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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-08-30 · Heft 35 (30.8.1895) · p. Seite 420

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 35 (30.8.1895)
Date
1895-08-30
Page
Seite 420 (sequence 14)
Language
German
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420 Spvechfaat. fas gräßliche Elend, welches, wie Sie wiederholt berichteten, verheerende Feuersbrünste über mehr als dreißig tausend unserer Brüder gebracht haben, muß jedem Menschenfreund ans Herz greifen und ihn zu thätiger Mitwirkung an der Linderung des grausigen Nothstandes anspornen. Leider hat es den Anschein, als ob in diesem Falle der bewährte jüdische Opfersinn sich nicht in gewohntem Maße bethätige, was seinen Grund darin haben dürfte, daß die Kalamität in ihrem ganzen Umfange nur Wenigen bekannt geworden und daß heimische Bedürfnisse die Leistungsfähigkeit gerade jetzt überstark in Anspruch nehmen. Die traurige Thatsache, daß immer neue erschütternde Hiobsposten aus Rußland eintreffen, muß auf Mittel sinnen lassen, wie Hilfsquellen geschaffen werden können, ohne daß der Einzelne zu neuen Leistungen verpflichtet wird. Ich gestatte mir nun einen Vorschlag, dessen Ausführung sich bei früheren Gelegenheiten auf das Erfreulichste bewährt hat und, wie ich überzeugt bin, auch in diesem Falle schönen Erfolg haben wird. Dieser Vorschlag geht dahin, daß an einem bestimmten Sabbath in sämmtlichen jüdischen Gemeinden die beim Aufruf zur Thora votirten Spenden für die Abgebrannten bestimmt werden. Es bedeutet das für die Gemeinden und ihre Wohlthätigkeitsvereine einen kaum nennenswerthen Ausfall, der ja ev auch freudig getragen werden würde; es bedeutet ferner für den Einzelnen ein leicht zu tragendes Opfer, während das Ergebnis; sich sicherlich zu einem namhaften Betrage summiren würde, zmnal wenn in Anbetracht des ganz außerordentlichen Zweckes entsprechende größere Spenden bewilligt oder vom Vorstande festgesetzt würden, und wenn noch dazu in allen denjenigen Gemeinden, in welchen die Alijoth verkauft werden, auch deren Erträgniß dem gleichen Zwecke zugeführt würden. Alle Berichte stimmen darin überein, daß schleunigste Hilfe Noth thut, und es bedarf ja auch nicht langer Ueberlegung. Ich gestatte mir daher den ferneren Vorschlag, daß der Sabbath, der 31. d. M., zur Ausführung gewählt werde. Soll dies geschehen, so ist Vorbedingung, daß sämmtliche jüdische Blätter dieser meiner Anregung Aufnahme gewähren und dieselbe so sämmtlichen Gemeindevorständen vermitteln. Ich zweifle nicht, daß dies geschehen wird; es handelt sich ja um ein Werk der Bruder- und Menschenliebe, wie es förderungswürdiger kaum gedacht werden kann. Berlin, 20. August. Dr. Arnold Tobias * (s . . *u *n ^ex^u wohnender Luxemburger, der gegenwärtig hier zum Besuche seiner Eltern weilt, theilt mir soeben mit, daß ein Berliner Blatt vor einigen Wochen der Welt die unerhörte Neuigkeit von hier gemeldet, daß die hiesige israelitische Gemeinde ihre Synagoge an das Kloster der Nonnen verkauft; in Verbindung mit dieser Thatsache wurden einige wenig schmeichelhafte Bemerkungen für die hiesige Gemeinde gemacht, um den materiellen und irreligiösen Sinn der Juden im Allgemeinen und der hiesigen Gemeinde im Besondern zu charakterisiren. Auch Ihre Zeitung hat wohl nach dem Beispiele der politischen Blätter in Nr. 29 unter „Von Nah und Fern" die Notiz gebracht Ein bekanntes orthodoxes Hetzblatt aber ging noch weiter und schrieb hinter dem Berichte der entstellten Thatsache „Kommentar überflüssig". Zur Richtigstellung der Thatsache will ich Ihnen kurz berichten: Es handelt sich hier einfach um den Verkauf des an das Kloster grenzenden Gebäudes, das im Jahre 1823 von einem Gendarmeriegebäude zum Zwecke gottesdienstlicher Versammlung zu einer Synagoge umgewandelt wurde. Nachdem die hiesige Gemeinde mit den allergrößten Opfern einen herrlichen Neubau in der schönsten Lage der Stadt nach den Plänen des genialen Professors Ludwig Levy tu Karlsruhe errichtet, das das schönste Baumonument der Stadt bildet und der Gegenstand der Bewunderung von Fremden und Einheimischen ist, nachdem unsere neue Synagoge am 28. September v. I. ihrer Bestimmung übergeben wurde, hat die Gemeinde die alte, seit einem Jahre nicht mehr im Gebrauche sich befindende Synagoge dem angrenzenden Kloster, dem einzigen Kaufliebhaber, verkauft. Hochachtend Luxemburg, 15. August Rabbiner Dr. I. Blumen stein. * Hochgeehrter Herr Redakteur! ^Ätm Interesse der gemeinnützigen und für die jüdische Jugend sehr wichtigen Erziehungsanstalt in Ahlem bei Hannover ersuche Ew. Wohlgeboren höflichst. Folgendes in Ihre geschätzte Zeitschrift aufnehmen zu wollen: Seit Jahr und Tag werden in Ihrem geschätzten Blatte Berichte über die von Herrn Konsul Simon in Ahlem begründete Erziehungsanstalt veröffentlicht, die wohl geeignet sind, das Interesse weiterer Kreise für eine Institution zu wecken, welche in der Erziehung armer Knaben zu redlicher Arbeit Hervorragendes leistet. Leider aber sind bis nun die zahlreichen Ausrufe um materielle Unterstützung dieser Anstalt seitens unserer Glaubensgenossen, namentlich in Berlin, von nur geringem Erfolge geblieben, obwohl dieselbe erst dann in ausgedehnterem Maße den gestellten Anforderungen gerecht werden kann, wenn sie über hinreichende Mittel verfügt, um wenigstens einen Theil der sich noch meldenden Knaben aufnehmen zu können. Ich hatte Gelegenheit, diese Anstalt zwei Mal zu besuchen, indem ich im Aufträge des Kuratoriums der Baron Hirsch-Stiftung Zöglinge aus Galizien derselben zuführte. Als schwächliche Knaben hatte ich sie im vorigen Jahre nach Ahlem gebracht, und siehe da — im Verlaufe eines Jahres sind sie zu kraftstrotzenden Jünglingen herangewachsen, denen gar keine, wenn auch noch so schwierige Feld- und Gartenarbeit Sorge macht. Unverdrossen und mit sichtlicher Vorliebe arbeiten sie trotz der tropischen Hitze, indem der Schweiß ihnen von der Stirne trieft, dem biblischen Ausspruche gemäß: „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du Brod essen." Auch die Zöglinge, welche sich dem Handwerke dortselbst widmeten, haben in denffelben bedeutende Fortschritte gemacht, so daß diese Anstalt wohl mit Recht zu den segensreichsten der philanthropischen Institute gezählt werden kann. Mit großem Bedauern habe ich daher wahrnehmen müssen, daß vielen aus allen Theilen Deutschlands sich meldenden Knaben infolge Mangels an Mitteln zur Erweiterung der Anstalt die Aufnahme verweigert wird. Und doch verlangen ja diese armen Knaben nichts mehr, als daß man sie in der Arbeit unterweise, damit sie in Zukunft ihr Brod redlich verdienen können. Herr Konsul Simon hat weder Geld noch Mühe gespart, um diese Anstalt ins Leben zu rufen, und jetzt tritt an unsere bemittelten Glaubensgenossen die Aufgabe heran, dieselbe kräftigst zu unterstützen. In Berlin, wo ich mich kurze Zeit aufhielt, habe ich einige der hervorragendsten Mitglieder der dortigen Gemeinde in Angelegenheit der Anstalt zu Ahlem gesprochen und habe die Ueberzeugung gewonnen, daß diese Anstalt sich der Sympathien der maßgebenden Persönlichkeiten erfreut. Ich betrachte es als eine heilige Pflicht, auch auf diesem Wege die Aufmerksamkeit all' derjenigen Wohlthäter, denen die Zukunft armer, jüdischer Knaben am Herzen liegt, auf diese auf dem Kontinente einzige jüdische Institution zu lenken und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung Kolomea, 18. August. Wilhelm Grünes, Direktor der Baron Hirsch-Stiftungsschule. * Warnung! am Sonnabend den 6. d. M. hielt sich hier ein junger Schnorrer __ (nebst Frau) auf, dessen Papiere auf den Namen Joseph Cohn aus Conni in Galizien lauteten. Er machte einen ganz guten Eindruck und besuchte Freitag Abend und auch am Sabbath die Synagoge. Aus Dankbarkeit für die ihm in der Gemeinde zu Theil gewordene Gastfreundschaft nahm er ein sehr werthvolles seidenes Talles mit. Auch in Hildesheim gelang es dem betreffenden Schnorrer, durch Vorzeigung falscher Papiere verschiedene Schwindelmanöver auszuführen. Es wird hierdurch vor dem Schwindler gewarnt resp. darum gebeten, der Redaktion von der eventuellen Ergreifung desselben gefl. Mittheilung zu machen. Witzenhausen, im August. M. N. Druck und Berlaa von Rndvlf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Atax Banchivitz in Berlin.

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