Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1895)
- Date
- 1895-09-06
- Page
- Seite 427 (sequence 9)
- Language
- German
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427 sind hier ende Per- . besonders kegierungs- Jude zum >e sind ciuch s (Hause s (Legisders unser geborener ßland s. Z. seine Rede Itigen Einil bringen, en gesandt der Juden Jude, der iiropaischen Zudeu sind liggers). n können, irde durchlps (Neun Iahren jre Arbeit h, und es wichtigsten fig gerade >, wo die e schuldige ist früher gedeihen; >en leichter 'iich gegen unk nicht sich nicht Ingen ist, das; man oder genlgemeffen wird — znr Gebescheidenäe Kinder lnnehmen, . Selbst- :ne geübt, wrnm ein Widerspruch unzulässig. Gerade hierbei muß sich unsere Ueberlegenheit zeigen, »nd deshalb gehört Tadeln und Strafen zn den schivierigsten Aufgaben eines Erziehers. Aber wer sich beherrscht oder nach dieser für den Erzieher »verläßlichen Selbstbeherrschung ringt und von echter Menschenliebe geleitet wird, der wird nur mit Ruhe und Gerechtigkeit tadeln und strafen und deshalb, bei dem ausgeprägten Gerechtigkeitsgefühl der Jugend, kaum jemals unartigen Widerspruch oder gar Widerspenstigkeit finden. „Ein Jähzorniger taugt nicht zum Lehrer" sagen schon unsere Weisen (Sprüche der Väter 2, 6). Man dulde es nicht, wenn ein Kind sich ohne Erlaubnis; in das Gespräch Erwachsener einmischt. Wichtigere Gespräche, wie überhaupt Dinge, die ein Kind nicht angehen, oder die es nicht zn hören braucht, lasse man in seiner Gegenwart beiseite; jedenfalls aber haben Kinder in Gegenwart Erwachsener zn hören, zn schweigen, und nur dann zu reden, wenn sie gefragt oder sonstwie zum Sprechen anfgefordcrt werden. Erlaubt man ihnen aber das beliebige Dreinreden, so werden sie naseweis, vorlaut und unbescheiden. Haben sie dagegen! schon zn Hanse hören und schweigen gelernt, so werden sie das s später auch bei Anderen thnn und sich nicht vordrüngen. Auch für all ihr Begehren sollen die Kinder allezeit eine bescheidene Art lernen; sie sollen wünschen, nicht wollen; sie sollen bitten, nicht verlangen, viel weniger gar befehlen, Jute das leider auch oft genug vorkonnnt. Manche Ettern sind so eingenoinme» von ihren Kindern, daß diese die Regierung zn führen scheinen, ivährend die Eltern nur gehorchen. Ei» Wort des Kindes — und es geschieht, ein Wunsch — und es steht da. Solche Kinder werden j niemals bescheidene Menschen werden, und daran sind allein die Eltern schuld. Darum Liebe mit Strenge gepaart — je nach Bedürfniß, saust wachsen uns die Kinder über den Kopf, und das ist nicht nur für uns, sondern, vielmehr noch für sie selbst bedenklich. Wer kennt nicht den alten Satz aus den Spr. Sal. 13, 24: „Wer seinen Sohn lieb hat, der züchtigt ihn"? Deshalb sagt auch Sirach 7, 23: „Hast du Kinder, so ziehe sie und beuge ihren Racken von Jugend ans." Das ist alte, aber allzeit gütige Pädagogik. Znr Bescheidenheit gehört auch die Achtung vor de» Menschen. Das Kind lerne also von uns, daß inan Jedem die Ehre z» erweisen hat, die ihm gebührt; daß mau i» seinem Urlhcil über Andere nicht vorschnell sei» und noch viel weniger ein ungünstiges Gerücht sofort weiter verbreiten soll, daß man also auch vor der Ehre anderer Menschen Achtung haben muß. Wie schon sind die Mahnungen in den Sprüchen der Väter: „Komme jedem Menschen mit deinem Gruße zuvor!" (4, 20). „Benrthcile jede» Menschen nach der besseren Seite!" (1, 0). „Verurtheile Deinen Nächsten nicht, bevor du selbst in seiner Lage warst." (2, 5). Alles das lernt das Kind natürlich am besten durch das Beispiel der Eltern. Hört es aber, wie diese, über den oder jenen herziehen, wie sie die wirklichen oder vermeintlichen Schwächen der Bekannten dnrchhccheln, wie sie an Rieinandem ei» gutes Haar lassen, wie selbst Personen bespöttelt werden, die wenigstens den Kindern noch ehrwürdig sein sollten, so werden sie das um so besser ablernen, als Kinder scharf beobachten, gut hören und noch viel besser behalten — in ihrem Kopfe ist eben noch viel mehr Platz frei als in unserem. Wo soll dann aber die Bescheidenheit gegen Eltern, gegen ältere Personen, gegen Lehrer und Erzieher oder gar gegen fremde Leute Herkommen? Es ist ferner nothwendig, denn es gehört zur Bescheidenheit, daß die Kinder angehalten werden, Leuten, die für uns arbeiten, seien es Handwerker, Untergebene oder Dienstboten, mit der Achtung zu begegnen, die jedem rechtschaffenen Menschen zukommt, welcher arbeitet, also der menschlichen Gesellschaft nützt. Welcher Art diese Arbeit ist, darauf kommt es, wie wir früher gesehen haben, gar nicht an; sondern nur darauf, ob diese Arbeit nothwendig ist, also gethan werden muß. Auch hier iverden die Kinder am meisten durch unser eigenes Beispiel lernen. Haben wir aber ein herrisches, rücksichtsloses Benehmen gegen Personen der genannten Klassen, huldigen wir überhaupt dem rohen und abscheulichen Grundsätze: „Für mein Geld darf ich grob sein", so werden unsere Kinder sicherlich ebenso hochmüthig und unbescheiden wie wir. Bieten wir unseren Kindern im Essen, Trinken, Kleidung, Unterricht, Vergnügen und andere» Dingen mehr, als es!m Durchschnitt von anderen Eltern geschieht oder geschehen kann, so solle» wir dainit nicht prahlen und namentlich auch den Kindern nicht gestatten, daß sie sich gegen minder Begünstigte überheben, sich stolz von diesen abwenden, allen Leuten von ihren Herrlichkeiten erzählen und dergleichen. Ein Prahler ist nie bescheiden. Und doch erziehen viele Eltern ihre Kinder zu nnausstehlichen Prahlern. Man beobachte nur, wie sie sie im Uebermaße putzen — oft mit sehr zweifelhaftem Geschmack —, um auf der Straße mit ihnen „Parade" zu machen; wie sie oft die kürzesten Strecken fahren, statt zn gehen; wie sie einen Wagen nehmen, wenn die Pferdebahn denselben Weg macht; wie ein Dienstbote oder gar ein Dienstmann tragen muß, was das Kind ganz gut hätte tragen können; wie sie ganz »nnöthiger Weise mit den Kindern in Theater, Wirthshäuser und Konditoreien gehen und sie überhaupt dorthin mitnehme», wohin sie gar nicht gehöre»; wie sie an der Wirthstascl von ihnen die besten und lheuersten Speisen und Getränke aussuchen und bestelle» lasten; wie sie ihnen „Gesellschaften" geben und dabei andere zu übcrbieten suchen und sich über Diejenigen anfhalte», bei denen es weniger „nobel" hergegangen ist u. s. w. — Alles das, damit die Kinder von dem Reichthum ihrer Eltern einen recht überspannten Begriff bekommen, damit sie überall den Mund recht voll nehmen, überall mitsprechen, prahlen, sich vordrüngen nud unbescheiden werden! So erzieht man Protzen! Es ist schon einmal, als von der Arbeit die Rede war, auch von der Geduld, zu der wir unsere Kinder erziehen müsse», gesprochen worden. Auch hier titiijs auf sie hingewicsen werden. Tenn auch die Geduld führt leicht zur Unbescheidenheit. Spricht Jemand, und ich warte nicht ab, bis er fertig ist, sondern falle ihm in die Rede, so ist das unbescheiden. Selbst wenn das, ivas er spricht, mir längst : bekannt oder meiner Ansicht nach sogar falsch sein sollte, so schickt cs \ sich doch, das; ich ivarte, bis er ausgeredet hat.! Tritt man in einen Laden, oder an den Postschalter, oder in ein i Kontor, während Andere, vor uns gekommen, bedient werde», so ist eS i unbescheiden und häßlich, sein Verlangen dazwischen zu rufen, womöglich i zu öfteren Malen und in erregten oder gar unangemessenen Worten, j Man kann dem also Ungeduldigen nicht einmal den Vorwurf! ersparen, daß er an Selbstüberhebung leide. Thut er doch so, i als wäre er eine wichtigere Persönlichkeit als die Andern; als müssten? Alle beiseite treten, damit er, der später gekommen, zuerst abgeferligt werde. Ebenso steht es mit dem, der einen Andern in der Rede unterbricht; sieht es doch so ans, als halte er es für ivichtiger, das; man ihn höre, als ben Sprechenden; oder als sei das, was er zu sagen hat, besser als das, was der Andere sagt. Denselben Barivurf kann mail auch dem machen, der sich in Gegenwart älterer, oder im Range höher stehender, oder ans irgend einem Grunde zn berücksichtigender Personen zuerst setzt, oder gar den einzige» Stuhl für sich in Anspruch nimmt.