederaufgelebten Schreibens an seinen edlen Mitkämpfer für Religion und Sitte, an Hammerstein, der nun am »/. liadaass prangt, nun, da der sronuue Kreuzzeitungsschriftleiler und Judenvertilger als Schnstcrle erkannt ist. Solche Leute stimmen über Wohl und Weh meiner Glaubensgenossen, über das Schicksal einer halben Million jüdischer Deutscher ab. Ich ärgerte mich in eine recht menschenfeindliche Gemüthsstimmnng hinein, so daß der Schlaf meinen Angen wich. Aber die Zeit ward mir lang. Es war so still im Wartesaal. Von den Fantenils her nur zog das häßliche Schnarchen durch den hohe», weiten Raum, und hoch oben an der Wand über dem Schenktisch knarrte die Uhr, so oft der große Zeiger einen Minutcniveg znrückgelegt halte, als wolle er gleichsam die Mühe des Pilgerns und die Vergänglichkeit der Zeit mit einem Seufzer beklagen. — Es ist eben 3 Uhr. Da kommt endlich Leben an meinen Tisch. Zwei germanische Jünglinge im Atter von 25—3» Jahren taumeln Hera» und setzen sich mir gegenüber. Wohin wollen diese Herren ihren Rausch in der frühen Morgenstunde »och tragen, frage ich mich. Doch — sie wollen nirgends hi», sie wollen hier nnr weiter zechen, weil eS ihnen in der Stadt wegen der Polizeistunde unmöglich gemacht wurde. Ich mußte sie wider meinen Willen belauschen, sie sprachen ja auch so laut, und ich war doch zuerst am Tische. Man möge mir die Ouvertüre dieser Offenbachiade von Unterhaltung in Gnaden erlassen, wenn ich erwähne, daß die Helden in der Umwelt eines Lenß eines Dr. Schnutz und seiner Ehefrau lebe» und lieben. Wo mögen diese Edlen von abends 8 bis morgens 3 Uhr der Sitte und Religion geopfert haben! Aber hören wir nun anfmerksam zu! In vino est veritas und bekosso, beim Kelche thnt sich der innere Mensch auf. Voni Wein und von der Liebe kamen die germanischen Jünglinge auf die Jndcn zu sprechen. Der Eine: Die Inden schachern, handeln. Sic sind — k»r gesagt — die größten Gauner. Geld ist ihr Glaube, das goldene Kalb ihr Gott. Der Andere: Aber sie sind solide und sehr arbeitsam. Sie schaffen vom frühen Morgen bis spät in die »lacht. Der Erste: Ja, Znsammenscharren ist ihr Vergnügen. Für Gemüthlichkeii geben sie keinen Pfennig ans. Sie gehen am Wirthshanse vorüber und denken: Ich habe ein Glas Bier getrunken. Der Zweite: Während wir Deutschen sause». 4

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