Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1895)
- Date
- 1895-09-27
- Page
- Seite 463 (sequence 9)
- Language
- German
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463 von Gailingen „für besonders rühmliches Verhalten mährend des Feldzuges 1870/71" aufgeführt; insbesondere wird von ihm erwähnt, daß er in der 3tägigen Schlacht bei Belfort „verdiene, einen Ehrenplatz einzunehmen, daß er immer unter den Ersten war, die sich nach den größten Strapazen und in oen gefährlichsten Lagen stets freiwillig zu Patrouillen und sonstigen Unternehmungen meldeten." Konstanz 4. September. E. Rothschild. Unsere Jugend - unsere Zukunft. Von Moritz Scherbel, Prediger in Gumbinnen. en» jemals cinf litterarischem Gebiete ein fruchtbarer Gedanke zur Verwirklichung gekommen, so ist es sicher die Griindnug des „Israelitischen Jugendfreunds" vonE. Flanter in Berlin. Es hieße wohl, „Eulen nach Athen tragen", wollten wir zu den bereits früher i» dieser Richtung bernounneneu Klagen noch neue Auslassungen gleiche» Inhalts hinznfügen rmd dem Rufe Berechtignug verleihen, daß für unsere jüdische Jugend eine Lektüre zu schaffen nothwendig geworden sei, welche ihren Geist im Allgemeinen bildend, ihr auch Keuutniß vom Jndenthum und Liebe zu demselben znführe. In den sonst borhaudeueu Jugendschristeu findet sich, trotzdem sie ini Allgemeinen den an sie gestellten Ansprüchen gerecht werde», Manches vor, was Bedenken in uns erregt, sie in die Hände des jüdischen Kindes zu geben, am allerwenigsten kann dort von einer Weckung des jüdischen Sinnes und einer Mehrung des jüdischen Wissens die Rede sein. Diesem dringenden Bedürfniß sucht die neue Zeitschrift cntgegenznkommen, da sie in Form »nid Inhalt den Wünschen entspricht, die in dieser Beziehung geäußert werde», und daher wohl geeignet ist, eine bis jetzt in der jüdischen Litteratnr vorhandene Lücke, ausznfülle». Das; sich dem Herausgeber dabei die nlainngfachsten Schwierigkeiten in der Auswahl der Stoffe ergaben, ist begreiflich. ES handelt sich lim eine gesunde geistige Nahrling für nufere Jugend, die ihr das Jndenthum werth und lieb machen soll. Wie wir aus den uns vorliegenden Numiiiern des Blattes ersehen, bietet dasselbe liichtnnr reichen und mannigfacheilStoff zur Unterhaltung unserer Jugend, wird hier nicht blos dem Zartsinn und AnffassungSvermögen der jniigen Leser und Leserinilen Rechnung getragen, sondern der Herausgeber hat es auch verstailden, sich in einen Berkehr mit denselben zu setzen, dessen Traulichkeit auch deii Erivachsenen, ivenn er diesen Austausch der Gedanken zivischen bem Herausgeber nnd der jlnigen Leserwelt liest, recht sehr ainnuthet. Er schaut dabei im Geiste einen lieben, väterliche» Frenild der Kleinen in Mitte eines großen Kreises von Schülern und Schüleriniien, in deren Gedankenwelt, wenn es sein muß, er hinabzusteigen weiß, wie er dann aber alich seine jungen Freunde und Freundiuneu zu ihrer Belehrung und Unterweisung emporzuheben versteht — ein Verfahren, das sicherlich ganz und gar nach den pädagogischen Grundsätzen zngeschnitteil ist. Es wäre zu beklagen, wenn dieses Unternehmen bei dem jüdischen Publikum nicht die ausreichende, für die erfolgreiche Fortführung nöthige Unterstützinig fände. Wir halten es daher für angebracht, an dieser Stelle alle jüdischen Eltern auf die Nützlichkeit der Lektüre, welche der „Israelitische Jngendzeitnng" für ihre Kinder bietet, aufmerksaiii zu machen. Mit Vergnügen konstatiren wir, das; einige wohlhabende, warmherzige Glaubesgeuossen eine Anzahl Abonnements für arme Kinder bestellt haben. So »lancher Glaubensbrnder, der in der kleinen Stadt geboren ist lind seine Ausbildung genossen hat und sich jetzt in der Großstadt in gesicherter, einträglicher Stellung befindet, könnte in gleicher Weise der jüdischen Jugend seines Heimathsortes eine Liebesgabe spenden. Nicht minder dürfte es auch in der Verpflichtung der Ge ine i nd e» liegen, dem Heranwachsenden Geschlecht den Weg zur Liebe und Werthschätzuug ihrer Religion und Konfession zu ebnen, umsomehr, als bei dieser Gelegenheit die jüdische Jugend auch zum ivahren Patriotisiuns und allen sonstigen bürgerlichen Tugenden ihre Anregung findet. Sehen wir doch einmal zu, welch' gewaltiger Apparat an nützlichen Büchern und Zeitschriften heute zum Bedürfniß geworden, um den erwachsenen Menschen ans der Höhe der Zeit nnd in steter Fühlung mit Bildung nnd Sitte zu erhalten, betrachten wir dies, und die Forderung wird nicht zurückgewiesen werden können, daß auch der Jugend eine gleiche, freilich ihr angemessene Pflege des Menschenbernfes zu Theil werden muß. Und von da zweigt sich wieder ab als Spezialität der Theil Bildungsschrifte» für Weckung, Stärkung jüdischen Sinnes nnd jüdischen Selbstgefühls. Auf der Grundlage dessen, was die Schule dafür thut nnd das Elternhaus schafft, muß der weitere Ban für die Fertigstellung des jüdischen Charakters durch Schriften erzielt werden, welche geeignet, Geist, Herz und Gemüth des jüdischen Kindes durch Erzählungen und Belehrungen zu gewinnen und seine Religion es immer im hellsten Lichte schauen zu lassen. Es ist dies vielleicht noch niemals so nöthig gewesen, wie in unserer Zeit, wo von Seite» unserer Gegner ja Alles geschieht, um Juden und Jndenthum in den Angen der Welt verächtlich zu machen. Darum wiederholen wir es, daß es im höchsteil Grade wüuschenswerth ist, dem „Israelitischen Jugendfreund" Verbreitung zu verschaffen, »m es dem geschickten und rührigen Herausgeber möglich zu machen, das Ziel zu erreichen, das bei der Erziehung unserer Jugend von so großem und heilsamen Einfluß zu werden verspricht. Aas Jndenthum in Paulfens System der Ethik. Von Dr. M. Steckelmacher, Stadt- und Konferenz-Rabbiner in Mannheim (Schluß.) e voller" — jagt P. weiter, „sie «die Inden» am Leben unseres Bolkcs theilnehmen, desto eher lverden sie mit seinem Wesen" sich erfüllen und so vollständig assimilirt werden; und das bleibt doch die einzig denkbare Lösung der Judenfrage, nachdem — fügt P. mit einem gradezu hörbaren Seufzer hinzu — die Emanzipation einmal vollzogen." Da es nun Paulsen, wie wir vorhin gesehen, eigentlich mit Ingrimm erfüllt, die Juden überall, wo das Volksleben pulsirt, anzutresseu; da er es vielmehr für normal halten möchte, das; „die fremde Bevölkerung geschlossen beisammen sitzt nnd mit der herrschenden Nationalität nicht zu viel persönliche Berührung hat", so ist nicht zu verstehen, wie er nun wieder eine möglichst volle Theilnahme „an dem Leben unseres Volkes" und eine Ersüllnng „mit seinem Wesen" fordern kann. Wir stimmen in diese Forderung ein, behaupten aber zugleich, daß sie, soweit berechtigt, erfüllt ist. Freudige Theilnahme an allen Pflichten staatlicher und städtischer Natur, lebendige Mitarbeit in der Politik wie in der Kommune, warme Unterstützung aller