Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1895)
- Date
- 1895-09-06
- Page
- Seite 424 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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424 den Granatsplitter mit, durch welchen er verwundet wurde, und einen Mantel voll von Löchern, der damals die allgemeine Bewunderung erregte. Düsseldorf, 30. August. A—r. * Erlauben Sie mir. Ihnen die folgenden zuverlässigen Mittheilungen zu machen. Im Oktober 1870 erhielten zwei Israeliten im Lager vor Metz das eiserne Kreuz. Diese zwei waren die einzigen in ihren Kompagnien, welche diese Auszeichnung erhielten, aber auch zugleich die einzigen Israeliten in ihren Kompagnien. Der eine war der einjährigfreiwillige Unteroffizier Cohn, der zweite der Füsilier Löwensohn. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch noch in Erinnerung bringen, daß damals Rabbiner Bigard in Pfalzburg, als er bei dem Begräbniß eines preußischen Soldaten sungirte, auf dem Fleck durch einen Schuß getödtet wurde. Es war natürlich bei der allgemeinen Verwirrung nicht festzustellen, von welcher Seite der Kämpfenden auf ihn geschossen wurde, aber die Trauer um den trefflichen Mann war damals in der Stadt eine allgemeine. Hochachtend Saarlouis, 30. August. L. D. Corner. * Durch die Güte der Strauß'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. haben wir zur Vervollständigung unserer Mittheilungen zwei sehr hübsch ausgeführte Photographien erhalten, welche einer Reihe von Erinnerungsblättern an die Heldenthateu des Jahres 1870 entnommen sind. Das eine stellt den tapferen Kanonier M. Hirsch aus Wiesbaden dar, wie er bei Arthenay (2. Dezember 1870), nachdem eine feindliche Granate in die Batterie einschlug und die Mannschaft theils schwer verwundete, theils in die Flucht trieb, mit Hilfe eines Mannes unerschrocken weiter kämpfte. Das andere Bild stellt die Gefangennahme eines Franktireur- Offiziers durch den Dragoner Louis Lesser aus Berlin dar. Beide Bilder sind künstlerisch sehr fein ausgesührt; der Maler Hermann Junker ist bereits rühmlich bekannt; auch die photographischen Abbildungen dürfen als sehr gelungen bezeichnet werden. Vielleicht ist es uns gestattet, die heutige Serie unserer Kriegsgeschichten mit einer kleinen persönlichen Erinnerung zu schließen. Der Erste, der im Jahre 1871 zur ersten Feier des Sedantages den Heldenkrieg dramatisch verherrlicht hat, war der gegenwärtige Redakteur unseres Blattes, dessen Schauspiel „Deutsche Liebe" damals und auch später noch in Berlin, Breslau, Königsberg, Posen und anderen Städten aufgeführt wurde. Ja noch mehr: der zweite dramatische Autor, der dem Sedanfest gebührende Würdigung zu Theil werden ließ, war ebenfalls ein Jude, Herr Dr. Arnold Weisse, der Bruder des Herrn Rabbiner Dr. S. Weisse, ehedem Redakteur des „Hamburger Fremdenblattes", dessen patriotisches Drama „Ein deutscher Tag" mit großem Erfolg auf verschiedenen Bühnen zur Aufführung gekommen ist. Briefe aus Muhl and. ertrau auf Gott, thne Gutes, verbleibe im Lande und ernähre dich redlich!" - Auf diese leider nur zu lauge unbeachtet gebliebenen Lehren des Säugers der Psalmen beginnt die russische Judeuhcit sich allmählich wieder zu besinnen. Noch ist zwar der Argeutiuieurnnnuel nicht vorüber, noch reisen die Vertreter des St. Petersburger Komitees der Anglv-Jewish-Kolvnisation-Assoziation von Provinz zu Provinz, von Dors zu Tors, um die jüdischen Bauern zmn Berlassen der hcimathliche» Scholle zu bewegen; aber die knabenhafte Begeisterung für das „große Werk" ist unbestreitbar im Erlöschen begriffen und in meiten Kreisen der russischen Jndenheit bricht sich die Erkenntnis; Bahn, das; an eine Total-Emigrativn ans Nnsjland nicht zu denken ist, das; vielmehr die forcirteste Auswanderung »ach Argentinien, Palästina und die Bereinigten Staaten von Nord-Amerika nicht einmal iu> Staude ist, den natürlichen Zuwachs der jüdische» Bevölkerung Rußlands zu kompeiisireu. Demgemäß beginnt man in den Kreisen der Intelligenz zumal in der akademischen Jugend, wiederum mit mehr Liebe und Eifer an der Bekämpfung des materiellen und geistigen Nothstandes der jüdischen Massen zu arbeiten. Und wahrlich, ein reiches und fruchtbares Arbeitsfeld eröffnet sich hier Denjenigen, welche gewillt sind, ihre Kräfte in den Dienst der Volkssache zu stellen, denn wenn auch zugegeben werde» muß, daß für eine radikale Heilung der ungesunden Zustände im jüdische» Volksleben die Aufhebung der bestehenden Ausnahmegesetze unbedingte Voraussetzung ist, so wird doch andererseits kein Kenner der jüdischen Verhältnisse in Rußland bestreiten, daß es noch immerhin eine ganze Reihe von für das Volks- >vohl ungemein wichtiger Fragen giebt, deren Lösung ausschließlich, oder wenigstens vorwiegend von dem guten Willen der jüdischen Bevölkerung selbst abhängt. Als die wichtigste dieser Fragen dürfen wir wohl ohne Bedenken die der Jugenderziehung bezeichnen, mit welcher übrigens auch die meisten andere» hier in Betracht kommenden Fragen organisch verbunden sind. Was die häusliche Erziehung der Jugend betrifft, so ist dieselbe vorzugsweise Sache des Einzelnen und wird vo» jedeni Vater so gut oder schlecht geleitet werden, als es durch seine Bildung, seine ökonomische und soziale Lage bedingt ist. Hier kann die Allgemeinheit als solche nicht eingreifen, und höchstens die Presse könnte durch wohlerwogene, zweckentsprechende Rathschläge und Anregungen einen immerhin nennenswerthen Nutzen stiftin. Dagegen ist die Erz ehung in der Schule Sache der Allgemeinheit, und hier muß der Hebel angesetzt werden, »m eine Beseitigung nicht allein der geistigen, sondern auch der ökonomischen Misere des jüdischen Proletariats anzubahnen. I» den sechziger und siebziger Jahren glaubte man die Existenz einer solchen Frage negiren zu könne». Die allgemeinen Schulen standen den Kinder;: offen, und unsere Intelligenz gab sich der schwärmerischen Hoffnung hin, daß dereinst eine Zeit kommen werde, wo sümmtliche jüdische Knaben eine höhere Lehranstalt absolvirt haben werden. Um den Elementarunterricht und zumal den Religionsunterricht küinmerte man sich nicht, obgleich gerade damals die Verhältnisse für die Regelung dieses Unterrichts äußerst günstig lagen. Pta» glaubte die an und für sich berechtigte radikale Forderung der Trennung des geistlichen Unterrichts vom weltlichen auch für die russische Jndenheit erheben z» können und zu müssen, und wollte nicht einsehen, daß viele Väter schon aus pekuniären Gründe» nicht im Stande waren, ihre Kinder ins Gymnasium zu schicke», und viele andere, an und für sich der Bildung zivar durchaus nicht feindlich gesinnte Eltern doch Bedenken tragen ntüssen, ihre Kinder einem Erziehungsinstitute anzuvertrauen, ans welchem der jüdische Unterricht völlig verbannt war. Und so kam es, daß, während die Einen in Gymnasien und Universitäten eine vollkommen europäische Erziehung und Bildung genossen, dafür aber nicht nur von der jüdischen Religion, sondern auch von Inden und Judenthum nichts wußten, »och wissen wollte», — gleichzeitig die Andern in den Chedarim und Jeschiboth ans eine ausschließlich religiöse, höchstens auch noch jüdisch-wissenschaftliche Bildung beschränkt blieben. So wurde zwischen der Intelligenz und dem Volke eine Scheidewand errichtet, und Fanatismus und Selbstüberhebung, Haß und Verfolgung waren die weiteren Folgen. Uni dieselbe Zeit wurde in St. Petersburg die „Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den russischen Inden" ins Leben gerufen; sie kam in Mode, und bald schloß sich ihr ein großer Theil der geistigen, sowie der Finanz-Aristokratie an. Allein auch sie verkannte ihre Aufgabe vollkommen. Anstatt ihre» Wirkungskreis unmittelbar im Volke zu suchen und durch Errichtung von Elementarschulen als wi sie bat von Z Uiters Daß k Gefells und s Verbr« der U hatte, denen vo» i Fällen ein A die „h Inden Leistm verlor Daseii rnssisck von ei zu fas ausznl wurde Kreise russisö hervo; Most, dazu i sellschc den kl das § geschlc Publi wenig Mitgl bald befriei Name znguü Abga dankb hältni Freu: Leser Origi im G Geme Woch