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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-10-18 · Heft 42 (18.10.1895) · p. Seite 495

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 42 (18.10.1895)
Date
1895-10-18
Page
Seite 495 (sequence 5)
Language
German
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495 Versteckten ir die zernmen der ie Blätter Saatfnrn^, feindlichen t: „Auch steigt die id dennoch )en Segen t Tag betznng einker, unter , weil es rtheil des tollen wir Kastengeist imntlung. im Leben Oktober. en Presse , hat in , die für politische Blatt hat igen, und wir über oder drei teil Mitls Juden vas man hat. In r Stöcker ochseligen und klar Einfluß bringen." r Stöcker hat viel die Anduld der erschöpft 's Herrn -uch zum n einem t wurde, rs gegen Stöcker, lhelm I. tion geht rgen des Judenthums gerichteten deutschen Bewegung darzustellen. Dem gegenüber erscheint es mir als Pflicht, den Thatbestand dieses Kampfes, an dem auch ich persönlich betheiligt bin, gegen Mißdeutung zu sichern. Ich würde auf das Schmerzlichste betroffen sein, wenn Eure Majestät diese gegen unerhörte jüdische Angriffe endlich erfolgte Reaktion mißbilligten. Hat doch ein so nationalgesinnter und über jeden Verdacht des religiösen Fanatismus erhabener Mann, wie Professor von Treitschke, vor einigen Monaten die allgemeine Stimmung seiner Kreise dahin bezeichnet: „Die Juden sind unser Unglück." In der That sind sie, so weit sie das von mir angegriffene Judenthum repräsentiren, das schwerste Hinderniß einer sittlich-religiösen Erneuerung des deutschen Volkes. Ew. Majestät haben das hochherzige Wort gesprochen: Dem Volke muß die Religion erhalten werden. Aber die Berliner schlechte Presse, in ihren schlimmsten Erzeugnissen von Juden in Besitz genommen und redigirt, macht da, wo sie wirkt, jede ernste Einkehr des Volksgeistes unmöglich. Zwei dieser Judenblätter sind wegen schmachvoller Artikel aus dem Lesezimmer des Reichstages und Landtages ausgestoßen. Die Generalsynode war die beständige Zielscheibe ihrer frechen Aeußerungen; eine Zeitung sagte, das Herrenhaus müsse nach der Generalsynode desinfizirt werden. Der „Börsen-Courier", welcher die Unterredung Ew. Majestät mit Herrn von Bleichröder brachte, übertrifft alle anderen Zeitungen an grenzenloser Nichtswürdigkeit. Nicht dadurch, daß das Blatt mich persönlich mit den schlechtesten' Verleumdungen verfolgt, bin ich zu meinem Urtheil bestimmt. Aber es ist geradezu unerträglich, wenn das Blatt die russischen Nihilisten mit den christlichen Märtyrern vergleicht, wenn es bei Gelegenheit der Mastvieh-Ausstellung lästert, Gott habe am sechsten Schöpfungstage die erste solche Ausstellung gehalten und auch den ersten Mastvieh-Adam und die erste Mastvieh-Eva geschaffen. Das Organ des Juden Sonnemann in Frankfnrt a. M., ein vielgelesenes Blatt Süddeutschlands, leitete vor einiger Zeit die Zunahme der Selbstmorde aus dem Christenthum und dem Militärdienst her. — Mit dieser Presse verbündet, beschimpfen Berliner Juden in hohen kommunalen Aemtern die kirchlichen Bestrebungen zur Hebung des religiösen Geistes. (Hier folgten angebliche Aeußerungen von Verstorbenen, von Dr. Straßmann und Ludwig Loewe.) Natürlich mußte ich auch das übrige gefährliche Treiben der Juden in den Kreis der Bekämpfung ziehen. Die vorige Landtagssession hat bei der Besprechung des oberschlesischen Nothstandes die Thatsache konstatirt, daß jüdischer Wucher ganze Kreise unseres Vaterlandes mit einem unzerreißbaren Netze überzieht. Diese Thatsache habe ich geltend gemacht; sie ist um so bedeutungsvoller, als der Jude, der von Allen zuerst die ehrliche Arbeit ausbeutet, zugleich die Unzufriedenheit der Arbeiter erregt. Der Jude Lassalle ist der Begründer der Sozialdemokratie, wie denn die Juden in der sozialistischen und nihilistischen Umsturzbewegung überhaupt eine große Rolle spielen. (Hier folgte wiederum die Aeußerung eines bekannten Politikers). Zugleich kommt aus diesen Kreisen eine Aufhetzung gegen das Christenthum und die Geistlichkeit. Man hat dem Volke vorgespiegelt, Kirche und Pastoren hätten für das Wohl der arbeitenden Klassen nichts gethan. Bei der Widerlegung dieser Unwahrheit habe ich einmal in der harmlosesten Weise den Namen des Herrn von Bleichröder genannt. Indem ich versuchte, in einer öffentlichen Versammlung die Sozialdemokraten von ihrem unberechtigten Haß gegen die Geistlichen abzubringen, fragte ich sie: „Warum fordern Sie nur von uns Geistlichen soziale Hilfe? Warum nie von den Juden? Herr von Bleichröder hat mehr Geld, als alle evangelischen Geistlichen zusammen." Es ist leicht zu sehen, daß ich hier Herrn voll Bleichröder gar nicht als Person, sondern als Beispiel bezeichnet habe. Im Uebrigen habe ich in allen meinen Reden gegen das Judenthum offen erklärt, daß ich nicht die Juden angreife, sondern nur dies frivole, gottlose, wucherische, betrügerische Judenthum, das in der That das Unglück unseres Volkes ist. Für Berlin steht es in den Augen der Vaterlandsfreunde so, daß der jüdische und der christliche Geist um die Herrschaft kämpfen; sie oder wir, — das ist die Losung. Und Herr v. Bleichröder ist allerdings eine Stütze des jüdischen Uebergewichts. Alljährlich in der Passionszeit erlaubt er es sich, einen Ball zu geben; und leider gehen fast die gesammten Hof- und Staatschargen zu diesem Feste. Auf unser Volk aber macht ein solcher Vorgang den schmerzlichsten Eindruck, einen ähnlichen, wie die Aufführung der „Gräfin Lea" im königlichen Hoftheater, eines Stückes, das in Wien abgelehnt wurde, weil in demselben der christlich-germanische Adel von einer jüdischen Emporkömmlingin mit Füßen getreten wird. Es ist wahr, auch diese Dinge habe ich öffentlich zur Sprache gebracht, weil ich es für meine Pflicht hielt, dem Verderben nach meinen schwachen Kräften zu steuern. Sollten Eure Majestät diesen nothwendigen Geisterkampf, den ich nach dem Urtheil aller konservativen Stimmen bisher mit der größten Mäßigung geführt habe, wirklich mißbilligen, so würde ich an der Rettung meines geliebten Volkes freilich noch immer nicht verzweifeln, aber ich würde mit dem tiefsten Schmerze erfahren, daß ich Kirche und Christenthum, Kaiser und Reich gegen ihre Feinde nicht offen vertheidigen darf. Ich wage zu hoffen, daß Eure Majestät, wenn es mir vergönnt wäre, meine Anschauungen dem landesväterlichen Herzen Eurer Majestät darzulegen, meinen Kampf billigen und Allerhöchst Ihren Segen dazu nicht versagen würden." Es ist bereits hervorgehoben, daß dieser Brief verschiedene Zweifel gestattet. Derselbe trägt kein Datum, er zitirt nur Todte, oder er verschweigt die Zeugnisse der Lebenden. Ueber die Tonart des Briefes haben selbst streng konservative Blätter mit Entrüstung sich ausgesprochen. Eines derselben sagte: „Die Sprache der Gasse dürfe nicht an den Stufen des deutschen Kaiserthrones laut werden." Es ist auch mit Sicherheit anzunehmeu, daß Herr Stöcker nicht den gewünschten Erfolg seiner Denunziation gehabt und teilte Antwort empfangen hat, die er zu seinen agitatorischen Zwecken hätte ausnutzen können. Aber Alles dies ist doch nur nebensächlich im Verhältniß zu der Thatsache selbst, daß Herr Stöcker im Jahre 1880 das „Berliner Judenthum" als das „Unglück des deutschen Volkes" an den Stufen des kaiserlichen Thrones auzuklagen wagte. Es war wahrlich nicht sein Verdienst, wenn aus diesem Kampfe nicht das Schlimmste für uns erwachsen ist. Er selbst berichtet über die weitere E'.ltwickelung der Angelegenheit: „Die amtliche Behandlung der Sache nahm inzwischen ihren Fortgang. Der Präsident des evangelischenOberkirchenrathes,Dr. Hermes, wurde von dem Kultusminister zu einem Gutachten aufgefordert und schilderte den unerträglichen Terrorismus des Berliner Judenthums und seine unheilvolle Wirkung auf unser Volk. Es war besonders dieser muthvollen Hilfe zu verdanken, daß ich nur mit einem Verweise davonkam, der allerdings den Hinweis enthielt, daß ich durch Hinweisung auf einzelne große Vermögen Begehrlichkeiten erregte." Schließlich giebt Herr Stöcker noch darüber seiner Verwunderung Ausdruck, daß Fürst Bismarck, der nach einander alle Parteien angegriffen, sich nie gegen die Juden gewandt habe, und er erklärt sich das — was wieder für Stöcker charakteristisch ist — so: „Judenthum und Judenpresse hat er meines Wissens nicht ein einziges Mal öffentlich erwähnt. Er muß ihre Macht für so bedeutend, ihre Feindschaft für so gefährlich gehalten haben, daß er sich den vielen Schwierigkeiten, die er schon hatte, nicht noch eine neue aufladen wollte." Für die Geschichte der antisemitischen Bewegung in Deutschland wird der Brief des Herrn Stöcker eines der werthvollsten und wichtigsten Dokumente bleiben. Welch' ein tiefer und glühender Haß spricht aus diesem Schriftstück, welch' ein Abgrund thut sich vor uns auf, wenn wir in die Tiefen dieser sogenannten Berliner Bewegung zurückblicken! Wie seilt altpersischer Ahnherr gruppirt er mitlunverkenttbarem Geschick eine Reihe vou wahrett oder erdichteten Thatsacheu, die sich schließlich zu einer veruichtettden Anklage gegett das^Judeuthum verschärfen. In seinen Versammlungen hat er unzählige Mal erklärt, daß er nicht das Judenthum augreife, sondern die Jttdeu. Jtt dem Schreibet! an den Kaiser erklärt er (weil man ihm Angriffe gegen einzelne Juden vorgeworfeu), daß er nicht gegen die Juden kämpfe, sondern gegen das Judeuthum. Mit einer Kühnheit, die ihres Gleichen sucht, wagt er die Behauptung, daß die schlechte Presse in ihren schlimmsteu Erzeuguissett von den Juden in Besitz^geuotumen und redigirt sei, uttb zum Beweise zitirt er Aussprüche, die eilten ganz anderen Sinn haben, Notizen, von denen die betreffenden Blätter

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