Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1895)
- Date
- 1895-10-11
- Page
- Seite 483 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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483 In »enesterZeit werden wieder hie und da o rthodoxe Separatgemeinden gegründet. An sich ist dagegen nicht das Geringste einzuwenden, wenn eine Minorität sich nicht vergewaltigen laffen und die religiösen Institutionen nach ihrer Fa^on einrichten will. Aber ein Blick hinter die Coulifsen zeigt uns in manchen Füllen ein ganz anderes Bild. Gar oft sind es einige Unzufriedene oder Ehrgeizige, die gern Vorsteher spielen wollen und die Rechtgläubigkeit nur zuin Vorwand nehmen. Nicht selten ist auch der ganze Bericht über eine solche Neubildung sehr aufgebauscht. So sind es in dem einen Falle 9, in dem andern gar nur 7 Mitglieder, die eine solche Gemeinde begründet haben. Es koninit dazu, daß in einzelnen Gemeinden gar kein Bedürfnis; für eine Neubildung vorhanden war, da die Verwaltung allen berechtigten religiösen Forderungen entgegenzukommen sich geneigt zeigte. Was uns gerade jetzt am meiste» »öthig, ist Einigkeit. Möge man das doch auf beiden Seiten bedenken und jede Zersplitterung und Trennung, so lange es nur irgend möglich, vermeiden! Kriegserinnerungen. Berlin, 7. Oktober. ir vervollständigen heute zunächst die Liste der Inhaber des eisernen Kreuzes durch folgende Nachträge und Berichtigungen. Nachträge. Oberstabsarzt Dr. Ascho, brandenburg. Artilleriereg. Eisernes Kreuz. Cohn, Max, aus Schmolsin, Kreis Stolp. 60. Reg. 7 Ehrenzeichen, darunter das eiserne Kreuz. David, Albert, aus Sternberg i. M. Königs - Grenadier - Regiment. Unteroffizier. Eisernes Kreuz. Mecklenburg. Verdienst-Kreuz. Frank, Max. Unteroffizier. Brandenburg. Kürassier-Regiment Nr. 6. St. Georgenorden. Heinemann, Heinrich, aus Sontra, Provinz Hessen-Nassau. Vize- Feldwebel im 2. Nassauischen Inf. - Reg. Nr. 88. Eisernes Kreuz. Hirschberg, Dr. Max, aus Frankfurt a. M. Eis Kreuz am weißen Bande. Hoffmann, Herrmann, aus Berlin. Eisernes Kreuz. Josephson, Max. Westfäl. Füsilier-Regiment Nr. 37. Eisernes Kreuz. Oberstabsarzt Dr. S. Kuznitzky, aus Hagenau. Eisernes Kreuz. Rother Adlerorden 4. Klasse. Kronenorden 3. Klasse. Königsberger, Siegfried. Unteroffizier. Eisernes Kreuz. Leopold, I., aus Berlin. Zahlmeister. Eisernes Kreuz. Levy, Ad., aus Jnowrazlaw. 52. Jnf.-Reg. Eisernes Kreuz. Lindenberg, M., aus Frankfurta.M. Altmärk. Dragoner-Regiment. Eisernes Kreuz am schwarzen Bande. Loewe, Paul, aus Bockenheim. Eisernes Kreuz. Wedel, Isidor, aus Stolp. Jnf.-Reg. Nr. 49. Eisernes Kreuz. Berichtigungen. Stabsarzt Dr. Cohn, jetzt Frankfurt a. M. 34. Jnf.-Reg. Eis. Kr. Rechtsanwalt Feige, aus Breslau. Lieutenant, 1. schlesisches Grenadier- Regiment Nr. 10. Emanuel, Samuel, aus Köln. Vize-Feldwebel und Offizier-Aspirant im 8. Rhein. Jnf.-Reg. Nr. 70. Eisernes Kreuz. Feldwebel Herzberg, Carl, aus Königsberg und Dirschau, ist zweimal angegeben. San.-Rath Dr. Marcuse, aus Frankfurt a. O. Stabsarzt beim Leib- Regiment Nr. 8, erhielt das eiserne Kreuz wegen kühner Rettung eines Hauptmanns. Nathan, Jacob, aus Pleschen. Dragoner. Identisch mit Kozminski, Nathan, Dragoner. Er hieß Nathan Jacob, genannt Kozminski. Oberstabsarzt Dr. Rawitz, Moritz, aus Ostrowo Identisch mit Oberstabsarzt Dr. Joseph R. aus Glogau. Derselbe hat an beiden Orten gestanden. Das erste Opfer, welches der Krieg 1870 erforderte, war wahrscheinlich der Jude Loeb Kahn aus Osann, Kreis Wittlich, Regierungsbezirk Trier. Derselbe stand bei dem damals in der Festung Saarlouis gelegenen Rheinischen Infanterie-Regiment Nr. 70. — Bei der Kriegs- Erklärung mußten auf höhern Befehl die der Festung nahe gelegenen Gerbereien, welche an dem Dorfe Roden bei Saarlouis angebaut waren, abgerissen werden. — An demselben Tage, wo dieses Abreißm durch Pulversprengung vorgenommen wurde, stand der Verblichene auf der sogenannten „Rodener Schanze" auf Posten. Während seines Dienstes flog ihm ein schwerer Stein von der Sprengung aus derart auf das Knie, daß er umfiel und nicht mehr fähig war, auf dem Fuße zu stehen. Auf einer Tragbahre brachte man ihn ins Lazareth, wo er dann in Folge hinzugekommenen „kalten Brandes" nach ganz kurzer Zeit seiner schweren Wunde (das Knie war zersplittert) erlegen ist. Trier, 30. September. J. * Unter den Opfern des Krieges von 1870 aus unserer Gemeinde erregte der Tod des hoffnungsvollen Sohnes des hiesigen Obergerichts- Advokaten Moritz Marburg seinerzeit besonderes Aufsehen. Derselbe diente bei den Husaren und wurde von der Kugel eines Franktireurs in der Nähe von Orleans tödtlich getroffen. Diese hatten nämlich die Gewohnheit, sich in ganz unverdächtigen Gestalten, mit der gewöhnlichen blauen Blouse französischer Landleute bekleidet, zu zeigen und dadurch die deutschen Soldaten in Sicherheit zu wiegen. So geschah es auch in diesem Falle. Die Husaren, welche Patrouillen ritten, trafen auf ihren Streifereien täglich Blousenmänner, die ihnen ganz harmlos zu sein schienen und mit denen ste nach und nach durch angeknüpfte Unterhaltung auf einen, sozusagen freundschaftlichen Fuß zu stehen kamen. Aber eines Tages griff plötzlich einer dieser Blousenmänner ins nahegelegene Gebüsch, holte eine Flinte hervor und tödtete durch einen Schuß in den Kopf den jungen Marburg, worauf er mit seinen Spießgesellen so rasch die Flucht in den Wald ergriff, daß die so furchtbar überraschten Kavalleristen ihnen gar nicht zu folgen im Stande waren. Altona, im Oktober. L. Steinherz. * Am 2. September d. I. wurde von dem Bürgermeister des Bades Oeynhausen zur Feier der 25. Wiederkehr des glorreichen Tages von Sedan für alle dort weilenden Kurgäste ein Festessen veranstaltet. Der einzige der Anwesenden aber, der mit dem Eisernen Kreuze geschmückt war, war der jüdische Schlächtermeister Abraham Windesheim aus Nieheim. Er erhielt einen Ehrenplatz an der Tafel. Nach dem ersten Hoch, das natürlich Sr. Majestät galt, wurde das zweite auf den Veteranen und Ritter des Kreuzes, Windesheim, ausgebracht. Abraham Windesheim, gebürtig aus Howesstadt, in der Geschichte der „Hacketäuer", d. h. derer vom Infanterie-Regiment Nr. 16 verewigt, hat etwa zehn Schlachten 1870/71 mitgemacht, hat schon in den ersten Monaten des Krieges das Eiserne Kreuz erhalten und lebt jetzt in sehr dürftigen Verhältnissen als Metzger in Nieheim in Westfalen. Nieheim. E. H. v Eine patriotische Erinnerungsfeier veranstalteten am 7. Oktober in der Philharmonie die überlebenden Mitglieder des ehemaligen Komitees zur Verpflegung durchziehender Truppen. Bei diesem Anlässe kommen wir auf eine eben erschienene Schrift von Lina Morgenstern zu sprechen: „Erinnerungsblätter", in welcher die Verpflegung der durchziehenden Truppen, Verwundeter und Gefangener auf den Berliner Bahnhöfen geschildert wird. Auch hier haben sich unsere Glaubensgenossen wacker hervorgethan, vor Allem Frau Morgenstern selbst, die unermüdliche, mit Rath und That (deren Schilderungen höchst interessant sind), sodann Fräulein M. Böhm, Frau Moßner, Frau B. Mannheimer, Frau Dr. Abarbanell, Frau Dr. Sachs, Frau Julie Lev in, ferner die Aerzte Dr. I. Boas und Dr. Plonski. Frau Lina Morgenstern erhielt später für ihre Bemühungen auch die goldene Augusta-Medaille.