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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-10-04 · Heft 40 (4.10.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 40 (4.10.1895)
Date
1895-10-04
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Nachrick)t in allen Kreisen, die der Thätigkeit dieses Vereins Sympathie entgegenbringen, mit Genugthuung ausgenommen werden wird. Aber darüber hinaus lat sie noch eine weiter reichende prinzipielle Bedeutung. In dem Budget der meisten jüdischen Gemeinden existirt für Unterstützung der Wissenschaft und Litteratur des Judenthums bis jetzt gar kein oder im l imstigsten Falle ein sehr minimaler Posten. Wir hoffen zuversichtlich, laß das von der Berliner Gemeinde gegebene Beispiel auch anderwärts z ir Nacheiferung anregen und segensreich wirken wird. Berlin, 29. September. Unsere Mittheilung, daß der stud. i hil. Felix Coblenz aus Ottweiler den Preis der hiesigen theologischen Fakultät gewonnen, geht jetzt erst durch die politischen Zeitungen und .war mit einigen Bemerkungen, die nicht ganz richtig sind. Es heißt ort, daß Herr C. Lehrer in der Rheinprovinz sei. Tatsächlich ist derselbe jetzt Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums l ud nach Beendigung seiner Studien ist er designirt, Rabbiner der Gemeinde zu Bielefeld zu werden. Die Aufgabe lautete: „Recht und Schranken der Behauptung, daß als das betende Ich in den Psalmen nicht erst im gottesdienstlichen Gebrauch derselben, sondern schon nach er Absicht der Dichter die israelitische Gemeinde anzusehen sei, sind am regetischen Thatbestande darzuthun." Hierauf war nur die Arbeit von 'Koblenz eingegangen, über welche die Fakultät folgendes Urtheil fällte: . Der Verfasser der mit dem Motto „Immer strebe zum Ganzen" verschönen Arbeit hat zwar nicht gerade neue Gesichtspunkte für die Lösung rer im Thema enthaltenen Frage aufgestellt, aber er hat das vorhandene Material, und zwar sowohl die Quellen als die Litteratur über diese, nit großem Fleiß und recht gutem Verständniß durchgearbeitet. Erat ferner den Stoff im Allgemeinen gut disponirt; die Darstellung ist infach und klar, und die gewonnenen Ergebnisse sind der Hauptsache ach wohl begründet. Die Fakultät steht daher nicht an, die Arbeit des Greises für würdig zu erklären." 2/D Berlin, 27. September. Die älteste deutsche Schriftstellerin, ■ ine hundertjährige Greisin, Frau Direktor Henriette Mühling, die »lütter des bekannten Hotelbesitzers Unter den Linden, ist am 23. ds. an ärftröhrenkatarrh gestorben. Die hochbetagte Frau, die unter dem -chriftstellernamen Olfers als Uebersetzerin des Scribeschen Lustspiels Frauenkampf" und anderer Werke französischer Schriftsteller bekannt eworden, vermählte sich als kaum Siebzehnjährige mit dem Tenoristen Nützling, und es war ihr vergönnt, mit dem Gatten das Fest der iamantenen Hochzeit zu begehen. Die Beerdigung fand am 26. d. M. uf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee statt. Prediger Dr. Oppeneimer wies in einer gedankenreichen Trauerrede auf die mannigfachen Vorzüge hin, die der Verstorbenen eigen waren, und die sie in ihrem Zeruf als Künstlerin und Schriftstellerin, vor Allem aber als Gattin und Mutter und nicht zuletzt als Menschenfreundin bethätigte. Es war in Bild aus vergangener Zeit, eine Erinnerung an eine klassische Epoche, ne der Redner den Hörern vor die Seele führte, als er einen Rückblick warf auf die künstlerische Laufbahn der Verklärten, in der einst eine Malibran und Henriette Sonntag ihr nahe gestanden. Gebet und Segen schloß die Trauerfeier im Hause. Ein einfacher Leichenkondukt begleitete die sterbliche Hülle zum Friedhof. e/a Berlin, 29. September. Das I. Lieblingsche Ehepaar hat vor einigen Tagen seine goldene Hochzeit gefeiert und ihm wurden bei diesem Anlaß Sympathiebeweise ans allen Theilen der Welt dargebracht. Namens des Kaisers ist dem würdigen Paare die g olde ne Jubiläums- Medaille mit entsprechendem Anschreiben zugestellt worden. In der Wohnung, Holzmarktstraße 6, sah es festlich und während des ganzen Tages sehr belebt aus. Die Jubilare stehen Anfangs der siebziger Jahre und konnten sich in vollster Rüstigkeit ihres Glückes freuen. Von ihren sechs Kindern leben zwei Söhne in Amerika, die gleich den beiden hiesigen Pianisten Sally und Georg Liebling Musiker von Rang und Bedeutung sind. Man sieht, die Familie ist eine eminent musikalische. mk. Pankow bei Berlin, 26. September. Vor einiger Zeit ist hier die Religions-Genossenschaft „Agudath Achim" begründet worden. Namentlich in unfern nördlichen Vororten, die zum Theil nur ungenügende Verkehrsverbindungen mit der Hauptstadt haben, war es bisher um die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse unserer Glaubensgenossen schlecht bestellt. Der in vergangener Woche von dem Verein „Agudath Achim" in dem Lehrlingsheim, Mühlenstraße 1, abgehaltene erste Gottesdienst fand daher - regen Zuspruch nicht nur aus Pankow, sondern auch aus den angrenzenden Dörfern Nieder-Schönhausen, Schönholz und Reinickendorf. Die „Agudath Achim" hat noch einen besondern religiösen Gedanken der Verwirklichung nahe gebracht. In unfern nördlichen Vororten befinden sich viele hervorragende Anstalten für Gemüthskranke, und oft nehmen auch die Familien Nervenleidender dort Aufenthalt, um ihren kranken Angehörigen näher zu sein. Leider stellen wir Juden zu dieser Schaar von Leidendenein großes Kontingent, nicht nur aus dem Jnlande, sondern auch aus dem Auslände. Die kürzlich begründete „Agudath Achim" verfolgt auä) den Zweck, den krankheitshalber sich hier aufhaltenden Juden die Möglichkeit zu bieten, ihren religiösen Bedürfnissen genügen zu können. Es war eine Freude zu sehen, wie am Roschhaschonoh die erhebenden Worte des freiwillig als Baal Tefilloh und Prediger sungirenden Stifters der Vereinigung, des Herrn Albert Katz, auch diese Leidenden und ihre Angehörigen andächtig stimmten und erhoben. In den Wintermonaten sollen Zuscnnmenkünfte zum Zwecke der Belehrung auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Litteratur veranstaltet werden. Möge der Versuch, der so recht ein Werk der innern Mission auf unserm Felde darstellt, gelingen und auch die Fürsorge für unbemittelte geisteskranke Glaubensgenossen in die rechten Wege geleitet werden. Kp. Aus der Provinz Posen, im September. Dr. med. M oritz Daus in Berlin hat aus Anlaß des jüngst erfolgten Todes seines einzigen Bruders, des emer. Lehrers Heimann Daus in Jutrosd)in, feiner Heimathsgemeinde Gollantfch, in welcher sein Vater langjähriger Rabbiner war, den Betrag von 100 Mark als Geschenk überwiesen. — Bei der jüngst erfolgten Neuwahl für den Vorstand der Synagogengemeinde in Gilgenburg wurden die Herren A. Löwenstein als Vorsitzender wieder- und H. Joseph als Stellvertreter neugewählt. Im Vorstandskollegium amtirt Herr H. Markus daselbst bereits 26 Jahre. Die Gemeinde beabsichtigt, demselben für seine langjährige aufopferungsvolle Thätigkeit eine silberne Medaille als Zeichen der Dankbarkeit zu überreichen. Ferner gedenkt die Gemeinde, neben dem alten Friedhof einen neuen anzulegen, ebenso ist der Neubau einer Synagoge in Aussicht genommen. — An Stelle des nach Sandberg übergestedelten Kantors Goldkraut ist Kantor und Schächter Weißrock aus Gnesen nach Grabow berufen worden. — In Wronke sind zwei jüdische Damen, nämlich die Kaufmannsfrauen Adele Le wy und Natalie Lippmaun, welche vor 25 Jahren als Anerkennung für die hingebungsvolle Thätigkeit bei Beschaffung von Mitteln zur Pflege verwundeter Krieger im Jahre 1870/71 einen Orden für Nichtkombattanten erhielten. Dieselben sind am letzten Sedanfeste, gleich den Veteranen, mit Eichenlaub bekränzt worden und wirken auch als Vorstandsmitglieder des Vaterländischen Frauenvereins. — In Ostrowo ist Großkaufmann Fabian Fränkel zum Synagogenvorsteher gewählt worden. — Bankier Alexander in Memel hat dem Kuratorium des dortigen jüdischen Krankenhauses einen Bauplatz im Werthe von 3000 M zum

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