Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1895)
- Date
- 1895-09-06
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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w 2 findet Sonnabend den 7. September Abends Sl/2 Uhr im Vereinslokal Münchener Hof Spandauerstraße 11/13 statt. S£2 Berlin, 1. September. Der Vorstand der Synagoge an der Potsdamer Brücke hat den Herrn Alexander Wein bäum zum Chordirigenten des neu gebildeten Synagogenchors ernannt, der am Freitag Abend zum ersten Male in Thätigkeit getreten und durch seine Mitwirkung dem Gottesdienste eine besondere Weihe verliehen hat. z. Berlin, 1. September. Dem kürzlich erschienen Hefte der Kgl. Preußischen Statistik Nr. 134 entnehmen wir die folgenden Daten über die Bewegung der jüdischen Bevölkerung in Preußen. An Geburten wurden verzeichnet (die cingeklammerten Zahlen sind die des Vorjahres): Beide Eltern jüdisch 8215 (8239), aus Mischehen 574 (568), uneheliche Kinder jüdischer Mütter 234 (234). Die Zahl der Geburten aus Mischehen setzt sich, wie folgt, zusammen: j ü D i s d) e r L'a t e r ji'l d i s d) e M litte v ajancu'liulie tatl)olifclic sonst christliche evangelischer katholischer sonst christlicher Mutter Mutter Agitier Pate.' Leiter Pater 213 38 5 245 60 13 Die Trauungen sind auch in diesem Jahre ein wenig zahlreicher geworden, wie sie überhaupt seit 3 8B7 ziemlich konstant gewachsen sind. Es wurden geschlossen rein jüdische Ehen 2559, Mischehen 327, nämlich: j i'l d i s ch e r Ar a n n m i t j i'l d i s d) e F r a u IN i t evangelischer katholischer sonst christlicher evangelischem katholischem sonst christlichem Frau Frau Frau Mann Mann Malm 141 28 3 119 27 9 Endlich stieg die Zahl der Sterbefälle recht bedeutend, und zwar bei Kindern unter 15 Jahren von 1803 auf 1862, bei Erwachsenen von 4124 auf 4402. Dieses Wachsthum der Sterblichkeit ist eine höchst auffallende Erscheinung. Das Gesammtbild ist kein günstiges, auf der einen Seite eine, wenn auch geringe Verminderung der Geburten, die ohnedies schon sehr wenig zahlreich im Verhältniß zur andersgläubigen Bevölkerung sind, auf der anderen Seite ein sehr starkes Steigen der Sterbeziffer, die jetzt schon bei Erwachsenen die Sterbeziffer der Andersgläubigen erreicht hat mit 11,8 pro Tausend, während früher gerade hierbei die Juden immer sehr gut standen. Eine bessere Aussicht bietet nur das, aber auch sehr langsame, Wachsen der Zahl der Eheschließungen, die seit dem tiefsten Stande im Jahre 1887 mit 2281 Fällen um 278 12 pCt. zugenommen haben. 8. Deutsch-Krone, 29. August. Am 22. d. M. verstarb Hierselbst der Bankier Herr Mey er Halle im ehrenwerthen Alter von 74 Jahren, nach einem arbeitsvollen, aber reich gesegneten Leben. Unsere Gemeinde verliert in dem Verstorbenen ein thätiges, pflichteifriges Mitglied des Vorstandes, welchem er seit mehreren Jahrzehnten angehörte; unsere Stadt einen der geachtetsten Bürger, der sich auch vielfach in gewissenhaftester Weise dem Dienste der Stadt gewidmet hat; unsere Armen einen jederzeit bereiten Freund und Helfer. Er ruhe in Frieden! Kp. Aus der Provinz Posen, im September. Am 25. August ist in Jnowrazlaw der Justiz- und Stadtrath Simon Fromm plötzlich am Herzschlage gestorben. Außer den vielen Ehrenämtern, mit denen man ihn betraut hatte, war er auch eine Reihe von Jahren stellvertretender Vorsitzender der israelitischen Gemeinde daselbst. Seine Herzensgüte, seine Wolthätigkeit und besonders seine große Ehrenhaftigkeit waren weithin bekannt. — Zum Mitgliede des Schulvorstandes über die evangelische Schule in Grabow in Posen ist unser Glaubensgenosse, der Kaufmann Georg Cohn gewählt worden. Die Schule wird auch von den dortigen jüdischen Kindern besucht. — Der jüngst zum Besuch in Rakel weilende, früher daselbst wohnhaft gewesene Kaufmann Samuel aus New-Iork hat den dortigen Armen 100 Mk. und dem Gymnasium 300 Mk. zur Unterstützung bedürftiger Schüler geschenkt — Der Bankier Hans Schlesinger hat der Verwaltung des städtischen Krankenhauses in Hirschberg i. Schl, ein Kapital von 20,000 Mk. schenkungsweise überwiesen, dessen Zinsen dazu verwendet werden sollen, bedürftigen Kranken ohne Unterschied der Konfession Freistellen bis zur völligen Genesung zu verschaffen. — Eine seltene Unternehmungslust zeigt bei seinem hohem Alter der Fleischermeister Heimann Schmuhl in Zerkow. Der etwa 75 jährige Mann tritt im Verein mit seiner 68 Jahre alten Ehefrau Ende August er. eine Reise nach Amerika an, um sich daselbst eine neue Existenz zu gründen. r. Oppeln, 27. August. Die Beerdigung des Herrn Rabbiners Dr. Wiener fand heute statt. Morgens 11 Uhr wurde im Sterbehause nach kurzem Gebet und einer Ansprache des Herrn Rabbinatskandidaten Dr. H. Vogelstein, der zum Nachfolger des Herrn Dr. Wiener ausersehen ist, die Leiche unter Begleitung der Gemeinderepräsentanten in die Synagoge überführt. Das Gotteshaus trug Trauerschmuck. Nachmittags 4 Uhr begann daselbst die Leichenfeier in vorgeschriebener Weise. Herr Dr. Vogelstein sprach angesichts der verblichenen Hülle des langjährigen vielgeliebten Seelsorgers ergreifende Worte des Dankes Namens der Gemeinde, entrollte ein Bild des Wirkens des Verstorbenen und schilderte sein Streben und Ringen nach Wahrheit. Wie die Leichenfeier begonnen, so schloß ein vom Sängerchor unter Theilnahme christlicher Lehrer vorgetragener Gesang die Feier im Gotteshause. Nunmehr setzte sich der Trauerzug in Bewegung. Voran schritten die Klassen des Gymnasiums, an welchem der Verstorbene fast ein halbes Jahrhundert den Religionsunterricht ertheilt hat, unter Führung ihrer Lehrer. Dem Sarge voran trug ein städtischer Beamter eine Trauerpalme. Das Rathhaus hatte Halbmast geflaggt. Den einfachen Leichenwagen, auf dem der nur mit einem schwarzen Tuche bedeckte schmucklose Sarg ruhte, umgaben die Vorsteher und Repräsentanten der Gemeinde. Nun folgte der amtirende Dr. Vogelstein, dem sich folgende Kollegen im Ornate anschlossen: Dr. Kopfstein - Beuthen, Dr. Löwenthal - Tarnowitz, Dr. Goldschmidt-Königshütte, Dr. Peritz - Liegnitz, Dr. Blumenthal - Ratibor, Dr. Krakauer- Leobschütz. In dem Leichengefolge bemerkten wir die Mitglieder des Magistrate unter Führung des ersten Bürgermeisters Pagels, sowie Mitglieder des Stadtverordneten - Kollegiums. Die katholische wie die evangelische Pfarrgeistlichkeit war durch mehrere Mitglieder vertreten. Auf dem Friedhofe theilte der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Stadtrath Friedländer, den Wunsch des Verstorbenen mit, daß an seinem Grabe keine Leichenrede gehalten werden möge und beschränkte sich darauf, dem herzlichen Danke der Gemeinde gegen Gott Ausdruck zu geben, daß er derselben einen so vorzüglichen Seelsorger gegeben. Friede seiner Asche! — Die auch in jüdische Blätter übergegangene Meldung eines größeren Blattes, daß es ein letztwilliger Wunsch des Verstorbenen gewesen wäre, daß sein Leichnam zur Verbrennung nach Gotha überführt werde, ist völlig unrichtig! Der Verstorbene ruht an der Seite seiner ihm vor einem halben Jahre im Tode vorausgegangenen Gattin, mit der er in 50jähriger Ehe verbunden gewesen. M. Hamburg, 29. August. Durch eine Katastrophe auf der Elbe, bei welcher zwanzig blühende Menschenleben mit einem Schlage vernichtet wurden, ist unsere Gemeinde in große Trauer versetzt worden. Der Hergang ist kurz folgender: Ein angesehener jüdischer Kaufmann, Herr Alex. Beckmann, war von einem Arzt Dr. Laski von einer gefährlichen Krankheit geheilt worden Aus Dankbarkeit lud Herr B. seinen Retter zu einer Lustpartie auf der Elbe mit der ihm gehörenden Barkasse „Alexander Beckmann" ein, ihm gleichzeitig freistellend, soviel von seinen Bekannten einzuladen, wie er wolle. Infolgedessen begab sich am Sonntag vor acht Tagen eine Gesellschaft von 24 Personen mit der Barkasse zu einem Ausflug nach der Unterelbe. Das vom schönsten Wetter begünstigte Genesungsfest sollte leider tieftraurig enden. Bei der Heimkehr wurde die Barkasse durch ein bis jetzt unaufgeklärtes Versehen von einem von Hamburg kommenden größeren Dampfer angerannt und vollständig zur Seite gedrückt. In einem Augenblick war das Boot mit seinen Passagieren in die Tiefe gesunken, nur vier Personen gelang es, sich durch Ueberbordspringen zu retten. Von den zwanzig vernichteten Menschenleben waren 19 Juden. Unter den so plötzlich Dahingerafften befanden sich ganze Familien; so sind von dem Hause Laski, außer dem Doktor und seiner Braut, einem Fräulein Neinberg, deren Bruder auch mit umgekommen ist, der Hausherr und drei Töchter ertrunken, während die Mutter gerettet worden ist; ebenso ist von einer Familie Heß der Vater gerettet, während Mutter und Tochter in den Wellen ihren Tod fanden. Seit Menschengedenken ist ein solcher Unglücksfall in unserer Gemeinde nicht vorgekommen und hat wohl auch keiner solch allgemeine Theilnahme hervorgerufen. Dies zeigte sich am Besten bei der Beerdigung der bis jetzt ausgefundenen Leichen. Nachdem bereits am Donnerstag die Bestattung von fünf Personen auf dem Friedhofe zu Ohlsdorf stattgefunden hatte, wo Herr Oberrabbiner Hirsch den so plötzlich aus dem Leben Gerissenen einen tiefempfundenen Nachruf