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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-08-30 · Heft 35 (30.8.1895) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 35 (30.8.1895)
Date
1895-08-30
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 Köttner, das Fest des 80. Geburtstages und das 50jährige Amtsjubiläum. Zahlreiche Glückwunschschreiben und Telegramme legten Zeugniß ab von der Achtung, deren sich der rüstige Greis auch in weiteren Kreisen erfreut. Am Vormittag fand in der Wohnung des Jubilars eine kleinere Feier statt, an der sich die Familie desselben, der Vorstand der Synagoge, vertreten durch Herrn Jakob Bamberger, und zahlreiche Mitglieder der Gemeinde betheiligten. Nach dem Vortrage eines deutschen Psalmes durch den Synagogenchor hielt Herr Rabbiner Dr. Petuchowski eine ergreifende Ansprache an den Jubilar, in der er ihm für die 'treuen Dienste während dieses langen Zeitraumes dankte, im Namen der Gemeinde die besten Glückwünsche darbrachte und das Gebet anfügte, daß es ihm noch recht lange vergönnt sein möge, in Frische und Rüstigkeit seines heiligen Amtes zu walten. fn. Antonienhütte, 25. August. Unsere Gemeinde hat den Verlust eines ihrer ältesten angesehensten Mitglieder zu beklagen. Am 19. d. M. erlöste der Tod den früheren langjährigen Vorsitzenden, Herrn S. Freund, von seinem langen schweren Leiden. Der Verstorbene erreichte das hohe Alter von 76 Jahren. Von seinem regen Interesse, welches er schon seit vielen Jahren dem Gemeindewohl entgegenbrachte, zeugte bis vor Kurzem die alte Synagoge, deren Entstehen zumeist seinen eifrigen Bemühungen zu verdanken war, die aber einer den jetzt modernen Ansprüchen gemäßen neuen Synagoge Platz machen mußte. Nach einem Leben redlicher, mühsamer Arbeit genoß der Verblichene einen sorglosen Lebensabend. Seine irdischen Reste werden nach Nikolai zu Grabe gebracht. r. Schweidnitz, 24. August. Seinen 70. Geburtstag feierte gestern der Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde, Abraham Blumenfeld. Aus Anlaß dessen wurde der allbeliebte Prediger reichlich beschenkt und gingen ihm von den vielen Freunden die zahlreichsten Glückwünsche ein. Sein Leben und Wirken galt dem geistigen und leiblichen Wohl seiner Gemeinde, doch auch Andersgläubigen hat er mit Rath und That jederzeit freudig zur Seite gestanden. Trotz unausgesetzter Mühen, trotz schwerer Schicksalsschläge hat sich der Siebzigjährige ein sonniges, heiteres Gemüth bewahrt, und da in unserer an Pessimismus erkrankten Zeit eine gesunde Seele erst recht nur in einem gesunken Körper wohnen kann, läßt denn auch die körperliche Rüstigkeit des greisen Geburtstagskindes nichts zu wünschen übrig. Herr Blumenfeld ist ein eifriges Mitglied des hiesigen Lehrervereins, dem er schon viele Jahre angehört. Und so konnte auch der Lehrerverein den Tag nicht vorübergehen lassen, um dem Jubilar seine Glückwünsche darzubringen. Möge es denn Herrn Blumenfeld vergönnt sein, noch viele Jahre, geehrt von seinen Glaubensbrüdern und hochgeachtet von seinen andersgläubigen Mitbürgern, sich des Lebens freuen zu können. Crossen a. O., 24. August. Am 16. d. M. fand in der hiesigen Synagogengemeinde vor zahlreich versammelten Glaubensgenossen die Einsegnung eines Diamant-Jubelpaares, der Meyer Sarnow'schen Eheleute, statt Herr Kantor Kleinhändler hielt die Traurede und betonte darin, wie durch Gottes Gnade dem Jubelpaare nach einem Leben voll Mühe und Arbeit, das beseelt war von dem wahren Geist der Frömmigkeit, endlich in einem schönen Greisenalter der Ehrentag erschienen, dessen sie sich wahrlich durch ihre Rüstigkeit und Frische, die noch ein Abglanz ihrer Jugend, nicht zu schämen brauchten. Ein Schmuck sei ihr Greisenalter in der That und eine Krone in Ehren. Möge sie noch lange durch Gottes Fügung strahlen. Ki. Neustettin, 26. August. Einen unersetzlichen Verlust hat unsere Gemeinde erlitten. Am 20. d. hat ein Herz voll edler Menschenliebe zu schlagen aufgehört. Herr Rabbiner Hoffmann wurde aus diesem Leben in ein besseres Jenseits abberufen. Seiner Familie ist das heißgeliebte Oberhaupt, der hiesigen jüdischen Gemeinde ihr Führer, ihre Zierde und Krone entrissen worden. Durch sein ruhiges Wesen und die Biederkeit seines Charakters wußte er sich die Liebe seiner Gemeinde in hohem Grade zu erwerben. Aber nicht nur bei seinen Glaubensgenossen, sondern auch in der ganzen Stadt erfreute er sich der größten Hochachtung. Von der Liebe, die der Verstorbene genoß, legte sein Leichenbegängniß das beste Zeugniß ab. Unter Voranschreiten der jüdischen Schüler des Gymnasiums und der Stadtschule, deren Religionslehrer er 15 Jahre war, bewegte sich der lange Leichenkondukt, begleitet vom Vorstande und Gemeindemitgliedern, dem Direktor und den Lehrern des Gyrnnasiums, sowie mehreren Deputationen der kleineren Gemeinden mit ihren Kantoren, die zum hiesigen Rabbinat gehören, vom Trauerhause nach der Synagoge, woselbst auf einstimmigen Beschluß des Gesammtvorstandes denr edlen Todten eine Ehrung zu Theil wurde, wie sie in unserer Gemeinde bisher noch keinem Todten widerfahren ist. Das Innere der Synagoge war der ernsten Feier entsprechend dekorirt. Als Erster betrat die schwarz drapirte Kanzel Herr Rabbiner Dr. Bogelstein- Stettin. In beredten Worten schilderte er die Vorzüge des Verblichenen. Mit schwerem Herzen betrat auch Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt- Kolberg die Kanzel, im Aufträge des Rabbinerverbandes seinem Amtsbruder und Freunde den letzten Scheidegruß zuzurufen. Von der Synagoge bewegte sich der Zug nach dem Friedhofe, wo der Bruder des Verblichenen Herr Dr. Hoffmann-Berlin in herzergreifender Weise kurz das Leben des Verstorbenen schilderte. Nachdem sprach Herr Rabbiner Dr. Glogowski-Konitz Trostworte an die Hinterbliebenen, wonach Herr Prediger Bauer-Köslin ein kurzes Gebet verrichtete. Sodann erfolgte die Beisetzung. Unvergessen wird der Dahingeschiedene in unserer Gemeinde bleiben. Er ruhe in Frieden! 32 Hannover, im August. Anläßlich der 25jährigen Wiederkehr des Gedenktages bei Sedan haben die Landrabbiner der Provinz Hannover die Herren Vorsteher der Synagogen-Gemeinden ersucht, am Sabbathe vorher, dem 31. d. Mts., im Morgengottesdienste beim Gebete für Kaiser und Reich die folgenden Worte einschalten zu lassen. „Herr und Vater! Wir gedenken heute vor Dir des großen Tages, den Du vor nunmehr 25 Jahren herausgehoben aus den andern großen Tagen einer ruhmreichen Zeit, durch den die Einheit der deutschen Stämme fest gegründet und der feste Grund gelegt worden ist, auf welchem das neue Reich in Macht und Herrlichkeit sich erhoben. In unserer Seele erneuert sich die Erinnerung an all das Große und Gewaltige, das Du an uns geübt, und auf unfern Altären steigen Opfer des Dankes zu Dir empor, der Du ungeahnt in herrlichster Vollendung hast erstehen lassen, was zahlreiche Geschlechter in hartem Ringen vergebens erstrebt. Was Du in jener großen Zeit gethan, lasse es, o Herr, wieder lebendig wirken auf uns und uns erfüllen mit jenem Geiste, der damals über alle Gauen des Landes geschwebt, auf daß in begeisterter Hingebung an das gemeinsame Vaterland alle seine Bewohner über das Trennende hinweg sich die Hand zum Bunde reichen und einheitlich Zusammenwirken, die großen Segnungen jener denkwürdigen Tage rein und ungetrübt sich zu bewahren und zu vererben auf die spätesten Nachkommen. Des Reiches Schirmherrn aber, unjerm Kaiserlichen Herrn, wollest Du o Herr in Deiner Gnade gewähren, — was seine ruhmreichen Vorfahren dem Volk erkämpft, in langer reich gesegneter Regierung zu erhalten, zu festigen und zu mehren zum Heile des ganzen deutschen Vaterlandes. Amen." In dem betreffenden Cirkular heißt es weiter: Wo angänglich, ist die Feier noch durch einen gottesdienstlichen Vortrag über die Bedeutung des Tages zu heben, und kann in diesem Falle das vorerwähnte Gebet, statt nach dem Kaisergebet, auch nach dem Vortrage gesprochen werden. Ob und in welcher Weise sonst noch durch Gesänge oder Rezitiren von Psalmen, zu welchem sich Psalm 46 und 111 eignen, die Feier gehoben werden kann, ist nach den lokalen Verhältnissen dem Ermessen der einzelnen Gemeinden überlassen. Die alljährlich am 2. September selbst stattfindende Schulfeier wird selbstverständlich in diesem Jahre von den Herren Lehrern besonders erhebend zu gestalten sein Die Landrabbiner der Provinz Hannover. Dr. Gronemann. Dr. Lewinsky. Dr. Löb. r. Wesel a. Rh., im August. Dem Vorsitzenden unseres vor etwa einem Jahre gegründeten Vereins „Harmonie" (die Geselligkeit und jüdische Wissenschaft pflegend) Herrn Zahnarzt Neustadt, ist seitens der Universität Bonn der Dr. med. cum laude verliehen worden. — Ebendaselbst ist der cand med. Zaudy, von hier gebürtig, durch den Hohenzollernpreis — M. 300 — ausgezeichnet worden. F. Frankfurt a. M., 26. August. Am 15. d. M. endete ein sanfter Tod die langen Leiden des Herrn Felix Sachs in Frankfurt a. M. Er war ein Sohn des Dr. Michael Sachs zu Berlin. Von ihm hat er herrliche Gaben des Geistes und Herzens geerbt; die Liebe zu ihm ist der Leitstern seines Lebens gewesen. Wenn der Werth eines Menschen nach dem innersten Kern seines Wesens bestimmt und geschätzt werden darf, dann ist Felix Sachs den besten Männern unserer Zeit beizuzählen. Denn nicht gewöhnliche Eigenschaften waren in ihm vereinigt. Er besaß eine blitzschnelle Auffassungsgabe und einen außerordentlichen Scharfsinn; er war kunstsinnig, sprachfertig und redegewandt. Daneben war er von

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