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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-10-11 · Heft 41 (11.10.1895) · p. Seite 491

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 41 (11.10.1895)
Date
1895-10-11
Page
Seite 491 (sequence 13)
Language
German
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491 e:» 9lm\e Selbst die obachtung einer Abvon dem ichtunge»: eistern der Bernstein, nzureihen. lind. inen und Ittel von n. ecke. Dn nicht geder Jude etwas - in jrten sich il Dn so tel was, 's nicht?! länfst zn > sonst?" ihm bei- Brunnen eint, als der Erwie sie ifindnng, ([: Der izige, der eine Art, zu ver- >ift über und ich Der Ton war so ungewohnt, daß er auch den Kleinen rührte. Er widerstrebte nur »och, weil er dachte: Berstehen kann's dieser Bauer doch nicht, so gut er's meint. Was wird er mir antworten: „Esel! Sechzehn Jahre, und es eilt Dir schon so? So warte doch, vier oder sechs Jahre, bis sich Einer findet!" Und dann — Chane hat ja Recht, die Christen haben die Dnininheit mit der „Liebe" — zuerst muß die Liebe da sein und womöglich noch ei» Kind dazu, dann erst wird Hochzeit gemacht. Am Ende sagt er mir: „Zuerst muß sich doch die Miriam Einen selber anssuchen" — oder spricht gar mit ihr davon. . . Aber endlich begann er doch: „Gut, Jauko, weil Du so drängst. . . Aber Du versprichst mir: Die Miriam erführt nichts davon?!" Dem jungen Bauer schlugen die Flammen ins Antlitz. „Also betrifft es doch sie?" stieß er mühsam hervor, und die schief geschlitzte» Augen blinzelten, wie vor einem Schlag. „Ja. Also Du versprichst? Keine Silbe. Jauko? . . . Auch nicht so eine Neckerei, wie sie unter Euch üblich ist?.. . Dein Wort?!" „Ja . . . Rede!" Seine Hand umkrallte den Arm des Juden. Dem siel die Erregung des Andern nicht auf; er war zn tief in den eigenen Gedanken. Auch kam ihm nun bei: mit Chane durfte Jauko gleichfalls nicht darüber rede»; sonst bekam er Schelte; sie war ja immer gegen die Vertrautheit mit ihm. . . . „Auch meinem Weib sagst Du nie, daß Du darum weißt? . . . Dein Wort?" „Ja — >vas Du willst . . . Aber sprich!" „Du scheinst Dir eine große Neuigkeit zu erwarten," fuhr Leib fort, indem er mit seinem Stock in den Saud vor ihm ein „Wappen Davids" zeichnete. „Da wirst Du enttäuscht sein; es ist ja etwas, was immer so kommt. Nämlich, ich weiß nicht, ob Du es schon bemerkt hast — ich habe es nicht bemerkt, ich alter Esel, wahrhaftig! — aber natürlich sonst Jeder. . . . Also nämlich, unser klein Miriamchen ist gar nicht klein mehr, kein Kind mehr. — Das hast Dn doch auch bemerkt, Jauko?" Der junge Bauer erwiederte nichts. Das Haupt am Holzkreuz zurückgelehnt, saß er regungslos da; schiver ging der Athem durch den halb offenen Mund aus und ein. Das Antlitz rvar fahl, bis in die Lippen erblaßt, und in den Augen war »och immer jenes Blinzeln, als sähen sie einen tödtlichen Hieb herabsausen. „Natürlich hast Du es benierkt!" fuhr der Kleine harmlos fort. „Das könnte ja" — er lächelte stolz und verlegen zugleich — „ein Blinder sehen. Ein schönes, schweres, heirathsfähiges Mädchen ist sie jetzt, und ei» solches Mädchen, mein lieber Jauko —" „Nun?" Es klang wie ein Röcheln. „Da fragst Du noch? Ein solches Mädchen verheirathet man eben!" Darauf blieb es eine Weile still. „Ja, ja mein lieber Janko," sagte dann der Alte, „das also will ich jetzt —" Weiter kam er nicht. Aus der Brust des jungen Bauern brach ein Schrei, so wild, so röchelnd, daß der Jude entsetzt emporfuhr. Aber »och stärker faßte ihn das Grauen, als er in dieses todtenfahle, furchtbar verzerrte Antlitz blickte; die Augen starr, der Mruid offen, die Mundwinkel tief herabgesenkt. . . Dell Kleinen schüttelte der Gedanke: „Der Mensch stirbt. . ." „Janko!" schrie er ans und faßte die Hand des Bauern. Sie war eiskalt, wie die eines Todten. „Was ist Dir? . . . Du bist krank?" Ein plötzlicher Krampf, dachte er, und sah sich um Hilfe »in. Weit ab tauchte der Jungknecht hinter dem Pflug auf. Leib hob die Hand. „Laß das!" stieß der Bauer heiser hervor. „Hör' inich an. Tie Stimme sank zum keuchende», fast unverständlichen Flüstern herab. „Es darf nicht sei». . „Was?" fragte der Jude angstvoll. Er ist nicht bei Sinnen, dachte er, ein plötzliches Fieber. . . Und wieder blickte er nach dem Knecht aus. Der Janko richtete sich empor; mit zitternder Hand riß er den Henidkragen auf, als müßte er sonst ersticken, daß die braune, zottige Brust sichtbar ivlirde und wie sie sich krampfhaft, nach Athem ringend, senkte und hob. Nun endlich hatte er wieder Luft. „Ich duld's nicht!" schrie er laut, verzweiflungsvoll, und die Auge», in denen nun plötzlich ein wildes Feuer aufglühte, bohrte» sich in die des Juden. „Eher tobt’ ich sie, mich, Euch Alle. . . Laß das!" wiederholte er wild, als der Jude wieder ängstlich nach dem Knecht schielte. „Ich bin nicht wahnsinnig — nein, jetzt nicht. Ich war es — all' die Zeit — da Hab' ich nicht gedacht — wie es kommen kan». . . Aber jetzt. . ." Er faßte die Hand des Männchens mit eisernem Druck und zog den Zitternde» auf das Bänkchen neben sich nieder. „Hör' mich an, Lcibko, um Gottes Erbarmung willen hör' mich an. . . In Güte, Leibko, in Güte. . . Ich bin nicht wahnsinnig, ich drohe nicht. . . Vergiß, was ich da gesagt habe. . . O mein Gott, lieber sterbe ich ja zehn Tode, als daß ich ihr ein Haar krümme. . . Aber siehst Du — ich habe ja nichts als sie auf der Welt. . . Es darf nicht sein . . . siehst Du . . . es wäre za auch ein Unglück für sie. . ." Dies Letzte hörte wohl der Alte nicht mehr. Wie gelähmt saß er da vor ungeheurem Entsetzen, als hätte plötzlich der Blitz vor ihm eingeschlagen, keiner Bewegung, keines Gedankens fähig. Noch vor einer Minute hätte er lieber glauben mögen, daß alle Wiesen plötzlich blaue statt grüner Gräser treiben könnten, als daß dieser Bauer seine Mirjam begehre; selbst unmittelbar vorher, bei dein unheimlichen Gebühren des Janko, >var er völlig ahnungslos geblieben. Wie auch anders?! — ein Bauer und ein jüdisch Kind — derlei hatte ja die Welt noch nicht gesehen — das ging ja gegen die Natur! . . . „Allerbarmer!" stöhnte er auf, schloß die Augen und streckte zitternd die Hände vor, wie er etwa auch gethan hätte, wenn ihm plötzlich am Hellen Tag ein Gespenst in den Weg getreten wäre, ein Todtec, den er selbst hatte begraben Helsen. Dagegen kann nur Gott schützen, nur Gott dem armen Menschen den Verstand im Hirn erhalten. . . „Aber so erschrick nicht so," bat der Bauer. „Ist es denn so furchtbar?! . . . Es ist mir so plötzlich entfahren — ich weiß ja nicht, was ich sagen soll. . . Nur Eins weiß ich jetzt: cs darf nicht sein. . . Wenn ich so denke: sie ist nicht inehr in der Stube, gehört einem Andern . . . Oh!" Er stöhnte auf. „Ich bitte Dich," fügte er angstvoll, fast schreiend hinzu, „frag' sie doch selbst!" „Allerb Nun konnten die bebenden Lippen des Alten selbst dies Wort nicht mehr vollenden. Aber gerade das Uebermaß des Entsetzens, das ihm diese letzten Worte eingeflößt, rüttelte ihn auf; wie ein Ertrinkender wehrte er sich gegen das Grauen, das über ihm zusammenschlagen wollte. Und wie ein Ertrinkender that er auch; er sprang auf und warf die Arme wild in die Luft. „Janko!" schrie er, „Du hast nur mein Kind -•?!" Er wankte — die Lippen zitterten krampfhaft, als versagten sie ihm den Dienst, das Furchtbare ausznsprechen. Der Bauer starrte ihn an; dann ging ein Gluthstrom über sein Antlitz.

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