Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1895)
- Date
- 1895-10-18
- Page
- Seite 497 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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An der weiteren Debatte, welche zumeist die vortheilhafteste Art der Propaganda betraf, betheiligten sich die Herren S. Brock, Rechtsanwalt Dr. Fuchs, Dr. Moses, I. Rosenthal, Hermann Cohn, Mendelsohn-Oels, Jonas-Sagan und R. Wohlberg. Schließlich fand folgende Resolution Annahme: „Die hier anwesenden Vertreter der Berliner Gruppen des Central- Vereins und die anwesenden Vertreter schlesischer Synagogen-Gemeinden erkennen die Rothwendigkeit an, auf dem Wege der Selbsthilfe in der weitesten Oeffentlichkeit ihre staatsbürgerlichen Rechte zu verfechten. Sie wollen ohne Scheu jeder Gefährdung und Verkümmerung derselben entgegentreten und sehen in der Organisation, wie sie der Central - Verein geschaffen hat, den Weg, als Juden und Staatsbürger zugleich ihr verfassungsmäßiges Recht zu fordern. Daher ist es nöthig, den Central- Verein immer mehr zum Mittelpunkt für diese Bestrebungen zu machen und für den Anschluß wenn möglich aller Deutschen jüdischen Glaubens an den Verein zu arbeiten." M' Kriegs-Grinnrrungen. Berlin, 12. Oktober. folgenden Mittheilungen über jüdische Ritter des eisernen Kreuzes finden sich in dem Werke: „Deutsches Heldenbuch". Hervorragende Kriegstbaten deutscher Offiziere und Soldaten in dem Kriege 1870 und 1871, zusammengestellt von Moritz Ottnnuum. (Breslau 1877, Verlag von E. Morgenstern.) Sie dürften um so größere Beachtung verdienen, als der Verfasser sie den Berichten der einzelnen Truppentheile entnommen hat, und Damit jede übelwollende, gehässige Kritik ausgeschlossen ist. Von den in den Listen dieser Zeitung aufgeführten Dekorirten begegnen wir Seite 72 des genannten Werkes in den: Berichte über die Ereignisse des 6. August nach Erstürmung der Spicherer Höhen dein Namen Bernhard Schapira. Es heißt dort: „Gegen Abend desselben Tages wurde verabredet, mit einem Theile der 8. Kompagnie des Hohenzollernschen Füsilier-Regiments Nr. 40 und Offizieren und Mannschaften des 48 Regiments einen Vorstoß zu verfilchen. . . . Um den Feind aus seinen Schützengräben zu vertreiben, mußte eine frei nach dem Feinde sich senkende Abdachung von circa 400 Schritt Breite im Laufschritt unter heftigstem feindlichen Feuer überschritten werden. Nur wenige Mannschaften hielten bis zuletzt bei den Offizieren aus. Die Füsiliere Jdesheim aus Pesch und Schapira aus Jassy in Rumänien drangen an der Seite ihres Kompagnieführers, Hauptmann Krug, weiter vor. . . . Später, als das Feuer nachgelassen hatte, machten die Füsiliere Jdesheim und Schapira eine Schleichpatrouille, wobei sie aus nächster Nähe Feuer erhielten. Jdesheim wurde hierdurch ziemlich schwer verwundet. . . . Jdesheim und Schapira erhielten das eiserne Kreuz" — Herr B. Schapira ist ein angesehenes Mitglied der jüdischen Gemeinde in Hannover und erst vor Kurzem zum Vorsteher des Wohlthätigkeitsvereins gewählt worden. „Gefreiter Louis Lesser der 5. Eskadron des 2. Brandenburgischen Dragoner-Regiments Nr. 12, aus Neustadt, Kreis Pinne. Von einem größeren Detachement, das zwischen Sens und Villeneuve am 18 November 1870 selbstständig operirte, war eine starke Patrouille entsendet, deren linke Seitenpatrouille wiederum Lesser mit zwei Mann bildete. Sie erhielten Feuer, die zwei Mann waren nach und nach Beide zu Meldungen verwendet, Lesser, allein geblieben, harrte ruhig aus, obwohl er Zielschiebe von einer Jnfanteriepatronille von sechs Mann war. Als eine Jnfanterieabtheilung nun vorrückte und diesen Feind angriff, schloß sich Lesser nicht nur derselben an, sondern, während diese auf die Retirirenden feuerte, verfolgte er zu Pferde, im eigentlichen Kreuzfeuer sich befindend, den Führer der Gegner, einen Offizier, und brachte denselben, nachdem er ihm über den Kopf einen Hieb versetzt, als Gefangenen zum Führer des Detachements". (Seite 304 des Werkes.) Heinrich Bär, der seine Erlebnisse in voriger Nummer selbst berichtet und dabei auf eine kleine Schrift verwiesen hat, wird erfreut sein zu hören, daß die Erzählung sich wortgetreu in dem „Deutschen Heldenbuch" Seite 371 befindet, nur mit dem Zusatz: „Füsilier Heinrich Bär aus Graben, Amt Karlsruhe, weiß, trotz der tiefernsten Szenen ringsum, während des Angriffs dennoch seine Kameraden zu lauter Heiterkeit anzuregen. Beim Sturm auf die Bahnlinie einer der Verwegensten." Ludwig Cohnstaedt aus Ostrowo, Kreis Adelnau, Vize-Feldwebel, wird Seite 337 unter den Soldaten ausgeführt, die für bei Orleans bewiesene Tapferkeit das eiserne Kreuz 2. Klaffe erhielten. Henschel aus Posen. „Die Sergeanten Gerbert aus Charlottenburg und Henschel aus Posen zeichneten sich am 11. Januar bei Erstürmung einer Höhe durch große Tapferkeit aus und waren die Ersten auf der Höhe. Gerbert fand auf derselben Stelle leider seinen Tod. Henschel war auch am Tage vorher einer der Ersten gewesen, die beim Sturme auf Change die Stadt betraten." In der Schlacht bei Vionville ging der Unteroffizier Emil S alomon, geboren zu Berlin (Brandenburgisches Füsilier-Regiment Nr 35), obgleich am linken Fuße kontusionirt und am rechten Oberschenkel verwundet, mit der Kompagnie vor, bis ein Schuß ihn zwang, sich zurückbringen zu lassen. In Vionville untergebracht, erfuhr er von französischen Bauern, daß sich in dem über ihm befindlichen Hausboden Feinde versteckt hielten. Obgleich am Boden liegend, richtete sich Salomon auf, hielt ein noch geladenes Gewehr auf die Bodenlucke und forderte die Feinde zur Ergebung auf. Dieselben sprangen herunter (es waren fünf Mann) und wurden von Salomon und den übrigen anwesenden Verwundeten so lange bewacht, bis sich Mannschaften zum Transport einfanden. (S. 100.) Wie im Kriege jede Trennung nach Glaube und Race schwindet und die feindliche Kugel unterschiedlos die Brust des christlichen und jüdischen Kämpfers trifft, so fehlt auch bei Aufführung der Tapferen die Angabe der Konfession. Um nicht in den mit Recht getadelten Fehler Anderer zu verfallen, auf den Namen hin Männer zu Juden zu stempeln, die es vielleicht nicht sind, haben wir nur Diejenigen genannt, deren Zugehörigkeit zu der jüdischen Gemeinschaft von anderer Seite bereits festgestellt ist, obgleich ohne Zweifel mancher jüdische noch Kämpfer unter der Zahl gefunden werden dürfte. Um nur einige Namen zu nennen, über die man Näheres erfahren könnte, führen wir hier an: Reservist Pollack vom 1. Westpreuß. Grenadier-Reg. Sergeant Max Lewysohn aus Bomst, 5. Brandenburgisches Landwehr-Regiment Nr. 48. Husar Warschauer aus Liffa, Kreis Fraustadt. August Pollack aus Bernburg, 10. Kompagnie des Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 29. Hermann Rosenfeld aus Schopfloch im 15. Baierischen Infanterie-Regiment. Rosenbaum aus Peterkau im 6. Thüringischen Infanterie-Regiment. Heinemann aus Solingen. Isidor Süß aus Velden. Jacob Herz aus Kriegshaber. Heymann aus Plettenburg, Kreis Altena, Westfalen. Rosenthal aus Straußberg im Brandenburgischen Füsilier-Regiment Nr. 35, 6 Kompagnie. Der Geist treuer Kameradschaft zeigte sich an dem Gefreiten Elias aus Burg, Regierungsbezirk Magdeburg, der am 11. Oktober 1870 bei einer Patrouille schwer getroffen auf der Stelle für todt liegen blieb. Die Patrouille ging zurück. Die beiden Leute an der Spitze, Gefreiter Finke aus Bötzow, Regierungsbezirk Potsdam, der Husar Krüger aus Brandenburg a. H., Regierungsbezirk Potsdam, bemerkten aber sehr bald, daß sich der Gefreite Elias aufrichtete. Sie beschlossen ihn zu holen. Beide ritten in Karriere zurück, nahmen Elias, der mit seinem schwer verwundeten Pferde nur gestürzt war, zwischen sich und trabten trotz des auf sie abgegebenen Schnellfeuers glücklich zurück. Die beiden braven Leute retteten durch ihre Kühnheit und Entschlossenheit Seite 46 " 66 221 " 410 420 „ 493 502 544 555 570 „ 586