Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1895)
- Date
- 1895-11-08
- Page
- Seite 533 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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533 Dr. med. Silbergleit, aus Gleiwitz. gest. Eisernes Kreuz und bair. Verdienstorden. San.-Rath Dr. Simon, G, jetzt in Berlin, früher Arzt in Eilenburg. 1864 einj.-freiw. Arzt beim 4. Garderegiment zu Fuß. 1866 Assistenzarzt. 1870 Bataillonsarzt beim Thür. Jnf.-Reg. Nr. 31. Eis. Kreuz. Auch Frau Amalie Levy aus Trier erhielt wegen ihrer hervorragenden Leistungen in den Lazarethen zu Trier und vor Metz das eiserne Kreuz für Nichtkombattanten, sowie mehrere Verdienstmedaillen. Die Dame lebt jetzt in Frankfurt a. M. Berichtigungen. Assistenzarzt Dr. Cohn, Eman., jetzt Frankfurt a. M. 34. Jnf.-Reg. Dr. med. Davidson, Paul (gest.), in Breslau. 1866 Rother Adlerorden mit Schwertern. 1870/71 eisernes Kreuz am w.-schw. Bande. Meyer, Aron, aus Bückeburg ist zu streichen. San.-Rath Dr. Roth mann, Oscar, aus Wongrowitz, seit 1848 in Berlin. Eisernes Kreuz 2. Klasse, Rother Adlerorden 4. Klasse mit Schwertern; Kronenorden 4. Klasse. Düppel- und Alsenmedaillen. Kriegsmedaillen von 1864, 1866, 1870/71. Ro send erg, Herrmann, aus Schopfloch, erhielt eisernes Kreuz und silberne Tapferkeitsmedaille. Der Betreffende heißt Herrmann Rosenfeld, nicht Rosenberg! Dr. Sachs, Ludwig, aus Sohrau und Dr. L. S., Sanitätsrath in Schönlanke, sind identisch. * Mein seliger Bruder, Oberstabs- und Regimentsarzt Dr. Joseph Raw itz in Glogau, war stets im aktiven Militärdienst und hat die Kriege von 1866 und 1870/71 mitgemacht. Derselbe war zuerst Chefarzt des ersten Feldlazareths des fünften Armeekorps, dann Feld-Regimentsarzt des Belagerungsartillerie-Regiments Paris, Südsront. Er hatte folgende Orden und Ehrenzeichen empfangen: Eisernes Kreuz 2. Klaffe ant weißen Bande, rothen Adlerorden 4 Klaffe mit Schwertern am weißen Bande, goldenes Verdienstkreuz und Ritterkreuz des baierischen Militärverdienstordens, Kriegsdenkmünze von 1870/71, Erinnerungskreuz 1866 und Denkmünze 1859. Mein seliger Bruder, der sein Leben hindurch strengste Gewissenhaftigkeit und treuste Pflichterfüllung übte, hat den Keim tödtlicher Krankheit mit heimgebracht. Was mein Bruder während seiner Dienstzeit geleistet hat, dürften beifolgende Nachrufe kundthun. Sie zeigen, daß wirkliches Verdienst auch anerkannt und gewürdigt wird. Breslau, 23. Oktober. Dorothea Rawitz. * Nach erfolgter Kriegserklärung im Sommer 1870 passirten tagtäglich Militärzüge die hiesige Bahnstation. Obwohl in dem benachbarten Paderborn eine Verpflegungsstation für die Truppen eingerichtet war, so ließ man es sich hier doch nicht nehmen, die ausziehenden Krieger durch Liebesgaben aller Art zu erfreuen. Bei dieser Gelegenheit thaten sich zwei hiesige Damen ganz besonders durch ihren unermüdlichen Eifer hervor, und zwar waren es Frau Rechnungsrath Marks und Frau Jettchen Net he. Der Ersteren Thätigkeit bestand hauptsächlich in dem Sammeln der Liebesgaben, die sie dann eigenhändig am Bahnhofe vertheilte, während die Letztgenannte Tag und Nacht am Bahnhofe stand, mit der Zubereitung warmer Getränke beschäftigt, die sie beim Einfahren eines jeden Train portionenweise den Soldaten darreichte. Beide Damen wurden verdientermaßen für ihre aufopfernde Thätigkeit mit dem Verdienstorden für Nichtkombattanten dekorirt. Die letztgenannte Frau Jettchen Nethe, welche jüdischer Konfession ist, lebt augenblicklich noch bei ihrem Schwiegersohn, Herrn Simon, in Ouakenbrück. Brakel, 15. Oktober. Em. Goldschmidt. * Aus der Gemeinde Lemgo haben zwei Mitglieder an dem Feldzuge Theil genommen: G e r s o n M i ch a e l i s in der Linie und MeierUhlmann als Landwehrmann. Beiden wurde die Kriegsmedaille verliehen. * Bernhard Frankenstein von hier hat den Feldzug 1870/71 beim Infanterieregiment Nr. 55, 9. Kompagnie, ununterbrochen von Anfang bis zu Ende mitgemacht. Bei der großen Schlacht am 14. August 1870 hat er mitgekämpft, wobei er im dichtesten Kugelregen einen Artillerie- Offizier höheren Ranges, welcher verwundet worden war, aus der Feuerlinie gebracht, wofür ihm nachträglich das eiserne Kreuz II. Klasse verliehen worden ist. Auch wurde er zum Unteroffizier ernannt, nachdem er die Belagerung von Metz bis zur Uebergabe mitgemacht. Bei dem Rückmarsch des Regiments in die Heimath bis zur Eisenbahnstation bekam er den Sonnenstich und wurde bewußtlos in das nächste Lazareth gebracht und dann dem Regiment voraus nach Minden geschickt. Nachdem er sich erholt, wurde er von seinen Ellern von dort abgeholt und betheiligte sich an dem Einzug des Regiments in Detmold, wobei ihm der lippesche Hausorden verliehen wurde. Wie beliebt er bei seinen Kriegskameraden war, beweist der Umstand, daß er seit der Stiftung des hiesigen Kriegervereins ununterbrochen bis zu seinem Tode (vor ca. 3^ Jahren) dessen Präsident war. Er wurde mit militärischen Ehren begraben, welche Herr Amtsrichter Huxhol, jetzt in Lemgo, leitete. Der Sarg war mit unzähligen Kränzen geschmückt, unter welchen der vom hiesigen Kriegerverein gewidmete Lorbeerkranz besonders hervorglänzte. Er trägt auf großer, weißer Schleife die Widmung: Unserm unvergeßlichen Präsidenten und wird in hiesiger Synagoge aufbewahrt. Bösingfeld, 16. Oktober. * In Ihrer Liste der Inhaber des eisernen Kreuzes haben Sie auch den Namen Ferdinand Danziger aufgesührt. Ich nehme deshalb Veranlassung, Ihnen beifolgend Nr. 25 vom 2. November 1895 der „Hamburgschen Turner-Zeitung" zuzuschicken, in welcher demselben ein besonderes Gedenkblatt gewidmet wird. Hamburg, 3. November. Hochachtend S. Halberstadt. In dem uns zugesandten Gedenkblatt heißt es u. A.: „So war es auch ganz besonders der Tod unseres bisherigen Gauturnwarts Ferdinand Danziger, der in unseren Turnerkreisen tiefe Trauer erregte. Danziger war ein Turnersmann mit Leib und Seele, unermüdlich auf dem Turnplätze, seine Genossen zu fleißiger Uebung anleitend und anfeuernd, stramm und schneidig in seinem ganzen Auftreten, dabei tüchtig in Wort und in der Feder, gemüthvoll, namentlich im engeren Freundeskreise. Manche formvollendete poetische Arbeit gab bei Kommersen und Festlichkeiten seinem Eifer für die Turnsache begeisterten Ausdruck und zeugte von idealer Auffassung des turnerischen Strebens." Als letzter seiner poetischen Ergüsse wird ein hübsches Gedicht zitirt, das D. im Oktober 1870 auf Vorposten vor Paris verfaßt hat. Dann heißt es weiter: „Leider war es uns nicht vergönnt, unseren Danziger wieder heimkehren und seine turnerische Thätigkeit im Harnburger St. Pauli-Turnverein wie auch als Gauturnwart wieder aufnehmen zu sehen. Ei re tödtliche Kugel traf ihn am 7. Dezember 1870, im Gefechte des 76. Regiments bei Meung, wo er im Feldlazareth nach wenigen qualvollen Stunden in den Armen seines Freundes und Turngenoffen Gustav Hagel, der als Krankenträger ihm den letzten Liebesdienst erwies, verstarb." Als Zeichen der Trauer wurde dem Hingeschiedenen von seinem Turnverein ein warm empfundener, poetischer Nachruf gewidmet. Brmnontaden. Von O. Neuschotz de Jassy. J, Paris, im Oktober. ^s war den Antisemiten in Frankreich einen Augenblick ge- C) hingen, die durch die grosse Revolution errungenen Prärogative nach nahezu einem Jahrhundert in den Koth ihrer Agitationen zu zerren und dein zivilisirten, allerdings nicht ganz schuld- und vorurtheilsfreien Europa das Schauspiel zu eröffnen, wie, zur Neige des neunzehnten Jahrhunderts, das französische Parlament, dessen Freisinn in konfessionellen Dingen über jeden Zweifel erhaben war, eine „Judeufrage" aufwerfen und sie zum Gegenstände einer zwei-