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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-09-06 · Heft 36 (6.9.1895) · p. Seite 425

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 36 (6.9.1895)
Date
1895-09-06
Page
Seite 425 (sequence 7)
Language
German
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425 Intelligenz Liebe und othstcmdes nches und je gewillt enii wenn g der nng der bewird doch ßlnnd beas Volksschließlich, scheu Beil dürfen men, mit innieiideii st dieselbe ter so gut eine öko- ,e>lieli>heit rch wohlen einen §rz ehiing er Hebel geistigen, oletarints Existenz Schnle» sich der » werde, obsolvirt den Remals die ig logen, cnlig der für die lllte nicht nicht im »d viele feindlich r einem e Untei'= sien lind Bildung sondern >llten, — linf eine Hoftliche enz und Selbsti. Ulii nr Verzernfen; heil der »kannte littelbor chnlen als wirkliche Verbreiterin von Bildung im Volke zu wirken, erblickte sie bald ihre Aufgabe hauptsächlich darin, einer beschränktcir Anzahl von Studirendeil der verschiedenen Universitäten durch regelmäßige Unterstützungen die Absolvirnng ihres Studiums zu ermöglichen. Daß die große Mehrzahl dieser Herren später nicht nur von der Gesellschaft, sondern auch vom Jildenthum nichts mehr lvissen wollte und somit die zu ihrer Unterstützung verwendeten Gelder für die Verbreitung von Bildung im Judenthuin (was doch der Zweck der Unterstützung sein sollte) nicht den geringsten Nutzen gebracht hatte, konnte nicht ausschlaggebend sein, denn die „edlen Spender", denen patutenmäßig das Bestinimungsrecht über die Verwendung der von ihnen gespendeten Summen zusteht, verlangten in den meisten Füllen, daß mit ihrem Gelde etwas „Großes" — also zum Mindesten ein Arzt oder Rechtsanwalt — geschaffen werde. So kam es, das; die „Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter de» russische» Inden", von welcher man sich bei ihrer Begründung wirklich große Leistungen versprochen hatte, allmählich im Volke alle Sympathie» verlor und in den letzten Jahren nur noch ein sehr beschauliches Dasein führte. Als mm überdies im Jahre 1892 fast die gesammte russische Judenheit vom Argentinienfieber ergriffen wurde, und man von einer Total-Emigration nach Argentinien innerhalb 26 Jahren zu faseln begann, da drohte dieser Gesellschaft das Lebenslicht vollends auszugehen. Nun, dieser Rausch ist, wie bereits eingangs bemerkt irnirde, jetzt zum guten Theil vorüber, und auch in den maßgebenden Kreisen der „Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter de» russischen Inden" ist man zu neuer und — mit Freuden sei es hervorgehoben — zweckentsprechenderer Thütigkeit erwacht. Vom Moskauer Zweigverein ist — wenn wir nicht irren — die Anregung dazu ausgegaugen, fortab den größten Theil der Einkünfte der Gesellschaft zur Errichtung, resp. Unterstützung von Elementarschulen in den kleinen und kleinsten Städtchen und Dörfern zu verwenden, und das St. Petersburger Central-Komitee hat sich dieser Anregung angeschlossen und mit einem diesbezüglichen Appell an das stidische Publikum gewandt. Der Erfolg war ein großartiger. Binnen wenigen Monaten hat sich die Mitgliederzahl nahezu verdoppelt, Mitgliedsbeiträge und Spenden fließen in reichem Maße ein, und bald dürfte die Gesellschaft in den Stand gesetzt sein, in einem befriedigenden Maße diejenige Thätigkeit ansznüben, zu welcher ihr Name sie verpflichtet und welche allein der jüdischen Gesamintheit zugute kommen kann. L. E. Grn Brief aus Australiens Dunedin (New-Zealand), 9. Juli. Ehrwürdiger Herr! ,hr Brief gelangte nicht, wie Sie vermntheten, am Wochenfeste in meine Hände, so daß Ihr Festesgruß post festum, eine Woche zu spät niifant; ich habe mit der Antwort bis zum Abgänge der Post gezögert. In Ihrem vorigeu deutscheu Briefe dankten Sie mir, indem Sie betouten, welche Freude es Ihnen 9 Von einem unserer Leser geht uns folgender Bericht über die Verhältnisse der Juden in Australien zu, den derselbe von einem dortigen Freunde erhalten. In der Annahme, daß derselbe das Interesse unserer Leser finden wird, bringen wir denselben hier zum Abdruck. Das Original des Briefes ist hebräisch. New-Zealand hatte im Jahre 1891 im Ganzen nur 450 Seelen. Die Kolonie hatte jedoch neun jüdische Gemeinden. Ein Brief aus Deutschland gelangt nach D. in etwa sechs Wochen; der nachfolgende traf am 16. August hier ein. Die Red. bereitete, von mir aus weiter Ferne einige Zeilen zu erhalten, die Ihnen Gelegenheit brächten, interessante Dinge von einem weit hinausgetriebenen Glaubensgenossen zu erfahren. Ich kann es Ihnen wirklich nachempfinden; doch wollen Sie sich freundlichst einmal in meine Lage versetzen, der ich schon viele Jahre hier lebe unb nun jetzt bald deutsche, bald hebräische Zuschriften von einem so seltenen Manne, wie Sie es sind, erhalte, und Sie werden zngeben, daß meine Freude eine noch weit größere sein muß und ist. — Ich lebe hier schon viele Jahre, englische Glaubensgenossen, welche zugleich das Hebräische verstehen, giebt es hier nur wenige, und sie haben kein rechtes Merkmal auf sich. Nicht daß ich etwa bamit sagen wollte, daß ihr Aenßeres sie nicht als Inden erkennen ließe. Bewahre! Ein Jeder würde es ihnen öffentlich ins Gesicht bezeugen können, daß sie Inden sind — wie andernorts. Nur möchte ich behaupten: Ein Jude, der das Hebräische, unsere heilige Sprache, versteht, hat schon ein Merkmal an sich, und die Gottesmajestät ruht gewissermaßen ans if)iu; kennt er es aber nicht, so fehlt ihm jedes Abzeichen. Eil'. Jeder, der etwas Scharfsinn besitzt, kennt den Einfluß der hebräischen Sprache auf die Gesamintheit unseres Volkes. Was die Stellung unserer hiesigen Glaubensbrüder anlangt, so leben diese meistens so, wie in den anderen Welttheilen. In unserer Stadt D. giebt es eine jüdische (Memeiitbe und ihr angeschlossene Vereinigungen; so ein Wohlthäligkeitsverein (Cliebrath geimh?s cliesed), dem nur Männer angehören, und ein jüdischer Frauenverein. Und wenn ein Wanderer zu uns seine Schritte lenkt, so erhält er sicherlich, je nach seiner Lage und den Verhältnissen entsprechend, eine Unterstützung. Oester kommen auch jüdische Schisser, die durch den Untergang ihrer Schooner oder sonstigen Fahrzeuge aller Mittel entblößt sind, die sich Glicht in die Schisserherberge (Sailor’s Home), wie die nichtjüdischen, begeben, sondern sich direkt an den Vorsteher der genannten Chewra wmden, der ihnen ans eine bestimmte Zeit soviel vorschießt, als sie brauchen, oder ihnen eine besondere Spende zukonunen läßt, meint sie ans ein anderes Schiss übergehen. Attch erhalten Leute, die hierher kommen, Gelddarlehen, . um irgend ein Geschäft beginnen und sich auf eine bequeme Art und Weise ernähren zu können. Attch einen Beerdigmigsverein (Chewra kaäisclui) giebt es hier. — Unser Gotteshaus, das auf einer Terrasse iit der Mitte der Stadt erbaut ist, ist eine Zierde derselben; es zählt zu den schönsten unseres Kontinents. An Sabbathen unb Feiertagen kommen auch Fratten tmb Jungfrauen in dasselbe, um dort der feierlichen Andacht zu folgett, unb wie Manche behaupten, attch um ihre Schönheit mtb die nach der neuesten Mode gearbeiteten Toiletten zu zeigen. Darin ist die ganze Welt gleich. — Die Gebetriten sind, wie bei ben Orthodoxen in der alten Welt, der politische unb der deutsche. Männer und Frauett siitd im Gotteshanse Volt einander getrennt. Die Reform ist hier völlig unbekannt mtd matt sehnt sich ltach ihr durchaus tticht. — Jlt religiösen Fragen richtett wir uns durchaus ltach beut CJiiefrabbi Dr. Adler in London, mtb seine Anordnungen werden hier genalt befolgt. Unsere ans Ettgland stammenden Glaubensgenossen glauben an ihll, lvie die Katholiken alt ben Papst. Er ordnet an, unb wir folgert, ihm gehorchend. Mein Wurtsch geht dahin, daß unsere Brüder ihm dauernd treu anhängen. Was das religiöse Leben hier sollst angeht, so will ich darüber llicht viel schreiben; beim in dieser Hinsicht rst die ganze Welt lvie eine Stadt. Wie bei Ihnen, so geht es auch bei uns, unb wohl auch in ben andern Landern der Erde. Er giebt fromme Leute und atlch solche, die es llicht allzu genau nehmen. Ich vermuthe, daß Sie nicht ans denr „Larrde der Oede unb Finsterniß" (b. i. Rußland) stammen unb meine weiteren Ausführungen vielleicht llicht recht verstehen werden. Darum null ich Ihnen nur in aller Kürze die Philosophie vorführen,

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