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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-11-08 · Heft 45 (8.11.1895) · p. Seite 532

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 45 (8.11.1895)
Date
1895-11-08
Page
Seite 532 (sequence 4)
Language
German
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532 Fünfundzwanzig Semester. Von Dr. M. Löwenthal. 3 war int Wintersemester 1882 zu 1883, als ein Häuflein von Studirenden der Berlitter Universität sich zur Gründung eitles stttdentischett Vereins zusammeuthal, der das jedettfalls int Baratts für sich hatte, das; seinesgleichen bis dahin an deutschetl Universitäten nicht existirte. Nach längerenuttdernsthafteu Erwägungenhatten die, meist schott in älteren Semestern stehenden Begründer sich dazu entschlossett, den neuen Verein als „Akademischen Verein für jüdische Geschichte ttttb Litteratur" bei den Universitütsbehördeu an^ittticlbeit ittito dett Kommilitonen als konstitnirt auzukütldigen. Es ist vielleicht überflüssig, daran zu erinnern, daß die gleichbenatutten nichtakademischen Vereine, die jetzt in erfreulicher Vielzahl itt deutschen Städten emporwachsen, itt eitler relativ viel späteretl Zeit erst itls Daseitl gerttfett worden sind. Jener stttdetttische Verein nun hatte, noch bevor er itt die Offentlichkeit getreten war, schon in sich eine Entwickelung dttrchgentacht, auf die einzugehetl atts tuattcherlei Gründen auch gegenwärtig ttoch gettug des Jttteresses darbietet. Bkan erinnere sich nur, das; jette Grüttdttttg eitler Zeit entflammt, in welcher die Hetze gegen Jtlden und Judenthum eine bedrohliche Höhe erreicht und einen besorguißerregenden Charakter attgenomnten hatte, mtd daß zumal in Berlin der Hetzpöbel aller Stünde sich die brutalsten Orgien leistete. Auch unter dem Studirettdetl lvar es höchst ungemüthlich geworden. Das Treibett des „Vereins Detttscher Studenten" tvirkte auch auf die ihm tticht ganz nahe Steheudett ittfizireud ein, so daß außerhalb der Hörsüle die eive8 ncackemioi sich sehr bald na 2 Konfessionen gesottdert hieltett, und ihr Verkehr uttd ihre Geselligkeit den Stempel der Separation trug. Was liegt in solcher Zeit näher, als daß sich die Schicksalsgefährtei. aneinander schließen, aus der Roth eine Tugend zu machen, odergar sich zu mannhafter Gegenwehr vereinend: eine Absicht, die auch jene Studenten im Winter 1882 zunächst ztt einander geführt hatte. Daß sie hierbei tticht stehen geblieben, daß sie sich tticht zu eitlem jüdischen Jünglingsverein konsolidirt oder ztt einer Abwehrliga ausgewachsen, daß sie vielmehr als das Ersprießlichere ttttd Erstrebenswerthere die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Geschichte und Litteratur des Judenthunts ertannt haben, das spricht für die gereiste Jutelligettz und dett klaren Blick jener Kommilitonen, und das wird ihr unbestreitbares Verdienst bleiben. Es ntuß eben Jedem, der die studentischen Verhältnisse näher kennt, und der, durch kühlte Phantasmen tticht verwirrt, aus der Erfahrung zu lernen im Stande ist, klar feilt, daß die Entseuchung des akademischen Bodens auf zwei Wegen jedettfalls tticht erzielt werden kamt: einmal auf jenem, auf dem die großen, auf breiter Basis erbauten Abwehrvereitte vielleicht etwas erreichen, sodann mtf jenem, dett diejenigen stttdentischett Berbindnttgeu vergeblich beschritten haben, die der Vorstellung huldigen, sie könnten durch Pflege der ritterlichen Küttste, einschließlich der Kultivirung des Alkoholismus, dett Gegnern imponiren, ihnen das Geständniß der Ebenbürtigkeit abringen. Vergebliches Bemühen! Was hat es genützt, daß jüdische Verbindungen mit Couleur und Mensurzwang entstanden, deren Mitglieder an „Schneidigkeit" ttttb körperlicher Gewandtheit allen anderen unzweifelhaft gewachsen waren? Haben sie auch nur das Mindeste gebessert? Was sie auch thun und leisten mögett, sie bleiben in den Augen der anderen Couleurs, wie es int Studentenjargon heißt, die „Blase". Was hat es der Sache genützt, daß jüdische Stndentett sich im entfielt Zweikampf verbluteten? Man hat sie noch nach dem Tode beschimpft und als Raufbolde hingestellt. Nach alledem erscheint es einigermaßen unverständlich, wenn sich neuerdings an der hiesigen Universität ein Verein aufgethan hat, der seinem Namen nach ein jüdisches Gegenstück zu dem christlichen „Verein deutscher Studenten" darzustellen bestimmt scheint, mit dem angegebenen Zweck, der Hebung des Selbstbewußtseius unter den jüdischen Studenten. Soweit man bemerken kann, fehlt es auch jetzt schon glücklicherweise nicht daran; soll doch sogar zuweilen schon über ein Zuviel nt dieser Richtung geklagt feilt. Sollte aber beabsichtigt sein, jüdische Studireude zur Erkeuntuiß des weisen Wortes des Judenthums zu bringen, so giebt es hierzu nur einen Weg, und der führt zunächst zur eingehenden Beschäftigung mit der Geschichte und Litteratur des Judenthums. Hierzu bedurfte es freilich keiner, zur Zersplitterung der verfügbaren Kräfte führenden Neugründung, die vielmehr, da ihre Schöpfer bekannte Zionisten sind, die Vermuthung nahelegt, daß eine Propagandirung des Ziouismns unter den Studirenden bezweckt wird. Dann sollte man doch lieber mit offenem Visir in die Arena treten. Allen solchen Bestrebungen entgegen hat seit fünfundzwanzig Semestern der „Akademische Verein für jüdische Geschichte und Litteratur", getreu den Intentionen seiner Begründer und ersten Mitglieder, unterstützt durch liebevolle Betheilignug autoritativer Gelehrter, treu und nnerschütterlich zur Fahne parteiloser Forschung und objektiven wissenschaftlichen Strebens gestanden. Unter Ausschluß aller konfessionellen und nationalen Fragen suchte er durch Vorträge und Diskussionen, durch sachliche Belehrung und freie Anssprache das Verständnis; einer Geschichte und Litteratur anzubahnen, die zu den wichtigsten Erscheinungen der Universalgeschichte gehört. In der Erkenntuiß, daß eine volle und gerechte Würdigung der großen Erscheinungen, wie sie die Religiousgeschichte der Menschheit darbietet, nur möglich ist durch das Verstehen des Entwickelnugsgauges, welchen die eigenartige Geschichte des alten Israel genommen, hat er es sich vorzüglich angelegen sein lassen, auf diesem so ounklen und vitlumstrittenen Gebiete seine Mitglieder zur Wahrheit und Klarheit hinzuleiten. Durch die Behandlung der Geschichte des späteren Judenthums glaubte er am besten dazu beitragen zu können, das Verständniß für die Aufgaben der Gegenwart zu erleichtern. Indem er schließlich Jedem überließ, aus dem, was ihm dargeboten wurde, die Schlüsse selbst zu ziehen und sich seine eigene Meinung zu bilden, bot er den Studirenden eine Pflegestütte idealen Sinnes und ernsten Strebens, auf der die verschiedenartigsten Elemente sich zufammeuftnben und verständigen konnten. Was er erreicht bat, und das wird Jeder, der r in seiner Mitte verweilt, dankbar anerkennen, konnte er nnr dadurch erreichen, daß er, unbeirrt durch das Gezänk des Tages, festhielt au der Wissenschaft, als dem stehenden Pol in der Erscheinungen Flucht. Kriegs-Erinnerungen. Berlin, 4. November. Inhaber des eisernen Kreuzes. Fränkel, Adolph, aus Berlin, jetzt Export-Agent in Hamburg. Eisernes Kreuz. Dr. Lind mann, I., Medizinalrath in Mannheim, früher Feldarzt im bad. Armeekorps. Zähringer Löwenorden 2. Kl. mit Schwertern. Loeb, Ludwig, aus Straßburg. 3. Eskadron des bair. 2. Ulanenregiments. Militär-Verdienstkreuz. Dr. Löwenfeld, Hermann, aus Berlin, gest. Eisernes Kreuz. Mühsam, E., Buchhändler, jetzt Chicago. Unteroffizier. Eis. Kreuz. Posner, Salomon, aus Leipzig-Großenhain. Eisernes Kreuz.

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