Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-10-11 · Heft 41 (11.10.1895) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 41 (11.10.1895)
Date
1895-10-11
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228094-3228136--52233-3273017
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

verwitterte üstet, halb laben: Die der Leibko e schlagen? dacht, als: ) auch viel bei solchen ant jedoch sie denn > Staunen te er fast „Aber Du ch umvill- Ivürde—" i mild wie : wenn sie cht dulden, nicht mehr feil, wenn eine, noch so kan» icr zusieht, it könntest Sünde ans - und da s, wie ich .niko. Und ß sie kein recht, es licht! . . . mir etwas ich stärker md denk' rief er fast > bist, kein mg folgt.) 59.Lchrgang. Nr. 41. Berlin. 11. Oktober 1895. Weitcrge zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. §2 Berlin, 8. Oktober. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat gemäß § 66 des Gemeindestatuts für das laufende 'Etatsjahr (1. April 1895 bis 31. März 1896) als Gemeindesteuer fünfundfünfzig Hundertstel Prozent desjenigen Einkommens zur Erhebung gelangen lassen, welches der Veranlagung zur staatlichen Einkommensteuer zu Grunde liegt. Die Gemeindesteuer betrug in den Jahren 1693/91 und 1894/95 ebenfalls etwa 0,55 Prozent, doch war der Prozentsatz bisher nicht so streng durchgesührt, als es diesmal und in Zukunft der Fall sein wird. Man kann daher wohl sagen, daß derselbe keine wesentliche Aenderung erfahren hat — und das ist heutzutage auch schon ein großer Vorzug! © Berlin, 7. Oktober. Herr Justizrath Siegmund Meyer, der zugleich auch Vorsitzender der hiesigen Synagogenvorstände ist, hat, zum Andenken an sein im Januar d. I. stattgesundenes 25 jähriges Amtsjubiläum als Vorsteher der Gemeinde, der neuen Synagoge einen Vorhang (Parocheth) geschenkt. Derselbe, in seiner Ausstattung ein Kunstwerk, ist bei Herrmann Gerson angefertigt worden. Außer der Widmung prangen darauf die Psalmworte in goldner Inschrift: .,Zedek umischpot m’chaun kiseclio, chesed w’emes jikad’mu ponecho“ („Recht und Gerechtigkeit sind die Stützen Deines Thrones, Gnade und Wahrheit begegnen sich vor Dir!"). Am ersten Sukkoth-Feiertage hängte der Vorhang zum ersten Mal vor der Lade. Der edle Spender erschien mit seiner Familie an diesem Tage in der neuen Synagoge zum Gottesdienst, und der Chordirigent, Kapellmeister Kellermann, feierte die Einweihung des Geschenkes durch den Vortrag einer Piece seines gut geschulten Chors. Möge es dem Vorsitzenden der Berliner jüdischen Gemeinde vergönnt sein, sich noch recht viele Jahre an dem Anblick seines sinnigen Geschenks zu erfreuen! 22 Berlin, 7. Oktober. Soeben ist der Bericht über das Reichenheimsche Waisenhaus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin (Weinbergsweg Ile) für das Geschäftsjahr 1894/95 erschienen. Wir entnehmen daraus, daß in der Anstalt 79 Zöglinge verpflegt werden, und zwar 17 Knaben und 32 Mädchen. Die gesummten Ausgaben für das Waisenhaus betrugen in diesem Jahre 50,129 Mark, welche durch die Zinsen eigener Fonds und einen Gemeindezuschuß in Höhe von 26,718 Mark aufgebracht wurden. Die Ausgaben für Beköstigung betrugen auf den Kopf und Tag vertheilt 0,433/io Mark gegen 0,448/10 Mark im vorigen Jahre. Alle Zöglinge besuchen öffentliche Schulen, und zwar die Knaben die städtische Realschule oder die Knabenschule der jüdischen Gemeinde. Die Mädchen die Sophienschule, eine Privat - Töchterschule oder die Mädchenschule der jüdischen Gemeinde. Den Unterricht in der Religion und im Hebräischen erhalten die Knaben in der ersten Religionsschule des Herrn Dr. Kirschstein. An Stelle des nach Münster berufenen Dr. Gutmann, der 2l/2 Jahre an der Anstalt gewirkt, sind die Herren Dr. Abraham und S. Joel als Erzieher beigetreten. Auch wird nebenher in der Anstalt den Zöglingen Unterricht im Gesang und im Turnen ertheilt. Außerdem besteht ein Handfertigkeitsunterricht für Holzarbeiten. Das Waisenhaus steht unter der Verwaltung eines Kuratoriums, dessen Vorsitzender Herr Louis M. Bamberg er ist, dem ferner die Herren Geh.-Rath Boas undMarcuse, Rud.Mosse, Ernst Meyer, I. Simon und Jul. Rosenheim angehören, und unter der thalkräftigen Leitung des Direktors Dr. Jutrosinski. Ferner walten als Ehrendamen: Frau Mathilde Berend, Komm.-Räthin Julie Gerson, Anna Mayer-Gerson, Josefine Prins-Reichenheim, Anna Reichenh eim, Margarethe Rosenheim, Komm.-Räthin Louise Speyer, Stadträthin Mathilde Wolfs. Alle diese Herren und Damen widmen unausgesetzt den Angelegenheiten des Instituts ihre eifrigste Fürsorge. £2 Berlin, 8. Oktober. Unsere Leser erinnern sich noch Des von uns auszugsweise zitirten Artikels aus dem „Berliner Tageblatt" über die Stellung der Juden in der Armee, der den Titel führte: „Im Interesse des Dienstes" und s. Z. großes Aufsehen erregt hat. Mit Bezug auf diesen Artikel bringt jetzt die freikonservative „Post" folgende interessante Mittheilungen: „Bei ihren Ausführungen gegen eine Klage, die das „Bert. Tagebl." Darüber anhebt, daß es Juden nicht möglich sei, aktive Offiziere zu werden, behauptet die „Staatsbürgerztg.", eine Kabinetsordre vom Jahre 1848 hätte die Anstellung Der Juden nur in der militärärztlichen Karriere gestattet. Diese Behauptung beruht auf einem Jrrthum. Wie uns von zuverlässiger Seite mitgetheilt wird, durfte bis zum 7. Oktober 1847 überhaupt kein Einjährig- Freiwilliger mosaischer Religion in das Gardekorps eingestellt werden, dann genehmigte eine Kabinetsordre vom 17. Februar 1848, daß auch jüdische einjährig-freiwillige Chirurgen in die Truppentheile des Gardekorps eingestellt werden durften. Die angezogene Kabinetsordre vom Jahre 1848 berührte also überhaupt nur das Gardekorps, bei dem Juden bereits ein Jahr früher zum Einjährigen-Dienst zugelassen worden waren." £2 Berlin, 8. Oktober. Unser Oberbürgermeister, Herr Zelle, hat sich gelegentlich eines kurzen Aufenthaltes in Wien von einem Mitarbeiter der N. Fr. Pr. interviewen lassen und sich dabei — immer im Hinblick auf die entsprechenden Berliner Verhältnisse — auch über den Antisemitismus ausgesprochen, was für unsere Leser gewiß von Interesse sein wird. Herr Dr. Zelle sagte u. A. Folgendes: „Sie bekommen jetzt den Dr. Lueger als Bürgermeister. Ich würde wünschen, daß er bestätigt werde; dann wird es sich zeigen, was er und seine Partei zu leisten vermögen, ob er das halten kann, was er seinen Wählern versprach. Von den übrigen Führern seiner Partei: Schneider und Konsorten, will ich nicht sprechen; Denn sie sind nicht ernst zu nehmen. Es scheint fast unglaublich, daß der Antisemitismus hier so fruchtbaren Boden finden könnte. Man sollte glauben, daß die antisemitischen Führer ein bestimmtes Programm haben. Aber Pastor Stöcker wußte, wenn man ihn nach seinem Programm fragte, nichts zu sagen als: „Die Juden müssen von allen öffentlichen Stellen ausgeschlossen werden." Und das Programm Dr. Lueger's scheint nur darin zu bestehen, über die Juden zu schimpfen. Ich bin der Meinung, daß zum nicht geringen Theile das Umsichgreifen des Antisemitismus in Wien durch die hohen Steuern, namentlich die Haus- und Konsumsteuer, und durch die in Folge dessen hier herrschende Theuerung bewirkt worden ist. Die Kleingewerbetreibenden ließen sich von den verlockenden Versprechungen der Parteiführer überreden und erhoffen von Dem neuen Regime eine Abhilfe, die doch von ganz anderen Faktoren abhängt. Seien Sie überzeugt, daß auch die Beamtenschaft aus ähnlichem Grunde nicht liberal gewählt hat. Wenn die neue Gemeindeverwaltung innerhalb zweier Jahre nichts Besonderes leisten wird, dann wird Alles wieder nach dem Friebeis rufen". 22 Berlin, 6. Oktober. Wie alljährlich, so war auch diesmal den im Moabiter Untersuchungsgefängniß internirten Gefangenen jüdischen Glaubens vom Direktor Bornstedt gestattet worden, den Versöhnungstag in einer großen Zelle feiern zu dürfen. Zu diesem Behufe stellte man den Gefangenen eine weiße Tischdecke und eine Anzahl Lichter zur Verfügung; es fehlten nur noch die Leuchter, und diese — zwei an der Zahl — entnahm man der Anstaltskirche, in welcher gerade kein Gottesdienst stattfand. Post festum wurde diese schreckliche „Prosanation" der Leuchter dem evangelischen Anstaltsprediger hinterbracht, welcher das Entgegenkommen der Gefängnißdirektion mißbilligen zu müssen glaubte und sich eine Wiederholung des Vorkommnisses ernstlich verbat. — So weit die Mittheilung eines zuverlässigen Berichterstatters des B. B. C., der noch hinzufügt: „Wir fühlen uns jedoch verpflichtet, die Wahrheit dieser sonderbaren Meldung anzuzweifeln. Es erscheint uns undenkbar, daß ein Priester der Liebe, ein Mann, der aus eigener hundertfacher Anschauung wissen muß, wie reinigend das Gebet, das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.