Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1895)
- Date
- 1895-10-25
- Page
- Seite 516 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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516 durch Errichtung von Filialen im Auslande, ffowie durch Anwerbung von Agenten zu schaffen. Mit einem hübschen Liede von'sAronstamm schließt der Text, an welche» sich der Anhang, das Verzeichniß von Be-' Hörden, Vereinen und Stiftungen, anschließt. Wir können dies Büchlein, empfehlen. Frg. Aus einer Berliner Ausgabe der vier Codices (Arba Turim) von R'Jakob den Ascher, welche im Jahre 1764 erschienen ist und, nach der Sitte der damaligen Zeit, mit Privilegien von großen Rabbinern, großen Gemeinden ausgestattet worden, gehen folgende interessante historische Momente hervor: Oberrabbiner von Berlin war zur Zeit des Erscheinens des Werkes R'Aron Hirschl, dessen Persönlichkeit und Amt ein solch bedeutendes Ansehen hatte, daß der Rabbi als „König der Gemeinde" begrüßt war. Sein Gutachten ist auch in glänzender poetischer, hebräischer Sprache abgefaßt. Ihm war ein Rabbinat von drei Mitgliedern untergeordnet: R'Joel-Glogau. R'Jeremias Hirsch-Halberstadt, R. Salomon Neugaß-Frankfurt a. M. Der Herausgeber heißt Naphtali Herz aus Köslin und ist ein Enkel des berühmten Rabbiners R'Jomtob Lipmann Heller-Wallerstein, des Verfassers des Tosaphot Jom-lob. Derselbe ist auch Herausgeber einer Mischnah-Ansgabe von 6. Bänden mit de» Kommentaren des genannten Verfassers des Tosaphot Jom-tob. Der Herausgeber wird als sehr kenntnißreiches Mitglied der jüdischen Gemeinde Berlins empfohlen, der sein Vermögen im siebenjährigen Kriege verloren hatte und in der Gotteslehre einen ideale» und materiellen Anker fand. Ihm werden sehr warm gehaltene Approbationen von dem Oberrabbiner und dem Rabbinate zu Berlin, von den Rabbinaten Glogau, Frankfurt a M. und Frankfurt a. O. ertheilt. Das Datum des Gutachtens ans der letztgenannten Stadt nimmt auf die Messe Bezug. Die Frankfurter Messe» scheinen also im vorigen Jahrhundert eine große Bedeutung für die jüdische Kaufmannswelt gehabt zu haben. In Hamburg, Altona und Wandsbeck war der Oberrabbiner R'Jonathan Eibeuschütz auf dem „Rabbinats-Thron", also Zeit- und Amtsgenoffe des R Hirschl aus Berlin. Das Privilegium dieses Rabbiners, sowie sämmtlicher angeführter Rabbinate für das Werk lautete auf 18 Jahre. Gedruckt ist das Werk der vier Codices beim Schwiegersöhne des Berliner Oberrabbiners David Frünkel, dem Königl. Preuß. prio. hebräischen Buchdrucker Jsaac Jakob Speier. Dr. S. Na schär. Spverhsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! ^C^icrbitrd) bitte ich Sie ergebenst, folgende Berichtigung zu dem in Nr. 41 der „Allg. Ztg. d. Jdth " enthaltenen Protokoll über die 11. Konferenz des Lehrervereins Emden-Oldenburg gefl. veröffentlichen zu wollen: Herr Dr Löb sagte: „Berlin dürfe in dem neuen Verbände der israelitischen Lehrer Deutschlands weder die leitende, noch die dominirende Stellung erhalten." — Herr Dr. Löb ersucht mich, dieses richtig zu stellen. Hochachtend Norden, 15. Oktober. Levy, Hauptlehrer. * Sehr geehrter Herr Redakteur! ^tch möchte mir erlauben, die Leser auf zwei sich geradezu widersprechende^ Aeußerungen eines bekannten christlichen Bibelforschers über biblische Prophetie aufmerksam zu machen. Unter den alttestamentlichen/.. Forschern christlichen Glaubens giebt es bekanntlich zwei Richtungen: eine historisch-kritische, deren Hauptvertreter Wellhausen ist, und eine kirchlich-dogmatische, die unter Anderm vor Allem an dem alten Glauben festhält, daß im alten Testament, besonders bei den Propheten, oas kommende Christenthum verkündet wurde ivgl. besonders Tholuk: Das alte Testament im neuen). Gemäß den beiden genannten Richtungen nun erscheinen seit mehreren^Jahren zwei Sammlungen von Kommentaren zum^alten Testament: eine orthodoxe, unter der Leitlmg von Strack und Zöckler (bereits in zweiter Auflage), und eine, sozusagen liberale, unter Leitung von Prof. Nowack. Hier ist nun der Prophet Jeremia von Prof. Friedr. Giesebrecht in Greifswald, der auf Wellhausenschem Standpunkte steht, bearbeitet worden. (Handkommentar zum A. T., hg. von Nowack, Z.^Abthlg., 2. Bd., 1. Thl., Göttingen 1894.) Da heißt es nun in der Einleitung (S. XIV), daß in den Worten des Jeremia liege „die Ahnung einer Verinnerlichung der Religion, wie sie bis dahin unerhört war, eine Weissagung auf das Christenthum, welche im alten Testament kaum ihres Gleichen hat. Aber nicht nur in seinen Weissagungen ist Jeremia ein Zeuge auf den kommenden Christus gewesen, ebenso sehr in seinen Kämpfen und Leiden!" — Also der alte Standpunkt, daß der jüdische Prophetismus Christus voraus verkündet habe. Nun hat aber derselbe Verfasser vier Jahre vorher ein Buch geschrieben unter dem Titel: „Beiträge zur Jesaiakritik. Nebst einer Studie über prophetische Schriftstellerei. Göttingen 1890". Da heißt es aber (S. 190) von den Prophetenbüchern, „daß in ihnen Zukunftsdarstellung gegeben wird, denn das ist das Wesen des Propheten, daß ihm der Blick geöffnet ist zur Erkenntniß dessen, was Jahve mit seinem Volke vorhat. Aber diese Zukunftsschau hält sich doch in bestimmten Grenzen, sie wird niemals zur Zukunftsüberschau. Amos vergleicht 3, 0-8, die Propheten mit Wächtern, welche beim Herannahen einer Gefahr in die Lärmtrompete stoßen. Deuterojesaia neünt'-'sre Kap. 40, 61, Kap. 41, 27, Friedensboten und Tröster. Das will sägen/ ihre Augen seien nicht für eine beliebige, sondern für die nächste'Zukunft Israels geöffnet, ihr Blick schweife nicht in ungemessene Fernen) sondern ruhe auf demjenigen, was ihre Generation angehe. Wenn das Volk zum Propheten kommt mit der Frage, ob ein Wort Jahve's vorhanden iei, so bezieht diese sich nicht auf die Zustände des Gottesbereiches, wie sie nach Jahrhunderten von Jahren sein werden." Nun lebte Jeremia im siebenten Jahrhundert vor Christus, und auf ihn, den einst nach sechshundert und mehr Jahren Kommenden, soll Jener ein Zeuge gewesen sein? Das ist doch, wie man nicht in Abrede stellen wird, nach der letzterwähnten Ansicht Giesebrechts über den Prophetismus, ein gewaltiger Widerspruch. Nun, das erklärt sich einfach daher, meine ich, daß man chriftlicherseits, selbst vom kritischen Standpunkt aus, immer und immer wieder zu betonen sucht, daß auf die neue, wenn auch erst nach Jahrhunderten aus dem Judenthum hervorgehende und dennoch es verleugnende Religion das alte Testament und besonders die Propheten weissagend hingewiesen und sie verkündet hätten, so daß dadurch der gewaltige Riß und die Entfremdung von der Mutterreligion gleichsam als eine göttliche Bestimmung angesehen werde. Greifswald. Dr. I. Babad. Sehr geehrter Herr Redakteur! ^gln meiner Korrespondenz aus Hannover in Nummer 38 d. Ztg. ist bedauerlicher Weise bei der Aufzählung der mit dem eisernen Kreuze Dekorirten ein Jrrthum vorgekommen, indem nur den beiden Herren Bernhard Schapira und Eduard Neuhaus diese Auszeichnung verliehen ist, nicht aber dem als Dritten genannten Herrn Louis Kann. — Ich trage außerdem meinem Berichte über die Jubiläumsfeier der Synagoge mit Vergnügen nach, daß die jetzigen Herren Gemeinde - Vorsteher Julius Kauffmann und Jsaac Hirsch bereits vor fünfundzwanzig Jahren der Repräsentanz angehört haben; in dieser langen Zeit haben sie ihre Kraft der Gemeinde und deren Institutionen in selbstloser Weise gewidmet, und ihre Verdienste sind durch stete Wiederwahl stets allseitig anerkannt. Hannover, 30. September. Hochachtungsvoll K. * Geehrter Herr Redakteur! Qrjht Ihrem geschätzten Blatte Nr. 41 vom 11. Oktober dieses Jahres befindet sich ein Artikel von Nieheim aus datirt, der meine Person betrifft und der in mehreren Fällen auf Unwahrheit, beruht. Unwahr ist, daß ich in Oeynhausen an: 2. September am Festen theilgenommen habe, mithin kann ich auch an der Tafel keinen Ehrenplatz innegehabt haben, und daher ist auch wohl die Behauptung, daß ein Hoch ans mich ausgebracht sei, hinfällig. Unwahr ist ferner, daß ich'mich in sehr dürftigen Verhältnissen befinde Indem ich Sie um gütige Berichtigung in der nächsten Nummer Ihrer Zeitung in diesem Sinne ersuche, zeichne ich Nie heim, 19. Oktober. A. Windesheim. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwiü in Berlin.