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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-09-20 · Heft 38 (20.9.1895) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 38 (20.9.1895)
Date
1895-09-20
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 Feinde, den Waffen des Unrechts, deren Unhaltbarkeit und Zerbrechlichkeit du ihnen doch so deutlich vor Augen geführt hast. Laß uns wiederum schauen die Zeichen deiner Gnade: stille den Kampf der Leidenschaften und laß vollkommen werden den Sieg des Lichts über die Finsterniß, die noch unter den Menscherl wohnt, daß die Segnungen eines dauernden Friedens Alle beglücke." nf. Danzig, im September. Durch Auffindung wichtiger Inschriften auf der Insel Ceylon wird das Andenken des zu großen Hoffnungen berechtigenden Naturforschers Dr. Paul Goldschmidt wieder aufgefrischt, welchem von der englischen Negierung die Erforschung der Insel Ceylon, vornehmlich in naturwissenschaftlicher Hinsicht, übertragen war und der 1877 im Innern der Insel dem dortigen ungesunden Klima erlag. Dr. Goldschmidt, der bereits wichtige uralte buddhistische Felseninschriften veröffentlicht hatte, war ein Sohn des Geh. Kommerzienrathes L. Goldschmidt hier und jüngerer Bruder des bekannten Juristen .Professor Goldschmidt. Er genoß trotz seiner Jugend in der Gelehrtenwelt bereits eines großen Rufes 2S «ulm, 8. September. Eine ernste und erhebende Feier vereinte hent einen großen Theil unserer Gemeinde auf dem Friedhofe. Die von Herrn Saling Lazarus gestiftete Leichenhalle, die auf's Zweckmäßigste eingerichtet ist, wurde in feierlicher Weise ihrer zukünftigen Bestimmung übergeben. Nachdem Herr Lazarus die Schlüssel überreicht, sprach Herr A. Cohn als Vertreter des Synagogenvorstaudes in warmen Worten seinen Dank für diese nützliche und namhafte Schenkung aus. Den Weiheakt vollzog Herr Rabbiner Dr. Guttmann, der in ergreifender Rede auf die dreifache Bedeutung der neuerbauten Leichenhalle hinwies. Dieselbe sei nicht nur ein Ort der Trauer, wo die Thränen der Leidtragenden fließen würden, sondern auch ein Ort des Trostes und der Belehrung über die wahren und erstrebenswerthen Lebensgüter. Auf Beschluß der Gemeindebehörden wird Herrn Lazarus als Anerkennung für seine hochherzige Stiftung eine Ehrentafel innerhalb der Halle errichtet werden. nu. Beuthen O.-S., 10. September. Zu einer erhebenden Feier gestaltete sich am 8. d. Mts. die Einweihung der neuer bauten kleinen Synagoge. Das große vor 26 Jahren errichtete Gotteshaus hat bei der gewachsenen Mitgliederzahl der hiesigen Gemeinde, die jetzt über 500 Familien zählt, dem Bedürfniß nicht mehr entsprochen, und die Nothwendigkeit einer umfassenden Erweiterung des Gotteshauses stellte sich, besonders um die Zeit der hohen Festtage, immer fühlbarer heraus. Nachdem sich aber umfassende bauliche Veränderungen als inopportun herausgestellt, beschlossen die beiden Gemeindekollegien, den um die Synagoge befindlichen Bauplatz durch Aufführung von Bauten und Schaffung von Institutionen zu benutzen, die sich längst als fühlbares Bedürfniß erwiesen. So entstand eine wohleingerichtete öffentliche Badeanstalt, eine für drei Klassen berechnete Religions-Schulanstalt und in der Hauptsache: die kleine Synagoge. Die Einweihung derselben war mir einer würdigen Feier verbunden. Nachdem die Vertreter der Gemeindekollegien nebst einer größer» Zahl geladener Gäste sich in der festlich erleuchteten großen Synagoge eingefunden hatten, wurde von Kantor und Chor das Na towu intonirt. Nach erfolgter Oeffnung der heiligen Lade wurden derselben vier Thorarollen entnommen und unter Gesang durch den voranschreitenden Chor vom Rabbiner, dem Vorsitzenden des Vorstandes, dem Vorsitzenden der Repräsentanten und des Talmud Thora-Vereins nach der neuen Synagoge getragen. Hier fand ein Rundgang mit den Thorarollen statt, während der Chor das Halleluja des 150. Psalms sang. Nach Einstellung der Thorarollen ergriff der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Herr Amtsgerichtsrath Levy, das Wort und übergab das Haus nach einer tiefempfundenen Rede, in welcher er die Geschichte des Baues darlegte, unter herzlichem Dank an Alle, welche das schöne Werk veranlaßt und gefördert, und unter herzlichen Segensworten für dessen Gedeihen der Gemeinde. Weihevolle und erhebende Worte waren es, welche alsdann Herr Rabbiner Dr. Kopfstein beim Anzünden der „ewigen Lampe" unter dem Segensspruche sprach. Nachdem der Kantor den 30. Psalm rezitirt, erflehte der Rabbiner den Segen Gottes für Kaiser und Reich in bewegten Worten. Nach Beendigung des Vesper- und Abendgebets bestieg der Rabbiner die Kanzel. In seiner Rede gab derselbe einen Ueberblick über die Errichtung der Gotteshäuser in hiesiger Gemeinde und legte in geistvollen, tiefdurchdachten Worten die verschiedenartige Bedeutung der hebräischen Bezeichnung für Gotteshaus dar und schloß mit einem innigen Gebet für dessen langes Bestehen. Mit dem Alenu-Gebet schloß die erhebende Feier, welcher eine so große Anzahl von Andächtigen beiwohnte, daß das kleine Gotteshaus die Anwesenden kaum zu fassen vermochte. W. Schivelbein, 12. September. Am 3. d. M. verschied hier im Alter von 74 Jahren Herr Lew in Mannheim. Derselbe hatte sich durch sein bescheidenes, schlichtes Wesen die Liebe und Hochachtung alllr seiner Mitbürger ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses erworben, wovon das überaus zahlreiche Gefolge bei seinem Leichenbegängnisse Kunde gab. In der jüdischen Gemeinde gehörte der Entschlafene viele Jahre hindurch dem Vorstande an und war bis zu feinem Tode Mitglied der Synagogenkommission. Dem Antriebe seines frommen Herzens folgend, versah er seit einem Vierteljahrhundert an jedem Versöhnungstage theilweise den Vorbeterdienst. Die hiesige Gemeinde, die in ihm einen treuen Berather verliert, wird sein Andenken stets in Ehren halten. 38 Leipzig, 16. September. Ich melde Ihnen die traurige Nachricht, daß heute hier der philosophische Publizist Dr. Moritz Brasch plötzlich gestorben ist. Moritz Brasch, der in Zempelburg in Westpreußen 1843 geboren war, hat ein Alter von 52 Jahren erreicht. Irr ärmlichen Verhältnissen, und früh gezwungen, selbst sein Brod zu verdienen, hatte er als Autodidakt sich in den alten Sprachen derart herangebildet, daß, als seine Begabung entdeckt und er mit Hilfe von Gönnern 1853 in die Lage versetzt wurde, das Gymnasium von Frankfurt a. O. zu beziehen, er nicht nur sofort Aufnahme in die Tertia fand, sondern dort auch seinen Mitschülern wie an Wissenstrieb, so an Kenntnissen weit voraus war. Damals schon war sein Kopf durch die Kant'sche Philosophie geschult. Er studirte in Berlin und machte, während er sich hauptsächlich mit Philosophie und Geschichte befaßte, hier auch Studien über Aesthetik und Theater, die er später in seinen Schriften verwerthete. Ueber Spinoza und Mendelssohn, über Schiller und Gottschall, über Johann Jakoby und Lassalle hat er geschrieben, Schopenhauer's Werke herausgegebeu, geschichtliche, dramatische, philosophische Fragen beleuchtet. Am Brockhaus'schen Konversationslexikon war er, der seit Jahrzehnten seinen Wohnort in Leipzig genommen, ständiger Mitarbeiter. An den Bestrebungen zur Hebung der Berufsintereffen und zur Förderung der materiellen Interessen der Schriftstellerwelt hat Moritz Brasch werkthätig und eifrig Antheil genommen. Auch an den Bestrebungen der Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur hat sich der Verstorbene lebhaft betheiligt. Bei der Lazarus-Feier des hiesigen Vereins hat er heute vor einem Jahre die Festrede gehalten. Brasch war ein wackerer, liebenswürdiger Mensch, ein ausgezeichneter Charakter; der Verlust wird hier allgemein beklagt. (Auch wir betrauern in dem Dahingeschievenen einen treuen Freund, einen vortrefflicher Mitarbeiter unseres Blattes. Have pia anima! Die Red.) K. Hannover, 14. September. Die Zahl der Kombattanten aus den Kriegsjahren 1866, 1870 und 1871 in unserer Gemeinde beträgt 21, von denen die Herren Bernhard Schafira, Eduard Neuhaus und Louis Kann mit dem eisernen Kreuz dekorirt sind. Sie wurden zu der Synagogenseier des Sedantages, am 31. August, vom Kultusvorstande besonders eingeladen, Ehrenplätze wurden ihnen angewiesen und als Ehrung für sie angeordnet, daß von der gewöhnlichen Zahl der Aufzurufenden an diesem Sabbath abzusehen sei und daß sie Alle zur Thora aufgerufen werden sollten, was zur Hebung der feierlichen Stimmung nicht unwesentlich beitrug. — Am darauf folgenden Sonnabend dem 7. September erglänzte die Synagoge, mit Guirlanden und Blumen reich verziert, in festlichem Schmucke. Es war ihr Ehrentag, an dem sie vor fünfundzwanzig Jahren ihrer hohen Bestimmung übergeben wurde, der Mittelpunkt unseres jüdischen Gemeindelebens zu sein, von wo aus das Licht der Belehrung und das Feuer der Begeisterung in die Geister und Herzen dringen sollte. Es ist das zwar nur ein kurzer Zeitraum, aber in unserer, auch in religiöser Beziehung, raschlebigen Zeit immerhin ein genügender Anlaß zum kurzen Verweilen, um Rückschau und Umschau zu halten. Die Vorbereitungen zu dieser Feier waren schon seit Monaten in Angriff genommen und die Herren, die sich der Mühe dieser Arbeit unterzogen haben, werden in der allgemeinen Anerkennung, die der erhebende Verlauf der Feier fand, ihre Befriedigung gefunden haben. Der Festgottesdienst, dem ein Frühgottesdienst vorangegangen war, begann mit dem Gesang des Ma towu. Nach Rezitation des Psalmes 64 von

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