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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-11-01 · Heft 44 (1.11.1895) · p. Seite 521

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 44 (1.11.1895)
Date
1895-11-01
Page
Seite 521 (sequence 7)
Language
German
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läßt sich taktische» r Stadti, welcher begrüßte. )en Ostc Schul- Prediger er ernster rbrachten ud dessen lnehmer» höchsten luflösung »getreten rdentliche leinden im vertrage von 1895/90 lavziellen oer» sich ne solche lem entoch einen eligionser. Der L5 Mark sönlichen 10 Mark, erbandes Lehrern, Jnsterm freien icken, erhgiltigen als wir der bisjetzigen Aussicht i Grenzhen, hat berichtet, renn sie lindertcr Nahmen r Inden lutenden er jetzt stlichsteir ei allen )en Geb, lebte vährend imation zbefitzers nidigkeit erlangte Papier in einem eingeschriebenen Briefe ihrem Manne zu. Was aber im Postverkehr in Deutschland nur in den seltensten Fällen passirt, nämlich daß eingeschriebene Briefe verloren gehen, gehört in Rußland zu den Gewöhnlichkeiten und bildet ein natürliches Bedürsniß. Der eingeschriebene Brief gelangte nicht an den Adressaten. Nun sollte der Mann von der geschichtlich gewordenen Beresiua, >vo er sein Arbeitsfeld hatte, zur Erlangung eines andern Passes persönlich hier erscheinen. Es wurde ihm ferner anfgegeben, seine deutsche Angehörigkeit schriftlich nachzuweisen und schließlich noch ein Zeugnis; von seiner Unbescholtenheit beizulegen.' Dieses Alles sind Extravergnügungen, die man sich verschaffen kann, wenn man in Geschäften nach Rußland zu reise» — de» Muth hat. Inzwischen ist jedoch jener Mann in Rußland plötzlich verstorben nnd hat dadurch der Paßangelegenheit die schnellste Erledigung verliehen, darlegend, daß man eher in das Jenseits gelangen kann, als wie auf Erden hin nach den gesegneten Fluren des Zarenreiches. — An den hohen Festtagen regte es sich auch in dem religiösen Gewiffen der ostpreußischen Juden. Wo sonst das religiöse Bedürsniß zu deni letzten gezählt wird und leerstehende Gotteshäuser uns Israel in einer religiösen Lethargie zeigen, die kaum seiner Mission unter den Völkern angemesien ist, da sah man jetzt nach Lai toKIos und Kal lekaas sich um, um, wenn auch nur für drei Tage, dem Judenthum gerecht zu werden. Für drei Tage, — wir acceptiren gern diese Abschlagszahlung, da wir es hier mit einem laxen Schuldner zu thun haben und das Sprüchwort „besser etwas als gar nichts" auch hier am rechten Orte ist. Wir kennen die allgemeine antireligiöse Strömung, wie sie jetzt vorhanden, und an der sich die Juden mit einem so bedenklichen Prozentsatz betheiligen, wo dann die des Nordens sich trösten mit denen des Südens und diese wiederum ihr religiöses Gewisse» beruhigen mit dem Hinweis auf jene, daß da noch genug Frömmigkeit existire, um zur Noth auszureichen. Die Täuschung wird dann selbstverständlich eine allgemeine, und selbst aus dem orthodoxen Rußland wird uns in dieser Beziehung eine Frivolität berichtet, die kaum glaublich erscheint. Was nun Ostpreußen anbetrifft, so wird mair ein Bild von der hier waltenden religiösen Verflachung erhalten, wenn wir erzählen, daß es in Ostpreußen eine kleine Gemeinde giebt, die ungefähr 16 bis 17 Mitglieder zählt. Darunter giebt es ein solches, welches die Beschneidung seiner Söhne unterläßt und niemals nach der Synagoge kommt. Ein Zweiter, mit einer Christin verheirathet, ist jetzt aus der Gemeinde ausgetreten. Ferner giebt es eine jüdische Wittwe, die einen Christen zum Mann gehabt, und wiederum eine christliche Wittwe, die einen Juden als solchen besessen. Wir glauben, daß Berlin, dem Prozentsatz nach, kaum ein solche Zahl Halbabtrünniger zu stellen hat. Auf der andern Seite schaffen die ans Rußland herüberkommenden sanatischen Juden mitunter recht eigenthümliche, wenn nicht gar drastische Fälle. So kam es denn vor einigen Jahre» vor, daß ein solcher einem hiesigen deutschen, aber sittlich verkommenen Juden sein Chelek leolam habu — abkaufte, abkaufte für 50 Mark! Man wird zugestehen müsien, daß in dieser Thatsache ebenso viel Dummheit wie Nichtswürdigkeit liegt. Der Käufer, der sich eine Bescheinigung des abgeschloffenen Kaufes ausstellen ließ, ist inzwischen verstorben. Wir glauben indeß kaum, daß jene Anweisung honorirt worden. ist. Pie ungarisch-israelitische litterarische Gesellschaft. Von Gabriel Schwartz in Budapest. ährend in Deutschland fast wöchentlich in der einen oder andern jüdischen Gemeinde litterarische Vereine gegründet werden, wodurch die Kenntniß der jüdischen Wissenschaft und Litteratur in immer breitere Schichten des Judenthums dringt und das jüdische Bewußtsein gehoben wird, hat sich auch in Ungarn in dieser Hinsicht ein günstiger Umschwung vollzogen. Der Zahl nach überragt die Judenschaft Ungarns (sie beträgt nach den eben veröffentlichten statistische» Ausweisen aus dem Jahre 1893 743,521 Seelen) diejenige Deutschlands nnd theilt sich — schlimm igeuug — in drei Richtungen, deren gemeinsamer Charakterzug sich n der theils größern, theils geringern Indifferenz der jüdischen Wissenschaft und Litteratur gegenüber offenbart. Abgesehen von der einzigen Zeitschrift „Magyar zsidö szemle“, begründet von den verdienstvollen Seminarprofessoren Dr. Wilhelm Bacher und Dr. Joseph Banvczi, dermalen unter Mitwirkung einer kleinen Schaar von Mitarbeitern herausgegeben von Dr. Ludwig Blau, Seminarprofessor, und Dr. Franz Mezey, Advokat, die aber auch gesellschaftliche Ziele verfolgt, und die seit zwölf Jahren bemüht ist, der jüdischen Wiffenschaft i» der ungarischen Sprache Bahn zu brechen, ist hier zu Lande auf diesem Felde sehr wenig geleistet worden. Wohl wurde die Gründung einer ungarisch-israelitischen litterarische» Gesellschaft schon im Jahre 1884 von hervorragenden Männern befürwortet, aber zur Ausführung der Idee kam es damals nicht. Fast zehn Jahre laug blieb die Idee begraben und erwachte erst wieder im Jahre 1893, als die Regierung dem ungarischen Reichstage den Gesetzentwurf über die Rezeption der Juden unterbreitete, der, nebenbei bemerkt, vor einigen Tagen im Magnatenhanse mit einer Majorität von sechs Stimmen zum zweiten Male verworfen wurde. Eine rege Begeisterung bemächtigte sich damals des ungarischen Judenthums, eine Begeisterung, die das jiidische Selbstgefühl erweckte und stärkte und die begrabene Idee einer litterarischen Gesellschaft abermals auf die Tagesordnung brachte. Wir übergehen die einzelnen Stadien des Zustandekommens der Gesellschaft und gelangen zum 14. Februar 1894, an welchem Tage sich die Gesellschaft auf Grund der vom Ministerium des Innern bestätigten Statuten konstituirte. Der Aufruf zum Beitritt hatte in der Hauptstadt wie auch in der Provinz freudigen Widerklang gefunden. Die neugegründete Gesellschaft wählte zu Präsidenten den Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn und den königlichen Notar Dr. Philipp Weinmann, zum Vorsitzenden der litterarischen Sektion den Seminarprofessor Dr. Wilhelm Bacher und zum Generalsekretär Dr. Franz Mezey (sämmtlich auf drei Jahre), der den Statutenentwurf verfertigt hatte und in der genannten Zeitschrift die Gründung der Gesellschaft aufs Wärmste propagirte. Am Tage der Konstitnirung zählte die Gesellschaft 11 Gründungsmitglieder ä 1000 Kronen, 10 Förderer ä 400 Kronen, 38 Unterstiitzungsä 200 Kronen und 752 ordentliche Mitglieder ä wenigstens 8 Kronen. Wie ersichtlich, hatte die Gesellschaft schon im ersten Auftreten einen großen Erfolg zu verzeichnen, das allgemeine Wohlwollen des intelligenten hauptstädtischen und Provinzjudenthnms, das sich in dem Anschluß an die Gesellschaft kund gab. Die erste Leistung der Gesellschaft bestand in der Anfertigung einer guten ungarischen Bibelübersetzung — an der es uns bisher mangelte —, die ihrer Vollendung schon entgegensieht und in der kürzesten Zeit dem allgemeinen Gebrauche übergeben werden wird 4 I I

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