Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1895)
- Date
- 1895-09-13
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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teri Buches 59. Jahrgang. Ar. 37. {Berlin, 13. September 1895. r0|H‘ m Städten er einzelne on Erinnere Männer einmal an sendete ich Gefühl von hören diese in Anderes zeschriebene m Kreisen i hatte? oor Allem, Zudenthum chichtlichen ange nichl Aufrichtigne bereitet, ibe hervorjrens, auch „Lebema ie mit der in Ehren, nd in dem Hoffnungen t nur ein Nississippiiele seiner t über den rrpeles." iilung von esrabbiner ädie für > in Heften nt. Man Eine zahlcten Fachwäre zu irdert und B. 5 (Miginx es et de lbstverlag. rdschriften lrch bereits aus dem Litteratur orliegende e Piecen, »istorischen luß geben. Vergessenternehmen itur. eschichte >) enthält l. (Forts.) : Jehuda tische Bechluß). - sses Lima th. Der Gemeindebote. Werkage zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 22 Berlin, 10. September. Der Jahresbericht der Altersverforgungsanstalt der jüdischen Gemeinde pro 1894/95 ist erschienen Man kann aus demselben ersehen, daß die Anstalt in diesem Jahre 188 alten und würdigen Gemeindemitgliedern eine freundliche Zufluchtsstätte geboten hat. In dem eifrigen Streben, den zahlreich in dieselbe herantretenden Gesuchen um Aufnahme in die Anstalt gerecht werden zu können, bittet der Vorstand alle Freunde und Gönner um ihre fernere Unterstützung, und wir können dieses Gesuch nur wärmslens empfehlen. Dem Bericht entnehmen wir, daß sich im Durchschnitt in der Anstalt befanden: 1893: 183,1894/95: 188 Hospitaliten, welche 93,475 M. bezw. 92,394 M. Gesammtkosten, exklusive Hausreparaturen verursachten, also pro Kopf 1893 510 Mk., 1994/95 492 Mk. Die Beköstigung erforderte 1893 54,144 Mk., 1894/95 53,371 Mk. oder 70V4 Pfg. bezw. pro Tag und Kopf Der beabsichtigte Anbau ist durch das hochherzige Legat des verstorbenen Herrn Moritz Simon ausgeführt und zum großen Theile auch besetzt worden. Der Vorstand war hierdurch in der Lage, so weit die Mittel reichten, eine größere Anzahl Hospitaliten aufmnehmen. Die Zahl derselben ist von 190 auf 213 Personen, welche sich \ux Zeit in beiden Anstalten befinden, gestiegen. Die Einnahmen der Anstalt betrugen im Berichtsjahre 226,424.41 Mark, die Ausgaben 65,910.37 Mk. Der Vorstand besteht aus den Herren Sanitätsrath Dr. Wiesenthal, Vorsitzender, Moritz Manheimer, Stellvertreter des Vorsitzenden, Albert Levin, Rendant, Wilhelm Weißstein, Kontroleur, Leopold Aron, I. Btumenthal, M. Goldstein, David Hirschseld, Louis Eduard Sachs. 22 Berlin, 9. September. Hinsichtlich der jüdischen Lehrerinnen in den hiesigen Gemeindeschulen hatte bekanntlich das königliche Provinzial-Schulkollegium unter dem 16. Juni an die städtische Schuldeputation eine Verfügung erlassen, in welcher zwar die Vokation der jüdischen Gemeindeschullehrerin Neugast bestätigt, jedoch zugleich angeordnet worden ist, daß in Zukunft jüdische Gemeinde-Lehrerinnen hauptsächlich nur für den jüdischen Religions-Unterricht in den hiesigen Gemeindeschulen angestellt werden sollen. Die städtische Schul-Deputation, welche sich am Mittwoch unter Vorsitz des Bürgermeisters Kirschner mit dieser Angelegenheit beschäftigte, hat beschlossen, dem Magistrat zu empfehlen, gegen diese Verfügung beim Unterrichtsminister Einspruch zu erheben. — So meldet hiesigen Blättern der offizielle Berichterstatter des Magistrats. Die „Freisinnige Zeitung" sagt noch erläuternd, daß die Verfügung des Provinzial - Schulkollegiums es untersagt, künftig jüdische Lehrer und Lehrerinnen zu verwenden beim Unterricht in Geschichte, Literaturgeschichte und deutschem Aufsatz. Zugleich wird verboten, die Zahl der jüdischen Lehrer und Lehrerinnen zu vermehren, sofern nicht die Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichts dies nöthig macht. Eine solche Notwendigkeit sei nur dann anzuerkennen, wenn auf einen jüdischen Lehrer mehr als drei Kurse Religionsunterricht und eine jüdische Lehrerin mehr als zwei solcher Kurse entfallen. Das wäre fast gleichbedeutend mit dem Ausschluß der Juden vom Schulfach überhaupt! 22 Berlin, 8. September. Zu Justizräthen wurden in dieser Woche ernannt die hiesigen Rechtsanwälte Dr. jur. So beruhe im, Gimkiewicz, Felix Kaufmann und Dr. jur. Goldschmidt, der Sohn des sel. Rabbiners Dr. Goldschmidt in Leipzig. L2 Berlin, 8. September. Ein allgemein geachteter Veteran der Presse, Hermann Holdheim, ein Sohn des sel. Rabb. Dr. S. Holdheim, das älteste Mitglied der Redaktion der „Volkszeitung", feierte am 7. d. M. seinen siebzigsten Geburtstag. Seit 46 Jahren ist er in der Redaktion verschiedener Berliner Blätter thätig gewesen. Die „Volkszeitung" rühmt mit Recht die Unerschrockenheit und Ueberzeugungstreue, mit der Hermannn Holdheim seinen Beruf erfüllt hat. Ein Ruheposten war der seine nicht, namentlich nicht in den Zeiten der Reaktion. Zum ersten Mal wurde Holdheim unter dem Ministerium Manteuffel, am 23. März 1849. „wegen Aufreizung zu Haß und Verachtung" zu acht Wochen Gefängniß verurtheilt; seitdem stand er wohl fünfzigmal in Untersuchung und wurde im Ganzen fünfundzwanzigmal verurtheilt. Die Thätigkeit eines Journalisten ist von außen her schwer zu beurtheilen, namentlich bei einem Manne von der Bescheidenheit Hermann Holdheims. Unter seinen Kollegen aber genießt derselbe die Beliebtheit, die Männer aller Parteien einem Journalisten widmen, der mit fester, treuer Pflichterfüllung Biederkeit und Einfachheit des Wesens verbindet. §2 Berlin, 9. September. Der „Berliner Börsen-Courier" bringt die folgende interessante Mittheilung: „Vor einiger Zeit wurde — wir wissen nicht, von welcher Behörde — an vermögende preußische Männer ein Cirkular verschickt, in welchem dieselben aufgefordert wurden, Beiträge für ein Seemanns-Heim zu zeichnen. Das Cirkular erhielt auch ein namhafter Industrieller in der preußischen Lausitz, einer der geachtetsten und wohlhabendsten Einwohner der betreffenden Stadt. Dem Cirkular war ein Fragebogen beigefügt. Die erste Frage lautete, ob der Adressat sich betheiligen wolle. Die zweite Frage ging dahin, mit welcher Summe er sich betheiligen wolle. Die Antwort lautete: „Mit 10,000 Mark." Welche Zinsen er dafür fordere? Antwort: „Keine." Welchen Zeitpunkt er für die Zahlung seines Beitrages bestimme? Antwort: „Denjenigen Tag, an welchem der erste Jude zum Offizier der Armee ernannt werden wird!" . . . Wir geben die kleine Anekdote, für deren Wahrheit wir einstehen können, ohne jeden weiteren Kommentar." n. Aus der Provinz Posen, im September. Auf dem Friedhofe des Städtchens Grabow sind vor einigen Tagen zehn Leichensteine von ruchloser Hand von den Gräbern gewaltsam entfernt und umgeworfen worden, dabei sind zwei Stück zertrümmert worden. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Grabow hat auf die Ermittelung der Missethäter eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt. Man glaubt diesen Akt antisemitischer Rohheit mit einer vom dortigen evangelischen Seelsorger gehaltenen, antisemitisch durchtränkten Sonutagspredigt in Verbindung bringen zu dürfen. — Der Rentier Wolffsohn in Breslau hat seiner Heimathsgemeinde Jnowrazlaw ein Legat vor 500,000 Mark zugewendet mit der Bestimmung, dafür ein jüdisches Waisenhaus in Jnowrazlaw zu erbauen. In dem Waisenhause sollen 20 Kinder aus der Stadt Jnowrazlaw sowie aus der Provinz Posen Aufnahme finden. Das Kuratorium, bestehend aus dem ersten Bürgermeister Hesse, dem Rabbiner Dr. Kohn und einem Schwiegersohn des Erblassers in Breslau, hat bereits einen Bauplatz, zwei Morgen groß, angekauft. Mit dem Bau wird begonnen werden, sobald die Genehmigung vorn Kultusminister eingegangen ist. Lp. Aus der Provinz Posen, im September. Die jüdische Gemeinde in Budsin hat von der jüdischen Gemeinde in Gnesen einen Leichenwagen geschenkt bekommen. — Zum Schulvorsteher der Simultanschnle in Bartsch in ist Kaufmann Levy daselbst gewählt worden. — Der israelitische Litteraturverein zu Wongrowitz veranstaltete jüngst zu Ehren des Rabbiners Dr. Rofenthal in Rogasen, welcher ein eifriger Förderer des Vereins war, demnächst aber nach Pr. Stargard übersiedelt, eine größere Abschiedsfeier. — In Schulitz starb dieser Tage der älteste Bürger der Stadt, Herr Lichtenstein; am Tag darauf fiel die ebenfalls bejahrte Gattin desselben, die noch an der Beerdigung des Verstorbenen theilgenommen hatte, plötzlich um und war eine Leiche. — Der jüngst verstorbene Banquier Albert Arons aus Bromberg hat der dortigen jüdischen Gemeinde 200,000 Mark und ein Grundstück im Werthe von 90,592 M. zur Begründung einer Altersversorgungsanstalt vermacht. Die behördliche Genehmigung zur Annahme der Zuwendung ist bereits erfolgt. — JnSchneidemühlistdie Synagoge wiederum von einem Dieb heimgesucht worden. Derselbe wollte die Opferkasten gewaltsam eröffnen, da ihm aber dies nicht gelang, so nahm er seinen Rückweg durch das erbrochene Fenster. Hier ist eine Belohnung auf die Ermittelung des Diebes und