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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-08-30 · Heft 35 (30.8.1895) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 35 (30.8.1895)
Date
1895-08-30
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Gesanrnrtotc sie in ist. Das rirt. Als Sogelsteinrblichenen. »ldschmidt- >m Amts- Von der Zruder des Leise kurz Rabbiner nach Herr t erfolgte lserer Ge- Viederkehr : Provinz sucht, am tm Gebete i. „Herr den Du en Tagen änmre fest das neue; erneuert u an uns ir empor, sen, was Was Du g wirken lle Gauen i ba§ gee hinweg rken, die st sich zu > Reiches Herr in ren dem alten, zu erlandes. gänglich, die Beerwähnte esprochen nge oder nen, die 'sen dem :lich am ndlich in gestalten emann. wr etwa eit und c seitens :den. — rrch den dete ein ct a. M. n hat er ihm ist Menschen werden uzählen. Lr besaß »arfsinn; er von rührender Herzensgüte, von wahrhaft kindlicher Anspruchslosigkeit und von einer in unserer Zeit fast unerhörten, oft bis zur Schroffheit gesteigerten Wahrheitsliebe. Die Vornehmheit seiner Gesinnung und die Feinheit seines Fühlens erhoben ihn weit über den Durchschnitt der Menschen. Aber alle die Anlagen und Fähigkeiten, die ihn auszeichneten, haben zu voller Entfaltung, zu reifer Ausgestaltung nicht gelangen können. Zum Studium des Rechts durch Neigung und Befähigung bestimmt, entsagte er demselben, weil er nicht hoffen durfte, dem orthodoxen Judenthum als Jurist treu bleiben zu können Um im Sinne seines Vaters leben zu können, ward er Kaufmann, ward er Vanquier. Aber sein den höchsten Interessen zustrebender Geist konnte mit den harten Realitäten seines Berufes sich nicht versöhnen. Er sehnte sich nach Höherem als nach Geldgewinn; Reichthümer zu sammeln und zu mehren, däuchte ihm kein Ziel, dessen Erreichung ein Menschenleben aussüllen dürfe. So vermochte er den Stachel eines verfehlten Berufes nicht aus seinem Herzen zu reißen. Von seiner Thätigkeit nicht befriedigt, den regen geistigen Verkehr, den das Vaterhaus ihm geboten, schmerzlich entbehrend, verlor er im ruhelosen Treiben der Börse den Glauben an sich selbst. Der Helle Geist, der in ihm lebte, verdunkelte stch; er hielt sein Thun für nutzlos und unfruchtbar. Wohl suchte er Entschädigung für Alles, was er vermißte, im Wohlthun, im stillen Wirken für andre Menschen, für Arme und Bedrängte. Er hat viele Thränen getrocknet, die Noth Vieler gelindert, die bange Sorge von Vielen ferngehalten. Und als vor Jahren mittelalterliche Barbarei Schaaren unglücklicher Juden aus Rußland ins Elend trieb, da war er verschwenderisch im Geben und Helfen, unermüdlich im Wecken und Anfeuern der Schlaffen und Gleichgültigen zu gleicher Liebesthätigkeit. Darum hat ihm denn auch die Liebe und Hochschätzung derer, die ihn kannten, nicht gefehlt. Von diesen Gesinnungen zeugen die zahlreichen Zeichen der Theilnahme, die seinen Angehörigen bei seinem frühen Heimgange zu Theil wurden. Beredten Ausdruck fanden sie in den schönen, tief empfundenen Worten, welche drei Freunde des Verewigten an seinem Grabe gesprochen haben: Rabbiner Dr. Horowitz, Dr. Heinemann und Direktor Dr. Bärwald. So darf es ausgesprochen werden: Felix Sachs hat nicht umsonst gelebt. Sein Andenken wird fortleben im Herzen Aller, die nicht blos die Außenseite seines Wesens geschaut, sondern in sein reines edles Innere zu blicken je Gelegenheit gehabt baben. Oesterreich - Unga rn. LI Wien, 26. August. Als ein Symptom der Stimmung, die selbst in Beamtenkreisen gegen die Juden herrscht, theile ich Ihnen Folgendes mit: Der oberösterreichische Landesausschuß hat am 24. Juli d I. einen mit den Staatsgrundgesetzen in krassem Widerspruch stehenden Beschluß gefaßt. Es handelt sich um das Gesuch eines der israelitischen Konfession angehörigen Arztes in Wien um eine Gemeindearztstelle in Oberösterreich. Der Referent beantragte, dem Gesuchsteller mitzutheilen, daß mehrere Stellen bereits besetzt wurden, bezüglich anderer die Besetzung im Zuge ist und von Seite jener Gemeinden, in welchen die Besetzung der Gemeindearztstelle noch nicht erfolgen konnte, erklärt wurde, daß sie mit Rücksicht auf die in Oberösterreich bestehenden Verhältnisse einen Arzt, welcher sich zu einer nichtchristlichen Religion bekennt, nicht zur Ernennung zum Gemeindearzt in Vorschlag bringen könnten. An diesen Antrag knüpfte sich eine Debatte, in deren Verlauf der Referent unter Anderm betonte, daß er mit seinem Antrag in vollster Uebereinstimmung mit der Bevölkerung Oberösterreichs ohne Unterschied der politischen Anschauung handle, und daß auch der Aerztestand dagegen sei, daß den Aerzten durch jüdische Aerzte Konkurrenz geschaffen werde. Der Referentenantrag wurde schließlich mit allen gegen eine Stimme angenommen. In dem hier erzählten Vorgänge liegt aber eigentlich nichts Ueberraschendes. Der oberösterreichische Landesausschuß ist in seiner überwiegenden Mehrheit klerikal, und warum sollte eine solche Körperschaft die staatsgrundgesetzlich gewährleistete Gleichberechtigung der Juden höher achten, als dies in verschiedenen Konkursausschreibungen staatlicher Behörden, ja sogar der Centralstellen der Fall war? — Auch in den mährischen Kurorten giebt es, wie ich Ihnen schon gemeldet, antisemitische Exzesse. In Roznau steigerten sich dieselben bis zur Unerträglichkeit, so daß zahlreiche Kurgäste folgendes Telegramm an bte mährische Statthalterei abzusenden genöthigt waren: „Hohe k. k. Statthalterei Brünn! Die an Leben und Ehre täglich bedrohten und attakirten israelitischen Kurgäste ersuchen eine hohe Statthalterei um Schutz und Recht. Falls nicht rasche Abhilfe erfolgt, sind ernstliche Zusammenstöße unvermeidlich. Josef Schallts, Sigmund König, Johann Kaiser aus Wien im Namen Aller." Es ist weit gekommen mit den öffentlichen Zuständen in Oesterreich, wenn nicht einmal hilfsbedürftige, kranke Menschen vor grundlosen brutalen Verfolgungen sicher sind. In Folge dieses Telegramms der israelitischen Kurgäste hat Freiherr von Spens-Boden den Bezirkshauptmann von Walachisch-Meseritsch, Baron Gastheimb, beauftragt, sofort eine Untersuchung einzuleiten. Der Statthalter begiebt sich übrigens mit dem Landeshauptmann nach Walachisch-Meseritsch, um die Arbeiten bei der Beezwa-Regulirung zu besichtigen und wird bei dieser Gelegenheit auch persönlich Informationen über die Roznauer Affaire einholen. — Der Leiter des Ministeriums für Kultus und Unterricht hat die Beschlüsse der betreffenden Professoren-Kollegien auf Zulassung des Phil, und Jur. Dr. Samuel Steinherz als Prioaldozenten für österreichische Geschichte an der philosophischen Fakultät der Universität in Wien und des Dr. Arthur Klein als Privatdozenten für interne Medizin an der medizinischen Fakultät der Universität in Wien bestätigt. — Herrn Sigmund Thalberg, Großhändler in Wien, wurde vom Sultan das Offizierskreuz des ottomanischen Osmanie-Ordens verliehen. — „Ihre Exzellenz Frau Helene Freiin v. Gablenz-Eskeles, k. und k. Geheimraths- und Generalswittwe in Wien, ist — so berichtet das Amtsblatt der „Wiener Zeitung" lakonisch — wegen Verschwendung unter Kuratel gestellt." Helene Freiin v. Gablenz-Eskeles ist die Wittwe des Feldzeugmeisters Ludwig Freiherrn v. Gablenz, der am 30. Januar 1874 in Zürich durch Selbstmord geendet hat. Sie hatte als Tochter und Erbin des Freiherrn Denis v. Eskeles bisher das freie Verfügungsrecht über das Substitutionsvermögen des Freiherrn v. Eskelesschen Fideikommisses. Diese kleine Mittheilung wiegt ganze Bände kulturgeschichtlicher Betrachtungen auf. Helene Eskeles war die Urenkelin des mährischen Landesrabbiners Gabriel Behrend Eskeles. Das sagt genug. . . . 6. Budapest, 26. August. Laut dem Beschlüsse des Ministerrathes werden gleich zu Beginn der am 27. September zu eröffnenden Berathungen des Abgeordnetenhauses die noch nicht erledigten Gesetzentwürfe über die freie Religionsübung und die Rezeption der jüdischen Religion auf die Tagesordnung gestellt. Vom ersteren Gesetz ist bekanntlich jene Bestimmung, welche die Konfessionslosigkeit betrifft, vom letztern jene, welche den Uebertritt zur Jüdischen Religion regelt, vom Magnatenhause noch nicht angenommen worden, weshalb diese beiden Punkte nochmals den Berathungen unterzogen werden müssen. Der Uebertrittsparagraph soll nach den bestehenden Intentionen in das Gesetz über die freie Religionsübung ausgenommen werden, so daß die vom Magnatenhause ohne den Uebertrittsparagraphen angenommene Vorlage über die Rezeption der Sanktion unterbreitet werden könnte. — Rabbiner Dr. Steinherz-Stuhlweißenburg und Rabbiner Büchler-Moor fordern mit Berufung auf eine gelegentlich des Blochjubiläums erfolgte Vereinbarung ihre Amtskollegen auf, im Oktober eine Rabbiner- Konferenz abzuhalten, die über folgende Punkte verhandeln soll: a) Auf welche Weise wäre die konfessionelle Matrikelführung resp. die Evidenzhaltung der rituellen Ehen, Scheidungen u. s. w. einzuführen, b) Nähere Bestimmung der Kompetenz der Gemeinden resp. der Matrikelbezirke bezüglich der Trauungen ihrer in ihrem Sprengel wohnhaften Mitglieder, c) Welche Vorkehrungen wären zu treffen, damit unsere Konfession durch das Jnslebentreten der kirchenpolitischen Gesetze keine Einbuße erleide, ä) Die Gründung eines Rabbinerverbandes, e) Die Ausarbeitung eines Unterrichtsplanes für den Religionsunterricht in den Mittelschulen. — Im Spital der Pester israelitischen Religionsgemeinde wurden im vergangenen Jahre 1355 Kranke an 31,512 Verpflegungstagen behandelt. 12l/z pCt. dieser Kranken und 52l/2 pCt. dev ambulanten (14,308) waren Nichtjuden. Die Gemeinde opferte für Krankenpflege 123,000 Kronen — Der Privatdozent Dr. Bernhard Alexander wurde zum Professor der Geschichte und Philosophie an der hiesigen Universität ernannt Knlgarie«. r. Sofia, 23. August. Zum Empfange des Prinzen Ferdinand wurden seitens der Stadtgemeinde die Vertreter der jüdischen Gemeinde, wie die gesammte jüdische Geistlichkeit eingeladen. Alles rüstete sich zum feierlichen Momente und legte Priestergewänder an, welche in einem

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