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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-10-04 · Heft 40 (4.10.1895) · p. Seite 478

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 40 (4.10.1895)
Date
1895-10-04
Page
Seite 478 (sequence 12)
Language
German
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478 Wir haben auf den Mangel an Hilfsbüchern 311111 Studium des Talmud bereits im Obigen hingewiesen. Eine Grammatik des talmndischen Idioms ist nicht das Einzige, was nur vermissen; wir könnten ebensogut von dem Mangel an geeigneten Wörterbüchern, an modernen Einleitungen, an einer Methodologie des Talmud sprechen. Während es zu einem jeden namhaften griechischen oder lateinischen Autor vorzügliche Spezialwörterbücher giebt, hat die riesige, fast unübersehbare talnmdische Litteratur noch kein vollständiges Wörterbuch, mit dessen Hilfe sich der Lernende an die Interpretation des Textes heranmachen könnte; weder das Levy'sche, noch das Ko Hut'sehe Wörterbuch leisten diesen Dienst. Und doch bietet der Text des Talmud des Schwierigen so viel dar, das; man ohne genaue Kenntnis; der einzelnen Wörter und Ausdrücke den Math verliert, eine Stelle im Zusammenhänge bewältigen zu können. Ost hängt der Sinn einer ganzen Stelle von der richtigen Erklärung eines darin vorkommenden griechischen Wortes ab; und wie viele solcher griechischen Wörter giebt es nicht, die in den gangbaren Wörterbüchern gar nicht verzeichnet oder im günstigen Falle falsch erklärt sind? — Was aber die Einleitung betrifft, so können mit* es nicht verschweigen, das; die einzige moderne Einleitung — von alten sprechen wir nicht — die wir besitzen, dem Judenthum nicht zur Ehre gereicht: sie rührt nämlich von einem christlichen Gelehrten her. Wiewoül nun diese Einleitung an und für sich nicht zu tadeln ist. so gewährt sie schon aus dem Grunde, weil sie in jüdischen Kreisen sozusagen nicht bekannt ist, gar keinen Nutzen; und doch giebt es Biele, die sich jahraus jahrein mit dem Talmud befassen, ohne von seinem Wesen, von seinem Entstehen, von seiner Stellung in der Litteratur im Allgemeinen und in der jüdischen im Besondern, bon seiner Zusammensetzung, von seinem Umfange und von seiner Eintheilung einen rechten Begriff 31t haben; die Folge hiervon ist ein schiefes Urtheil, ein Halbwissen, welches oft noch schädlicher ist als die baare Unwissenheit. — Nicht minder ist auch der Mangel an einer modernen Methodologie des Talmud fühlbar; daher kommt es, daß man über das Nerhältniß des Talmud zur heiligen Schrift nicht im Reinen ist, das; man Willkiir annimmt dort, wo Methode herrscht, das; man für rabbinischen Aberwitz ansieht das, was nothwendig aus dem Schriftworte folgt. Die Folge aller dieser Hebel ist die Abnahme des Talmudstudimns und in letzter Konsequenz das Aussterben des jiidischen Geistes. Schließlich müssen wir noch auf einen Hebelftanb Hinweisen, der unseres Erachtens mit dazu beiträgt, das Talmndstndinm 311 untergraben. Wir meinen das beliebte System der Vertuschung, der Bemäntelung, in dem sich die Lehrer des Talmud gefallen. Indern sie nämlich den Schein der Orthodoxie bewahren wollen, tragen sie deri Talmud pelo-melu vor, zusammen mit allen seinen Ungereimtheiten und abgeschmackten Behauptungen. Statt nun den Jünger darüber allfzuktären, das; die betreffende Abgeschmacktheit den imb den Autor zum Urheber hat, mit welchem die Gesammtjudenheit als solche und auch dessen Litteratur weiter nichts zu thun hat, statt dieselbe als ein Produkt einer gewissen Zeit zu bezeichnen, über deren Standpunkt mir nun hinaus sind, kurz, statt hervorznheben, daß das Ding eine Thorheit ist und dafür gehalten werden müsse, sucht er vielmehr das Anstößige 311 11t ldern und zu vertuschen, für dasselbe eben ein solches Ansehen zu sichern, wie für andere Partien des Talmud, und dies nur darum, weil es im Talmud steht. Dieses Berfahren rächt sich «aber nur allzusehr; gebildete Leute von selbstständigem Urtheil lassen sich eben nichts weiß machen, sie erklären den Blödsinn für Blödsinn trotz Talinlld und Lehrer; kaum ertappen sie sich aber bei biefem ketzerischen Gedanken, der sie unwillkürlich beschleicht, empfinden sie schon Gerviffensbisse darüber, daß sie den Gegenstand der religiösen Verehrung im Herzen verachten; der Zwiespalt zwischen Verstand und Gefühl ist nun heranfbeschworen, und was Wunder, wenn man dein Hader ans dem Wege gehen will uno von der ganzen Sache nichts mehr wissen mag und den Stalmub Talmud sein läßt? Wir glauberr null die Gebrechen, an denen das heutige Talmndstndium, leidet und auch die Mittel, wie demselben aufzrrhelfen wäre, sachgemäß dargethan zu haben und schließen nnt der Versicherung, daß uns hierbei einzig und allein die Liebe zu unserem Volke und die Liebe zur Wahrheit geleitet haben. so find Thrän schütte s mehr, \ anders Stinm E M MMMU liJmuAmmllw KfatiiwTitMjirTiiiiiiimitMifmiiiiiiKutjiüimiMmtfmjmimiiJ!WfflJil 1ITWI1 ■IIBm'lAlllWII1 W umamui »MM IM m ( I FEUILLETON | K 1 ShIIIHNUW Will gg ---, 1—1 iMWIMIkL |-. Leib Weihnachlskuchen und fein Kind. Novelle von Karl Emil Franzos. (Fortsetzung.)l) - orch! Der Kleine fuhr zusammen — nun sang sie bei der Arbeit. Schmetternd klang ihre Helle Stimme in den sonnigen Herbsttag hinaus: Janko, komm' nie wieder her. Meine Mutter leid's nicht mehr! Und mein Vater warnt: „O Kind, Weißt du nicht, wie Männer sind?" Er kannte das Lied; jedes Mädchen im Dorfe sang es; auch von Mirianls Lippen hatte er es oft gehört, ohne etwas dabei zu denken, obwohl die zweite Strophe nicht ganz harmlos war. Jetzt aber überfällig ihn: „Sie singt ja auch, ganz wie eine Christin!" und dies empfand er nicht mehr freudig. Chane aber trat in die Thüre und rief scharf: „Miriam, was Hab' ich Dir am Freitag gesagt?! Du singst nicht mehr! Du bist zu groß dazu!" Und als das Mädchen gehorsam verstummt war, wandte sie sich an den Manu: „Was sitzest Du noch immer da?! Such lieber einen Verdienst, oder" — sie senkte die Stimme, daß Miriam sie nicht hören konnte — „geh' nach Halicz und sprich mit Mendele Schadchen." „Ja, ja!" sagte der Kleine und sah sich nach Mütze und Stock um. „Ich geh' nach Halicz, ich Hab' dort ohnehin ein Geschäft. Aber mit Mendele soll ich reden?" „Mit wem sonst?" höhnte sie. „Mit dem Popen? Es ist ja Mendele's Geschäft! Und bis Du selber einen Eidam findest, bekommt sie graue Haare... . Bald sechzehn! Es schreit ja zu Gott!" „Du hast Recht," sagte er begütigend. „Ich meinte nur: weil Mendele so viel fordert. . . Aber was soll ich ihm sagen?" „Was Du ihm sagen sollst?! Daß Du ein Gut im Mond kaufen willst!" Aber daun seufzte sie tief auf und ließ sich betrübt in einen Stuhl sinken. „Natürlich, Mendele wird ja nach der Mitgift fragen! Und wir haben ja nichts! Wir können ja nicht einmal anbieteu, den Eidam für einige Jahre zu uns zu nehmen. Zn Neujahr kündigt Dir der Paterski — im nächsten Sommer sind wir selbst Bettler!" i) Neueintretende Abonnenten erhalten auf Wunsch die bisher erschienenen Fortsetzungen dieser Novelle gratis zugesandt. Bauer sich, u „um Seine „Liebe ist?!" Du, ii Alle, bist o| auch! so sell „Waschaue auf d Stirn und s Er m Und „Da Knech durch auch dem Vietli schlus GmU Eida glatti und hilf war noch den will, das unge säM solch der Dur

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