Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1895)
- Date
- 1895-11-01
- Page
- Seite 523 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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523 lier Friedib Bibel» )er zweite s Thema: andpunkte rkuiig des Mensche», m, Unsittiehens für s, zu der Professor ung", die weil die iegien einnd allein en Lehren ulturellen „Jüdische Lorlcsung nographie er beide» - Regensnach allrlesungen bende zu Vortragsder anfusgelehrt worfenen lgsabende n Großen öirkungsauf alle!rer Mithum mit in seiner eben und titteratur UNg. dauernd >en und lkbiichern sellschaft, r seiner en oder t so gut egentlich heißt es n ihm." li 1845) Besu e bei seinem Verleger Löwenthal (spater Loening) die Rede gewesen: „Auch in der Rabbinerversaunnlung. Gute Redner. Man verhandelte über den künftigen Messias, ob er geistig, körperlich oder gar politisch aufzufaffen sei. Durch Stimmenmehrheit wurde entschieden, daß die Hoffnung auf den Messias und auf das jüdische Reich aus den Gebeten wegzulasseu sei. So macht man jetzt Religion." Die Notiz ist der Benchtung und der Mittheilung Werth, weil es im Ganzen selten genug vorkommt, daß ein deutscher Schriftsteller intime jüdische Angelegenheiten berücksichtigt. Eine solche Erwähnung ist, wenn ich nicht irre, ein vollgiltiges Zeugniß für die Bedeutsamkeit, die jene Versammlungen hatten, für die Aufmerksamkeit, die sie damals auch bei Uubetheiligten, gänzlich Fernstehenden erregten. Die Die Erwähnung erfolgt freilich in spöttischem, um Glicht zu sagen wegwerfendem Tone. Die Schlußbemerkung ist recht verkehrt. Denn es handelt sich in dem erwähnten Beschluß darum, die einer veralteten Ueberzeugung entstammende, moderner Anschauung nicht mehr entsprechende Aeußerung zu tilgen. Nicht also die Religion, sondern eine bloße Form wird geändert oder „gemacht". Die betreffende Sitzung voln 21. Jnli war die neunte, welche die zweite Rabbiuerversannnlung in Frankfurt hielt; sie hat für mich ein besonderes Interesse dadurch, daß mein Vater in ihr wie in der vorigen, an Stelle des ersten Präsidenten. des Rabbiners L. Stein, den Vorsitz führte. In beiden Sitzungen wurde über die Messias- Frage verhandelt. Die an jenem Tage auftreteuden Redner, die von Bauernfeld als „gut" qualifizirt werden, waren: Herzheimer, Ben Israel, Wagner, Güldenstein, Kahn, Gosen, Stein, Formstecher mrd Philippsohn. Die von dem Präsidenten zur Abstimmung vorgeschlagenen Thesen waren die folgenden fünf: 1. Ist die Bitte um Rückkehr nach Palästina in nufere Gebete aufzunehmen? 2. Soll um Herstellung des Tempels und des jüdischen Staates, selbst wenn wir nicht dahin zurückkehren wollen, gebetet werden? 3. Soll der Begriff eines persönlichen Messias ausgedrückt werden? 4. Soll die geistige Auffassung des Messiasreiches schärfer bezeichnet werden? 5. Sollen Erinnerungen an die Vergangenheit beibehalten werden? Doch wurden nicht sie zur Abstimmung gebracht, sondern der Kommissions-Antrag, der in der von der Versammlung modifizirteu Fassung also lautete: Die Messiasidee verdient in den Gebeten hohe Berücksichtigung, jedoch sollen die Bitten um unsere Zurückführung in das Land unserer Väter und Herstellung eines jüdischen Staates aus unfern Gebeten ausgeschieden werden. Man erkennt ebensowohl au3 den vorher erwähnten Fragen, wie aus dein eben mitgetheilten Abschlüsse der Versammllmg, wie wenig gerechtfertigt der Spott Bauernfeld's ist! Diese Belehrungen sind nöthig für Jeden, der die Bauernfeld'sche Notiz liest. Leider erhalten wir sie aber in dem sonst so fleißigen und ausführlichen Kommentar nicht, den E.Glossy seiner Publikation angeschlossen hat. Und auch hier darf man, gerade in Rücksicht auf den so umsichtigen und gewissenhaften Kommentator, die Klage erneuern, daß jüdische Dinge durch christliche Herausgeber nicht die ihnen gebührende Beachtung finden. In derselben Einzeichnung, in der von der Rabbinerversamnüung gesprochen wird, ist auch ganz kurz, viel kürzer, als von jener Versammlung, von einem Schriftstellerverein die Rede, der kurzlebig und wirkungslos war. lieber diesen Verein private Erkundigungen einzuziehen, hat sich der Herausgeber keine Mühe verdrießen lassen; von der Rabbinerversainmlung, über welche die gedruckten Protokolle vorliegen, spricht er kein Wort. Und doch waren diese Protokolle aus irgend einer öffentlichen oder Privatbibliothek Wiens gewiß leicht zu beschaffen. -| -, MMMiMIIWMMmMMMiliiMMMMWMiilMWiMIMWMnMMMlM ,- 'IlSHIWUVJilW/ MMMW * 1 FEUILLETON 1 1 gpaiimmmmin zzSIIImlUUnNIII E MMMMlIiMMMIUMMtMMlMMIMlMMIMlNMIUIMMMllMMMlllM ««MMMllMiWMnIMMMWlIMMMIMMMiIlMMMmIWIMMniMnWMM -9SS;r- | -1 mmifflfMi iinrnuiü” 1m Leib Weihnachtskuchen und sein Kind. Novelle von Karl Emil Franzos. (Fortsetzung.) rst als der Marktflecken hinter ihm lag und er allein auf der einsamen, mondbeschieiienen Straße nach Winkowze stand, hielt er an und suchte sich zu besinnen. Aber es ging nicht, noch drängte ihm das Blut zu wild gegen den Kopf. „Herr Gott im Himmel!" schrie er plötzlich auf »nd hob die Arme empor. Es war ein Schrei des tiefste» Schreckens »nd das Entsetzen über das eben Gehörte hatte ebenso viel Theil daran, wie das Grauen vor der Gefahr, die ihnr selbst drohte. Allerdings hatte ihn ja der Gedanke a» diese Gefahr schon überkommen, aber das war ihm hinterdrein wie Wahnsinn erschienen, und er hatte Gott und sein Kind dafür um Verzeihung gebeten. Ein Christ und eine Jüdin — es ging eben nach seiner Anschauung gegen die Natur, wie etwa ein Bund zwischen Lanim und Wolf; es geschah niemals, es konnte niemals geschehen, und schon darum brauchte auch er nicht davor zu zittern. Nur vor einer Gewaltthat des Janko bangte ihm, aber eine Liebschaft — »ein, nicht blos weil es seine brave, gehorsame Miriam, sondern weil sie eine Jüdin war. Und mm hatte es sich doch begeben, im selben Lande, zur selben Zeit; dem Manie tvar's, als wanke der Boden unter ihm. . . Mendele hatte Recht: „Und wenn es nur in hundert Jahren einmal geschieht, so muß man eS doch mit bedenken" — und dabei wußte er nichts von diesem Janko! . . . „Herr Gott im Himmel," klang es lvieder von seinen Lippeil, diesmal leise, ihm selbst taum vernehmbar, ein Gebet aus tiefster Brust. „Du vermagst Alles. . . Dli wirst auch dies znm Guten wenden. . . Nicht wahr, Du wirst?" Die Lippe» bewegten sich lautlos, er dachte es »iir. So stand er im Staub der Straße, das Haupt zlim Himmel gewendet, daß es vom Mondlicht hell überflnthet ivurde. Ihm wnr's, als müßte er ihm ein Zeichen senden. . . Aber nichts regte sich als das leise Wühle» des Windes im Gesträuch, und das klang wie ein Seufzer.. . Und dennoch — je länger er so stand und schaute, rings alles Stille und Licht, Licht und Stille, desto leichter wurde auch ihm »ms Herz Droben wandelten Mond und Sterne durch das azurne Blau ihre ewigen Pfade, und um ihm schimmerten die Stoppelfelder und der tiefe Staub der Straße wie eitel Silber. . . Es war nicht anders, als er es tausend Male gesehen, aber heute labte es ihn, daß das arme, bekümmerte Herz wieder ruhiger zu schlagen begann. . . „Preis Ihm, der erhellet die Finsterniß!" Er wollte zu beten beginnen, aber wieder bewegten sich die Lippen nur lautlos. Wundersam getröstet setzte er seinen Weg fort. Es mußte spät sein, wohl an Zehn, Weib und Kind waren gewiß schon in Sorge um ihn; er wollte rasch ausschreiten, aber das ging nicht, die armen, schwachen, krumme» Beine konnten sich nur langsam durch den tiefen Staub weiter schleppe». Und dann wurde er immer müder und müder, und endlich gings gar nicht mehr. Als er die Bank am Brunnen erreichte, wo er heut' Nachmittag mit dem Janko gesessen, wankte er i l > i < <